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Center for the Study of Language and Society CSLS

Philosophisch-historische Fakultät

Masterarbeit

Das Klima in Leser*innenkommentaren. Was bewirken zwei Klimawissenschaftler,  die sich in Kommentarforen von Onlinezeitungen einmischen?

 

Betreuung

Prof. Dr. Martin Reisigl

 

Abgabetermin

1. August 2016

 

Autorin

Selma Junele

Matrikelnummer 08-115-628

Major Soziolinguistik

Minor Allgemeine Ökologie

selma.junele@students.unibe.ch

Dank

Nach rund einem Jahr intensiver Arbeit liegt sie nun vor: Meine Masterarbeit. Dafür, dass sie heute in dieser Form vorliegt, bin ich zahlreichen Personen zu Dank verpflichtet.

An erster Stelle möchte ich meinem Betreuer Prof. Dr. Martin Reisigl danken, der mir stets und auch des Öfteren kurzfristig mit Rat und Tat zur Seite gestanden ist, sei es im Rahmen schriftlicher und mündlicher Sprechstunden und Feedbacks in unterschiedlichen Stadien der Arbeit oder durch das Verfassen eines Empfehlungsschreibens zu Händen der Klimatologen und der (potenziellen) medialen Partner*innen. Daneben danke ich auch Nadine Kammermann, Doktorandin von Prof. Dr. Martin Reisigl, für ihre Inputs bei der Kategorisierung der klimaskeptischen Argumente.

Ein herzlicher Dank geht des Weiteren an Dr. Gian-Kasper Plattner und Prof. Dr. Stefan Brönnimann, welche mit grossem Engagement in verschiedenen Onlinezeitungen via Kommentarforen den Aus­tausch mit insbesondere klimaskeptischen Poster*innen gesucht haben und die trotz der langen Versuchsphase und verschiedener technischer Hürden bis zum Schluss mit dabei waren. Gian-Kasper Plattner danke ich darüber hinaus für das Korrekturlesen von Kapiteln, die sich explizit auf die Klimawissenschaften beziehen, und in diesem Zusammenhang verfasste umfassende und erhellende Erklärungen, welche in die Weiterentwicklung der entsprechenden Kapitel miteingeflossen sind.

Martin Läubli, Wissenschaftsredaktor beim Tages-Anzeiger, danke ich für seine Klimaartikel, die Vorankündigung der Klimatologen im Forum und damit in Zusammenhang stehende Abklärungen, sowie für die Vermittlung von zwei Beauftragten für Social Media, welche mir Zugang zu den Daten aus dem Backend verschafft haben. Ohne die Artikel von Martin Läubli und damit verbundene Zusammenarbeit wäre ein grosser Teil der vorliegenden Daten nicht entstanden. Mathias Möller, Mitglied des Teams Leserforum und Social Media beim Tages-Anzeiger, danke ich für die Bereit­stellung der Backend-Daten in Form von Screenshots. Jan Rothenberger, Leitung des Teams Leserforum und Social Media danke ich für die Bereitstellung der Backend-Daten als Tabellen sowie für das Ermitteln der Zugriffszahlen auf die relevanten Artikel.

Letztendlich danke ich auch meinem Lebensgefährten, der mich ideell und finanziell, aber auch tatkräftig, in Form von besonders intensiver Betreuung unserer Kinder insbesondere in der Abschluss­phase, unterstützt hat.

 

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Klimawandel und Klimaskeptiker*innen

2.1 Klimawandel

2.2 Klimaskeptiker*innen und deren Argumente

2.2.1 Skepsis gegenüber (wissenschaftlich fundierten) Feststellungen, Analysemöglichkeiten, Aussagen und Handlungskonzepten

2.2.1.1 Ursachenskepsis: Skepsis gegenüber der Feststellung, dass der Klimawandel anthropogen (mit)verursacht ist

2.2.1.2 Problemskepsis: Skepsis gegenüber der Aussage, dass der Klimawandel ein Problem ist oder in Zukunft ein Problem sein wird

2.2.1.3 Erwärmungsskepsis: Skepsis gegenüber der Feststellung, dass sich das Klima erwärmt

2.2.1.4 Prognoseskepsis: Skepsis gegenüber Klimaprognosen oder gegenüber der grundsätzlichen Möglichkeit, Klimaprognosen erstellen zu können

2.2.1.5 Variabilitätsskepsis: Skepsis gegenüber der Feststellung, dass es einen natürlichen Klimawandel gibt

2.2.1.6 Mitigationsskepsis: Skepsis gegenüber Massnahmen mit dem Ziel, Treibhausgaskonzentrationen weniger schnell ansteigen zu lassen und langfristig zu stabilisieren

2.2.2 Skepsis gegenüber (wissenschaftlichen) Akteur*innen im Bereich Klimawandel

2.3 Klimaskeptiker*innen und Suchvorschläge

3 Forschungsstand: Kontroverse Wissenschaftskommunikation

3.1 Geschichtliches zur Wissenschaftskommunikation

3.2 Hemmschwellen und Hindernisse in der (Online-)Wissenschaftskommunikation

3.3 Wissenschaftskommunikation zum Klimawandel und der Umgang mit wissenschaftlichen Unsicherheiten

3.4 Kontroversen als Schlüssel zur Wissenschaft?

4 Theorien und Methoden

4.1 Anschlussfähige Theorien

4.1.1 Audience Design

4.1.2 Kognitive Dissonanz

4.2 Theoretische und methodische Grundlage: Die Wiener Kritische Diskursanalyse

4.2.1 Abgrenzung von und Gemeinsamkeiten mit ähnlichen Ansätzen

4.2.2 Zentrale Begriffe

4.2.2.1 Der Begriff Diskurs

4.2.2.2 Der Begriff Kritik

4.2.3 Methodische Annäherung

4.3 Einschlägige Forschungsbeispiele aus dem Bereich Kritische Diskursanalyse

4.3.1 Bernhard Forchtner 2015

4.3.2 Niku Dorostkar & Alexander Preisinger (2012; 2013)

4.3.3 Martin Reisigl & Ruth Wodak 2016

5 Pilotanalyse

5.1 Einleitung

5.2 Blick: „Studie warnt vor Klimawandel. Sieht der Aargau in 50 Jahren so aus?“

5.2.1 Analyse der Kommentare

5.2.1.1 Design der Kommentare und der Poster*innennamen

5.2.1.2 Wie viele Kommentarschreiber*innen und weitere Leser*innen sind klimaskeptisch gesinnt und wie viele klimabewegt?

5.2.1.3 Klimaskeptische Argumente

5.2.1.4 Wieviel Interaktion darf es sein?

5.2.2 Analyse des Artikels

5.2.3 Verhältnis der Kommentare zum Artikel

5.3 Tages-Anzeiger: „Ein Indiz mehr für den Klimawandel“

5.3.1 Analyse der Kommentare

5.3.1.1 Design der Kommentare

5.3.1.2 Die Kommentare in Zahlen

5.3.1.3 Klimaskeptische Argumente

5.3.1.4 Auf der Suche nach ‚umgestimmten Klimaskeptiker*innen‘

5.3.1.5 Das Klima in Leser*innenkommentaren – Anmerkungen zum ‚Umgangston‘

5.3.1.6 Wissenslücken – von der Schwierigkeit, ohne klimawissenschaftliche Ausbildung fachlich adäquat auf klimaskeptische Kommentare einzugehen

5.3.2 Analyse des Artikels

5.3.3 Verhältnis der Kommentare zum Artikel

6 Versuchsdaten: Erhebung und Analyse

6.1 Schritte auf dem Weg zu den Versuchsdaten

6.2 Vorbemerkungen zur Datenanalyse und Bestimmung des Begriffs Thread

6.3 Analyse der Versuchskommentare

6.3.1 Blick

6.3.1.1 „Historisch und enttäuschend. Warum der Klimavertrag nur ein halber Erfolg ist“

6.3.2 TagesAnzeiger

6.3.2.1 „Die ‚Klimapause‘ ist zu Ende“

6.3.2.2 „‚Klima-Irrsinn beenden‘“

6.3.2.3 „10 Fragen in der heissen Phase des Klimagipfels“

6.3.2.4 „2015 war das heisseste Jahr seit Messbeginn“

6.3.2.5 „Die Schadenssumme steigt schneller als der Meeresspiegel“

6.3.2.6 „Ein Winter der Rekorde“

6.3.3 NZZ

6.3.3.1 Vorbemerkungen zum Forum der NZZ

6.2.3.2 „Klimavertrag von Paris. Herkules im globalen Treibhaus“

7 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

7.1 Zusammenfassung Forschungsstand

7.2 Zusammenfassung Analyse

7.3 Schlussfolgerungen

7.4 Reflexion ungelöster Fragen und problematischer Aspekte der Arbeit

7.5 Ausblick auf zukünftige Forschung/Desiderata

8 Bibliografie

8.1 Wissenschaftliche Publikationen

8.2 Weitere Publikationen

8.3 Analyserelevante Klimaartikel in Onlinezeitungen

8.3.1 Pilotanalyse

8.3.2 Versuchsdaten

9 Abbildungsverzeichnis

10 Tabellenverzeichnis

11 Anhang

11.1 Anhang 1: Tabelle 37 bis Tabelle 40

11.2 Anhang 2: Abbildung 12

11.3 Anhang 3: Nützliche Informationen fürs Kommentieren

11.4 Anhang 4: Backend-Daten

11.4.1 Freigegebene Kommentare

11.4.1.1 „Ein Indiz mehr für den Klimawandel“

11.4.1.2 „Die ‚Klimapause‘ ist zu Ende“

11.4.1.3 „‚Klima-Irrsinn beenden‘“

11.4.1.4 „10 Fragen in der heissen Phase des Klimagipfels“

11.4.1.5 „2015 war das heisseste Jahr seit Messbeginn“

11.4.1.6 „Die Schadenssumme steigt schneller als der Meeresspiegel“

11.4.1.7 „Ein Winter der Rekorde“

11.4.2 Abgelehnte Kommentare

11.5 Anhang 5: Zeitungsartikel

1 Einleitung

Im Rahmen meiner Masterarbeit beschäftige ich mich mit Leser*innenkommentaren, die in Foren zu Artikeln über Klimawandel entstehen. In diesen Leser*innenkommentaren werden immer wieder klimaskeptische Argumente vorgebracht, und zwar nicht nur in den Foren von Boulevardformaten wie blick.ch, sondern auch auf den Plattformen sogenannter Qualitätsmedien wie nzz.ch oder tagesanzeiger.ch. Teilweise sind klimaskeptische Kommentare ausserordentlich dominierend, in anderen Fällen eher in der Unterzahl, und kaum je fehlen sie ganz in Kommentarforen, die über ein paar wenige Beiträge hinausgehen. Diese klimaskeptischen Beiträge in Kommentarforen von Onlinezeitungen stehen in auffälligem Gegensatz zum wissenschaftlichen Konsens eines anthropogen verursachten Klimawandels. Je nach Studie stimmen zwischen rund 97 Prozent (Cook et al. 2013: 1) und 100 Prozent (Oreskes 2004: 1686; Oreskes 2014: 70–71) diesem Konsens zu. Sie stehen aber nicht nur dazu im Gegensatz, sondern auch zur medialen Berichterstattung, die diesem Konsens trotz erheblicher Länderunterschiede mehrheitlich folgt (Painter & Ashe 2012; Brüggemann & Engesser 2014), insbesondere in Deutschland (Peters & Heinrichs 2008).[1]

Klimaskeptische User*innen schreiben beispielsweise: „Langsam gehen mir diese Bundesämtler richtig auf den Geist. Die sollen es doch einfach mal mit arbeiten [sic] probieren, statt mit teurer Panikmache“ (Link[2]). Dass die Klimaforschung und Massnahmen zur Erreichung von Klimazielen in diesem und zahlreichen weiteren Kommentaren als Steuerverschwendung bezeichnet werden, stimmt nachdenklich. Und zwar in zweierlei Hinsicht: Erstens, weil Klimaforschung nicht zuletzt auch durch diese User*innen finanziert wird und die Legitimation der Wissenschaftler*innen und Bundesangestellten so einen unschönen Kratzer erhält, und zweitens, weil hinter entsprechenden User*innen auch Menschen stehen, welche via ihre Stimmabgabe bei Wahlen und Abstimmungen vermutlich gegen klimapolitische Vorschläge stimmen und keine klimabewegten Politiker*innen wählen. Für eine Eingrenzung der Klimaerwärmung wäre es somit von Vorteil, wenn breite Bevölkerungsschichten die wichtigsten relevanten Zusammenhänge verstehen könnten.

Dass Boulevardzeitungen nicht unbedingt dazu geeignet sind, wissenschaftliches Wissen an ein breiteres Publikum zu vermitteln, dürfte nicht erstaunen und ist auch wissenschaftlich belegt (Liebert 2002: 347). Wolf Andreas Liebert (2002: 347) hält allerdings die Medien grundsätzlich – und explizit auch Wissenschaftsjournalismus hochwertiger Zeitschriften – für nicht in der Lage, Wissenschaft sinnvoll zu vermitteln. Zu diesem Schluss kommt Liebert nach seiner Analyse des Beitrages „Das Ozon-Drama“ in Deutschlands „seriöseste[m] populärwissenschaftlichen Magazin“ (Liebert 2002: 347) Bild der Wissenschaft. Der Hauptautor des Beitrages, Thorwald Ewe, ist selbst Diplomchemiker und Wissenschaftsjournalist und war damals Ressortleiter bei Bild der Wissenschaft. Der Co-Autor Paul J. Crutzen war Liebert zufolge damals Direktor der Abteilung Luftchemie am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz und hat selbst wesentliche Beiträge unter anderem zur Aufdeckung des Mechanismus des Ozonlochs geleistet und dafür – gemeinsam mit zwei weiteren Wissenschaftlern – 1995 den Nobelpreis erhalten. Liebert setzt deshalb eine gründliche, professionelle Recherche und eine fachliche Absicherung durch den Co-Autor voraus. Trotzdem analysiert Liebert in der Berichterstattung über das Ozonloch eine Reihe Transformationen „die weit über bloße Stilfragen hinausgehende Veränderungen der Gegenstandskonstitution zur Folge hatten“ (Liebert 2002: 347). In einigen Fällen, fährt Liebert weiter, sei es nicht mehr möglich gewesen, zu sagen, dass noch von den gleichen Gegenständen wie im wissenschaftlichen Diskurs die Rede war. Diese Transformationen hatten Liebert (2002: 348; Grossschreibung im Original) zufolge weitreichende Konsequenzen:

Die dokumentierten Glaubwürdigkeitskrisen konnten als Resultate der analysierten Transformationen interpretiert werden. Weiterhin konnte gezeigt werden, dass bestimmte Typen von Transformationen, etwa das Handlungsmuster HARMONISIEREN, die Entstehung von Gegendiskursen, speziell Entlarvungsdiskursen, begünstigen, in denen versucht wird, einzelne Wissenschaftler oder auch ganze Wissenschaftszweige zu diskreditieren.

 

Liebert (2002: 348) fragt deshalb: „Warum werden diese Transformationen auch in hochwertigen, seriösen Zeitschriften immer wieder vorgenommen? Warum werden etwa immer wieder unterschied­liche Diskurspositionen unterschlagen bzw. erst nach mehreren Glaubwürdigkeitskrisen ‚nach­geliefert‘?“ Ursachen im Bereich der Qualifikation der Autoren und der Seriosität des Blattes schliesst Liebert aus und formuliert als Antwort auf seine Fragen die These „dass es strukturelle Eigenschaften des gegenwärtigen Mediensystems sind, die diese Transformationen hervorbringen“ (Liebert 2002: 348; Kursivierung im Original).

Lieberts Lösungsvorschlag ist ein, wie er selbst zugibt, utopisches Projekt und heisst „Enzyklopädie der Wissenschaften“ (Liebert 2002: 371–380). Ein wesentliches Merkmal der Enzyklopädie der Wissenschaften ist die direkte, von Medien unabhängige Kommunikation zwischen Öffentlichkeit und Wissenschaft. Liebert (2002: 379–380) vergleicht die (immer noch) aktuelle Situation mit seiner Enzyklopädie der Wissenschaften und hebt die Vorteile seiner Idee hervor:

Relevante Informationsflüsse laufen hier [im aktuellen System] nur über die Medien. Hierbei werden die bisher besprochenen Defizite strukturell, d.h. nicht behebbar, erzeugt. Wenn die wissenschaftlichen Akteure selbst eine Öffentlichkeit schaffen, etwa über ein Informations- und Mediationssystem im Internet, verändert sich die Kommunikationsstruktur, da nun ein direkter Informationsfluss existiert, der von beiden Seiten unabhängig von den Gegebenheiten und Interessen der medialen Akteure gestaltet werden kann.

 

Hierbei gilt es zu beachten, dass 2002 weder Facebook noch Twitter existierten und vermutlich auch Kommentare in Onlinezeitungen noch nicht eine so grosse Verbreitung genossen hatten wie heute. Eine direkte Kommunikation zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit war zum Erscheinungs­zeitpunkt des Buches von Liebert in der Tat utopisch, im Gegensatz zu heute, wo eine solche doch zumindest in greifbarer Nähe scheint. Allerdings ist zu bedenken, dass auch eine direkte Kommunikation zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit über soziale Medien nicht unabhängig von Medien erfolgt, sondern vielfältig mit medialen Gegebenheiten verknüpft ist: So muss ein Wissenschaftler, der über soziale Medien kommuniziert und sich dabei an die Öffentlichkeit wendet, beispielsweise damit rechnen, dass (massen)mediale Akteur*innen ausgehend von entsprechenden Twittermeldungen, Facebookposts etc. eigene Beiträge verfassen.

Lieberts Vorschlag, eine direkte Kommunikation zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit anzustreben, finde ich sinnvoll. Deshalb und da dank zahlreicher sozialer Medien zumindest die informationstechnischen Voraussetzungen als gegeben betrachtet werden können, wollte ich wissen, ob heute, also mehr als ein Jahrzehnt nach Erscheinung des Buches von Liebert (2002), eine solche direkte Kommunikation stattfindet. Beim Aufklären dieser Frage häufen sich die Indizien dafür, dass ein derartiger Informationsfluss respektive Austausch bis heute weitgehend fehlt. So schreiben Ines Lörcher und Monika Taddicken (2015: 261):

Wissenschaftler, Laien, Massenmedien sowie Politiker, Firmen und NGOs kommunizieren online […]. Interessanterweise spielen Wissenschaftler und wissenschaftliche Institutionen jedoch nur eine kleine Rolle in der Online-Klimakommunikation: Wenige Wissenschaftler bloggen […], nutzen soziale Medien, z. B. Twitter […]. Die Partizipation von Laien hingegen spielt im Online-Diskurs eine wichtige Rolle.

 

Ein spontaner Praxistest kann den Befund fehlender Vertretung wissenschaftlicher Akteur*innen in der Online-Klima-Kommunikation bestätigen: Das Bundesamt für Umwelt BAFU, das Öschger Zentrum und das Physikalische Institut der Universität Bern sind nicht auf Facebook, der IPCC schon, doch die Reichweite der Beiträge scheint sehr klein und beschränkt sich oft auf eine einstellige Zahl Benutzende.[3] Auch der (später im Rahmen dieser Arbeit stattfindende) Austausch mit den Klimatologen deutet darauf hin, dass sich in den vergangenen fast eineinhalb Jahrzehnten nicht viel geändert hat: So bekunden im Rahmen vorliegender Arbeit beauftragte Klimatologen, dass sie bezüglich der stilistischen Ausführung ihrer Kommentare in Onlinezeitungen verunsichert sind. Einer der Wissenschaftler schreibt in einer E-Mail: „Ich hatte etwas Mühe mit Sprache und Tonfall, da ich bislang eigentlich noch nie solche Kommentare gelesen, geschweige denn geschrieben habe und da ich mich weder in sozialen Medien bewege noch ein Handy besitze [sic] daher weder Twitter noch SMS kenne.“

All diese Beobachtungen und Feststellungen, konkret

  • die Präsenz klimaskeptischer Kommentare in den Foren von Onlinezeitungen trotz wissenschaft­lichem Konsens bezüglich eines anthropogen verursachten Klimawandels,
  • die weitreichenden umweltpolitischen Konsequenzen klimaskeptischer Einstellungen,
  • die scheiternde Vermittlung von wissenschaftlichen Erkenntnissen durch Medien
  • und die weitgehend fehlende direkte Kommunikation zwischen Wissenschaftler*innen und Öffentlichkeit

haben mich auf die Idee gebracht, Wissenschaftler*innen und Öffentlichkeit in Kommentarforen zu Onlinezeitungen versuchsweise zusammenzubringen. Es ist hier zu bemerken, dass, wie sich in einer der ersten Sprechstunden herausstellte, Martin Reisigl rund ein Jahr zuvor bereits die gleiche Idee hatte – ein Umstand, der mich sehr gefreut hat und mich darin bestätigte, dass mein Versuch vielversprechend ist. Ich habe also zwei Klimatologen, Gian-Kasper Plattner und Stefan Brönnimann, angefragt, sich in entsprechende Kommentarforen einzuschalten. Beide erklärten sich einverstanden und haben in der Folge über mehrere Monate verteilt auf klimaskeptische Kommentare in Onlinezeitungen reagiert. So entstandene Daten bilden das Herzstück meiner Masterarbeit. Die forschungsleitende Grundfrage bei der Analyse dieser Daten lautet: Was bewirken zwei Klima­wissenschaftler, die sich in Kommentarforen von Onlinezeitungen einmischen? Indem sie das Potenzial einer direkten Kommunikation zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit anhand ent­sprechen­der Forendiskussionen untersucht, will die vorliegende Arbeit einen Beitrag zur Verbesserung der Wissenschaftskommunikation leisten

Bevor ich die Einleitung mit einer Kapitelübersicht abschliesse, möchte ich mein Thema noch in einem breiteren Kontext verordnen, namentlich im Feld der Wissenschaftsvermittlung.

In seiner Antrittsvorlesung am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich zeigt Mike S. Schäfer (2014: 2–3) anhand einer Reihe von Beispielen, in welchen Lebensbereichen wissenschaftliches Wissens nützlich sein kann. Er stellt fest, dass wir von klein auf und zeitlebens Aufgaben bewältigen, Probleme lösen und Fragen beantworten müssen. So müssen Eltern beispielsweise entscheiden, ob und wann sie ihr Kind in eine Krippe geben wollen, Reisende müssen überlegen, ob sie die Malaria-Prophylaxe wirklich benötigen, Erkrankte müssen abwägen, ob sie die Risiken einer Operation auf sich nehmen wollen und politische Entscheidungsträger sollen herausfinden, welches der beste Weg zur Gewinnung erneuerbarer Energien ist. Schäfer macht deutlich, dass wissenschaftliches Wissen zwar nicht immer richtig ist, aber dennoch produziere Wissenschaft das „beste Wissen, das uns individuell, institutionell und gesellschaftlich als Entscheidungsgrundlage zur Verfügung steht – und es wäre unverantwortlich, dieses Wissen nicht in unsere Abwägungen mit einzubeziehen“ (Schäfer 2014: 3). Weiter stellt er fest: „Misslingt Wissenschaftskommunikation, dann fehlt der Gesellschaft eine zentrale Wissensressource, die für die Bearbeitung wichtiger Fragen hilfreich sein könnte. Und die Wissenschaft riskiert den Verlust ihrer gesellschaftlichen Legitimation, auf die sie in starkem Maße angewiesen ist“ (Schäfer 2014: 5). Besonders markant bringen Baruch Fischhoff & Dietram A. Scheufele (2013: 14031) die Lage auf den Punkt: „Ineffective communication can be costly to science as well as to society.”

Diese Feststellungen scheinen besonders gut auf die Klimakommunikation und das damit verbundene Phänomen des Klimaskeptizismus zuzutreffen. Wie der weiter oben in diesem Kapitel bereits zitierte Kommentar „Langsam gehen mir diese Bundesämtler richtig auf den Geist. Die sollen es doch einfach mal mit arbeiten [sic] probieren, statt mit teurer Panikmache“ (Link[4]) zeigt, ist der Verlust der gesellschaftlichen Legitimation ein sehr präsenter Aspekt bei der Analyse klimaskeptischer Kommentare.

Die Arbeit ist wie folgt aufgebaut: Kapitel 2 widmet sich im ersten Unterkapitel dem Begriff Klimawandel und nimmt im zweiten Unterkapitel eine Kategorisierung klimaskeptischer Argumente, wie sie im Rahmen der Pilotanalyse entwickelt wurde, vorneweg. In einem dritten Unterkapitel wird gezeigt, welche höchst bedenklichen Auswirkungen Suchvorschläge auf (potenzielle) Klima­skeptiker­*innen haben können. Kapitel 3 ist dem Forschungsstand zur Wissenschaftsvermittlung gewidmet. In Kapitel 4 werden die Theorien Audience Design und Kognitive Dissonanz vorgestellt und die Wiener Kritische Diskursanalyse als theoretische und methodische Grundlage besprochen. Kapitel 5 befasst sich mit der Pilotanalyse und Kapitel 6 stellt die Analyse der Versuchsdaten, also jene Foren­diskussionen, in welche sich die Klimatologen eingeschaltet haben, ins Zentrum. Kapitel 7 ist einer Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse und den Schlussfolgerungen gewidmet.

