Warum nicht mal frech und unkonventionell? Das Experiment Motivationsschreiben.

Dieses Experiment Motivationsschreiben (Sie finden es etwas weiter unten, gleich nach dem Bild) habe ich bei rund 100 ‚Probanden‘ ‚getestet‘. Immer mit identischem Inhalt. Sie möchten wissen, was dabei herausgekommen ist? Schauen Sie sich die Analyse an.

Experiment Motivationsschreiben: Wer sich gegen 100 oder 200 Mitbewerber*innen durchsetzen will, muss unter Umständen kreative Ideen haben.
Experiment Motivationsschreiben: Wer sich gegen 100 oder 200 Mitbewerber*innen durchsetzen will, muss unter Umständen kreative Ideen haben.

Sehr geehrte Damen und Herren

Diese Motivationsschreiben ist scheisse. Es ist vielleicht besser, wenn Sie gleich die nächste Bewerbung zur Hand nehmen und die vorliegende auf den C-Haufen packen. Sie haben ja wahrscheinlich noch 200 andere Bewerbungen zu sichten. Es ist also ohnehin unmöglich, alle Bewerbungen eingehend zu prüfen. Es besteht die Gefahr, dass Sie mit dieser Bewerbung Zeit vertrödeln, es wäre also wirklich sinnvoll, Sie würden sie spätestens nach diesem Satz zum Altpapier legen.

Pardon!, das ist ja Unsinn – Sie können sie ja gar nicht zum Altpapier legen, es ist ja eine papierlose Bewerbung. Aber Sie sollten die Bewerbung nun fachgerecht vernichten, mit einem Programm für elektronische Datenvernichtung. Datenschutz ist wichtig, und so will eben auch eine Bewerbung professionell vernichtet sein.

Diese Bewerbung ist ein Akt der Verzweiflung. Verzweiflung? Habe ich jetzt gerade Verzweiflung gesagt? Nein, ganz so schlimm ist es nicht. Aber es gehört eine ordentliche Portion Selbstüberschätzung dazu, wenn man sich auf eine Stelle bewirbt, auf welche sich noch mehrere hundert, mindestens genauso gut qualifizierte Bewerber*innen bewerben.

Was, Sie sind immer noch dabei? Dies sagt mehr über Sie und Ihre Arbeitsweise aus als Ihnen lieb ist: Sie haben eine Schwäche fürs Unterhaltsame. Denn sonst hätten Sie die vorliegende Bewerbung schon längst weggelegt. Es macht ja nun auch wirklich keinen Sinn, eine Person einzustellen, die einen verarscht, noch ehe man sie kennengelernt hat.

Ich könnte Ihnen nun sagen, weshalb ich für die ausgeschriebene Stelle die perfekte Person bin. Weil ich diese und jene aussergewöhnlichen Qualifikationen vorweise, die sonst keine andere Bewerber*in wird vorlegen können (das ist kein Scherz – ich würde mit Ihnen um sehr viel Geld wetten, dass sich auf Ihrem riesigen virtuellen Stapel keine zweite Soziolinguistin und Allgemeine Ökologin befindet), weil ich es auch menschlich draufhabe (abgesehen von konstruktiver Kritik hat man vor mir nichts zu fürchten) und erst die soft skills. Da es allerdings sehr unwahrscheinlich ist, dass Sie wirklich genügend Zeit haben, diese Selbstbeweihräucherungen zu lesen, wäre es zu schade gewesen, sie zu schreiben.*

Freundliche Grüsse

Selma Junele

*Falls Sie nun tatsächlich immer noch dabei sind (ich habe Ihnen mindestens dreimal angeraten, NUN ENDLICH die nächste Bewerbung zur Hand zu nehmen – mehr kann ich nicht tun), dann sollten Sie VIELLEICHT doch überlegen, ob Sie sich nun noch mein übriges Dossier ansehen.

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