 

2 Klimawandel und Klimaskeptiker*innen

 

2.1 Klimawandel

Im Zentrum dieser Arbeit steht nicht die Erforschung des Klimawandels als naturwissenschaftlicher Forschungsgegenstand, sondern das Reden über den Klimawandel. Da die Arbeit im Bereich der Wissenschaftsvermittlung angesiedelt ist und durch die wissenschaftlichen Gast-Kommentatoren sowohl Lai*innen als auch Klimatologen über den Klimawandel reden beziehungsweise schreiben, soll hier erstens danach gefragt werden, wie der Begriff Klimawandel von Klimatolog*innen definiert wird. Zweitens soll danach gefragt werden, inwiefern sich die wissenschaftliche Definition mit den Konzeptionen der Lai*innen deckt.

Ziel des Kapitels ist es, den zentralen Begriff Klimawandel definitorisch zu klären. Gleichzeitig soll das Kapitel für linguistische Leser*innen, welche naturgemäss meistens klimatologische Lai*innen sind, eine knappe Einführung bieten.

Bevor der Begriff Klimawandel besprochen wird, soll auf den Begriff Klima eingegangen werden.

Serge Planton (2013: 1450) beschreibt im Glossar des IPCC AR5, WG1 Klima (climate) wie folgt:

Climate in a narrow sense is usually defined as the average weather, or more rigorously, as the statistical description in terms of the mean and variability of relevant quantities over a period of time ranging from months to thousands or millions of years. The classical period for averaging these variables is 30 years, as defined by the World Meteorological Organization. The relevant quantities are most often surface variables such as temperature, precipitation and wind. Climate in a wider sense is the state, including a statistical description, of the climate system.

 

Klima wird in einem engeren Sinn also als ‚durchschnittliches Wetter‘ definiert oder, präziser, als die statistische Beschreibung von Durschnitt und Variabilität der relevanten Grössen. Diese Beschreibung bezieht sich auf einen definierten Zeitabschnitt, das können wenige Monate bis zu mehrere Millionen Jahre sein; die klassische Periode für das Mitteln dieser Variablen beträgt, so definiert es die World Meteorological Organisation WMO, 30 Jahre. Die betrachteten Grössen sind meistens Oberflächen­variablen wie Temperatur, Niederschlag und Wind. Klima in einem weiteren Sinn ist der Status, einschliesslich der statistischen Beschreibung, des Klimasystems.[5]

Klima im engeren Sinn steht also für die statistische Beschreibung und Klima im weiteren Sinn verweist zusätzlich auf einen Zustand/Status, der auch ohne statistische Beschreibung existiert.

Hervorzuheben ist, dass ‚das Klima‘ eine konstruierte Grösse ist – das heisst, Klima ist ein Konzept, ein gedankliches Konstrukt zur Erfassung des ‚durchschnittlichen Wetters‘, und ‚das Klima‘ existiert so nicht in der ‚realen Welt‘. Damit unterscheidet sich das Klima grundlegend vom Wetter, welches direkt und unmittelbar erlebbar ist; Klima lässt sich berechnen und beschreiben, aber kaum konkret erleben. Diese nicht-unmittelbare-Erlebbarkeit des Klimas – Erleben lässt sich Klima allenfalls z. B. in Form von mehrjähriger Trockenheit – dürfte neben der Langfristigkeit (der Zeithorizont von Dekaden respektive Jahrhunderten ist sehr lang im Vergleich zu üblichen menschlichen Planungs- und Entscheidungsperioden) ein weiterer wichtiger Grund dafür sein, dass eine Sensibilisierung für Klima­fragen schwierig ist und oft nicht gelingt.

Was ist nun climate change? Planton (2013: 1450) definiert Klimawandel im Glossar der entsprechen­den Arbeitsgruppe des IPCC wie folgt:

Climate change refers to a change in the state of the climate that can be identified (e.g., by using statistical tests) by changes in the mean and/or the variability of its properties, and that persists for an extended period, typically decades or longer. Climate change may be due to natural internal processes or external forcings such as modulations of the solar cycles, volcanic eruptions and persistent anthropogenic changes in the composition of the atmosphere or in land use.

 

Klimawandel bezieht sich also auf eine Veränderung im Status des Klimas. Identifiziert werden kann Klimawandel durch Veränderungen im Durchschnitt und/oder der Variabilität seiner Eigenschaften, welche einen ausgedehnten Zeitraum betreffen, typischerweise Jahrzehnte oder länger. Klimawandel kann eine Folge natürlicher interner Prozesse im Klimasystem sein, oder durch externe Einflüsse hervorgerufen werden. Beispiele für solche externen Einflüsse sind die Modulationen der Sonnen­zyklen und Vulkanausbrüche und die anhaltende anthropogene Veränderung der Zusammensetzung der Atmosphäre sowie die (ebenfalls anthropogene) Veränderung der Landnutzung.

In der zweiten Hälfte des Eintrags zum Klimawandel bemerkt Planton (2013: 1450), dass das „Rahmen­übereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen“ Klimawandel abweichend definiert:

Note that the Framework Convention on Climate Change (UNFCCC), in its Article 1, defines climate change as: ‘a change of climate which is attributed directly or indirectly to human activity that alters the composition of the global atmosphere and which is in addition to natural climate variability observed over comparable time periods’. The UNFCCC thus makes a distinction between climate change attributable to human activities altering the atmospheric composition, and climate variability attributable to natural causes.

 

Im UN-Kontext unterscheidet sich also die wissenschaftliche IPCC-Definition des Klimawandels von der politischen UNFCCC-Definition (zum Verhältnis dieser beiden Definitionen zueinander siehe Kapitel 4.3.3 Martin Reisigl & Ruth Wodak 2016). Das Rahmenübereinkommen definiert – als politisches Schriftstück – Klimawandel als Veränderungen des Klimas, die unmittelbar oder mittelbar auf menschliche Tätigkeiten zurückzuführen sind, welche die Zusammensetzung der Erdatmosphäre verändern, und die zu den über vergleichbare Zeiträume beobachteten natürlichen Klima­schwan­kungen hinzukommen. Die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen macht eine Unterschei­dung zwischen Klimawandel, der auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist, die die Zusammen­setzung der Atmosphäre verändern, und Klimavariabilität, die natürlichen Ursachen zugeschrieben werden kann.[6] Interessant wäre es, in Erfahrung zu bringen, welches die Gründe dafür sind, dass das Rahmenübereinkommen in seiner Definition des Begriffes Klimawandel von der wissenschaftlichen Definition abweicht.

Mit Ausnahme der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen ist es also so, dass bei der Verwendung des Begriffs Klimawandel durch Klimatolog*innen natürliche Änderungen mitgemeint sind – das bestätigen auch Stefan Brönnimann und Gian-Kasper Plattner auf Anfrage. Auffällig und im Sinne einer Vorbeugung gegenüber Klimaskeptizismus möglicherweise eher ungünstig in der Beschreibung des Begriffs Klimawandel ist die späte Nennung der anthropogenen Ursachen. So werden zuerst die internen Einflüsse genannt – und damit diejenige Gruppe an Faktoren, die anthropogene Einflüsse nicht enthalten – und in der anschliessenden Auflistung der externen Faktoren folgen die menschlichen Einflüsse erst ganz am Schluss. Es ist zwar unklar, wie regelmässig Klima­skeptiker­*innen auf dieses Dokument zugreifen, tun sie es aber, besteht die Gefahr, dass sie ihre Position gestärkt sehen, werden die menschlichen Einflüsse auf das Klima doch erst nach der Nennung der internen Einflüsse und nach Sonnenzyklen und Vulkanausbrüchen genannt. Allerdings ist auch eine andere Argumentation möglich: Die späte Nennung der anthropogenen Einflüsse auf den Klima­wandel könnte auch günstig sein, da sie gewissermassen das (ursachenskeptische) Argument, dass natürliche Faktoren ignoriert und anthropogene Faktoren überschätzt würden, vorwegnimmt. Dieses skeptische Argument habe, wie Gian-Kasper Plattner in einer persönlichen Notiz beobachtet, eine besonders wichtige Rolle gespielt nach dem fünften IPCC-Bericht. Ähnlich ungünstig wie die späte Nennung der anthropogenen Faktoren möglicherweise ist, könnte in diesem Sinn die Oder-Ver­knüpfung im Satz „Climate change may be due to natural internal processes or external forcings […]“ sein: Der Satz ist so nicht ‚gewappnet‘ gegen eine skeptische Interpretation – eine skeptische Leser*in kann – folgern (und dies durchaus schlüssig), dass es nicht erwiesen ist, ob externe Faktoren und speziell menschliche Aktivitäten beim Klimawandel eine Rolle spielen – insbesondere dann, wenn sie sich für eine ausschliessende Lesart des oder entscheidet. Für mich fehlt im soeben zitierten Satz ein Hinweis darauf, dass der aktuelle Klimawandel eindeutig auf menschliche Ursachen zurückzuführen ist. Auf diesen ‚Vorwurf‘ reagiert Gian-Kasper Plattner mit dem Verweis darauf, dass ein solcher Hinweis in der Definition respektive im Glossar eine „Vorwegnahme der wissenschaftlichen Schlussfolgerungen“ sei. Dabei zeigt sich, dass naturwissenschaftliche Glossare vermutlich klar umrissene Funktionen haben und an gewisse Regeln gebunden sind – und sich dabei unter Umständen wenig an möglichen Interpretationen von Lai*innen orientieren. Hier wäre ein interdisziplinäres Projekt spannend, in dessen Rahmen überprüft wird, ob solche Textstellen tatsächlich von (potenziellen) Klimaskeptiker*innen entsprechend ungünstig interpretiert werden. Falls die Hypothese bestätigt werden könnte, wäre es im Anschluss gewinnbringend, solche Textstellen in Zusammen­arbeit von Linguist*innen und Naturwissenschaftler*innen zu überarbeiten.

Wie verwenden nun die Lai*innen in meinem Pilot-Analyse-Korpus den Begriff Klimawandel? Es zeigt sich, dass deren Verwendung des Begriffs Klimawandel dahingehend deckungsgleich ist, dass auch die Laienkommentator*innen nicht-anthropogene Ursachen miteinschliessen, so findet sich kein Kommentar, welcher der Klimarahmenkonvention folgend unter Klimawandel nur einen anthropo­genen Klimawandel verstanden haben will. Hingegen finden sich – dies erstaunt angesichts der noch zu beobachtenden grossen Zahl ursachenskeptischer Stimmen wenig – zahlreiche Kommentare, die einen menschlichen Einfluss bezweifeln oder ausschliessen.

 

2.2 Klimaskeptiker*innen und deren Argumente

Nach dieser Einführung zum Begriff Klimawandel möchte ich auf sogenannte Klimaskeptiker*innen und deren unterschiedlichen Argumente eingehen. Doch zuerst eine kurze Ausführung zum Gegenbegriff Klimabewegte: Es handelt sich dabei um eine Wortschöpfung, die bereits 2014 von Martin Reisigl im Rahmen eines Gastvortrags im Forschungskolloquium Allgemeine Linguistik an der Technischen Universität Berlin verwendet wurde und im Gegensatz zum Begriff Klimaskeptiker*in nicht etabliert ist. Klimabewegte sind in meiner Terminologie Menschen, die einen anthropogen verursachten Klimawandel nicht in Frage stellen und, bezogen auf mein Korpus, klimaskeptische Argumente kontern. Klimaskeptiker*innen bezeichnen sich selbst in der Regel nicht als solche, die Bezeichnung ist also fremdbestimmt. Klimaskeptiker*innen bezeichnen Klimabewegte hingegen regelmässig als Klimahysteriker*innen, oder auch mal als Klimawarner*innen oder Klimaideolog­*innen. Diese Bezeichnungen würden, da ebenfalls fremdbestimmt von der Gegengruppe, aus strukturalistischer Sicht eine interessante Alternative bieten für den Begriff Klimabewegte. Allerdings scheint es unangebracht, diejenigen, deren Haltung mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen in Einklang steht, als Hysteriker*innen, Ideolog*innen oder Warner*innen zu bezeichnen.

Nun also zurück zum Begriff Klimaskeptiker*innen. Ich vermute, dass der Begriff Klimaskeptiker*innen erst wenige Jahrzehnte alt ist. Diese Vermutung wird durch eine Suche nach dem Begriff Klimaskeptiker im Google Books Ngram Viewer bestätigt, wenn auch nicht bewiesen, denn es ist möglich, dass der Begriff beispielsweise in Zeitungen schon früher verwendet wurde.

Abbildung 1: Begriff Klimaskeptiker im Ngram Viewer 1980-2008.

 

Das Resultat im Ngram Viewer legt die Vermutung nahe, dass der Begriff Klimaskeptiker in direktem Zusammenhang mit der ‚Politisierung‘ der Klimaforschung steht, welche sich nicht zuletzt in der Gründung des IPCC manifestierte. Denn mit der Gründung des IPCC war die Klimaforschung gewissermassen in der Gesellschaft angekommen. Davor, so nehme ich an, hat sich die Öffentlichkeit kaum für die Klimaforschung interessiert oder vielleicht richtiger, gab es so gut wie keine Berührungen zwischen der ‚Klimaforschung im Elfenbeinturm‘ einerseits und Medien, Öffentlichkeit und Politik andererseits. Deshalb dürfte es auch keine oder kaum Skepsis gegenüber der Klimaforschung gegeben haben.

Im Duden scheint der Begriff Klimaskeptiker nicht enthalten zu sein – zumindest liefert eine Suche im Online-Duden keine Treffer. In der Wikipedia (Link[7]) lese ich Folgendes:

Klimaskeptizismus bezeichnet eine zweifelnde oder ablehnende Haltung bezüglich der vorherrschenden wissenschaftlichen Meinung zur globalen Erwärmung.

Als Klima(wandel)skeptiker oder Klima(wandel)leugner werden Personen bezeichnet, die in der Kontroverse um die globale Erwärmung einen menschlichen Einfluss auf den Klimawandel bestreiten, nicht für relevant halten oder die Folgen nicht für relevant halten, bzw. (insbesondere bis in die 1990er Jahre) einen Klimawandel überhaupt bestreiten. In diesem Zusammenhang wird daneben zwischen „Trend-“, „Ursachen-“ und „Folgenskeptiker“ unterschieden: Ein Trendskeptiker leugnet den Erderwärmungstrend generell, ein Ursachenskeptiker zweifelt an der Ursächlichkeit menschlicher Aktivität an der gegenwärtigen globalen Erwärmung und ein Folgenskeptiker zweifelt an den in der Wissenschaft für wahrscheinlich angegebenen Folgen der globalen Erwärmung.

 

Diese Einschätzung ist grosso modo mit meiner eigenen kompatibel. Sinnvoll ist insbesondere der indirekte Hinweis darauf, dass Klimaskeptiker*innen treffenderweise eigentlich Klimawandelskeptiker*innen genannt werden müssten und manchmal auch so bezeichnet werden. Nicht ganz mit meinen eigenen Beobachtungen übereinstimmend ist die Behauptung, Klimaskeptiker*innen würden „die Folgen nicht für relevant halten“ respektive „an den in der Wissenschaft für wahrscheinlich angegebenen Folgen der globalen Erwärmung“ zweifeln. Denn in meinem Korpus finden sich zu den Folgen des Klimawandels etliche Kommentare, die eher dahingehend kommentieren, dass Klimawandel nicht unbedingt schlecht sei, oder dahin, dass die positiven Auswirkungen betont werden. Dabei wird aber weniger Zweifel an den von der Wissenschaft angegeben Folgen geäussert, sondern die Folgen werden anders beurteilt und insbesondere die möglichen positiven Folgen betont. Ein weiterer Punkt, der hier erwähnt werden soll, ist, dass nicht klar ist, ob der Teilsatz „einen Klimawandel überhaupt bestreiten“ nahelegen will, dass (insbesondere bis in die 1990er Jahre) sogar eine natürliche Klimavariabilität bestritten wird – oder ob es eher darum geht, dass der aktuelle Erwärmungstrend skeptisch beurteilt wird. Es ist zu bemerken, dass sich Klimaskeptiker*innen in meinem Verständnis der Bezeichnung – und entsprechend ihrer Erscheinung in meinen Daten – eher durch ihre ablehnende als durch ihre zweifelnde Haltung bezüglich der vorherrschenden wissenschaftlichen Meinung auszeichnen. Ich meine aber, vereinzelt auch so etwas wie ‚offene Skepsis’ anzutreffen, welche dadurch gekennzeichnet ist, dass sie zwar kritische Fragen stellt, dies aber eher in einem konstruktiven und verständnisfördernden Sinne und nicht indem sie eine ablehnende Haltung bezüglich der vorherrschenden wissenschaftlichen Meinung zum Ausdruck bringt.

Da mir die Dreiteilung in der Wikipedia für meine Zwecke zu undetailliert scheint, habe ich im Rahmen meiner Pilotanalyse eine eigene Einteilung klimaskeptischer Argumente entwickelt. Diese basiert auf den in der Pilotanalyse analysierten Kommentaren, sie wurde also anhand des Materials entwickelt und dabei laufend erweitert. Mit grosser Wahrscheinlichkeit würde sich die Einteilung noch ändern, wenn ich weitere Kommentarforen berücksichtigen würde – sie ist also nicht als abschliessend zu betrachten. In der Pilotanalyse und in geringerem Umfang auch bei der Analyse der Versuchsdaten werde ich, wenn ich entsprechende Ergebnisse vorstelle, immer wieder auf meine unten folgende Einteilung klimaskeptischer Argumente Bezug nehmen.

Die entwickelte Einteilung unterscheidet zwei Hauptkategorien klimaskeptischer Argumente: Skepsis gegenüber (wissenschaftlich fundierten) Feststellungen, Analysemöglichkeiten, Aussagen und Handlungskonzepten steht einer Skepsis gegenüber (wissenschaftlichen) Akteur*innen im Bereich Klimawandel gegenüber. Die Argumente der ersten Hauptart wurden sechs verschiedenen Kategorien (Ursachenskepsis, Problemskepsis, Erwärmungsskepsis, Prognoseskepsis, Variabiliätsskepsis und Mitigationsskepsis) zugeordnet, zu welchen dann teilweise noch Subkategorien gebildet wurden. Die Argumente der zweiten Hauptart wurden ebenfalls in Subkategorien aufgeteilt. Im Gegensatz zu den Argumenten aus der ersten Gruppe gibt es bei dieser zweiten Gruppe allerdings eine Hierarchiestufe weniger. Auch innerhalb der jeweils tiefsten Hierarchiestufe finden sich noch unterschiedliche Nuancen.

Die skeptischen Kategorien und Subkategorien sind gewissermassen sehr ungleiche Kategorien. Sie unterscheiden sich in verschiedenster Hinsicht. Kategorien, welchen sehr viele Kommentare oder Teile daraus zugeordnet werden können unterscheiden sich von solchen, die nur durch einzelne Beispiele in den Daten belegt sind. Ausserdem sind sich gewisse Kategorien näher als andere, so verbindet beispielsweise problem- und prognoseskeptische Kommentare, dass es in beiden Fällen um die Zukunft geht.

 

2.2.1 Skepsis gegenüber (wissenschaftlich fundierten) Feststellungen, Analysemöglichkeiten, Aussagen und Handlungskonzepten

 

2.2.1.1 Ursachenskepsis: Skepsis gegenüber der Feststellung, dass der Klimawandel anthropogen (mit)verursacht ist

Ursachenskeptiker*innen nehmen zwar einen Klimawandel an, bezweifeln jedoch die menschliche Ursache: Sie glauben, dass der Mensch gar keinen oder keinen bedeutenden Einfluss auf das Klima hat.

Subkategorien

  • Mensch hat keinen Einfluss
  • Mensch hat geringen Einfluss, andere Faktoren sind wichtiger
  • Mensch hat unter anderem Einfluss (Gewichtung der Faktoren unklar)
  • Klimawandel gibt es schon sehr lange/immer (unspezifiziert, es wird nicht klar, ob der Mensch das Klima nicht/wenig/nicht im Alleingang beeinflusst)
  • Mensch, aber nicht CO2 ist schuld
  • Überbevölkerung ist schuld am Klimawandel
  • Sonne ist verantwortlich für den Klimawandel
  • Topos oder Trugschluss der Ungewissheit
  • Konsensskepsis

Beispiele für die sehr zahlreichen ursachenskeptischen Argumente finden sich in Tabelle 3, in Tabelle 6, in Tabelle 7, in Tabelle 8, in Tabelle 9 und in Tabelle 10.

 

2.2.1.2 Problemskepsis: Skepsis gegenüber der Aussage, dass der Klimawandel ein Problem ist oder in Zukunft ein Problem sein wird

Problemskeptiker*innen bezweifeln, dass der Klimawandel ein Problem darstellt.

Subkategorien

  • Klimawandel hat keine/wenig negative Folgen
  • Klimawandel hat auch positive Folgen

Beispiele für problemskeptische Argumente finden sich in Tabelle 3 und Tabelle 11.

 

2.2.1.3 Erwärmungsskepsis: Skepsis gegenüber der Feststellung, dass sich das Klima erwärmt

Erwärmungsskeptiker*innen leugnen den Erwärmungstrend oder damit zusammenhängende Folgen.

Subkategorien

  • Die Durchschnittstemperaturen sind seit Jahren unverändert
  • Die Durchschnittstemperaturen sind sinkend
  • Der Meeresspiegel ist nicht angestiegen

Es gilt hervorzuheben, dass diese Kategorie nur jene Argumente enthält, die Zweifel an der beobachteten Erwärmung erheben. Davon zu unterscheiden sind skeptische Argumente, welche szenarienbasierte Vorhersagen anzweifeln (vgl. Kapitel 2.2.1.4 Prognoseskepsis: Skepsis gegenüber Klimaprognosen oder gegenüber der grundsätzlichen Möglichkeit, Klimaprognosen erstellen zu können).

In meinem Korpus werden erwärmungsskeptische Argumente oft im Zusammenhang mit einer Zeitangabe genannt, das heisst, es wird meist auf die ‚Klimapause‘ der vergangenen 15–20 Jahre verwiesen. Nun scheint sich allerdings abzuzeichnen, dass diese ‚Klimapause‘ gemäss neueren Forschungsergebnissen gar keine war; zumindest legt Martin Läubli dies in seinem Artikel „Die ‚Klimapause‘ ist zu Ende“ (Link[8]) nahe.

Erwärmungsskeptische Argumente finden sich in Tabelle 3 und in Tabelle 13.

 

2.2.1.4 Prognoseskepsis: Skepsis gegenüber Klimaprognosen oder gegenüber der grundsätzlichen Möglichkeit, Klimaprognosen erstellen zu können

Prognoseskeptiker*innen zweifeln an der Zuverlässigkeit von Klimavorhersagen oder an der grundsätzlichen Möglichkeit, überhaupt Klimavorhersagen erstellen zu können.

Es ist zu bemerken, dass „seriöse Klimaforscher*innen“, wie Gian-Kasper Plattner in einer persönlichen Notiz erläutert, eigentlich keine Prognosen (Vorhersagen) machen. Beim Blick in die Zukunft handle es sich um Modelle und modell- und szenarienbasierte ‚Vorhersagen‘, welche in der Wissenschaft nicht als Vorhersagen präsentiert würden, sondern als mögliche zukünftige Entwicklungen des Klimas unter Annahme bestimmter sozioökonomischer und technologischer Szenarien.

Prognoseskeptische Argumente scheinen in meinem Korpus eine untergeordnete Rolle zu spielen. Gian-Kasper Plattner ist darüber erstaunt. Seiner Erfahrung nach sei eines der Hauptargumente von Skeptiker*innen, dass sie zwar mit den Beobachtungen einverstanden seien, aber Modellen miss­trauten, da diese (i) sowieso falsch seien, (ii) die natürliche Variabilität unterschätzten oder (iii) einen ‚warming bias‘ hätten. Es ist denkbar, dass in einem grösseren oder anderen Korpus prognose­skeptische Argumente eine wichtigere Rolle spielen.

Die wenigen Beispiele finden sich in Tabelle 3, in Tabelle 4 und in Tabelle 13.

 

2.2.1.5 Variabilitätsskepsis: Skepsis gegenüber der Feststellung, dass es einen natürlichen Klimawandel gibt

Variabilitätsskeptiker*innen bestreiten selbst einen natürlichen Klimawandel.

In meinem Pilotanalyse-Korpus konnte ich nur einen einzigen Kommentar dieser Kategorie zuordnen:

Tabelle 1: Variabilitätsskeptischer Kommentar.

Temperaturmessungen ab 1701 widerlegen den globalen Klimawandel und den angeblich dominierenden Einfluss des anthropogenen CO2

 

Mit einem einzigen Kommentar ist die Kategorie kaum haltbar. Dennoch soll diese Kategorie nicht aufgegeben werden, da erst durch ihr Bestehen deutlich wird, dass entsprechende skeptische Argumente weitestgehend fehlen.

Der Kommentar zeigt darüberhinausgehend eine grundlegende Herausforderung: Er gehört nämlich gleichzeitig auch in die Kategorie der ursachenskeptischen Kommentare. Damit verhält er sich wie viele Kommentare (oder Teile aus Kommentaren), die mehreren Kategorien zugeordnet werden können. Im vorliegenden Fall ist das besonders problematisch, zumal ursachenskeptische Argumente eigentlich einen (natürlichen) Klimawandel annehmen und daher nicht variabilitätsskeptisch in oben definiertem Sinn sein können. Der Widerspruch könnte dadurch aufgelöst werden, dass angenommen würde, der/die Kommentarschreibende referiere bei ihrer/seiner Verwendung des Begriffs Klima­wandel lediglich auf einen anthropogenen Klimawandel. Damit wäre der Kommentar nicht mehr variabilitätsskeptisch. In diesem Fall würde allerdings der zweite, mit und eingeleitete Satzteil überflüssig oder kritischer formuliert widersprüchlich, denn die Satzstruktur legt nahe, dass nach dem und noch etwas Neues, Zusätzliches kommen muss, was bei einer rein ‚anthropogenen Auslegung‘ des Begriffs Klimawandel im hier besprochenen Kommentar nicht der Fall wäre.

 

2.2.1.6 Mitigationsskepsis: Skepsis gegenüber Massnahmen mit dem Ziel, Treibhausgaskonzentrationen weniger schnell ansteigen zu lassen und langfristig zu stabilisieren

Mitigationsskeptiker*innen sind skeptisch gegenüber Massnahmen mit dem Ziel, Treibhausgas­konzentrationen weniger schnell ansteigen zu lassen respektive diese langfristig zu stabilisieren. Stattdessen befürworten sie ein anderes Handlungskonzept: Adaptation an den Klimawandel.

Einige Mitigationsskeptiker*innen sind zugleich Ursachenskeptiker*innen und lehnen Mitigation deshalb ab, weil sie der Ansicht sind, dass menschliche Treibhausgasemissionen nicht Ursache des Klimawandels sind. Andere Mitigationsskeptiker*innen sind zugleich Problemskeptiker*innen und bei einer dritten Gruppe kann keine (enge) Zugehörigkeit zu einer anderen Skepsiskategorie ausgemacht werden.

Mitigationsskeptische Kommentare finden sich in Tabelle 12.

 

2.2.2 Skepsis gegenüber (wissenschaftlichen) Akteur*innen im Bereich Klimawandel

Diese Skeptiker*innen zweifeln an (wissenschaftlichen) Akteur*innen im Bereich Klimawandel.

Subkategorien

  • Finanziell-politische Argumente
    • Klimawandel ist ein lukratives Geschäft
    • Klimastudien/Klimavorsorge ist Steuerverschwendung
    • Klimastudien/Klimavorsorge ist eine (ungerechtfertigte) Belastung für Steuerzahler*innen
    • Klimawandel ist ein interessensgeleitetes Konstrukt
  • Abhängigkeit der Wissenschaftler*innen vom Staat
  • Klimawandel ist eine Lüge
  • Topos oder Trugschluss der Definition
  • Topos oder Trugschluss der Widersprüchlichkeit
  • Topos oder Trugschluss des Vergleichs mit dem Waldsterben[9]

Beispiele für Argumente aus diesem Bereich finden sich in Tabelle 5 und in Tabelle 14.

In diese Kategorie fallende Argumente sind oft ad-personam-Argumentationen und neigen zu Trug­schlüssigkeit.

 

2.3 Klimaskeptiker*innen und Suchvorschläge

Suchvorschläge von Suchmaschinen bieten eine interessante Möglichkeit, etwas über Klimaskeptiker­*innen zu erfahren. Gibt man beispielsweise auf der Suchmaschine Yahoo den Begriff Klimawandel ein, schlägt einem die Suchmaschine eine Reihe ergänzender Begriffe vor. Im Falle von Yahoo Deutschland (Abbildung 2) erscheint dabei gleich an oberster Stelle der Vorschlag Schwindel und an achter von insgesamt zehn Stellen der Vorschlag Lüge. Diese Suchvorschläge haben wenig damit zu tun, welche Begriffe ein*e potenzielle Klimaskeptiker*in zu einem früheren Zeitpunkt eingegeben hat, sondern basieren auf häufigen Suchanfragen anderer Nutzer*innen. Yahoo schreibt hierzu: „Yahoo Suchvorschläge erleichtert Ihnen die Suche. Noch während Ihrer Eingabe schlägt Ihnen Yahoo Such­vorschläge mittels eines automatisierten Prozesses Suchbegriffe und -phrasen in Echtzeit vor, die auf häufigen Suchanfragen anderer Nutzer basieren“ (Link[10]).

Abbildung 2: Suchvorschläge von Yahoo als Ergänzung zum Begriff Klimawandel.

 

Auch andere Suchmaschinen nutzen dieses Prinzip. Teilweise ist die Anzahl an Suchvorschlägen kleiner, wodurch dann Begriffe wie Lüge oder Schwindel nicht mehr erscheinen, dazu gibt es – so zeigen meine Recherchen – auch länderspezifische und suchmaschinenabhängige Unterschiede, was auch naheliegend ist, zumal es Unterschiede im Sprachgebrauch des jeweiligen Publikums gibt und es nicht unwahrscheinlich ist, dass der „automatisierte[.] Prozess[..]“ im Hintergrund von Suchmaschine zu Suchmaschine variiert. Suchvorschläge haben durchaus ihre Berechtigung, je nach Schreibmaschi­nen­tüchtigkeit der Benutzer*in und Endgerät (Computer mit vollwertiger Tastatur versus Smartphone) erleichtern sie die Eingabe, oder helfen sie, einen gesuchten Begriff zu finden. Doch im Fall Klimawandel können Suchvorschläge problematische Folgen haben. Denn entscheidet sich eine potenzielle Klimaskeptiker*in beispielsweise für die Begriffskombination Klimawandel Lüge – auf welche sie/er ohne die Suchvorschläge möglicherweise nicht gekommen wäre – werden eine Reihe zweifelhafte Internetseiten gefunden, die nicht besonders kritischen Leser*innen vermitteln, dass das ‚Geschwätz vom Klimawandel‘ tatsächlich eine Lüge sei.

Diese Ausführungen zu Suchvorschlägen verraten also zwei Dinge. Erstens: Es wird oft nach Begriffskombinationen wie Klimawandel Lüge gesucht. Zweitens: Eine neutrale Suche nach dem Begriff Klimawandel kann durch Suchvorschläge in eine klimaskeptische Suche abgewandelt werden.

Interessant ist darüber hinaus der Vergleich der Suchresultate zum Begriff Klimawandel mit der Begriffskombination Klimawandel Lüge. Ein am 16. Dezember 2016 durchgeführter Vergleich zeigt, dass sich nicht nur die ‚normalen‘ Suchresultate (auf der ersten Seite) vollständig unterscheiden, sondern dass nur für den Begriff Klimawandel, nicht jedoch für die Begriffskombination Klimawandel Lüge via Google Adwords Werbung aufgeschaltet wird. Die Werbung zum Zeitpunkt der Suche stammt von Swissaid, Myclimate und der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz und hat wohl nur bei Swissaid auch einen kommerziellen Hintergrund, in den anderen Fällen dürfte die Werbung nicht zuletzt Aufklärungszwecken dienlich sein. Daher könnte eine sehr einfache Massnahme gegen Klimaskeptizismus die Schaltung von Werbung zu Begriffskombinationen wie Klimawandel Lüge oder Klimawandel Schwindel sein. Diese Werbung müsste auf eine Seite führen, welche über den Klimawandel informiert und erklärt, weshalb Klimawandel keine Lüge ist.

 

3 Forschungsstand: Kontroverse Wissenschaftskommunikation

In diesem Kapitel wird in fokussierter Weise auf den Forschungsstand zur (externen) Wissenschafts­kommunikation eingegangen. Der Titel ist bewusst zweideutig[11]: Es geht erstens um die Kontroverse Wissenschaftskommunikation – also um ein Forschungsthema, welches als Kontroverse aufgefasst werden kann, da entsprechende Forschungsergebnisse mitunter widersprüchlich sind (vgl. das Stichwort Ambiguität in Unterkapitel 3.4 Kontroversen als Schlüssel zur Wissenschaft?). Gleichzeitig wird mit der zweiten Lesart des Titels – kontroverse Wissenschaftskommunikation – Weitze & Liebert 2006 vorweggenommen, welche sich eine ‚kontroversere‘ (externe) Wissenschaftskommunikation wünschen, entsprechend dem Titel des von ihnen herausgegebenen Buches „Kontroversen als Schlüssel zur Wissenschaft?“.

Nach einer kurzen Einleitung soll in einem ersten Teil (Kapitel 3.1) auf die Geschichte der Wissenschaftskommunikation eingegangen werden (Schäfer, Kristiansen & Bonfadelli 2015). Anschliessend soll anhand von Russ-Mohl 2009 auf grundsätzliche Probleme der (externen) Wissenschaftskommunikation eingegangen werden (Kapitel 3.2). In diesem Kapitel wird des Weiteren auf spezifische Hemmschwellen und Hindernisse in der Online-Wissenschaftskommunikation eingegangen (König & Nentwich 2014); letztendlich wird anhand von aktuellen Beispielen gezeigt, dass das Thema für Wissenschaftler*innen zunehmend wichtig zu werden scheint. Nach dieser Problemlageerörterung folgt ein Kapitel (3.3), welches auf die Klimakommunikation fokussiert und der Frage nachgeht, wie Klimawissenschaftler*innen im Spannungsfeld Unsicherheiten in der Klimaforschung – Umgang mit Medien agieren (Post 2015). Anschliessend folgen im gleichen Kapitel Ausführungen aus der Rezeptionsforschung, die sich damit befassen, wie Rezipient*innen mit der Kommunikation wissenschaftlicher Unsicherheiten umgehen (Westphal, Hendriks & Malik 2015). In einem vierten und letzten Kapitel (3.4) wird mit Weitze & Liebert 2006 dafür plädiert, „Wissenschaft als sprachlichen und diskursiven Prozess“ zu vermitteln und nicht allein als „undurchschaubaren Erzeuger fertiger ‚Produkte‘“ (Weitze & Liebert 2006: 11).

Oft wird zwischen interner und externer Wissenschaftskommunikation unterschieden. Interne Wissen­schafts­­kommunikation meint dann die Kommunikation unter Wissenschaftler*innen und externe Wissenschaftskommunikation die Vermittlung wissenschaftlicher Inhalte an ein nicht primär wissenschaftliches Publikum. Diese Unterscheidung macht grundsätzlich Sinn, allerdings gilt es zu bedenken, dass die neuen Medien dazu führen, dass diese Grenze gelegentlich verwischt: So sind etwa Twitter-Nachrichten standardmässig öffentlich, weshalb es sich dort also grundsätzlich um externe Klimakommunikation handelt – auch dann, wenn es sich beim imaginierten Publikum um Fach­kollegen aus der scientific community handelt (König & Nentwich 2014: 10). Neben Wissenschafts­kommunikation wird auch der Terminus Wissenschaftsvermittlung verwendet, von welchem klar ist, dass er sich nur auf die externe Wissenschaftskommunikation bezieht. Der Terminus Wissenschafts­vermittlung ist im Gegensatz zu Wissenschaftskommunikation einseitig gerichtet – und impliziert – zugespitzt formuliert –, dass ein*e aktive, ranghöhere Vermittler*in einer passiven, rangtieferen Rezipient*in Inhalte vermittelt. Da mich weder der aktiv-passiv-Gegensatz noch die Rangordnung überzeugt, werde ich bevorzugt den Terminus Wissenschaftskommunikation verwenden; sofern nicht explizit anders genannt, meine ich damit die externe Wissenschaftskommunikation.

 

3.1 Geschichtliches zur Wissenschaftskommunikation

In der Frühphase der modernen Wissenschaften im 18. und 19. Jahrhundert sei die Aussen­kommunikation von Wissenschaft zunächst einmal minimiert worden, so Mike Schäfer, Silje Kristiansen und Heinz Bonfadelli (2015: 16). Das vielzitierte Symbol für die gesellschaftliche Position von Wissenschaft in dieser Phase sei der Elfenbeinturm, „ein Ort der Abgeschiedenheit und Ruhe, der Kontemplation und Introspektion, an dem man sich ungestört von der Außenwelt geistiger Arbeit widmen kann“ (Schäfer, Kristiansen & Bonfadelli 2015: 16). Interessant ist hier und im weiteren Verlauf des Beitrages von Schäfer, Kristiansen & Bonfadelli (2015), dass das Bild des Elfenbeinturms nicht hinterfragt wird und nicht darauf eingegangen wird, dass es (meistens) abwertend verwendet wird. Stattdessen bleiben die Autoren im Bild und berichten davon, wie der Elfenbeinturm „Stein für Stein“ (Schäfer, Kristiansen & Bonfadelli 2015: 16) errichtet worden sei.

Hier ist in doppelter Weise der Verweis auf die im Februar 2016 eröffnete Plattform geschichtedergegenwart.ch interessant. Geschichte der Gegenwart ist eine „Plattform für Beiträge aus geistes- und kulturwissenschaftlicher Perspektive in politischer Absicht“ (Link[12]), welche von fünf Professor*innen, welche an der Universität Zürich lehren, herausgegeben wird. Die Professor*innen beschreiben die Plattform in ihrem Editorial als „politisch unabhängig, angriffslustig, nicht neutral, machtkritisch und intellektuell neugierig“ (Link[13]). Weiter schreiben sie in ihrem Editorial:

Unsere Beiträge sind Interventionen ins Feld der immer stärker ökonomischem und ideologischem Druck unterworfenen medialen Meinungsproduktion der Schweiz. Dabei beschränken sich unsere Themen weder auf die Schweiz noch auf die Gegenwart. Wir halten es für politisch gefährlich, die Schweiz immer nur auf die Schweiz zu beziehen und die Geschichte den aktuell herrschenden ideologischen Bedürfnissen dienstbar zu machen.

 

Die Plattform ist hier erstens interessant, weil sie ein ganz aktuelles Beispiel von Wissenschafts­kommunikation (im weitesten Sinn) ist, die unabhängig von Medienakteur*innen funktionieren will und damit gewissermassen das leistet, was Liebert (2002) vorschlägt: Eine direkte Kommunikation zwischen Wissenschaftler*innen und Öffentlichkeit. Allerdings fehlt auf der Plattform die Möglichkeit, mit den Wissenschaftler*innen in Kontakt zu treten – respektive wird eine solche Möglichkeit nicht gefördert: Es ist kein Kommentarforum vorhanden, kontaktieren können Leser­*innen die Wissenschaftler*innen nur über E-Mails, Briefe oder Telefonate. Zweitens ist hier der Beitrag mit dem Titel „Elfenbeinturm“ von Sandro Zanetti (Link[14]) aufschlussreich, weil dort – anders als bei Schäfer, Kristiansen & Bonfadelli 2015 – deutlich wird, dass der Begriff in der Regel mit einem Vorwurf einhergeht, welcher, so meint Zanetti, unberechtigt sei. Zanetti schreibt dort im Lead: „Kaum eine Vorstellung ist so realitätsfern wie die vom Wissenschaftler im Elfenbeinturm“ – trotzdem werde sie rege gepflegt, beispielsweise mittels Darstellungen von Wissenschaftler*innen in Kriminalfilmen.

Im weiteren Verlauf des Beitrags geht Zanetti auf die Geschichte des Begriffs ein und illustriert mittels Google Ngram Viewer, dass der Begriff insbesondere ab 1940 zunehmend Verwendung findet. Er stellt fest: „Dabei fällt auf, dass das Wort historisch gesehen in dem Maße [sic] populär wird, wie der Sachverhalt – dass Forscher einsam vor sich hinwirken – größtenteils [sic] unzutreffend wird (falls er überhaupt je zutreffend war)“ (Link[15]). Nichtdestotrotz meine ich, dass das Bild vom Elfenbeinturm historisch gesehen eine gewisse Berechtigung hat und heute zumindest noch treffend beschreibt, wie Wissenschaftler*innen (teilweise) von Aussenstehenden wahrgenommen werden.

Um auf Schäfer, Kristiansen & Bonfadelli 2015 zurückzukommen: Mit der Ausdifferenzierung der wissenschaftlichen Disziplinen wurden Generalist*innen durch Spezialist*innen ersetzt „deren Handeln zunehmend eigenen, spezifisch wissenschaftlichen Normen und Verhaltenskodizes unterworfen wurde und in deren Rahmen ehemals wirkmächtige externe Einflüsse etwa aus Religion oder Politik zunehmend delegitimiert und zurückgewiesen wurden“ (Schäfer, Kristiansen & Bonfadelli 2015: 16). In diesem Zusammenhang sei Wissenschaftskommunikation – welche Schäfer, Kristiansen & Bonfadelli 2015 breit fassen – damals vor allem als wissenschaftsinterne Kommunikation verstanden worden. Zwar habe es auch damals einen Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft gegeben, dieser sei jedoch die Initiative von einzelnen gewesen; die Aussenkommunikation der Wissenschaft sei nicht systematisch bearbeitet worden (Schäfer, Kristiansen & Bonfadelli 2015: 16).

Dies habe sich etwas geändert mit dem Aufkommen der modernen Massenmedien im 20. Jahrhundert, wobei diesen wissenschaftliche Themen zunächst nicht besonders wichtig waren. Spezialisierte Wissenschaftsjournalist*innen seien selten gewesen und ihr redaktioneller Status sei gering geblieben (Schäfer, Kristiansen & Bonfadelli 2015: 17).

„Die kontemplative Ruhe des Elfenbeinturms“ (Schäfer, Kristiansen & Bonfadelli 2015: 17) sei spätesten ab Mitte des 20. Jahrhunderts nachhaltig gestört worden – in den USA nach dem ‚Sputnik-Schock‘, in Europa durch die Kritik der Bevölkerung an technischen Entwicklungen wie der Atomkraft. Für die Wissenschaftskommunikation sei dies insbesondere ab Mitte der 1980er Jahre relevant geworden, zuerst in Grossbritannien. Dort habe ein Bericht der Royal Society zutage gefördert, „dass die britische Bevölkerung wenig über Wissenschaft wisse, sich auch nicht sonderlich für selbige interessiere und sie obendrein für wenig unterstützenswert halte“ (Schäfer, Kristiansen & Bonfadelli 2015: 17). Dies wurde sowohl von der Wissenschaftspolitik als auch von der Scientific Community als problematisch angesehen und die Wirkungsvermutung sei eine einfache gewesen: Man habe angenommen, dass das mangelnde Wissen der Bevölkerung über Wissenschaft kausal mit deren Akzeptanzdefizit zusammenhänge (deficit model). Man habe gefolgert, dass eine Verbesserung der scientific literacy der Bevölkerung auch für mehr Akzeptanz der Wissenschaft sorgen werde. Deshalb seien in Grossbritannien und bald auch in anderen Ländern Programme zur „Vermittlung und Popularisierung von Wissenschaft“ (Schäfer, Kristiansen & Bonfadelli 2015: 18) aufgelegt worden. Diese zielten, so die Autor*innen, auch auf eine Förderung nicht medialer Formen der Wissenschafts­kommunikation – welche (teilweise) bis heute betrieben würden: beispielsweise Tage der offenen Tür in wissenschaftlichen Institutionen und Kinderuniversitäten. Als zentrale Instanz für die Steigerung des wissenschaftlichen Wissens in der Öffentlichkeit seien aber die Massenmedien ausgemacht worden, welche besonders geeignet schienen, Wissen – die Autor*innen sprechen hier zutreffender­weise von Wissen und nicht von Wissenschaft (mehr dazu in Kapitel 3.4) – effizient an ein grosses Publikum zu vermitteln. „Diese Vermittlung stellte man sich recht simpel vor, als Transport von Informationen in die Köpfe der Bürger oder allenfalls als vereinfachende Übersetzung“ (Schäfer, Kristiansen & Bonfadelli 2015: 18). Diese Programme seien auch der Ausgangspunkt für eine verstärkte sozialwissenschaftliche Analyse von Wissenschaftskommunikation gewesen. Das deficit model schien Soziolog*innen, Kommunikationswissenschaftler*innen und anderen zu einfach. Studien hätten denn auch gezeigt, dass die wissenschaftspolitischen Programme zwar zu einer verstärkten Berichterstattung in den Medien führten, dass jedoch die scientific literacy kaum verbessert worden sei. Viele Nutzer*innen, so die Autor*innen, hätten die massenmedial präsentierten Inhalte nicht oder nur kursorisch zur Kenntnis genommen und vielleicht noch wichtiger: „Diejenigen, die sie zur Kenntnis nahmen, übernahmen sie zudem nicht einfach, sondern hinterfragten sie auf ihre lebensweltliche Relevanz, glichen sie mit persönlichen Erfahrungen ab, und betteten sie in ihre Einstellungen und Werthaltungen ein“ (Schäfer, Kristiansen & Bonfadelli 2015: 19). Was dies konkret bedeutet, wird nicht erläutert. Möglicherweise wollen die Autor*innen damit deutlich machen, dass das im Rahmen der Wissenschaftskommunikation kommunizierte Wissen nicht einfach eins zu eins aufgenommen wird, sondern dass die Rezipient*innen die Inhalte – in Abhängigkeit von beispiels­weise Einstellungen und Vorwissen – auf ihre persönliche Art und Weise aufnehmen. Dadurch würden die kommunizierten Inhalte von Person zu Person unterschiedlich aufgenommen und müssten nicht mehr dem entsprechen, was die ‚Sender*in‘ beabsichtigt hatte. Vor dem Hintergrund des Phänomens Klimaskeptizismus sehe ich darin meine (implizite) Vermutung bestätigt, dass es schwierig ist, über Wissenschaftskommunikation – aber wohl auch ganz grundsätzlich – Sichtweisen zu erweitern oder zu verändern, dass Menschen vielleicht sogar ganz spezifische Strategien haben, mit Informationen umzugehen, die nicht ihrem Weltbild entsprechen: Dass sie beispielsweise verstärkt diejenigen Informationen aufnehmen, die mit ihrer Einstellung übereinstimmen und auf Informationen, die mit ihrer Einstellung nicht übereinstimmen, mit – teils auch ziemlich eigensinniger und abwegiger – Kritik reagieren (auch im Sinne von „Re-Interpretationen“ (Knoblock-Westerwick 2007: 51); mehr dazu im Kapitel 4.1.2 zur kognitiven Dissonanz).

Die darauffolgende Entwicklung wird von Schäfer, Kristiansen & Bonfadelli 2015 besonders ausführlich besprochen, weshalb sie hier nur ansatzweise wiedergegeben werden kann. Die Autor­*innen beschreiben sie mit und um dem Bielefelder Wissenschaftssoziologen Peter Weingart (Weingart 2001; Weingart 2003; Weingart 2005; Rödder, Franzen & Weingart 2011). Weingart habe einerseits eine „Verwissenschaftlichung der Gesellschaft“, also eine Durchdringung von immer mehr Lebensbereichen mit wissenschaftlichem Wissen, diagnostiziert. Komplementär dazu habe er eine „Vergesellschaftung der Wissenschaft“ ausgemacht: Nach einer langen Phase der Autonomie werde Wissenschaft nun wieder enger an andere gesellschaftliche Systeme gekoppelt. „Die Kopplung mit Politik, Wirtschaft und Medien sei dabei besonders eng und führe zu einer Politisierung, Ökonomisierung bzw. Medialisierung von Wissenschaft“, referieren Schäfer, Kristiansen & Bonfadelli (2015: 20) auf Weingart. In diesem Zusammenhang werde Wissenschaft zum „Gegenstand medialer Dauerbeobachtung“, so die Autor*innen weiter. Weingart mutmasse, dass sich Akteur*innen und Institutionen der Wissenschaft immer weniger an den Relevanzkriterien der Wissenschaft ausrichten würden, sondern sich zunehmend den Selektions- und Präsentationsregeln der Massenmedien unterwerfen und anpassen würden (Schäfer, Kristiansen & Bonfadelli 2015: 20).

Diese Perspektive habe eine Reihe instruktiver sozial- und kommunikationswissenschaftlicher Studien hervorgebracht. Dabei habe gezeigt werden können, dass „Mediatisierungsphänomene“ an der Wissenschaft-Medien-Kopplung in der Tat auftreten und empirisch nachgewiesen werden können. So habe sich die massenmediale Berichterstattung erheblich ausgeweitet und Wissenschaftsberichterstattung finde zunehmend auch jenseits etablierter Wissenschaftsressorts statt. Auf Seiten der Wissenschaft sehen Schäfer, Kristiansen & Bonfadelli (2015: 21) ebenfalls beträchtliche Veränderungen. So sei bei wissen­schaft­lichen Akteur*innen in den vergangenen Jahren eine Ausweitung und Professionalisierung der strategischen Aussenkommunikation zu beobachten, bei welcher wissenschaftliche Inhalte von PR-Experten nach Medienkriterien aufbereitet und Journalisten zur Verfügung gestellt würden – selbst dann, wenn dies auf die Kosten der wissenschaftlichen Substanz ginge. Auf der individuellen Ebene zeige sich Ähnliches: Bei einzelnen Klimaforscher*innen, Neurowissenschaftler*innen, Nanowissenschaftler*innen, Epidemiolog*innen und Biotechnolog*innen in den USA, in Grossbritannien, Frankreich, Japan, Kanada, Deutschland und der Schweiz liessen sich umfassende Medienkontakte und die Bereitschaft konstatieren, sich Medien-Erfordernissen anzupassen: das heisst konkret, Forschung vereinfachend zu erklären, Anwendungen und lebensweltliche Implikationen zu beschreiben und teils auch politische Empfehlungen auszusprechen (Schäfer, Kristiansen & Bonfadelli 2015: 21).

Die Autor*innen machen aber auch deutlich, dass nicht alle Bereiche der Wissenschaft in gleichem Masse davon betroffen sind. Zeitlich scheinen Mediatisierungsphänomene in bestimmten Hochphasen aufzutreten. Sachlich gebe es grosse Unterschiede zwischen den Disziplinen, so seien beispielsweise die Biowissenschaften stärker betroffen als andere Disziplinen. Und sozial seien vornehmlich „hochrangige Forscher, die in förderliche institutionelle Kontexte eingebettet sind und positive Einstellungen gegenüber Außenkommunikation aufweisen“, betroffen (Schäfer, Kristiansen & Bonfadelli 2015: 21).

Die Autor*innen schlussfolgern, dass nach wie vor unterschiedliche Formen massenmedialer Kommunikation über Wissenschaft nebeneinander existierten. Zu den vielfältigen Varianten massen­medialer Kommunikation hinzu kämen weitere Formen der Wissenschaftskommunikation, die nicht primär über Medien liefen, sondern auf einen direkten Kontakt zwischen Bürger*innen und Wissenschaftler*innen setzten (Schäfer, Kristiansen & Bonfadelli (2015: 22). Beispiele dafür seien dialogisch-partizipativ orientierte Versammlungsöffentlichkeiten unter den Namen „Public Engage­ment with Science and Technology”, „Bürgerkonferenzen”, „Szenario-Workshops” oder „Citizen Juries” zu Themen wie Gentests, Stammzellforschung oder Nanowissenschaft. Dort, so die Autor­*innen, hätten Bürger*innen die Möglichkeit zu einem direkten Austausch mit Wissenschaftler­*innen und die Chance, ihre Sichtweisen an die Wissenschaftler*innen zu adressieren. Dabei gebe es durchaus erwünschte Folgen. Verschiedene Studien, so Schäfer, Kristiansen & Bonfadelli (2015: 22), hätten zeigen können, dass die Teilnehmer*innen sich dabei nicht nur wissenschaftliches Wissen aneigneten, sondern auch sicherer im Umgang mit Wissenschaftler*innen wurden, diese als responsiver wahrnahmen und beabsichtigten, sich weiter mit den entsprechenden Themen zu beschäftigen.

Der interpersonalen Kommunikation – wie sie beispielsweise in solchen dialogisch-partizipativen Versammlungsöffentlichkeiten stattfindet – wurde in kommunikationswissenschaftlichen Arbeiten allerdings wenig Beachtung geschenkt (Metag 2015: 315). Interpersonale Kommunikation spielt zwar durchaus eine Rolle in der Forschung zur Wissenschaftskommunikation, es scheint jedoch, dass diese im besten Fall in Form von Häufigkeiten erhoben wird, um dann in statistische Analysen miteinzufliessen. Aus diskurs- und gesprächslinguistischer Perspektive ist dieser Umstand durchaus bemerkenswert und legt nahe, dass hier Forschungsbedarf besteht – zumindest, falls eine vertiefte Literatursuche, die auch linguistische Publikationen mitberücksichtigt, diesen Sachverhalt bestätigen kann.

Es scheint (Schäfer, Kristiansen & Bonfadelli 2015: 23–24), dass sich aktuell die Kräfteverhältnisse im Feld der Wissenschaftskommunikation massgeblich verschieben. So gebe es eine deutliche Schwächung des Wissenschaftsjournalismus’, welche in Zusammenhang mit der anhaltenden Krise der traditionellen Massenmedien stehe. Wenn Nutzer*innenzahlen und Werbevolumen sänken, seien spezialisierte Ressorts wie das Wissenschaftsressort besonders stark von Kürzungen betroffen. Zurückgehende Nutzer*innenzahlen beträfen auch populärwissenschaftliche Zeitschriften. Gleich­zeitig zeige sich momentan ein deutliches Erstarken von Wissenschafts-PR, das heisst, eine Auswei­tung und gleichzeitig auch Professionalisierung der Aussenkommunikation von wissenschaft­lichen Institutionen. Wissenschaftsjournalist*innen hätten es zunehmend schwer, Wissenschafts-PR mit der notwendigen Sorgfalt in Auswahl und Kritik entgegenzutreten. So bestehe die Gefahr, dass die ohnehin schon starke Quellenabhängigkeit des Wissenschaftsjournalismus noch steige und so letztendlich die PR die Oberhand gewinne.

Ein weiterer aktueller Wandel der Wissenschaftskommunikation sei ihre Digitalisierung und Veränderung durch den Einfluss von Social Media (Schäfer, Kristiansen & Bonfadelli 2015: 24). So würden Online-Quellen immer wichtiger als Orte, an denen Interessierte Informationen über Wissenschaft erhalten. Dies bringe einige Vorteile, so könnten Wissenschaftler*innen und Interessier­te beispielsweise über Social Media direkt miteinander in Kontakt treten. Allerdings seien im gleichen Atemzug auch die Nachteile zu nennen: So werfe die Vielfalt des Onlineangebots Selektions- und Glaubwürdigkeitsproblematiken auf. Dies sei insbesondere bei lebensweltfernen Themen der Fall, zu welchen Menschen wenig Korrektive im Alltag hätten. Gerade in dieser Situation, folgern die Autor*innen, wäre die Orientierungsleistung des Wissenschaftsjournalismus hilfreich. Ein zweites Problem sei, dass die Gruppe der an Wissenschaft Interessierten, für welche Online-Umgebungen ein Schlaraffenland darstellten, recht klein sei. Die grösste Herausforderung von Wissenschafts­kommunikation online sei es denn auch, überhaupt ein nennenswertes Publikum zu erreichen. Das liege neben der geringen Zahl an der ernsthaft an wissenschaftlichen Themen Interessierten auch daran, dass Nicht-Interessierte diese Themen, welchen sie in traditionellen Massenmedien wenigstens noch am Rande begegneten, online einfach(er) gänzlich vermeiden könnten. Formen algorithmischer Selektion, bei denen Online-Medien auf Basis vergangener Nutzerpräferenzen nur noch Inhalte offerieren, die den Nutzer-Interessen entsprechen, könnten dies noch verstärken. Meine Ausführungen zu Vorschlägen von Suchmaschinen (Kapitel 2.3 Klimaskeptiker*innen und Suchvorschläge) legen nahe, dass sogar unabhängig der spezifischen Nutzer*innenpräferenzen – auf Grundlage der Nutzer*innenpräferenzen aller Nutzer*innen einer bestimmten Suchmaschine – in diesem Sinne ungünstige Verschiebungen in Bezug auf angezeigte Inhalte stattfinden. Besonders brisant würden entsprechende Formen algorithmischer Selektion, wenn es um kontroverse Wissenschaftsthemen gehe. Bei Themen wie dem Klimawandel, der Evolutionstheorie oder der Wirksamkeit bestimmter Therapien oder Medikamente wäre es denkbar, dass Online-Umgebungen Einzelner zu „Echo Chambers“ respektive „Filter Bubbles“ würden, in denen Informationen, die der eigenen Sichtweise entgegenstehen, nicht mehr aufscheinen – verweisen Schäfer, Kristiansen & Bonfadelli (2015: 26) auf entsprechende Forschung.

 

3.2 Hemmschwellen und Hindernisse in der (Online-)Wissenschaftskommunikation

Stephan Russ-Mohl (2009: 50), Wissenschaftsjournalist und Sozialforscher, berichtet anekdotenhaft über eine persönliche Erfahrung mit Relevanz für die Wissenschaftskommunikation:

Damals habe ich von einem angesehenen Politologen den Ratschlag bekommen, ich sollte zum Reputationserwerb in jede wissenschaftliche Publikation mindestens eine Textpassage einbauen, die garantiert kein Kollege verstehen würde. Ich bin seinem Ratschlag nicht gefolgt – und habe es vielleicht auch deshalb nie so weit gebracht wie Niklas Luhmann oder Jürgen Habermas. Mein Politologen-Kollege ist trotz seines Patentrezepts allerdings auch nicht viel berühmter geworden als ich. Ich habe gleichwohl bis heute den Verdacht, dass wissenschaftliches Imponiergehabe viele von uns daran hindert, das zu tun, was wir eigentlich tun sollten: Karl Popper folgend, Wissenschaft verständlich kommunizieren.

 

Warum solche biografischen Details erwähnenswert seien, fragt Russ-Mohl anschliessend rhetorisch. Dies sei deshalb der Fall, weil sich rückblickend der Eindruck verfestigt habe, dass vom Wissen­schafts­­betrieb her weder das Bemühen um Transfer noch das interdisziplinäre Arbeiten wirklich honoriert würden. Gut erinnere ich mich hier an ein Modul zu interdisziplinärer Projektarbeit, in dessen Rahmen uns die Dozentin – damals durchaus zu meinem Überraschen – erklärt hatte, dass Wissenschaftler*innen, welche interdisziplinär arbeiteten, oft ein Reputationsproblem hätten und rangtiefer eingestuft würden als Fachkolleg*innen, die unter Umständen kaum über den Tellerrand der eigenen Disziplin hinausblickten. Russ-Mohl (2009: 51) berichtet in der Folge davon, dass manche Forscherkolleg*innen die Nase gerümpft hätten, wenn er wieder mal mit einem Artikel journalistisch präsent gewesen sei. Wer mehr als einmal pro Jahr in den Medien präsent sei, setze sich unter Forscher­kolleg­*innen dem Generalverdacht aus, „irgendwie doch unseriös zu sein“ (Russ-Mohl 2009: 52). Das wäre noch auszuhalten, fährt Russ-Mohl (2009: 52) weiter unten fort. Gefährlicher werde der Dissidentenstatus, wenn sich die Kolleg*innen in Gutachter*innen verwandelten. Allen Lippenbe­kennt­nissen zum Trotz sei die Wahrscheinlichkeit gross, dass im Peer Review Anträge abgeschmettert würden, wenn sie interdisziplinär konzipiert seien und „wenn obendrein das Sozialforscher-Kauderwelsch, der Imponierjargon auf ein erträgliches Mindestmass reduziert ist“ (Russ-Mohl 2009: 52). Unter dem Strich sei festzuhalten, dass es sich nicht einmal im Fach Journalistik für die eigene Forscherreputation ausgezahlt habe, in vielen Printmedien präsent zu sein – zumindest gemäss seiner Selbstwahrnehmung, wie Russ-Mohl eingesteht.

Daneben legt Russ-Mohl (2009: 49) nahe, dass sowohl auf Seiten der Wissenschaftler*innen als auch bei Wissenschaftsjournalist*innen Zeitmangel, fehlende Anreize und Vorurteile zu einem Scheitern der Wissenschaftskommunikation führten. Während bei Wissenschaftsjournalist*innen Vorurteile gegenüber „Elfenbeinturm-Wissenschaftlern“ und Angst vor Forscher*innen, die man möglicherweise als Quelle nicht verstehe, hinderlich seien, stünden bei Wissenschaftler*innen Vorurteile gegenüber „medialen Dünnbrettbohrern“ und „Angst vor Reputationseinbussen“ der Wissenschaftkommunikation im Weg, weil Medienberichterstatter*innen gelegentlich unzulässig vereinfachten, Sachverhalte ver­drehten oder Zitate aus ihrem Kontext rissen (Russ-Mohl 2009: 49 –50).

Während einige der soeben aufgeführten Vorbehalte von Wissenschaftler*innen gegenüber Wissen­schafts­kommunikation im Zusammenhang mit dem massenmedialen, journalistisch vermittelten Format stehen, sind andere grundsätzlicher Natur und betreffen auch die Wissenschafts­kommunikation über Soziale Medien. Soziale Medien und traditionelle Massenmedien weisen zudem auch Schnittstellen auf – wenn beispielsweise Journalist*innen einen Artikel auf Grund von Twitter­meldungen einer Wissenschaftler*in verfassen (siehe hierzu das Analysebeispiel in Reisigl & Wodak 2016). Dies dürfte dazu führen, dass massenmedial-spezifische Vorbehalte, wie die Angst vor unzulässig vereinfachenden Journalist*innen, übertragen werden und auch eine (nur auf den ersten Blick) von Massenmedien unabhängige Wissenschaftskommunikation betreffen. Hinzu kommen dann noch Hürden, die spezifisch sind für soziale Medien und andere internetbasierte direkte Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Wissenschaftler*innen und Öffentlichkeit. Eine solche zusätzliche Hürde könnte der permanente Beta-Status entsprechender Dienste sein (König & Nentwich (2014: 6). Der Beta-Status beziehe sich dabei erstens auf die sich ständig verändernden Dienste und zweitens auf die sich noch entwickelnden wissenschaftlichen Praxen. René König und Michael Nentwich (2014: 6) stellen fest: „Der frühen Phase dieser Entwicklung entsprechend, haben sich dabei bislang kaum institutionalisierte Praktiken herausgebildet und der Einsatz dieser Dienste erfolgt häufig noch experimentell. So lassen sich auch von Wissenschaftler zu Wissenschaftler ganz unterschiedliche Nutzungsformen beobachten.“ Entsprechend sei die Wissenschaftskommunikation auf diesem Weg von „permanenter Instabilität“ (König & Nentwich 2014: 19) geprägt. Ich folgere daraus, dass von den Wissenschaftler*innen für diese Art der Wissenschaftskommunikation eine gewisse Experimentier­freudigkeit, eine grundsätzliche Affinität gegenüber entsprechenden Diensten und wohl auch genügend Zeit und Musse gefordert werden – und damit Eigenschaften, die nicht grundsätzlich gegeben sind. Zudem fehle es meistens an Möglichkeiten, Änderungen – beispielsweise bezüglich des Designs der Dienste – mitzugestalten, so dass der Wissenschaft in der Regel nur die Reaktion bleibe (König & Nentwich 2014: 9). Weiter kommt potenziell erschwerend hinzu, dass entsprechende Dienste oft von milliardenschweren US-Konzernen bereitgestellt werden, welche beispielsweise durch Steuerdelikte in Kritik geraten sind und nicht gerade den Ruf haben, zurückhaltend mit persönlichen Daten umzugehen. So dürfte sich die eine oder andere Wissenschaftler*in auch in diesem Zusammenhang gegen eine Nutzung entsprechender Dienste entscheiden.

Abschliessend stellen König & Nentwich (2014: 21) fest, dass der Diskurs über die wissenschaftliche Nutzung des Web 2.0 oftmals noch in Extremen verharre. Auf der einen Seite stünden die Utopisten, die darin das Aufkommen einer produktiveren, freieren und demokratischeren Wissenschaft sähen, auf der anderen Seite die Dystopisten, die wissenschaftliche Ideale bedroht sähen und mehr oder weniger jegliche Beschäftigung mit dem neuen Netz als unwissenschaftliche Zeitverschwendung abtäten.

Trotz der zahlreichen genannten Hürden findet Wissenschaftskommunikation statt. Mein Eindruck ist, dass dem Thema von Seiten der Wissenschaft in jüngster Zeit besondere Beachtung geschenkt wird. Davon zeugt die bereits genannte, erst wenige Monate alte Plattform geschichtedergegenwart.ch und weitere, allesamt sehr neue populärwissenschaftliche Onlineformate mit Fokus auf Geistes- und Sozialwissenschaften, die Wissenschaftler*innen persönlich zu Wort kommen lassen, namentlich: defacto.expert, batz.ch, avenue.jetzt. Ein weiteres Indiz für das aktuelle Interesse an der Wissenschaftskommunikation ist das Instrument Agora – Forschung und Öffentlichkeit im Austausch des Schweizerischen Nationalfonds SNF.

 

3.3 Wissenschaftskommunikation zum Klimawandel und der Umgang mit wissenschaftlichen Unsicherheiten

Senja Post 2015 hat eine quantitative Untersuchung bei Klimaforscher*innen zum Spannungsfeld Unsicherheiten in der Klimaforschung – Umgang mit Medien durchgeführt. Dazu hat sie 123 Klima­forscher­*innen in Deutschland schriftlich-postalisch befragt und sie kommt dabei durchaus zu interessanten Ergebnissen. Etwas irritierend erscheint mir allerdings, dass Post immer wieder von den „öffentlich akzeptierten Annahmen, dass der Klimawandel menschengemacht, historisch einzigartig, gefährlich und berechenbar ist“ oder verkürzt vom „öffentlich etablierten Bild vom Klimawandel“ respektive von den „öffentlich akzeptierten Annahmen vom Klimawandel“ spricht.[16] Denn gemäss meinen eigenen Untersuchungen gibt es ein solches öffentlich akzeptiertes Bild vom Klimawandel nicht, zumindest nicht in der Schweiz, und dass die öffentlichen Meinungen in Deutschland hierzu weitaus homogener sind, halte ich für unwahrscheinlich. Möglicherweise denkt Post bei diesen Formulierungen primär an das medial zum Ausdruck gebrachte Bild vom Klimawandel, welches meines Erachtens aber nicht mit einem „öffentlich akzeptierten Bild“ gleichgesetzt werden darf. Post fragt in diesem Zusammenhang danach, wie sehr eine Klimaforscher*in von diesem öffentlich akzeptierten Bild vom Klimawandel überzeugt sei, und ermittelt anhand eines Fragenkatalogs mehr und weniger überzeugte Wissenschaftler*innen. Wie aus ihren Formulierungen hervorgeht, geht es ihr dabei nicht darum, wie die Forscher*innen die öffentliche Meinung einschätzen, sondern es geht ihr darum, herauszufinden, ob die Forscher*innen dem öffentlich akzeptierten Bild – welches es meines Erachtens nicht gibt – entsprechen. Zwar stellt Post (2015: 190) fest, dass deutsche Klimaforscher­*innen insgesamt kaum an der Existenz des anthropogenen Klimawandels zweifeln. Deren Einschät­zungen seien aber geteilt – und das ist durchaus naheliegend – wenn es um das Ausmass des mensch­lichen Einflusses, der zukünftigen Gefahren und die Möglichkeiten zur Berechnung der Klima­entwicklung gehe. Und auf Grundlage dieser letztgenannten Punkte (Ausmass des menschlichen Einflusses, zukünftige Gefahren und Möglichkeiten zur Berechnung der Klimaentwicklung) erstellt Post (2015: 190) einen Fragenkatalog. Basierend auf den dazu ermittelten Antworten wiederum teilt Post die Klimawissenschaftler*innen in mehr und weniger vom öffentlichen Bild des Klimawandels Überzeugte ein. Auch dieses Vorgehen finde ich etwas irritierend, da dadurch die grundsätzlich von der Existenz eines anthropogenen Klimawandels überzeugten Klima­wissenschaftler*innen plötzlich circa zur Hälfte – „die Kurve ist leicht rechtsschief in Richtung ‚Überzeugung‘“ (Post 2015: 190) – zu weniger vom Klimawandel überzeugten, ja sogar fast zu Klima­­skeptiker*innen werden.

Trotz dieser Vorbehalte sei gesagt, dass Post durchaus ein bemerkenswertes Forschungsdesign erstellt und zumindest teilweise zu relevanten und interessanten Ergebnissen kommt. Post (2015: 193) legt den befragten Klimatolog*innen einen fiktiven Forschungsbefund vor:

Die Klimaforscher bekamen einen fiktiven Forschungsbefund vorgelegt. Sie sollten einschätzen, für wie ‚nebensächlich‘ oder ‚schwerwiegend‘ sie verschiedene Einwände gegen eine Veröffentlichung des Befundes in einer Tageszeitung halten. Der fiktive Befund wurde in zwei Versionen konstruiert. Die eine Version suggeriert, dass der Klimawandel schneller als erwartet voranschreitet und bestätigt damit das Bild eines dramatisch voranschreitenden Klimawandels. Die andere Version suggeriert, dass der Klimawandel langsamer als erwartet voranschreiten wird und widerspricht damit dem Bild vom dramatisch voranschreitenden Klimawandel.

 

Jede Teilnehmer*in habe zufällig eine der beiden Versionen erhalten. Post (2015: 193) wollte auf diesem Weg prüfen, ob die Einwände der Klimaforscher*innen gegen eine Veröffentlichung stärker sind, wenn der Befund auf ein langsames Voranschreiten als wenn er auf ein schnelles Voranschreiten des Klimawandels hindeutet. Um sicherzustellen, dass das fiktive Forschungsergebnis plausibel ist und keine Fehler enthält, habe sie es ausführlich mit einem Professor für Geologie besprochen. In der Befragung hätten die Klimatolog*innen beide Versionen gleichermassen akzeptiert.

In beiden Versionen hätten die Klimaforscher*innen nur leichte Bedenken gegen eine Veröffentlichung in einer Tageszeitung gezeigt (Post 2015: 194). Wenn der Befund auf ein langsameres Voranschreiten des Klimawandels hindeute, hätten die Klimaforscher*innen allerdings grössere Bedenken, dass er „von Interessensgruppen instrumentalisiert“ und „in der Öffentlichkeit falsch interpretiert werden“ könnte. Unterschiede der beiden Gruppen seien in diesen zwei Punkten zwar vorhanden, aber nicht oder kaum signifikant.

Post (2015: 197) kommt unter anderem zu folgenden Ergebnissen:

  • Die Klimaforscher*innen würden es grundsätzlich für richtig halten, die Öffentlichkeit auf wissenschaftliche Ungewissheiten in der Klimaforschung aufmerksam zu machen.
  • Ihre Absicht, die Öffentlichkeit über Ungewissheit zu informieren, stehe in negativem Zusammenhang mit ihrem Engagement in den Medien: Je mehr die Klimaforscher*innen es befürworteten, auf Ungewissheiten in der Öffentlichkeit hinzuweisen, desto seltener stünden sie mit Journalist*innen in Kontakt und desto weniger eigene Beiträge veröffentlichten sie in den Massenmedien.
  • Der Grad der Überzeugung der Klimaforscher*innen von den allgemein akzeptierten Annahmen zum Klimawandel stehe in negativem Zusammenhang mit ihrem Engagement in den Medien: Je mehr die Klimaforscher*innen davon überzeugt seien, dass der Klimawandel menschengemacht, gefährlich, historisch einzigartig und berechenbar sei, desto häufiger sprächen sie mit Journalist*innen und desto mehr eigene Beiträge veröffentlichten sie in den Massenmedien.

Post (2015: 199) schlussfolgert, dass die genannten Handlungsstrategien der Klimawissenschaftler­*innen im schlimmsten Fall eine verzerrte Darstellung des Kenntnisstandes zum Klimawandel in der Öffentlichkeit zur Konsequenz haben könnten. Eine solche wiederum könnte eine sachlich ange­messene Urteilsbildung der Öffentlichkeit und eine dem Forschungsstand angemessene öffentliche Diskussion des Klimawandels behindern.

Weitere aufschlussreiche Ergebnisse zum Thema Kommunikation wissenschaftlicher Unsicherheiten kommen aus der Rezeptionsforschung. Im Beitrag von Sarah Westphal, Frederike Hendriks und Maja Malik (2015) geht es zwar nicht um den Klimawandel, sondern um ein medizinisches Thema. Den­noch scheint es, dass zumindest teilweise Erkenntnisse auf die Wissenschaftskommunikation zum Klimawandel übertragen werden können.

Westphal, Hendriks & Malik (2015) besprechen in ihrem Artikel, wie dargestellte Unsicherheiten in Bezug auf die (langfristige) Wirksamkeit der HPV-Impfung auf die Rezipient*innen wirken. Bevor die Autorinnen ihre Hypothesen aufstellen und empirisch prüfen, definieren sie Vertrauen und Vertrauenswürdigkeit theoretisch und gehen auf den Forschungsstand zur dargestellten wissen­schaftlichen Unsicherheit in Zusammenhang mit Vertrauen ein. Für ihre Studie konzipieren die Autor­innen die Rezeption von Gesundheitsinformationen als Vertrauenssituation (Westphal, Hendriks & Malik 2015: 344). Vertrauen komme dann zum Tragen, wenn Rezipient*innen selbst über zu wenig Wissen über ein für sie relevantes Thema verfügten (Westphal, Hendriks & Malik 2015: 344). Vor dem Hintergrund ihrer Erwartungen – Rezipient*innen erwarteten, dass die Quelle ausgewogene, richtige und vollständige Informationen selektiere (Westphal, Hendriks & Malik 2015: 344) – versuchten Rezipient*innen zunächst, die Vertrauenswürdigkeit des Informationsangebots einzu­schätzen (Westphal, Hendriks & Malik 2015: 345). Sie suchten nach Gründen für Vertrauen, die ihre positiven Erwartungen legitimierten. Dazu könnten sie keine sach- oder problemspezifischen Gründe nutzen, weil ihnen genau dieses Sachwissen fehle. Stattdessen nutzten sie Indikatoren, welche symbolisch für die Vertrauenswürdigkeit des Angebots stünden. Für Kommunikationsangebote könnten dies, so die Autorinnen, Merkmale der Quelle sein, (beispielsweise Doktortitel, Zugehörigkeit zu staatlicher Organisation), aber auch Merkmale der Informationen (beispielsweise Anzahl der Argumente, Rechtschreibung, Schlüssigkeit der Argumentation; oder, was an dieser Stelle zwar nicht aufgeführt wird: dargestellte Unsicherheiten).

Die Autorinnen bringen Beispiele von bisheriger Forschung, die zeigen, dass sich die Darstellung wissenschaftlicher Unsicherheiten positiv auf die Vertrauenswürdigkeitsbewertung von Quellen auswirken kann. So hätten Forscher*innen etwa einen positiven Effekt dargestellter wissenschaftlicher Unsicherheiten auf die Wahrnehmung der Kompetenz, sozialen Verantwortlichkeit und Ehrlichkeit von Wissenschaftler*innen gezeigt. Im Gegensatz zu diesen positiven Effekten würden in der Forschung zur Risikorezeption in Bezug auf das Konzept der Ambiguität aber auch negative Effekte von dargestellten Unsicherheiten diskutiert (Westphal, Hendriks & Malik 2015: 347). Es werde angenommen, dass dargestellte Unsicherheiten zu Ambiguitätswahrnehmung führen könne, weil sie offen für verschiedene Interpretationen seien. Man könne also vermuten, dass dargestellte Unsicher­heiten in Informationen auf einer zweiten Ebene auch eine Unsicherheit über die Verlässlichkeit und Richtigkeit der Informationen an sich hervorrufe.

Westphal, Hendriks & Malik (2015: 358-360) kommen unter anderem zu folgenden Schluss­folgerungen:

  • Die Proband*innen hätten die dargestellten Unsicherheiten als solche wahrgenommen und sie als positiven Indikator für die Vertrauenswürdigkeit der Informationen (Objektivität, Ausge­wo­genheit) genutzt, wenn die Unsicherheit auf die Wirksamkeit der Impfung bezogen gewesen sei. Zudem hätten die Proband*innen dargestellte Unsicherheiten über die langfristige Wirksamkeit der HPV-Impfung in den Informationen inhaltlich interpretiert und sie zum Anlass genommen, die Impfung nicht zu empfehlen.
  • Allerdings zeige die Studie auch, dass dargestellte Unsicherheiten die Vertrauensbereitschaft der Rezipient*innen eher erschwere: Die Unsicherheiten hätten dazu geführt, dass die Proband*innen weniger eindeutige Entscheidungen trafen und unsicherer in ihren Entschei­dungen waren als die Probanden der Kontrollgruppe. Es sei demnach für die Proband*innen schwierig gewesen, dargestellte Unsicherheiten für ihre Entscheidung zu nutzen. Dies habe sich auch darin widergespiegelt, dass sich die Proband*innen in hohem Mass auf ihre Vor­einstellungen gestützt hätten, um die Entscheidung zu treffen, statt sich ganz auf die Informationen der Texte zu verlassen. Trotzdem könne man diese Reaktion nicht als Ambi­guitäts­­­aversion bezeichnen, denn eine tatsächliche Vermeidung der Entscheidung (durch Wählen der Option „ich weiss nicht“) sei nur in 10 Prozent der Fälle aufgetreten.

Die Autorinnen halten ausserdem fest, dass Vertrauen speziell in Situationen zum Tragen komme, in denen die Rezipient*innen nur über wenig eigenes Wissen zum Thema verfügten und sich nicht auf ihr eigenes Wissen verlassen können würden. Aus diesem Grund meinen die Autorinnen, wäre es in Folgestudien sinnvoll, auch Eltern zu rekrutieren, die sich noch nicht ausführlich mit dem Thema HPV-Impfung beschäftigt und noch keine Einstellungen ausgebildet hätten. Zudem sollten weitere Studien Themen nutzen, die noch sehr neu seien und über die die Bevölkerung noch relativ wenig wisse. Diese Studien könnten zeigen, inwiefern Rezipienten tatsächlich unsicheren Informationen vertrauten, indem sie sich in einer Entscheidungssituation auf sie verliessen.

Sicher lassen sich diese Beobachtungen nicht ohne Weiteres auf wissenschaftliche Informationen zum Klimawandel übertragen. Für einige weiterführende Überlegungen macht es nun Sinn, sich nochmals das Verhältnis von Vertrauen und Vertrauenswürdigkeit vor Augen zu führen. Westphal, Hendriks & Malik (2015: 345) meinen hierzu: Falle die Vertrauenswürdigkeitsbewertung positiv aus, sei der Rezipient bereit, den Informationen zu vertrauen. Auf diese Bereitschaft folge die Vertrauens­handlung, in der die Bereitschaft tatsächlich umgesetzt werde. Die enge Verknüpfung von Vertrauens­würdigkeit, Vertrauen und Vertrauenshandlung mag im Kontext der vorliegenden Studie adäquat sein – in Bezug auf klimawissenschaftliche Informationen stelle ich mir jedoch vor, dass es sinnvoller ist, Vertrauenswürdigkeit in erster Linie unabhängig von direkt damit verknüpften Handlungen zu sehen. Denn Handlungen, die theoretisch erfolgen könnten, wenn Rezipient*innen klimawissenschaftlichen Informationen vertrauen, erfolgen nicht in einer einmaligen, vom Leben weitgehend losgelösten Vertrauenshandlung, sondern immer wieder und oft mit erheblichen Konse­quenzen für den Lebensstil der Rezipient*innen. Wer Informationen von Klimawissenschaftler*innen vertrauenswürdig findet, entscheidet sich nicht gleich dazu, Veganer*in zu werden, das Auto zu verkaufen und aufs Fliegen grundsätzlich zu verzichten, denn diese Handlungen hätten weitreichende Folgen im Alltag und entsprechend gibt es auch viele Gründe, sie nicht auszuführen. Das Verhältnis von Vertrauens­würdigkeit und Vertrauenshandlung scheint im Kontext von Klimakommunikation weniger eng respektive von deutlich zahlreicheren gewichtigen Faktoren gestört.

Übertragbar scheinen mir jedoch die Hinweise auf wissenschaftliche Unsicherheiten. Ich kann mir vorstellen, dass solche auch in der Wissenschaftskommunikation zum Klimawandel wünschenswerte Effekte zeigen und zu besseren Vertrauenswürdigkeitsbewertungen führen. Sicherlich sollte man dabei nicht den Fehler amerikanischer Journalist*innen widerholen und ‚ausgeglichen‘ in dem Sinn über den Klimawandel berichten, dass man Klimaskeptiker*innen in gleichem Masse zu Wort kommen lässt wie Klimabewegte (siehe hierzu Boykoff & Boykoff 2004). Aber Hinweise darauf, dass nicht der anthropogene Klimawandel grundsätzlich, jedoch beispielsweise eine lokale Prognose für Nieder­schläge unter einem fortschreitenden Klimawandel, mit Unsicherheiten behaftet ist, scheinen mir positives Potenzial zu bergen.

 

3.4 Kontroversen als Schlüssel zur Wissenschaft?

„Wir haben es versäumt, der Öffentlichkeit klarzumachen, daß Wissenschaft vom Widerspruch lebt“, zitiert der Wissenschaftsjournalist Axel Bojanowski den amerikanischen Klimaforscher James Hansen in der WELT (Link[17]) und bringt damit die Sichtweise für das Scheitern der Wissenschafts­kommunikation – insbesondere in Bezug auf den Klimawandel – auf den Tisch, welche in diesem Unterkapitel besprochen werden soll.

So komplex die Diskussion und so vielfältig die Klagen über „Scientific Literacy“ der Bevölkerung seien, scheine doch ein Konsens darüber zu bestehen, dass Wissen über Wissenschaft in der Öffentlich­keit gering ist, argumentieren Marc-Denis Weitze und Wolf Andreas Liebert (2006: 8). Untersuchungsergebnisse dazu, was Wissenschaft aus Sicht der Öffentlichkeit ist, brächten durchweg zum Ausdruck, dass die Mehrzahl der befragten Lai*innen keine klare Vorstellung davon habe, was es heisst, wissenschaftlich zu arbeiten.

Die Ursachen für „solche Vorstellungen“ – Weitze und Liebert (2006: 8) müssen damit das angesprochene, grundsätzlich geringe Wissen der Öffentlichkeit über Wissenschaft meinen – seien nicht schwer zu finden. Wissenschaft berichte hauptsächlich von den Ergebnissen aus der Wissenschaft. Ob in der Schule, in universitären Vorlesungen, in Magazinen – Wissenschaft werde als gradlinige Erfolgsgeschichte dargestellt. Dabei führe die Beschränkung der Vermittlung auf Faktenwissen, Ergebnisse und Theorien jedoch dazu, dass Missverständnisse über wissenschaftliche Methoden transportiert würden, und dass die Gültigkeit wissenschaftlicher Ergebnisse für Aussen­stehende uneinschätzbar bleibe. Wissen über Wissenschaft sei aber gerade relevant, um Unsicher­heiten der Wissensproduktion und die Gültigkeit des wissenschaftlichen Wissens einschätzen zu können. Der Wissenschaftshistoriker Steven Shapin habe darauf hingewiesen, dass man die Produkte der Wissenschaft nur dann einschätzen könne, wenn man etwas über deren Herkunft wisse, „so wie bei der Wurst im Supermarkt“, erläutern Weitze & Liebert (2006: 8), auf Steven Shapin bezugnehmend.

Dieses Wissen über Wissenschaft betreffe insbesondere Kenntnisse zur Entstehung wissenschaftlichen Wissens. Weiter schreiben die Autoren (2006: 8–9): „In der Öffentlichkeit wird ein Wissenschafts­begriff vorausgesetzt, der monolithisch wahrheitsorientiert und nicht sensitiv für jene Unsicherheiten und Unwägbarkeiten ist, die gerade erst in der Interaktion verschiedener gesellschaftlicher Gruppen ausgehandelt werden“ (Weitze & Liebert 2006: 8f). Das Ausblenden diskursiver Prozesse habe problematische Konsequenzen für das Verhältnis von Wissenschaft und Öffentlichkeit, argumentieren die Autoren weiter. Kontroversen und widersprüchliche Erkenntnisse, beispielsweise in der Klimaforschung, würden von Politiker*innen und Interessensverbänden aller Lager instrumentalisiert, um Druck auszuüben oder Konsequenzen zu verhindern. Lai*innen wiederum, welche von der Wissenschaft eine gemeinhin widerspruchsfreie Darstellung erwarteten, würden von massenmedial verstärkten oder zugespitzten Konflikten, von der unverbundenen Abfolge von Expertise und Gegenexpertise, verunsichert. Diese „fatale Fehlbewertung von Wissenschaftsgenese als linearem und konsistentem Prozess“ (Weitze & Liebert 2006: 9) vergrössere die Kluft und führe letztendlich zu einer Glaubwürdigkeitskrise der Wissenschaft.

Es gehe hier also weniger um eine blosse Verbesserung der gängigen Praxis der Vermittlung von Wissenschaft, um Inhalte, die „Laien wissen müssen“. Sondern es gehe um kommunikative Kompetenzen, die Wissenschaftler*innen, Lehrer*innen, Journalist*innen und ‚Lai*innen‘ gleicher­massen besitzen sollten. Dies beinhalte eine „Neujustierung der Zielrichtung“ für den Bereich der Wissenschaftskommunikation. Nicht allein auf eine Erklärung der Inhalte komme es an, sondern auch auf die Vermittlung kommunikativer Verfahren und Kompetenzen, welche die Zielgruppen unabhängig vom jeweiligen konkreten wissenschaftlichen Thema anwenden könnten.

 

 

4 Theorien und Methoden

 

4.1 Anschlussfähige Theorien

Mit dem audience design des Soziolinguisten Allan Bell und der kognitiven Dissonanz des Sozialpsychologen Leon Festinger liegen zwei Theorien vor, die für die vorliegende Arbeit anschlussfähig sind. Diese sollen nun kurz vorgestellt werden. Es ist allerdings zu bemerken, dass die beiden Theorien und damit verbundene Hypothesen hier nicht überprüft werden sollen – vielmehr gewährleisten sie eine ganz grundsätzliche theoretische Anschlussfähigkeit der Arbeit. Darüber hinaus bieten sie Erklärungen für Beobachtungen in der Versuchsdatenanalyse (kognitive Dissonanz) und liefern im Falle des audience design ein zusätzliches Argument, welches für das gewählte Vorgehen, Klimatologen in den Foren mitdiskutieren zu lassen, spricht.

 

4.1.1 Audience Design

In seinem Artikel „Language style as audience design“ erklärt Allan Bell (1984: 145) das Konzept des audience design und macht dabei deutlich, wie das ‚Zuhörerdesign‘ mit der Dimension stilistische Variation zusammenhängt. Stilistische Variation, welche Bell auch als „intraspeaker variation“ bezeichnet, entwickle sich aus „interspeaker variation“ und spiegle diese gleichzeitig. In anderen Worten: Stil ist die Sprachvariation einer einzelnen Sprecher*in und entsteht in Abhängigkeit vom Gegenüber der Sprecher*in. Stil sei also im Wesentlichen die Antwort der Sprecher*in auf ihre Zuhörerschaft (audience): „In audience design, speakers accommodate primarily to their addressee“ (Bell 1984: 145).[18]

Wenn Liebert (2002: 349) schreibt „Die Hypothese über den anderen, sein Wissen, seine soziale Herkunft usw., steuert also in großem Maße, welches Wissen wie in welchem Auflösungsgrad vermittelt wird“ geht es dabei im Grunde genommen um nichts anderes: Um die (bei Liebert auch inhaltliche) Ausrichtung am Publikum (welches bei Liebert mit der „Partnerhypothese“ (Liebert 2002: 349) nicht unbedingt ein real existierendes, sondern vielmehr ein imaginiertes ist). Diese Ausrichtung der Wissenschaftsvermittler*innen an die angenommenen Partner*innen steht allerdings weniger im Zentrum meiner Überlegungen. Vielmehr geht es darum, dass Konzepte wie die Partnerhypothese oder das audience design die Hypothese zulassen, dass der in aller Regel sachlichere Stil der Wissenschaftler im Forum dazu führt, dass auch nicht-wissenschaftliche Kommentator*innen einen sachlicheren Stil einschlagen und zum Beispiel personenbezogene Angriffe seltener werden: Indem die ‚normalen‘ Kommentator*innen ihren eigenen Stil – bewusst und unbewusst – an die Ausdrucks­weise des Gegenübers anpassen. So ist zu hoffen, dass die Beteiligung der Klimatologen im Forum – aufgrund des Umstandes, dass wir uns stilistisch (und inhaltlich) dem (angenommenen) Gegenüber anpassen – zu einer Erhöhung der Qualität der Beiträge führt.

 

4.1.2 Kognitive Dissonanz

Silvia Knobloch-Westerwick 2007 hat einen Artikel mit dem Titel „Kognitive Dissonanz ‚Revisited‘“ verfasst, worin sie erstens Festingers „Theorie zur kognitiven Dissonanz“ (Festinger 1957) erklärt, zweitens den Forschungsstand empirischer Studien zur Überprüfung der Theorie Festingers zusammenfasst und drittens über eine eigene Studie dazu berichtet. Auf alle drei Punkte soll im Folgenden kurz eingegangen werden.

In seiner Theorie der kognitiven Dissonanz gehe Festinger 1957 davon aus, dass Personen ein Gleichgewicht in ihrem kognitiven System anstrebten. Ein solches Gleichgewicht bestehe, wenn Kognitionen, die inhaltlich miteinander zu tun hätten, konsistent und widerspruchsfrei seien. Beispiels­weise sei ein solches Gleichgewicht nicht gegeben, wenn eine Person eine politische Partei präferiere und diese Partei in einen Skandal verwickelt werde. Im Falle solcher unvereinbaren Kognitionen („ich präferiere die CDU; die CDU ist unmoralisch und gesetzwidrig mit Parteispenden umgegangen“ (Knobloch-Westerwick 2007: 51)) entstehe Dissonanz, die vom Individuum als unangenehm erlebt werde. Nach Festinger erzeuge Dissonanz ein Bedürfnis, konsonante Beziehungen herzustellen, das heisse, die Dissonanz zu reduzieren, beispielsweise durch „Re-Interpretationen“ (Knoblock-Westerwick 2007: 51) oder durch selektive Zuwendung zu Informationen, die Konsonanz unterstützten. Insbesondere letztere Variante der Dissonanzvermeidung – selektive Informationsnutzung und -vermeidung – habe in der kommunikationswissenschaftlichen Forschung viel Beachtung gefunden. Die Annahme, dass Medien in der Regel kaum Veränderungen in Einstellungen herbeiführten und diese meist nur bestärkten, gehe darauf zurück. Indem sich die Mediennutzer*innen gemäss der Theorie überwiegend einstellungskonsistenten Inhalten zuwendeten (Konsonanzsuche) und anderer­seits einstellungsinkonsistente Inhalte meiden würden (Dissonanzvermeidung), würden sie zwar Dissonanzen aus dem Weg gehen, aber auch die Auseinandersetzung mit alternativen Sichtweisen umgehen. Deshalb seien Einstellungsveränderungen durch Mediennutzung aus Sicht der Theorie zur kognitiven Dissonanz zunächst einmal unwahrscheinlich. Problematisch zumindest aus demokratie­theoretischer Sicht sei dieses Selektionsverhalten insofern, als die Vermeidung von einstellungs­inkonsistenten Informationen auch bedeute, dass keine Meinungsbildung aufgrund vielfältiger Informationen stattfinden könne und Menschen selbst dann bei ihrer bestehenden Meinung verharren sollten, wenn zusätzliche Informationen und Argumente aus rationaler Sicht eine Meinungs­änderung nahelegten. Diese zusätzlichen Informationen werden, so besage Festingers Theorie, in der Regel gemieden.

In der Folge bietet Knobloch-Westerwick 2007 einen Forschungsüberblick zu Studien, welche sich mit der empirischen Überprüfung von Festingers Theorie befasst haben. Dieser Forschungsüberblick zeige, schlussfolgert die Artikelautorin, dass die Rolle der Dissonanzvermeidung in der Informations­selektion immer noch nicht abschliessend geklärt sei. Mit Sicherheit werde Informationsselektion aber nicht allein durch Dissonanzvermeidung determiniert. So würden die Nützlichkeit der Information, die Präsenz von Nachrichtenwerten, die inhaltliche Betonung von Themenaspekten im Sinne von Framing, sowie formale Gestaltungsfaktoren ebenfalls eine Rolle spielen, verweist Knobloch-Westerwick auf weiterführende Literatur.

Ihre eigene Studie, welche die Autorin nun bespricht, würde kognitive Dissonanz in zweierlei Hinsicht anders untersuchen als bisherige Studien. Der erste Unterschied sei, dass Selektions­entscheidungen nicht durch beispielsweise Fragebögen operationalisiert, sondern „non-reaktiv“ während der Nutzung von Online-Informationen „sekundengenau“ aufgezeichnet würden. Dieses Verfahren vermeide eine Reihe von Problemen mit unvollständiger Erinnerung der Proband*innen, sozialer Erwünschtheit, Streben nach Konsistenz im Antwortverhalten oder der Künstlichkeit der Selektionssituation. Es sollte deshalb validere Selektionsdaten liefern als die Methoden in früheren Arbeiten zur kognitiven Dissonanz, so Knobloch-Westerwick. Ein zweiter Unterschied zur bisherigen Mediennutzungsforschung zur Dissonanztheorie sei die themen­bezogene Messung von Einstellungen: Da die Bindung an politische Parteien und Wahlbeteili­gungen deutlich rückläufig seien, erscheine es „heute“ weniger sinnvoll, Informationen nur in Abhängigkeit von Partei- oder Kandidatenbewertungen als einstellungs­konsistent oder -inkonsis­tent einzustufen. Knobloch-Westerwicks Studie, welche Festingers Theorie grund­sätzlich bestätigen soll und welche ein sehr interessantes Setting aufweist, soll hier aber nicht im Detail aufgearbeitet werden.

Welche Bedeutung hat kognitive Dissonanz und die damit verbundene Informationsselektion für die vorliegende Arbeit? Die Verbindung ist einfach: Die Theorie legt nahe, dass es schwierig ist, Klima­skeptiker*innen zu ‚belehren‘, weil Skeptiker*innen klimabewegte Medienartikel (oder klimabewegte Argumentationen in beliebigen Artikeln) und klimabewegte Kommentare in den Foren (zumindest in der Tendenz) gar nicht zur Kenntnis nehmen oder ihnen im Sinne einer „Re-Interpretation“ wider­sprechen.

 

4.2 Theoretische und methodische Grundlage: Die Wiener Kritische Diskursanalyse

Die vorliegende Arbeit orientiert sich methodisch an der Wiener Kritischen Diskursanalyse.

Dafür, dass ich mich entschieden habe, mich an der Wiener Kritischen Diskursanalyse zu orientieren, gibt es mindestens zwei Gründe. Ein erster Grund liegt darin, dass Martin Reisigl und Ruth Wodak (2016) das in ihrem Beitrag vorgeschlagene achtschrittige Vorgehen ausgerechnet anhand eines Klima­artikels und dazugehörigen Kommentaren veranschaulichen. Ein zweiter wichtiger Grund war das Wissen darum, dass beim Wiener Ansatz die anwendungsbezogene und problemorientierte Zugangs­weise stärker ausgeprägt ist als bei den meisten anderen Varianten der Kritischen Diskursanalyse (Reisigl 2011: 478); denn es ist mir ein Anliegen, dass meine Masterarbeit diese beiden Kriterien, Anwendungsbezogenheit und Problemorientierung, in besonderem Masse berück­sichtigt.

Es soll nun in einem ersten Schritt eine Abgrenzung von ähnlichen Ansätzen (4.2.1), zweitens die Erläuterung von zwei zentralen Begriffen (4.2.2) und drittens eine methodische Annäherung (4.2.3) erfolgen.

Grundlage für Kapitel 4.2 bilden insbesondere Reisigl (2011) und Reisigl & Wodak (2016; 2009).

 

4.2.1 Abgrenzung von und Gemeinsamkeiten mit ähnlichen Ansätzen

Reisigl zufolge reiht sich die Wiener Kritische Diskursanalyse gemeinsam mit mindestens fünf weiteren Spielarten der Kritischen Diskursanalyse beziehungsweise Critical Discourse Studies in das Feld der Kritischen Diskursforschung ein. Diese fünf weiteren Spielarten seien:

  • der an Foucault und Link orientierte Duisburger Ansatz
  • der Oldenburger Ansatz
  • der soziokognitive Ansatz van Dijks
  • der soziosemiotische, auf Systemisch Funktionaler Linguistik fussende Ansatz von van Leeuwen, Kress und Machin
  • der ebenfalls auf Systemisch Funktionaler Linguistik fussende, aber auch stark sozial­theoretisch orientierte Ansatz von Norman Fairclough.[19]

Reisigl (2011: 474) meint, dass es mitunter schwierig sei – insbesondere ohne zeitliche Distanz – zu beurteilen, welche Ausprägungen der Kritischen Diskursanalyse als eigenständige Ansätze zu betrachten seien. Daher diskutiert Reisigl eine Reihe weiterer Diskursforscher*innen, deren Arbeiten obige Liste potenziell ergänzen könnten.

Die meisten Spielarten der Kritischen Diskursanalyse hätten gemeinsam, dass ihre Forschung durch die Wahrnehmung eines sozialen Problems mit einem sprachlichen oder sonstigen semiotischen Bezug angestossen werde (Reisigl 2011: 475). Des Weiteren verbinde sie, dass sie sich für Sprache (be­ziehungs­weise andere semiotische, zum Beispiel visuelle, Modi) in konkreten gesellschaftlichen Gebrauchs- und Interaktionszusammenhängen interessierten und damit ganz bewusst nicht nur Sprach- beziehungsweise Zeichensysteme analysieren wollten (Reisigl 2011: 475).

Daneben gebe es noch mindestens drei weitere Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Spiel­arten der Kritischen Diskursanalyse:

Zudem verbindet die unterschiedlichen Varianten der Kritischen Diskursforschung, daß sie –  in kritischer Volte gegen kontextabgewandte ‚deskriptive Linguistik‘ – die soziale und politische Situiertheit und Kontextabhängigkeit von Diskursen betonen, daß sie den sozial konstruktiven ebenso wie sozial konstruierten Charakter von Diskursen hervorheben und die Handlungsqualität von Diskursen herausstreichen, das heißt, Diskurs als soziale Praxis bestimmen (Reisigl 2011: 475).

 

Obwohl ich selbst insbesondere während meines Bachelorstudiums mehrheitlich mit kontextabgewandter, deskriptiver Linguistik in Berührung gekommen bin und diese auch durchaus sehr interessant fand, habe ich mich mittlerweile von einer solchen Linguistik distanziert. Zündend war hier eine Seminararbeit, in deren Rahmen ich mich mit (möglichen) Zusammenhängen zwischen biologischer und sprachlicher Diversität beschäftigt hatte; dabei stellte ich fest, dass es nur wenige Linguist*innen gibt, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Dies, obwohl mit dem – massenhaften – Verschwinden von Sprachen gewissermassen auch das Untersuchungsobjekt deskriptiver Linguistik (sofern sie sich mit Sprachen befasst, deren mittel- und langfristige Weitergabe an folgende Generationen gefährdet ist) vom Verschwinden bedroht ist.[20] Spätestens seit dieser Arbeit bin ich mir darüber im Klaren, dass ich auch als Linguistin einen Beitrag zur Lösung aktueller gesellschaftlicher Probleme leisten kann. So kann ich den Exponent*innen der verschiedenen Spielarten der kritischen Diskursanalyse nur beipflichten, wenn sie sich in ihren Forschungsfragen von sozialen Problemen anregen lassen und sowohl die Kontextabhängigkeit als auch die Handlungsqualität von Diskursen betonen. All dies sind Grundvoraussetzungen, die auch in der vorliegenden Arbeit wichtig sind.

Doch was zeichnet nun die Kritische Diskursanalyse Wiener Provenienz genau aus? Reisigl (2011: 475) schreibt, dass der Wiener Ansatz – in sprachwissenschaftlicher Hinsicht – eine Verbindung von Soziolinguistik, linguistische Pragmatik (darunter zuerst der Gebrauchstheorie der Bedeutung, der Sprechakttheorie und der Funktionalen Pragmatik), Textlinguistik, linguistische Diskurs- und Gesprächstheorie, Argumentationstheorie und Rhetorik anstrebe. Von besonderem Interesse ist die Verbindung des Wiener Ansatzes zur Soziolinguistik – welcher auch schon als Diskurssoziolinguistik bezeichnet wurde – da diese die disziplinäre Verankerung der vorliegenden Arbeit (über die meines Erachtens hier ungenügende, plakative Feststellung, dass die Arbeit im Schnittbereich von Sprache und Gesellschaft angesiedelt ist und damit soziolinguistisch sein muss, hinausgehend) sicherstellt.[21]

Eine Besonderheit des Wiener Zugangs sei des Weiteren, dass er sich früher als die meisten anderen Ansätze der kritischen Diskursanalyse um einen argumentationstheoretisch informierten Zugang zur Analyse von Argumentation bemühte (Reisigl 2011: 476). Er habe dabei unter anderem Anschluss an Stephen Toulmin, Joseph Kopperschmidt, Manfred Kienpointner und Martin Wengeler gesucht (siehe auch Reisigl 2014). Nicht zuletzt orientiere sich der Wiener Ansatz bei der Analyse von Argumentation an der Pragmadialektik, welche Regeln des konstruktiven Streitens bereitstelle. Mit Argumentationsanalyse befasste Wiener Diskursanalytiker*innen würden diese Regeln als normative Massstäbe betrachten, an welchen sie sich orientierten, wenn sie schlüssige von trugschlüssiger Argumentation, plausible Topoi von argumentativen Fehlschlüssen unterscheiden wollten. Dies habe damit zu tun, dass eine sich als „kritisch“ verstehende Diskursanalyse nicht damit zufrieden sein könne, argumentative Strukturen, Muster und Verfahren lediglich zu beschreiben; denn als kritische Diskursanalyse verfolge sie kritische Ansprüche und versuche, mit plausiblen Argumenten Stellung zu beziehen (Reisigl 2011: 476). „Will sie die persuasive Qualität von Diskursen nachvollziehbar beurteilen, muß sie über explizite normative Maßstäbe verfügen“ (Reisigl 2011: 476) – und genau hier könnten die pragmadialektischen Regeln des konstruktiven Streitens als solche normativen Massstäbe dienen.

Weiter unterscheide sich der Wiener Ansatz von den anderen Spielarten der Kritischen Diskursanalyse in seinem Verhältnis zur Rhetorik. Im Gegensatz zu diesen nehme der Wiener Ansatz nicht in einem pejorativen und selektiven Sinn darauf Bezug, sondern in einem viel umfassenderen Sinn, wie er bereits in der antiken Rhetorik vertreten worden sei, welche Argumentation von vornherein als zentralen Bestandteil von Rhetorik begriffen habe (Reisigl 2011: 477; Reisigl in print).

Der Wiener Ansatz knüpfe in sprachphilosophischer Hinsicht an die Kritische Theorie und Wittgensteins Spätphilosophie an.

Die anwendungsbezogene und problemorientierte Zugangsweise sei beim Wiener Ansatz stärker ausgeprägt als bei den meisten anderen Varianten der Kritischen Diskursanalyse (Reisigl 2011: 478).

„Wissenschaftliche Wertfreiheit“ und „Neutralität“ halte der Wiener Ansatz für eine „positivistische und deskriptivistische Fiktion“, so Reisigl (2011: 477), der aber gleichzeitig betont, dass der Wiener Ansatz damit keinesfalls die wissenschaftlichen Kriterien der begrifflichen Präzision, analytischen Sorgfalt und Nachvollziehbarkeit verabschiede. In diesem Zusammenhang sei der Wiener Ansatz durch einen gemässigten Konstruktivismus gekennzeichnet. Er distanziere sich von einem naiven Abbildrealismus als epistemischer Grundhaltung traditioneller Soziolinguistik und versuche, die konstruktive Rolle der Forschenden im Forschungsprozess, beispielsweise bei der Gewinnung der diskursanalytischen Kategorien und Hypothesen, aber auch bei der begrifflichen Formation und Durch­dringung des Untersuchungsgegenstands, immer stärker mitzureflektieren (Reisigl 2011: 478).

Ausserdem positioniere sich der Ansatz kritisch gegenüber bestimmten soziolinguistischen Grund­annahmen: „Herkömmliche soziolinguistische Grundannahmen wie die, daß soziologische Kategorien wie ‚Geschlecht‘, ‚Schicht‘, ‚ethnische Zugehörigkeit‘ sozial vorgegebene, von der Analyse unab­hängige, prädiskursive Variablen seien, von denen das Sprachverhalten der Sprecherinnen und Sprecher unidirektional abhänge oder determiniert werde, gelten ihm als überholt“ (Reisigl 2011: 478).

 

4.2.2 Zentrale Begriffe

Zwei zentrale Begriffe der Wiener Kritischen Diskursanalyse sind Diskurs und Kritik. Diese sollen im Folgenden erläutert werden. Daneben gibt es eine Reihe weiterer wichtiger Begriffe, insbesondere Ideologie, Macht, Text und Kontext.[22]

 

4.2.2.1 Der Begriff Diskurs

Reisigl (2011: 479) schlägt folgendes Verständnis für den Diskursbegriff vor:

„Diskurs“ bezeichnet einen Komplex funktional und thematisch zusammenhängender, simultan oder sequentiell organisierter, mündlicher, schriftlicher oder sonstwie semiotisch manifest werdender Sprachhandlungen und Sprachhandlungsabfolgen, die pragmatisch zu größeren kommunikativen Einheiten (schriftlichen Texten oder mündlichen Kommunikationssequenzen) verwoben sind, welche als semiotische Tokens (Sin-zeichen) musterhaften semiotischen Types (Legizeichen) zugeordnet werden können, die der Erfüllung spezifischer kommunikativer respektive sozialer Aufgaben dienen. Als kommunikative Großeinheit ist ein Diskurs dieser Auffassung nach eine problembezogene, in sozialen Handlungsfeldern situierte und diachron veränderliche semiotische Praxis, die sozial konstitutiv und sozial konstituiert ist und in der einen oder anderen Form argumentativ um Geltungsansprüche wie Wahrheit und normative Richtigkeit kreist.

 

Dieser Diskursbegriff enthält folgende Charakteristika (Reisigl 2011: 480):

  • Themenbezogenheit von Diskursen
  • Handlungs- und Praxisbezug von Diskursen
  • Situierung von Diskursen in sozialen Handlungsfeldern
  • Soziale Wirklichkeit konstituierender und von sozialer Wirklichkeit konstituierter Charakter von Diskursen
  • Problem- und Geltungsbezogenheit sowie Argumentativität von Diskursen – hier gilt es zu beachten, dass die Diskurskonzeption von Reisigl 2011 weiter gefasst ist als diejenige von Habermas. Bei Habermas werde die Konsensfindung als notwendige Bedingung für einen Diskurs postuliert, während Reisigl 2011 auch dann von einem Diskurs spricht, wenn leidglich widerstreitende Geltungsansprüche erhoben, aber kein Konsens angestrebt oder gefunden wird. Entsprechend erfüllen Kommentarforen in Onlinezeitungen den Habermasschen Diskurs­­begriff in der Regel nicht: Denn ein Konsens wird zwar vielleicht teilweise noch angestrebt, aber selten gefunden.
  • Multiperspektivität von Diskursen – im Gegensatz zu Faircloughs und van Leeuwens monoperspektivischer Auffassung von Diskurs, der zufolge ein Diskurs eine Repräsentation sozialen Lebens sei, die aus einer spezifischen Perspektive erfolge und an eine bestimmte soziale Position gebunden sei.

 

4.2.2.2 Der Begriff Kritik

Kritik sei in der Wiener Kritische Diskursanalyse auf epistemische ebenso wie auf praktische Fragen bezogen. Es gebe mindestens drei miteinander zusammenhängende Dimensionen von Kritik (Reisigl 2011: 483–484):

  • Text- oder diskursimmanente Kritik, die darauf abziele, Widersprüche, Inkonsistenzen, Paradoxien und Dilemmata in den text- oder diskursinternen Strukturen aufzudecken. Widersprüche könnten beispielsweise innerhalb logisch-semantischer, kohäsiver, syntakti­scher, performativer, präsuppositionaler, implikativer, (pseudo-)argumentativer oder interak­tio­na­ler Strukturen auftreten.
  • Sozio-diagnostische Kritik, welche sich mit der „Bloßlegung des häufig verdeckten persua­siven, propagandistischen oder ‚manipulativen‘ Charakters diskursiver Praktiken“ befasse. Diese Art der Kritik sei beispielsweise darauf ausgerichtet, „(ethisch) ‚proble­matische‘ Funktionen und Effekte diskursiver Praktiken“ offenzulegen, Verantwortlichkeiten aufzuzeigen und die „bisweilen verborgenen, widersprüchlichen, ambivalenten oder ‚polyphonen‘ Interessen und Ansprüche der SprecherInnen“ zu enthüllen. Die Analysierenden würden mit dieser Form der Kritik die sprachlichen, textuellen und interaktionalen Strukturen und diskursiven Ereignisse in weitere gesellschaftliche und politische Kontexte einbetten.
  • Prospektive praktische Kritik betreffe vor allem die praktische und ethische Dimension. Sie sei „politisch“ in einem handlungsbezogenen Sinn, indem sie versuche, soziale und insbesondere kommunikative Verhältnisse zu verbessern. „Ethisch speist sich diese Form der praktischen Kritik aus einem Sinn für Gerechtigkeit, der auf der normativen Überzeugung der Gültigkeit von demokratischen Grund- und Menschenrechten beruht, und aus Empathie, dem Mitgefühl mit Opfern sozialer Diskriminierung“ (Reisigl 2011: 484).

Obwohl die Möglichkeit von Kritik stets einen Grad an sozialer Distanz voraussetze, sei das kritische Unterfangen, so Reisigl (2011: 484-485), immer situiert: „KritikerInnen sind keine sozial isolierten und körperlosen Lebewesen, sondern interessensgeleitete Mitglieder spezifischer Gesellschaften und sozialer Gruppen mit spezifischen Standpunkten“ (Reisigl 2011: 485).

Reisigl (2011: 485-486) geht in der Folge auf das mitunter angespannte Verhältnis zwischen Kritischen Diskursanalytiker*innen und Verfechter*innen sogenannt deskriptiver Ansätze in der Linguistik ein. Er macht deutlich, dass es eine rein deskriptive Linguistik nicht geben könne, da Wissenschaft ohne Explikation und Argumentation nicht möglich sei. Keine sich als deskriptiv begreifende linguistische Theorie sei tatsächlich jemals lediglich beschreibend:

Verstehen wir unter „Deskription“ die beschreibende Präsentation eines Objekts in seiner sinnlich wahrnehmbaren Gestalt und Oberflächenform, dann ist schnell gezeigt, daß die angeblich „deskriptiven Ansätze“ bei der Formation ihrer theoretischen Grundlagen und bei der begrifflichen Erfassung ihres empirischen Untersuchungsgegenstands weit mehr tun, als nur zu beschreiben: Ohne Explikation und Argumentation ist keine Wissenschaft möglich (Reisigl 2011: 485).

 

Damit will Reisigl verdeutlichen, dass die strikte Entgegensetzung von Kritik und Deskription, welche als Grenzziehung zwischen zwei asymmetrischen Gegenbegriffen in der Linguistik bis heute vehement verfochten werde, durchaus anfechtbar sei. In diesem Zusammenhang verweist Reisigl auf zwei weitere Punkte: Erstens würden in linguistischen Theorien, die sich als deskriptiv verstünden, viele verborgene normative Annahmen stecken. Darunter würden beispielsweise grammatische Kriterien wie Wohlgeformtheit und Akzeptabilität, textlinguistische Konzepte wie Kohärenz oder Kohäsion und das pragmatische Konzept der Kooperativität fallen – all dies seien Konzepte, die kritische Massstäbe etablierten, an denen sprachliche Realität gemessen würde. Zweitens sei das Geschäft der wissenschaftlichen Beschreibung selbst als kritisches Unterfangen zu begreifen: „Zielt die Beschrei­bung auf die gegenstandsadäquate – das heißt ikonische – Darstellung, dann ist die Methode, um dieses Ziel zu erreichen, die des kritisch vergleichenden Prüfens der Ähnlichkeit zwischen Repräsen­tamen und Repräsentiertem. Auch der Beschreibung liegt also eine kritische Norm zugrunde, nämlich diejenige der Präzision“ (Reisigl 2011: 485-486).

Eben diese Genauigkeit, so der von deskriptivistischer Seite erhobene Vorwurf, liessen Kritische Diskursfoscher*innen in ihren Diskursanalysen oft vermissen, da sie vorschnell ins Politisieren abgleiten würden und es daher versäumten, dem empirischen Untersuchungsgegenstand analytisch gerecht zu werden. Diesen Vorwurf nimmt Reisigl sehr ernst. Allerdings, so hält Reisigl doch entgegen, sollten sich auch die Deskriptivist*innen der kritischen Implikationen und perspektivischen Gerichtetheit ihres niemals wertfreien wissenschaftlichen Tuns stärker bewusst werden.

4.2.3 Methodische Annäherung

Eine gründliche, idealtypische Analyse im Rahmen der Wiener Kritischen Diskursanalyse folge acht forschungsspraktischen Schritten (Reisigl 2011: 487-488; Reisigl & Wodak 2016: 34). Typischerweise würden diese Schritte rekursiv angewendet.

  1. Aktivierung und Konsultation von theoretischem Vorwissen (Beschäftigung mit bereits erfolgter Forschung).
  2. Systematische Sammlung von Daten und Kontextinformationen (abhängig von den Forschungs­­fragen, unterschiedlichen Diskursen und diskursiven Ereignissen, sozialen Feldern und Akteur*innen, semiotischen Medien, Genres und Texten).
  3. Auswahl und Vorbereitung der Daten für spezifische Analysen (Auswahl und Verkleinerung der Daten anhand von relevanten Kriterien, Transkription von Aufnahmen etc.).
  4. Spezifizierung der Forschungsfragen und Formulierung von Hypothesen (auf Basis der Literatur­arbeit und einer ersten Sichtung der Daten).
  5. Qualitative Pilotanalyse, einschliesslich einer Kontextanalyse, einer Makro- und einer Mikro-Analyse (welche es erlauben, Kategorien und erste Hypothesen zu testen und eine Spezifizierung der Hypothesen möglich machen).
  6. Detaillierte Fallstudien (einer grossen Auswahl an Daten, primär qualitativ, aber teilweise auch quantitativ).
  7. Formulierung der Kritik (Interpretation und Erklärung der Resultate, unter Berücksichtigung des relevanten Kontextwissens und in Bezug auf die drei Dimensionen von Kritik).
  8. Praktische Anwendung der analytischen Resultate (wenn möglich, werden die Resultate angewandt oder zur praktischen Anwendung mit dem Ziel sozialer Wirkung vorgeschlagen).

Diese ‚Anleitung in acht Schritten‘ findet sich sowohl in Reisigl (2011: 487-488) als auch in Reisigl & Wodak (2016: 34).

Eine solche idealtypische Analyse werde am besten im Rahmen eines gross angelegten interdisziplinären Projektes mit genügend Ressourcen in Form von Zeit, Personal und Geld durchgeführt. Abhängig von der Höhe der Forschungsgelder, Zeit und anderen Einschränkungen seien natürlich auch kleinere Studien nützlich und legitim, so Reisigl & Wodak (2016: 34). Im Rahmen eines Dissertationsprojektes könne man freilich nur wenige Fallstudien durchführen und müsse die Datensammlung notwendigerweise einschränken.

Reisigl & Wodak (2016) illustrieren das genannte Vorgehen in acht Schritten an einem Beispiel respektive einer Pilotanalyse (wobei sie sich auf die Schritte 1, 2, 4 und 5 konzentrieren). In dieser Pilotanalyse werden ein Artikel und zugehörige Kommentare aus dem britischen Boulevardblatt Daily Star mit dem Titel „END OF THE WORLD? Top scientist reveals ‚We’re f*****!‘“ (Link[23]) analysiert. Auf die Pilotanalyse von Reisigl & Wodak 2016 wird in Kapitel 4.3.3 Martin Reisigl & Ruth Wodak 2016 eingegangen.

Je nach Fragestellung und disziplinärer Zusammensetzung der Forscher*innenteams werde auf geschichtswissenschaftliche, politikwissenschaftliche, soziologische sowie (sozial)psychologische Theorien Bezug genommen (Reisigl 2011: 477). Theorien mittlerer Reichweite hätten sich dabei für die empirische Forschung als anschlussfähiger erwiesen als sozialwissenschaftliche Grosstheorien (Reisigl 2011: 477).

Die Wiener Kritische Diskursanalyse sei primär qualitativ ausgerichtet. Dennoch fänden immer wieder quantitative und in den letzten Jahren zunehmend auch korpuslinguistische Forschungsmethoden Anwendung (Reisigl 2011: 477).

 

4.3 Einschlägige Forschungsbeispiele aus dem Bereich Kritische Diskursanalyse

 

4.3.1 Bernhard Forchtner 2015

Ein (allerdings sehr kurzer) Text eines kritischen Diskursanalytikers zum Thema Klimawandel liegt mit Bernhard Forchtner 2015 vor. Forchtner betrachtet das Verhältnis extrem rechter Akteur*innen – mit diesem Terminus fasst Forchtner 2015 Rechtspopulist*innen, Rechtsextremist*innen und Neonazis zusammen – zum Klimawandel und vermutet anhand von Anekdoten, Selbstwahrnehmungen und den wenigen existierenden Publikationen, dass das Spektrum extrem rechter Akteur*innen der These des menschengemachten Klimawandels oft skeptisch gegenübersteht. Forchtner zeigt aber, dass es auch Befürworter*innen der These des menschgemachten Klimawandels unter diesen Akteur*innen gibt. Damit stelle sich allerdings die Frage, wie sich extrem rechte Ideologie in den beiden gegensätzlichen Positionen ausdrücken könne – und diese Frage sei deshalb interessant, weil sie auf ein potenzielles ideologisches Dilemma der extremen Rechten hinweisen würde: Gerade die extreme Rechte sehe den Kern jeder nationalen Gemeinschaft als „begrenzt und souverän“, während ökologische Krisen in „heutigen Weltrisikogesellschaften“ zunehmend örtlich, zeitlich und sozial „entgrenzt“ seien. Für seine folgende Analyse bezieht sich Forchtner (für die Jahre 2001–2013) auf Partei- und Wahl­programme, auf ausserordentliche Texte wie Positionspapiere sowie auf eine Inhaltsanalyse jener Artikel in den Parteizeitungen (der drei berücksichtigen Parteien SVP, FPÖ und NPD), welche Klima­wandel als Thema im Titel, dem Vorspann oder dem ersten Absatz führen. Hier sollen nur seine Ergebnisse zur Schweizerischen Volkspartei SVP knapp wiedergegeben werden. Die SVP habe bereits 2001 ein Positionspapier zum Klimawandel (mit dem Titel „CO2-Reduktion ohne Steuern und Abgaben“) veröffentlicht. In diesem werde zwar Skepsis gegenüber der These eines von Menschen verursachten Klimawandels geäussert, der menschliche Einfluss werde aber als „Arbeitsgrundlage“ akzeptiert. Beinahe alleiniges Thema der SVP im Diskurs über den Klimawandel sei die Ablehnung eines von Bundesrat und Parlament beschlossenen CO2-Gesetzes (inklusive potenzieller CO2-Abgaben), welches helfen solle, das nationale Reduktionsziel von 10 Prozent zu erreichen (und damit mehr als die im Kyoto-Protokoll vereinbarten 8 Prozent). Das CO2-Gesetz werde heftig kritisiert und stelle den Beginn des Tropus vom „Musterschüler“ dar. 2009 präsentiere sich die SVP in einem zweiten Positionspapier (mit dem Titel „Für eine Klimapolitik mit Augenmass“) wesentlich skeptischer. CO2 gelange nur in geringen Mengen durch menschliche Aktivität in die Atmosphäre und es existierten „zahlreiche Hinweise darauf, dass die alarmierenden Meldungen der letzten Jahre, wonach menschliche Aktivitäten das Klima der Erde beeinflussen würden, nicht der Realität auf diesem Planeten entsprechen“ (SVP 2009: 7). Insbesondere sei zu unterstreichen, dass in diesem Jahrhundert keine Klimaerwärmung stattgefunden und das Meer sich sogar abgekühlt habe (SVP 2009: 7). Dementsprechend werde der IPCC attackiert, der natürliche Wandel des Klimas betont und „Hysterie“ und „Panikmache“ abgelehnt. Zentraler Aspekt auch dieses Positionspapiers sei das CO2-Gesetz und die CO2-Abgabe, deren Ende gefordert werde (Forchtner 2015).

Es fällt auf, dass viele der hier genannten Argumente auch in meinem Analysekorpus vorliegen. Für mich stellt sich im Zusammenhang mit dem Text von Forchtner die Frage, ob Klimaskeptizismus immer von (extrem) rechten Akteur*innen ausgeht. Anhand meiner Analysen werde ich die Frage nicht beantworten können – obwohl es zumindest Anzeichen dafür gibt, dass rechte und gleichzeitig wirtschaftsliberale Akteur*innen enger mit Klimaskeptizismus verknüpft sind (siehe hierzu auch die Kommentare der Subkategorie Finanziell-politische Argumente in den Analysekapiteln 5.2.1.3 und 5.3.1.3 ).

 

4.3.2 Niku Dorostkar & Alexander Preisinger (2012; 2013)

Niku Dorostkar und Alexander Preisinger (2012; 2013) sind hier nicht wegen eines (nicht vorhandenen) Bezugs zu Diskursen über Klimawandel interessant, sondern weil sie Leser*innen­kommentarforen aus kritisch-diskursanalytischer Perspektive analysieren. Da bereits in zwei Analyse­kapiteln (5.2.1.1 Design der Kommentare und der Poster*innennamen; 6.2 Vorbemerkungen zur Datenanalyse und Bestimmung des Begriffs Thread) auf Dorostkar & Preisinger (2012; 2013) eingegangen wird, soll hier nur kurz auf die entsprechenden Analysen der beiden Forscher aus Wien eingegangen werden.

Dorostkar & Preisinger (2012: 1) wollen „die kritische Diskursanalyse nach dem diskurshistorischen Ansatz (DHA)“ um Überlegungen aus der Medienlinguistik und der Erforschung computervermittelter Kommunikation (CMC) ergänzen und auf diese Weise ein analytisches Grundgerüst für die kritische Online-Diskursanalyse erarbeiten. Im Rahmen einer explorativen Studie untersuchen sie mit ihrem Ansatz zwei exemplarische „Leserkommentar-Threads“, die in den Foren der Online-Zeitung derstandard.at in der Rubrik „Bildung & Integration“ veröffentlicht wurden. Ihre forschungsleitende Grundfrage ist, ob und inwiefern Online-Zeitungsforen eher deliberativen oder rassistischen Sprachgebrauch enthalten. Dorostkar & Preisinger (2012: 37) stellen fest, dass das Design der Foren Elemente enthält, die beide Phänomene begünstigen könnten. Hinsichtlich deliberativer Elemente beobachten sie, dass „Möglichkeiten zur interpersonalen Bezugnahme und niederschwelliger Zugang zu Partizipationsmöglichkeiten an gesellschaftsrelevanten Diskursen“ bestehen. Auf der Kehrseite würden sich demgegenüber Parameter zu Buche schlagen, welche „Phänomene wie Rassismus, Flaming, Zynismus und trugschlüssige Argumentation“ begünstigten, so beispielsweise die Anonymität und ein niedriges Zeichenlimit. Dorostkar & Preisinger (2012: 38) unterbreiten daher Vorschläge, welche sich im Anschluss an ihre Ergebnisse anbieten würden.

In Bezug auf die leitende Fragestellung der Autoren und überhaupt wegen des Umstandes, dass Dorostkar & Preisinger (2012; 2013) Leser*innenkommentarforen aus kritisch-diskursanalytischer Perspektive analysieren, erwies sich ihre Arbeit als anschlussfähig für meine eigene Arbeit, was auch die verschiedenen Bezugnahmen in den Analysekapiteln nahelegen. Vergleiche zwischen meinen Ergebnissen und denjenigen von Dorostkar & Presinger (2012; 2013) sind jedoch nicht ohne Weiteres möglich; zu sehr unterscheiden sich die in meiner Arbeit analysierten Kommentarforen in Bezug auf das Design von den Kommentarforen unter derstandard.at und zu unterschiedlich ist bei einer genaueren Betrachtung auch der Fokus der jeweiligen Arbeiten.

 

4.3.3 Martin Reisigl & Ruth Wodak 2016

Reisigl & Wodak 2016 illustrieren das in Kapitel 4.2.3 Methodische Annäherung genannte Vorgehen in acht Schritten an einem Beispiel respektive einer Pilotanalyse (wobei sie sich auf die Schritte 1, 2, 4 und 5 konzentrieren). In dieser Pilotanalyse werden ein Artikel und zugehörige Kommentare aus dem britischen Boulevardblatt Daily Star mit dem Titel „END OF THE WORLD? Top scientist reveals ‚We’re f*****!‘“ (Link[24]) analysiert. Ausgangspunkt für den Beitrag war ein Tweet des Glaziologen Jason Box. Die genannten Schritte 1, 2, 4 und 5 sollen im Folgenden kurz dargestellt werden.

 

Schritt 1: Aktivierung und Konsultation von theoretischem Vorwissen

Zwecks Aktivierung des theoretischen Vorwissens beschreiben Reisigl & Wodak (2016: 36–37), was Klimawandel in der ‚Alltagssprache‘ bedeutet. Anschliessend konsultieren sie klimawissenschaftliche Literatur. Dabei kommen sie zum Schluss, dass eine historisch-semantische Rekonstruktion zeige, dass die wissenschaftliche und politische Bedeutung des Begriffs erweitert worden sei. Dem kann ich hier insofern zustimmen, als dass auch ich (mit Planton 2013) beobachtet habe, dass die Definition des Begriffes Klimawandel im „Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen“ aus dem Jahr 1992 enger ist als die wissenschaftliche IPCC-Definition (Planton 2013): Im Rahmen­über­einkommen sind natürliche Schwankungen explizit ausgeschlossen, im Gegensatz zur IPCC-Definition, wo diese mitgemeint sind. Ich würde aber nicht von einer Begriffserweiterung sprechen wollen, sondern davon, dass verschiedene Definitionen nebeneinander existieren. Für diese Sichtweise spricht erstens, dass das Rahmenübereinkommen bis heute in Kraft ist, und zweitens, dass es sich bei der Definition im Rahmenübereinkommen um eine politische Definition handelt und bei der IPCC-Definition um eine wissenschaftliche. Insofern gibt es meines Erachtens, anders als Reisigl & Wodak (2016) dies darstellen, auch gar keine „scientific and political“ Bedeutung (in Einem), sondern getrennte wissenschaftliche und politische Definitionen von Klimawandel. In diesem Sinne mit meiner Sichtweise übereinstimmend ist eine persönliche Notiz von Gian-Kasper Plattner zu einer Entwurfsfassung des Kapitels 2.1 Klimawandel: „Sie [die UNFCCC-Definition] ist wichtig im IPCC UN Kontext [sic], da sich die wissenschaftliche Verwendung von „Climate Change“ von der politischen UNFCCC Verwendung [sic] unterscheidet.“

Nach einer ersten Bedeutungsannäherung an den Begriff Klimawandel formulieren Reisigl & Wodak (2016: 37) eine ‚allgemeinere‘ (more general), diskursbezogene Forschungsfrage: Was bedeutet Klimawandel in spezifischen öffentlichen Diskursen und wie wird der menschliche Einfluss auf den Klimawandel in diesen Diskursen repräsentiert und diskutiert?

 

Schritt 2: Systematische Sammlung von Daten und Kontextinformationen

Im Rahmen dieses Schrittes fokussieren Reisigl & Wodak (2016: 38) die oben formulierte Forschungsfrage auf den (bereits erwähnten) Artikel von Dave Snelling und dazugehörige Leser­*innen­kommentare in der Onlineversion des Daily Star.

 

Schritt 4: Spezifizierung der Forschungsfragen und Formulierung von Hypothesen

Den dritten Schritt, die Auswahl und Vorbereitung der Daten für spezifische Analysen, überspringen Reisigl & Wodak (2016: 39), da sie sich nur auf eine einzige ‚Textkette‘ (textual chain) – bestehend aus einem Zeitungsartikel und dazugehörigen Kommentaren – beziehen.

Im Rahmen des vierten Schrittes könne die Forschungsfrage in Bezug auf die folgenden Dimensionen weiter spezifiziert werden:

  1. Ob die globale Erwärmung unbestritten/einheitlich wahrgenommen werde durch die Diskurs­teilnehmenden.
  2. Ob Klimawandel als natürlicher Prozess gesehen werde oder als mitverursacht durch Menschen.

Darüber hinaus sollte die Forschungsfrage auch agonistische politische Beschuldigungen des Missbrauchs und der Manipulation und ‚alternative Handlungsaufrufe‘ (alternative appeals for action) – wobei für mich nicht ganz klar ist, auf welche ‚nicht-alternativen‘ Handlungsaufrufe sich die ‚alternativen‘ Handlungsaufrufe beziehen sollen – berücksichtigen. Entsprechend sei ein möglicher Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung der Forschungsfrage die Analyse von (solchen) kontroversen und sich widersprechenden Positionen. Kritische Diskursanalytiker*innen würden solche sich widersprechende Positionen auf der Basis von Prinzipien rationaler Argumentation und in Bezug auf zugrundeliegende manipulative Strategien beschreiben und beurteilen.

Ein zweiter Ausgangspunkt könne die Analyse der Medienberichterstattung sein und die Beziehung zwischen wissenschaftlichen Aussagen zum Klimawandel und dem Wissen der Medien­rezipient*innen. Hier verweisen Reisigl & Wodak 2016 auf Bell, welcher bereits 1994 in überzeugen­der Weise gezeigt habe, dass das Wissen über den Klimawandel bei sozial bevorzugten Mediennutzer­*innen grösser sei als bei sozial benachteiligten Mediennutzer*innen (siehe Bell 1994). Die Situation von damals könne mit der Situation von heute verglichen werden – der diskurs­historische Ansatz würde solchen Vergleichen über Zeit grosse Aufmerksamkeit widmen. Ein solcher historischer Vergleich scheint in der Tat sehr interessant. Allerdings wäre dazu wohl ein Forschungs­design notwendig, welches weit über die Analyse von Kommentaren in Onlinezeitungen hinausgeht: Denn die Analyse von Kommentaren kann nur eingeschränkt „sozial benachteiligte“ Medien­nutzer*innen von „sozial bevorzugten Mediennutzer*innen“ unterscheiden und es scheint kaum möglich, zuverläs­sig auf das Wissen der Mediennutzer*innen zu schliessen.

Auf den folgenden Vorschlag zur Spezifizierung der Forschungsfrage, welche sich bei umfassenderen Studien anbieten würde, soll hier nicht eingegangen werden.

 

Schritt 5: Qualitative Pilotanalyse

In der nun folgenden Pilotanalyse sollen oben gemachte ‚Hypothesen‘ (assumptions) untersucht werden. Damit beziehen sich Reisigl & Wodak (2016: 41) vermutlich auf die im Rahmen von Schritt vier formulierten Forschungsfragen – welche sich vermutlich in Forschungshypothesen umformulieren lassen würden. Bevor die Autor*innen mit der eigentlichen Analyse des Artikels beginnen, die auch eine kurze Berücksichtigung der Leser*innenkommentare beinhaltet, reproduzieren sie den Artikel in einer Abbildung und verweisen auf die im Anhang enthaltenen Postings.

Der Artikel wird in Bezug auf seine Makrostruktur (Makroanalyse), seine Mikrostruktur (Mikroanalyse) und den Kontext (Kontextanalyse) analysiert. Zuerst präsentieren Reisigl & Wodak (2016: 42) das zugrundeliegende analytische Werkzeug für die spezifische (Mikro-)Analyse, indem sie die heuristischen Fragen und Strategien – welche sie weiter oben in ihrem Artikel vorgestellt hatten – anpassen. Die folgende Analyse bezieht sich mehrheitlich auf den sehr diskussionswürdigen Artikel von Dave Snelling, wohingegen die dazugehörigen Kommentare nur im Rahmen der Kontextanalyse betrachtet werden und auch dort wird der Analyse der Kommentare nur circa eine Seite gewidmet. Entsprechend konstatieren Reisigl & Wodak (2016: 54), dass eine gründliche Fallstudie mit Sicherheit von einer detaillierten Analyse der Postings – welche zum Ziel hat, herauszufinden, welche Argumente wichtig sind für das fragliche Thema (Klimawandel) – profitieren würde. Hier ist es gewissermassen, wo meine eigene Arbeit anknüpft.

Da Reisigl & Wodak (2016) ihre Analyse – im Gegensatz zu mir – auf den Artikel und nicht auf die Kommentare konzentrieren und der Artikel von Dave Snelling darüber hinaus in seiner vulgären Art nur bedingt mit den Artikeln aus meiner Analyse vergleichbar ist (denn auch die betrachteten Artikel im Blick schneiden in dieser Hinsicht deutlich ‚besser‘ ab), soll hier nicht weiter auf die Analyseergebnisse eingegangen werden. Dennoch sei gesagt, dass die Beispielanalyse von Reisigl & Wodak 2016 die methodischen Erklärungen sehr gut illustriert und ich mich durchaus davon habe inspirieren lassen bei meinen Artikelanalysen – welche allerdings gerade für die Versuchsdaten sehr knapp ausfallen mussten.

5 Pilotanalyse

Noch bevor überhaupt Klimatologen für ihre Mithilfe beim vorliegenden Projekt angefragt wurden, ging es darum, eine Pilotanalyse durchzuführen. Im Rahmen dieser Pilotanalyse wurden Kommentare zu einem Artikel unter blick.ch, sowie Kommentare zu einem Artikel auf der gemeinsamen Online-Newsplattform von unter anderem der Basler Zeitung, der Berner Zeitung, dem Bund und dem Tages-Anzeiger analysiert. Diese Online-Newsplattform wird von Newsnet, einem Nachrichtennetzwerk der Tamedia AG, betrieben. In der Praxis wirkt sich das so aus, dass beispielsweise Artikel von Redakteur*innen des Tages-Anzeigers sowohl unter tagesanzeiger.ch als auch unter bernerzeitung.ch etc. veröffentlicht werden. So hatte ich zuerst gedacht, der Läubli-Artikel aus der Pilotanalyse sei ein Artikel aus Bern, da ich den Artikel bei einer Suche unter bernerzeitung.ch entdeckt hatte. Der Autor des besagten Artikels, Martin Läubli, ist jedoch Wissenschaftsredaktor beim Tages-Anzeiger. In der Pilotanalyse und im weiteren Verlauf der Arbeit wird jeweils vom Tages-Anzeiger (respektive tagesanzeiger.ch) die Rede sein, obwohl das nicht ganz korrekt ist, da die Beiträge auch auf anderen Portalen (insbesondere baslerzeitung.ch, bernerzeitung.ch und bund.ch) publiziert werden und von den Leser*innen aller Portale gemeinsam kommentiert werden – das will heissen, die genannten Nachrichten-Webseiten sind technisch so verknüpft, dass es ein gemeinsames Forum gibt.

In diesem Kapitel soll gezeigt werden, welche Analyseschritte im Rahmen der Pilotanalyse durchgeführt wurden und zu welchen Ergebnissen ich dabei gelangt bin. Ein Resultat der Pilotanalyse ist die Gliederung der klimaskeptischen Argumente, wie sie in Kapitel 2.2 Klimaskeptiker*innen und deren Argumente vorgestellt wurde.

Eine interessante Beobachtung, auf die hier allerdings nicht weiter eingegangen werden kann und welche die Kommentare in beiden Artikeln – und auch die Versuchskommentare – betrifft, ist, dass eine deutlich überwiegende Mehrzahl der Kommentierenden männliche Namen angibt. Es scheint sich also um einen sehr männlichen Diskurs zu handeln.

 

5.1 Einleitung

Die Ziele der Pilotanalyse waren insbesondere

  • das Kennenlernen der Datenlage
  • sowie der Analysesoftware MAXQDA,
  • das Vertraut-werden mit der Analyseart,
  • das Entwickeln von Ideen und Konzepten für die weitere Analyse
  • und das Fertigen eines ersten Überblicks über die Problemstellung, welcher den Praxispartnern sowohl aus den Medien als auch aus der Wissenschaft vorgelegt werden kann, um diese a) für den Versuch zu gewinnen und b) im Falle der Wissenschaftler auch darauf vorzubereiten, was sie erwartet, wenn sie bei ähnlichen Artikeln mitdiskutieren.

Im Rahmen der Pilotanalyse wurden zuerst folgende Fragen angegangen, die sich alle auf die Kommentare selbst und nicht auf den dazugehörigen Artikel beziehen:

  • Welche Argumente (gegen einen anthropogenen Klimawandel) formulieren Klimaskeptiker*innen? Wie lassen sich diese Argumente kategorisieren?
  • In welchem Zahlen-Verhältnis stehen sich Klimaskeptiker*innen und Klimabewegte gegenüber?
  • Gibt es sonstige Auffälligkeiten?

Um die Argumente der Skeptiker*innen zu kategorisieren, wurden in MAXQDA Kategorien (so genannte Codes) erstellt und die Argumente (Kommentare oder Ausschnitte daraus) wurden als Codings den Codes zugeordnet. Die Codes wurden dabei mehrfach überarbeitet und die Codings entsprechend neu zugeteilt.

Nach der Analyse der Kommentare wurden in einem zweiten Schritt die dazugehörigen Artikel miteinbezogen. Dabei wurden diese analysiert und es wurde vorsichtig versucht, Kommentare in einen direkten Zusammenhang mit dem Artikel selbst zu bringen.

Die Entscheidung für blick.ch und tagesanzeiger.ch ist darin begründet, dass erstens interessante und genügend umfangreiche Forendiskussionen auf diesen Portalen aufgespürt werden konnten und dass sich zweitens die Qualität der Beiträge auf dem ‚Boulevardportal‘ blick.ch und dem ‚Qualitätsportal‘ tagesanzeiger.ch bereits auf den ersten Blick markant unterscheidet, was für eine (erste) Analyse wünschenswert schien.[25]

Der einfache Aufbau der Kommentare unter blick.ch eignet sich für den Einstieg – deshalb soll die Pilotanalyse mit der Analyse dieser Kommentare begonnen werden.

 

5.2 Blick: „Studie warnt vor Klimawandel. Sieht der Aargau in 50 Jahren so aus?“

Für die Pilotanalyse wurde der Artikel „Studie warnt vor Klimawandel. Sieht der Aargau in 50 Jahren so aus?“ (Link[26]) ausgewählt, welcher am 16. Dezember 2013 publiziert wurde. Im Rahmen des Artikels wurden 34 Kommentare veröffentlicht.

In diesen 34 Kommentaren findet kein Austausch zwischen den Kommentator*innen statt, das heisst, jeder und jede postet nur ein einziges Mal und die Möglichkeit, sich mittels der Funktion antworten auf einen anderen Beitrag zu beziehen, wird so gut wie nicht genutzt (vgl. aber Abbildung 6).

 

5.2.1 Analyse der Kommentare

 

5.2.1.1 Design der Kommentare und der Poster*innennamen

Es soll nun zuerst erklärt werden, wie die Kommentare unter blick.ch aufgebaut sind. Die folgende Beschreibung bezieht sich, nach einer kurzen Gegenüberstellung der alten und neuen Darstellungs­weise, auf die Darstellungsweise, wie sie im Herbst 2015 anzutreffen war. Heute (im Januar 2016) werden die Kommentare bereits anders dargestellt, die Bestandteile sind jedoch dieselben.[27] Zur Veranschaulichung dienen Abbildung 3 (‚alte‘ Darstellung im Herbst 2015) und Abbildung 4 (,neue‘ Darstellung im Januar 2016).

Abbildung 3: Kommentar unter blick.ch kurz nach dem Erscheinen.

 

Abbildung 4: Darstellungsweise des gleichen Kommentars im Januar 2016 nach einer Überarbeitung des Forenlayouts.

 

Ein Unterschied, der zum neuen Layout des einzelnen Kommentars hinzukommt, ist, dass nun nicht mehr zwischen einzelnen Kommentar-Seiten (bestehend aus jeweils 7 Kommentaren, mehr dazu weiter unten) hin- und her geblättert werden muss, sondern dass sich alle Kommentare – in Tranchen à 5 Kommentare – nacheinander ‚aufklappen‘ lassen, so dass nach dem Aufklappen aller Kommentare der ganze ‚Diskussionsverlauf‘ sichtbar ist. In diesem Zusammenhang ist auch eine weitere eher positive Neuerung zu erwähnen: Es werden neu keine „beliebtesten“ Postings mehr an oberster Stelle angezeigt. Positiv scheint mir diese Änderung deshalb, weil das Leser*innenrating meines Erachtens gerade nicht dafür gesorgt hat, dass qualitätsvolle Beiträge – sofern solche vorhanden sind – prominent platziert werden.

Am linken Rand im Kopf eines Kommentars befindet sich jeweils der (mutmassliche) Name der/des Kommentierenden, sowie deren/dessen ebenfalls mutmasslicher Wohnort.[28] Vermutlich gibt es sowohl Kommentar-Schreibende, die richtige Angaben machen, als auch solche, die ihre Identität mittels falschen Angaben verschleiern. Die Forenstruktur unter blick.ch unterscheidet sich bezüglich der Benutzer*innennamen von derjenigen unter derstandard.at, wo Kommentarschreibende ihre Identität sehr offensichtlich verschleiern und unter Namen wie funny and bright oder sir ostinovs sister posten, was Dorostkar & Preisinger (2012: 20) als problematisch betrachten: „Vor allem die Anonymität der Posting-VerfasserInnen dürfte dafür verantwortlich sein, dass dennoch regelmäßig gegen die Forenregeln verstoßen wird“. Dorostkar & Preisinger (2012: 20) vermuten, dass die Qualität der Beiträge steigen würde, wenn User*innen unter „echtem Namen“ – auch als Klarnamen bezeichnet – posten müssten. Diese Überlegung ist nachvollziehbar, allerdings ist zu beachten, dass beim Namensformat im Forum unter derstandard.at verschiedene Aspekte zusammenkommen, worauf Dorostkar & Preisinger hier nicht eingehen: Die Namen im Forum des Standards sehen im Allgemeinen nicht aus wie „echte Namen“ – und unterscheiden sich damit von andere Lösungen (z. B. NZZ), wo Namen zwar meistens „echt“ aussehen, jedoch nicht unbedingt dem richtigen Namen der Poster*innen entsprechen. Diese Unterscheidung scheint wichtig – deshalb hier ein kleiner Exkurs.

Im SRF Medientalk „Leserkommentare – Chance oder Last?“ (Link[29]), welcher am Samstag, 24. Oktober 2015 ein erstes Mal ausgestrahlt wurde, interviewt SRF-Medienexperte Salvador Atasoy die Gäste Adrienne Fichter (Social-Media-Redaktorin bei der NZZ) und Thom Nagy (Digitalstratege bei der Basler Tageswoche). Auf Salvador Atasoys Frage, ob man nicht sagen könne, dass, wer mit seinem richtigen Namen kommentiere, sich automatisch anständiger verhalte, widerspricht Thom Nagy dezidiert und verweist darauf, dass auch mit Klarnamen „ganz schreckliche“ Kommentare abgegeben würden, wie aktuell gerade Facebook-Hetzer in Deutschland zeigten. Insgesamt sprechen sich sowohl Adrienne Fichter und Thom Nagy deutlich gegen eine Pflicht, unter echtem Namen zu posten, aus. Sie verweisen in diesem Zusammenhang auch darauf, dass Kommentierende nicht unbedingt via Suchmaschinen unter ihrem echten Namen aufgefunden werden möchten, was ich sehr gut nachvollziehen kann, da ich durch meine Kombination von Vor- und Nachname im Internet problemlos zu identifizieren bin. Fichter und Nagy sprechen sich jedoch gegen provozierende Nicknames wie kim jong-un oder ich bin der kleine Jesus aus und verweisen auf Möglichkeiten, Personen ohne Klarnamen ‚identifizierbar‘ zu machen, indem Kommentarforen technisch so gestaltet werden, dass sämtliche unter einem Benutzer*innennamen abgegebene Kommentare einsehbar sind. So könne eine stabile Online-Identität entstehen, wenn sich diese auch nicht einer ‚realen‘ Identität zuordnen lasse. In eine ähnliche Richtung würde auch eine Verknüpfung der Leser*innenaccounts mit Facebookprofilen oder Profilen auf anderen sozialen Medien zielen. Ich komme also zum Schluss, dass ein Posten unter „echtem Namen“, wie es Dorostkar & Preisinger (2012: 20) diskutieren, eher nicht die Lösung sein kann, dass jedoch gewisse Benutzer*innennamen sehr wohl ungünstige Auswirkungen haben können. Meine Differenzierungen zu den Benutzer*innennamen machen deutlich, dass eine diesbezügliche Lösung, wie sie beispielsweise die NZZ praktiziert, verschiedene Vorteile vereint: Die meist ‚echt aussehenden‘ und vor allen Dingen nicht provozierenden Namen dürften helfen, die Qualität der Beiträge zu erhöhen und gleichzeitig kann die Anonymität der User*innen sichergestellt werden. Um nun auf den Blick zurückzukommen: Die dortige Lösung entspricht dem Vorschlag von Dorostkar & Preisinger 2012 bezüglich Klarnamen und unterscheidet sich von der diesbezüglichen Haltung der NZZ, wie sie im gerade besprochenen Medientalk vertreten wurde.[30] Meines Erachtens wäre es – wie Adrienne Fichter und Thom Nagy vorschlagen – sinnvoll, auf Klarnamen zu verzichten, da eine Klarnamenspflicht gewissermassen ungleiche Verhältnisse schafft zwischen Kommentierenden mit seltenen Namen und solchen mit Namen, die es häufiger gibt: Kommentierende, die Urs Meier oder Ursula Müller heissen, profitieren auch bei einer Klarnamens­pflicht von einer gewissen Anonymität, während andere eindeutig identifizierbar werden. Ich würde daher ‚echt aussehende‘ oder zumindest nicht-provozierende Namen empfehlen, aber nicht explizit vorschreiben, dass diese in der Tat ‚echt‘ sein müssen. Für die Bildung stabiler Onlineidentitäten scheint auch der Vorschlag aus dem Medientalk interessant, Lösungen anzustreben, die es ermöglichen, alle Kommentare einer User*in ‚per Knopfdruck‘ anzeigen zu lassen.

Am rechten Rand in der Kopfzeile befindet sich der Button Melden und damit die Möglichkeit zur Postmoderation von Beiträgen, die gegen die Regeln verstossen. Daneben befindet sich, aber nur bei sehr aktuellen Beiträgen, zu welchen das Zeitfenster zum Verfassen von Kommentaren noch nicht geschlossen wurde, der Button Antworten (vgl. Abbildung 3). Die Kommentare werden prämoderiert und erscheinen nur mit Verzögerung auf der Webseite. Zur genauen Art der Prämoderation finde ich allerdings keine Hinweise. Unter dem Kopf befindet sich eine vertikale Linie und darunter der eigentliche Kommentar, welcher maximal 500 Zeichen umfassen darf. In der Fusszeile finden sich Datum, bei aktuellen Beiträgen auch die Uhrzeit (vgl. Abbildung 3) und die Daumen-Symbole.

Die Kommentare auf Ebene 1 sind nach dem Schema News-on-top (Dorostkar und Preisinger 2012: 18) organisiert, das heisst, neue Kommentare erscheinen jeweils ganz oben und rutschen dann mit dem Hinzukommen neuer Beiträge nach unten. Hingegen bei hierarchischen Strukturen, die stets aus einem ‚Threaderöffnungskommentar‘ und einem oder mehreren ‚Subkommentaren‘ bestehen, welche aber nicht nochmals ‚Subsubkommentare‘ ‚bemuttern‘ können, wird das Schema umgedreht (siehe hierzu auch das Kapitel 6.2 Vorbemerkungen zur Datenanalyse und Bestimmung des Begriffs Thread). Bei den Subkommentaren gilt also die Regel News-on-bottom. Unter dem Artikel werden jeweils 7 Kommentare angezeigt, an oberster Stelle die beiden ‚beliebtesten Kommentare‘ (gemessen an der Zahl der Daumen-nach-oben-Symbole), gefolgt von den 5 aktuellsten Kommentaren. Wer ‚ältere‘ Kommentare lesen will, muss – in der ‚alten‘ Darstellung – via die Seitennavigation unterhalb der Kommentare zurückblättern.

 

5.2.1.2 Wie viele Kommentarschreiber*innen und weitere Leser*innen sind klimaskeptisch gesinnt und wie viele klimabewegt?

Interessant für eine Beurteilung der Stimmungslage in breiteren Kreisen (auch jenseits derer, die Kommentare schreiben), ist die Zustimmung/Ablehnung mittels Daumen-nach-oben- und Daumen-nach-unten-Symbolen weiterer Leser*innen. Der erste Analysedurchgang wurde also der Frage Wie viele Kommentarschreiber*innen und weitere Leser*innen sind prozentual gesehen klima­skep­tisch/kli­ma­bewegt gesinnt? gewidmet.

Abbildung 5: Bewertung der klimaskeptischen Kommentare.

 

Von den insgesamt 34 Kommentaren zum Artikel unter blick.ch mit dem Titel Studie warnt vor Klimawandel. Sieht der Aargau in 50 Jahren so aus? konnten 26 als klimaskeptisch und nur 2 als klimabewegt eingestuft werden. Die restlichen 6 Kommentare konnten weder der einen noch der anderen Kategorie zugewiesen werden. Was die Auswertung von Zustimmung und Ablehnung mittels Daumen-Symbolen[31] betrifft, so zeigen sich ähnliche Verhältnisse zwischen Klimabewegten und Klimaskeptiker*innen wie bei den Kommentaren selbst: Klimaskeptische Kommentare erhalten mit einem Mittelwert von 91.93 Prozent viel mehr Zustimmung als die beiden klimabewegten Kommentare, denen im Mittel nur 17.92 Prozent zustimmen. Abbildung 5 visualisiert die Verhältnisse im Falle der 26 klimaskeptischen Kommentare. Die zugrundeliegende Tabelle 37 sowie eine dazugehörige

Tabelle 38 mit den Verhältnissen bei den klimabewegten Kommentaren finden sich im Anhang.

Dafür, dass die Zustimmung für klimabewegte Kommentare immerhin fast 18 Prozent beträgt und nicht mit circa 8 Prozent der klimaskeptischen Ablehnung entspricht, sehe ich mindestens drei mögliche Gründe. Das könnte a) daran liegen, dass der eine der beiden Kommentare, der besonders viel Zustimmung erhalten hat, mit ‚Überbevölkerung‘ ein Argument ins Spiel bringt, welches vergleichsweise gut mehrheitsfähig ist und von der Leser*innenschaft von blick.ch eher toleriert wird als beispielsweise ein Hinweis darauf, dass der Klimawandel auch durch den konkreten Lebensstil beeinflusst werden könnte. Siehe hierzu auch die beiden klimabewegten Kommentare und ihre Akzeptanz in Tabelle 2.

Tabelle 2: Klimabewegte Kommentare und ihre Akzeptanz.

Klima-freundlich

Ablehnung

Klima-freundlich

Zustimmung

Kommentare
242 32 Es ist fast beschämend, wie ignorant viele Menschen sein können, wenn sie etwas nicht wahr haben wollen. Nur nichts ändern am eigenen Verhalten!
91 29 So tun, als seien 8 Milliarden Menschen kein faktor beim Klima, ist Fahrlässig! Wenn gewisse Kartelle fallen würden und das Patentrecht eingeschränkt würde, hätten wir in 5 Jahren eine ganz andere Situation.

 

  1. b) Die überraschend grosse Zustimmung auf Grundlage von nur zwei Kommentaren ist alles andere als repräsentativ – grössere Datenmengen würden die Verhältnisse vermutlich anders aussehen lassen. c) Die Summe der durchschnittlichen prozentualen Zustimmung für klimabewegte und –skeptische Kommentare muss nicht 100 sein. Dafür sehe ich wiederum verschiedene Gründe, beispielsweise ist es denkbar, dass sich die kommentar-bewertenden Leser*innen von gegensätzlichen Kommentaren überzeugen lassen und so inkonsistent bewerten.

 

5.2.1.3 Klimaskeptische Argumente

Nach der ersten Annäherung an die Kommentare unter blick.ch durch eine Aufteilung in klimabewegte und -skeptische Kommentare, soll es nun darum gehen, die klimaskeptischen Argumente genauer zu untersuchen. Mit der Software MAXQDA wurden in den Kommentaren enthaltene Argumente verschiedenen Kategorien zugewiesen. Die Kategorien wiederum wurden direkt am Datenmaterial entwickelt, entsprechend wurden die Kategorien bei der anschliessenden Analyse der Kommentare unter tagesanzeiger.ch noch erweitert. Die ursprünglich festgelegten Argument-Kategorien sowie die entsprechende Zuteilung habe ich mit meinem Betreuer Martin Reisigl und dessen Doktorandin Nadine Kammermann diskutiert und in einem anschliessenden Prozess präzisiert und konsistenter gemacht. Ich werde im Folgenden von diesen verbesserten Kategorisierungen (für die Kategorisie­rungen siehe Kapitel 2.2 Klimaskeptiker*innen und deren Argumente) ausgehen.

Was die Skepsis gegenüber (wissenschaftlich fundierten) Feststellungen, Analysemöglichkeiten, Aussagen und Handlungskonzepten (gemäss Kapitel 2.2.1) betrifft, so sind ursachenskeptische Argumente am häufigsten mit insgesamt 10 Nennungen, gefolgt von erwärmungsskeptischen Argumenten mit insgesamt 5–6 Nennungen. Daneben finden sich je 2–3 prognose- und 2 mitigationsskeptische Argumente, sowie je 1 problem- und 1 variabilitätsskeptisches Argument (für einen Überblick siehe Tabelle 3).

Bemerkenswert in Tabelle 3 scheinen die zahlreichen Kommentare, welche in der Überzeugung verfasst wurden, der Mensch habe keinen oder nur einen geringen Einfluss auf das Klima. Weiter auffällig ist – und zwar in Bezug auf erwärmungsskeptische Argumente – der vierfache Verweis darauf, dass die Temperaturen in den letzten 15–20 Jahren nicht gestiegen oder sogar gesunken seien. Siehe hierzu auch Seite 2. Hier wären weiterführende Untersuchungen spannend, die der Frage nachgehen würden, was die Ursache dieser Kommentare ist und wie respektive ob überhaupt diese hätten vermieden werden können. In anderen Worten: Hätten Klimatolog*innen die ‚Klimapause‘ ‚nachhaltiger‘ kommunizieren können? Ein Beitrag im Zukunftsblog der ETH Zürich von Nicolas Gruber mit dem Titel ‚Klimapause‘ als kommunikative Knacknuss weist darauf hin, dass Klimatolog*innen die Kommunikation der Klimapause durchaus als problematisch wahrgenommen haben: „Seit rund 15 Jahren wird es auf der Erde kaum wärmer – trotz steigender CO2-Emissionen. Dieser so genannte Temperatur-Hiatus kommt für uns Klimaforschende wenig überraschend, und er lässt sich wissenschaftlich auch gut erklären. Für die breite Klimakommunikation ist die ‚Klimapause‘ jedoch eine echte Herausforderung“ (Link[32]).

Was die prognose-, mitigations-, problem- und variabilitätsskeptischen Argumente betrifft, ist festzuhalten, dass sie in wesentlich geringerer Zahl auftreten, insbesondere im Vergleich mit den ursachenskeptischen Argumenten.

Tabelle 3: Skepsis gegenüber (wissenschaftlich fundierten) Feststellungen, Analysemöglichkeiten, Aussagen und Handlungskonzepten.

Ursachenskepsis\Mensch hat keinen Einfluss Das Klima bestimmt selber was es will,
Ursachenskepsis\Mensch hat keinen Einfluss Den Klimawandel können wir nicht beeinflussen.
Ursachenskepsis\Mensch hat geringen Einfuss, andere Faktoren sind wichtiger Temperaturmessungen ab 1701 widerlegen den globalen Klimawandel und den angeblich dominierenden Einfluss des anthropogenen CO2
Ursachenskepsis\Klimawandel gibt es schon sehr lange/immer 50 Jahren? Das Klima lässt sich nicht auf 50 Jahr einschränken! Aufgrund von Eisbohrungen weiss man, das es Perioden gab, die deutlich wärmer warmen und dass es auch viel mehr CO2 in der Luft hatte. Das Klima bestimmt selber was es will, und vorallem in Zeiträumen von einigen hundert oder tausend Jahren. Unser Leben ist nichts dagegen.
Ursachenskepsis\Klimawandel gibt es schon sehr lange/immer Das Klima hat sich schon immer verändert in der Geschichte und ist ein natürlicher Zyklus
Ursachenskepsis\Klimawandel gibt es schon sehr lange/immer Klimaschwankungen hat es immer gegeben, da können wir uns höchstens anpassen
Ursachenskepsis\Klimawandel gibt es schon sehr lange/immer Das Klima verändert sich seit Millionen von Jahren und wird es weiterhin tun.
Ursachenskepsis\Klimawandel gibt es schon sehr lange/immer Es gab im Laufe der Erdgeschichte zahlreiche, massive Klimaänderungen und dies ohne Autos und Industrie damals.
Ursachenskepsis\Überbevölkerung ist schuld am Klimawandel Und die Menschheit vermehrt sich ungeniert weiter! 8 -10-12 Milliarden?
Ursachenskepsis\Überbevölkerung ist schuld am Klimawandel Die Weltbevölkerung wächst und wächst und viele glauben es wird schon gut kommen. Das Szenario heisst eher nicht, was mich betrifft: 2060 einst Wohnhaft gewesen im Mittelland Jahrgang 1945, bin zu diesem Zeitpunkt schon lange eingeäschert. Das grosse Nachdenken ist schon lange, was wir unseren Nachkommen für eine Umwelt hinterlassen. Darum besser auf die Studie von Eco-Pop hören und zwingend handeln.
Erwärmungsskepsis\Die Durchschnittstemperaturen sind seit Jahren unverändert Seit 20 Jahren haben wir einen Temperaturstillstand.
Erwärmungsskepsis\Die Durchschnittstemperaturen sind seit Jahren unverändert In den 70er/80er Jahren war es die Eiszeit, dann das Waldsterben, jetzt die Klimaerwärmung obwohl die letzten 15 Jahre keine mehr war!
Erwärmungsskepsis\Die Durchschnittstemperaturen sind seit Jahren unverändert In den letzten 15 Jahren ist die Temperatur überhaupt nicht angestiegen!
Erwärmungsskepsis\Die  Durchschnittstemperaturen sind sinkend Die Global-Temperatur ist in den letzten 20 Jahren um 1 Grad gesunken, also diese Klimaerwärmung ist eine Lüge !
Erwärmungsskepsis\Argumentation auf Verwechslung von Wetter und Klima aufbauend Erderwärmung ? es reget doch nur noch und das pisschen Sommer das wir hatten macht noch keine düre
Erwärmungsskepsis oder Prognoseskepsis?\Argumentation auf Verwechslung von Wetter und Klima aufbauend Letztes Jahr hatten wir bis im Juni Schnee und richtig heiss wurde es „nur“ während 3-4 Wochen. Da will mir wirklich wer sagen, dass wir vor dem Untergang stehen?
Prognoseskepsis Haha die Pappnasen können noch nicht mal das Wetter in 4 Tagen richtig voraussagen und wagen hier Prognosen wies in 50 Jahren aussieht? Und das sollen wir glauben oder was?
Prognoseskepsis Naja zum Glück ist das Klima ein Faktor der nicht vorhersehbar ist. Es kann auch in die andere Richtung gehen mit einer neuen Eiszeit. Lassen wir uns doch einfach überraschen. ändern können wir sowieso nichts daran.
Mitigationsskepsis Klimaschwankungen hat es immer gegeben, da können wir uns höchstens anpassen
Mitigationsskepsis Den Klimawandel können wir nicht beeinflussen. Aber wir können uns bestmöglich daran anpassen.
Problemskepsis 3.1 Grad wärmer und die grosse Dürre soll Einzug halten??
Variabilitätsskepsis Temperaturmessungen ab 1701 widerlegen den globalen Klimawandel und den angeblich dominierenden Einfluss des anthropogenen CO2

 

Öfters kommt es vor, dass Kommentierende Wetter und Klima nicht auseinanderhalten können und unmittelbar auf diesem ‚Kategorisierungsfehler‘ aufbauend argumentieren (Tabelle 4 – Die 3 Argumente in Tabelle 4 sind auch in Tabelle 3 enthalten). Entsprechende Kommentare lassen sich als prognose- und erwärmungsskeptische Argumente klassifizieren. Beim zweiten Argument ist meines Erachtens nicht klar, ob es sich um ein prognose- oder um ein erwärmungsskeptisches Argument – oder vielleicht treffender sogar um beides gleichzeitig? – handelt.

Die Konfusionen von Wetter und Klima erstaunen wenig, denn in der Tat ist das Klima, welches sich als solches kaum unmittelbar erleben lässt, für Lai*innen schwer greifbar (mehr dazu im Kapitel 2.1 Klimawandel).

Tabelle 4: Prognose- und erwärmungsskeptische Argumente, welche auf einer Verwechslung von Wetter und Klima auf­bauen.

Prognoseskepsis\Argumentation auf Verwechslung von Wetter und Klima aufbauend Haha die Pappnasen können noch nicht mal das Wetter in 4 Tagen richtig voraussagen und wagen hier Prognosen wies in 50 Jahren aussieht? Und das sollen wir glauben oder was?
Prognoseskepsis oder Erwärmungsskepsis?\Argumentation auf Verwechslung von Wetter und Klima aufbauend Letztes Jahr hatten wir bis im Juni Schnee und richtig heiss wurde es „nur“ während 3-4 Wochen. Da will mir wirklich wer sagen, dass wir vor dem Untergang stehen?
Erwärmungsskepsis\Argumentation auf Verwechslung von Wetter und Klima aufbauend Erderwärmung ? es reget doch nur noch und das pisschen Sommer das wir hatten macht noch keine düre

 

Ungefähr die Hälfte der kodierten klimaskeptischen Argumente im hier diskutierten Artikel unter blick.ch gehört zu den eben besprochenen skeptischen Argumenten nach Kapitel 2.2.1 Skepsis gegenüber (wissenschaftlich fundierten) Feststellungen, Analysemöglichkeiten, Aussagen und Handlungskonzepten. Die andere Hälfte gehört zu den skeptischen Argumenten nach Kapitel 2.2.2 Skepsis gegenüber (wissenschaftlichen) Akteur*innen im Bereich Klimawandel (Tabelle 5). In anderen Worten: Skepsis, die Personen gegenübergebracht wird – und einer persönlichen Notiz von Reisigl zufolge oft trugschlüssig ist – macht ungefähr die Hälfte der skeptischen Argumente aus. Dies scheint ein beunruhigend grosser Anteil zu sein und illustriert wohl das, was Liebert 2002 und Weitze & Liebert 2006 die ‚Glaubwürdigkeitskrise der Wissenschaft‘ nennen.

Mit 8 Nennungen am häufigsten unter der Skepsis gegenüber Akteur*innen im Bereich Klimawandel ist der Verweis auf das Waldsterben.[33] In Bezug auf die Thematisierung des Waldstrebens wäre es interessant, das Alter der Kommentator*innen zu kennen. Meine Vermutung ist, dass entsprechende Kommentator*innen eher über 40 sind. Am zweithäufigsten mit je 4 Nennungen sind die Argumente Klimawandel ist eine Lüge und Klimastudien/Klimavorsorge ist eine (ungerechtfertigte) Belastung für Steuerzahler*innen. Diese letztere Argumentation lässt sich gemeinsam mit den jeweils nur einmal vorgebrachten Argumenten Klimastudien/Klimavorsorge ist Steuerverschwendung und Klimawandel ist ein interessensgeleitetes Konstrukt zur Überkategorie finanziell-politische Argumente zusammen­fassen.

 

Tabelle 5: Skepsis gegenüber (wissenschaftlichen) Akteur*innen im Bereich Klimawandel.

Akteur*innenskepsis\Topos oder Trugschluss des Vergleichs mit dem Waldsterben Vor 30 Jahren war es das Waldsterben. Da waren die Prophezeiungen noch verheerender. Die Gleichen und die Schüler dieser Koryphäen denken dass wir das Katastrophenszenario von damals vergessen haben.
Akteur*innenskepsis\Topos oder Trugschluss des Vergleichs mit dem Waldsterben Die Chancen stehen nicht schlecht, dass diese Studie völlig daneben liegt, wie so oft, wenn es um die Umwelt geht Wälder z.B. sollten wir ja auch schon fast keine mehr haben
Akteur*innenskepsis\Topos oder Trugschluss des Vergleichs mit dem Waldsterben Das, von den Schreckensszenarien, kennen wir bereits. Das nicht zutreffendste war das Waldsterben. Wir haben nämlich mehr Wald als vorher.
Akteur*innenskepsis\Topos oder Trugschluss des Vergleichs mit dem Waldsterben Es ist so wahr, wie das angesagte Waldsterben.
Akteur*innenskepsis\Topos oder Trugschluss des Vergleichs mit dem Waldsterben Und wenn diese Horrormeldung erst noch vom BAFU kommt, ist sie natürlich besonders „glaubwürdig“. Die gestorbenen Wälder lassen grüssen.
Akteur*innenskepsis\Topos oder Trugschluss des Vergleichs mit dem Waldsterben Nun ja, in den siebzigern hiess es in den nächsten Jahren hätten wir kein Öl mehr, in den achzigern wurde unser Wald als aussterbend bezeichnet. Doch siehe da, nichts davon ist eingetroffen. Und heute ist das Thema Nummer eins die Klimaerwärmung. Also nehmt es locker, die Panikmache geht auch hier vorüber.
Akteur*innenskepsis\Topos oder Trugschluss des Vergleichs mit dem Waldsterben Diese Bilder haben die Grünen in den 80iger Jahre für das Waldsterben schon benutzt. Heute haben wir wachsende Wälder. Klimapanik um nichts. Diese Verarschungen, grünen Gedankenguts, glauben nur noch naive Personen.
Akteur*innenskepsis\Topos oder Trugschluss des Vergleichs mit dem Waldsterben Immer diese Angstmacherei! In den 70er/80er Jahren war es die Eiszeit, dann das Waldsterben, jetzt die Klimaerwärmung obwohl die letzten 15 Jahre keine mehr war! und und und…
Akteur*innenskepsis\Klimawandel ist eine Lüge Churchill sagte einst: ich glaube nur an Studien, die ich vorher manipuliert habe.
Akteur*innenskepsis\Klimawandel ist eine Lüge Unglaublich dass noch immer für die Klimalüge werbung gemacht wird,das ist und bleibt eine LÜGE!
Akteur*innenskepsis\Klimawandel ist eine Lüge Die Global-Temperatur ist in den letzten 20 Jahren um 1 Grad gesunken, also diese Klimaerwärmung ist eine Lüge !
Akteur*innenskepsis\Klimawandel ist eine Lüge Laut dem Blick von 15 Jahren, müssten am Bodensee heute Kokospalmen sein…..immer die gleiche Klimalüge……
Akteur*innenskepsis\finanziell-politische Argumente\Klimastudien/Klimavorsorge ist eine (ungerechtfertigte) Belastung für Steuerzahler*innen  Dabei geht es nur ums Abzocken: hier eine Abgabe, dort eine Erhöhung, Subventionen für dies und das, daher eine Klimasteuer, Verbote da und dort
Akteur*innenskepsis\finanziell-politische Argumente\Klimastudien/Klimavorsorge ist eine (ungerechtfertigte) Belastung für Steuerzahler*innen Aber schön, kann man solche sinnvollen Studien machen und CO2 Gebühren etc. einführen. Lachhaft!
Akteur*innenskepsis\finanziell-politische Argumente\Klimastudien/Klimavorsorge ist eine (ungerechtfertigte) Belastung für Steuerzahler*innen Auch das BAFU muss ja Schreckszenarien vorhersagen, damit weiter Geld abgezapft werden kann. Deshalb der neue Aktionsplan.
Akteur*innenskepsis\finanziell-politische Argumente\Klimastudien/Klimavorsorge ist eine (ungerechtfertigte) Belastung für Steuerzahler*innen alles nur Panikmache, damit man eine neue Steuer einführen kann und die bisherigen zu erhöhen.
Akteur*innenskepsis\finanziell-politische Argumente\Klimastudien/Klimavorsorge ist Steuerverschwendung Für solch einen Blödsinn werden noch Steuergelder verschwendet.
Akteur*innenskepsis\finanziell-politische Argumente\Klimawandel ist ein interessensgeleitetes Konstrukt  Der Klimawandel ist in den Köpfen der Linken und der Neosozialistischen Geschäftlimacher.
Akteur*innenskepsis\keine Subkategorie 3.1 Grad wärmer und die grosse Dürre soll Einzug halten?? Da müssten ja Länder wie Italien,Spanien, Portugal, usw. alle bereits trockengelegt sein… Solche dummen Aussagen vom BAFU sind wirklich bedenklich!

 

Auf die Argumente der beiden klimabewegten Kommentierenden ist im Rahmen von Tabelle 2 bereits eingegangen worden, was hier genügen soll.

 

5.2.1.4 Wieviel Interaktion darf es sein?

Es kommt nicht zu expliziten Bezugnahmen zwischen den einzelnen Kommentaren. Das heisst, in einem einzigen Fall wird die Antworten-Funktion doch genutzt und es kommt dadurch zu einer hierarchischen Struktur entsprechender Beiträge. Allerdings ist der inhaltliche Bezug nicht klar – es ist auch denkbar, dass die Antworten-Funktion versehentlich gewählt wurde – und zu einem Dialog kommt es nicht, wie Abbildung 6 zeigt. Es ist auch möglich, dass *Roman Loosli*[34] sein Posting als Antwort auf das Posting von *Marc Toscano* platziert hat, weil das Posting von *Marc Toscano* jeweils ganz oben unter „beliebteste Postings“[35] aufgeführt war, und dass er damit gewissermassen (indirekt) auf die grosse Zustimmung zum Posting von *Marc Toscano* eingeht.

Abbildung 6: Gibt es eine Bezugnahme zwischen den hierarisch angeordenten Beiträgen?[36]

 

Da die Kommentierenden abgesehen vom Beispiel in Abbildung 6 die Antworten-Funktion nicht benützen, kann hier die Frage danach, wie die beiden Parteien miteinander interagieren, damit beantwortet werden, dass sie überhaupt nicht miteinander interagieren. Einen Ansatz zu Interaktion sehe ich am ehesten in den beiden klimabewegten Kommentaren (vgl. Tabelle 2). Bei beiden kann vermutet werden, dass sich darin enthaltende Zuschreibungen von Eigenschaften und Handlungs­weisen (ignorant und fahrlässig) auf die gesamte Kommentator*innenschaft bezieht. Da aber niemand persönlich angesprochen wird, gibt es keine sichtbare Reaktion auf die beiden klimabewegten Beiträge. Das heisst allerdings nicht, dass keine interaktiven Elemente vorhanden wären – die Daumen-Symbole haben durchaus interaktiven Charakter und es ist möglich, dass bei einer detaillierteren Analyse weitere interaktive Elemente auch in den Kommentaren selbst entdeckt werden könnten. Nicht unwahrscheinlich, wenn auch nicht nachweisbar, ist, dass jüngere von älteren Kommentaren beeinflusst sind, beispielsweise bezüglicher der inhaltlichen Ausrichtung (Waldsterben) oder des ‚Tonfalls‘.

 

5.2.2 Analyse des Artikels

Der Artikel unter blick.ch hat einen zweiteiligen Titel. Einer kleineren, in Rot realisierten Überschrift „Studie warnt vor Klimawandel“ folgt ein deutlich grösserer Untertitel in schwarzer Farbe „Sieht der Aargau in 50 Jahren so aus?“. Darunter befindet sich der Lead: „BERN – Eine Studie des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) zeichnet anhand des Kantons Aargau ein ziemlich düsteres Bild vom Mittelland im Jahre 2060“. Zwischen Lead und dem eigentlichen Artikel befindet sich eine Zeile, die Links auf soziale Medien enthält, auf die Anzahl Kommentare verweist und über einen Button verfügt, via welchen Fehler im Artikel gemeldet werden können. Erst unterhalb des Artikels befindet sich eine Fotografie, und zwar gleich in doppelter Ausführung.

Die Position der Fotografie fordert einen kurzen Exkurs. Wie die Kommentare, so haben auch die Artikel im Blick in den vergangenen Monaten eine Layout-Überarbeitung erfahren.[37] Zwar habe ich meine Beschreibung dem neuen Layout angepasst, aber es ist möglich, dass es sich wieder ändert und dann nicht mehr mit meiner Beschreibung übereinstimmt. Wichtig scheint mir hier vor allem, mitzudenken, dass das aktuelle Layout (wie ich es beschreibe) vermutlich nicht mit dem Layout zum Zeitpunkt der Veröffentlichung übereinstimmt. Ich vermute, dass bei der Veröffentlichung die Fotografie in der Nähe des Titels angesiedelt war, denn der Titel nimmt direkt Bezug auf die Fotografie, und ohne eine unmittelbare Nachbarschaft von Titel und Bild dürfte das Spiel mit der Titel-Bild-Komposition nur eingeschränkt funktionieren.

Um auf die Fotografie zurückzukommen: Diese zeigt Ackerland mit vertrockneten Pflanzenbestand­teilen. Als landwirtschaftliche Laiin würde ich behaupten, es handle sich um ein Maisfeld nach der Ernte, welches möglicherweise noch gepflügt wurde. Auf jeden Fall sind grosse, recht trockene Humusbrocken zu sehen auf diesem Feld. Rechter Hand schliesst ein weiterer Acker an, dieser ist, sofern Perspektive und Distanz dies noch angemessen erkennen lassen, einheitlich hellbraun und könnte ein Getreidefeld kurz vor oder allenfalls auch nach der Ernte darstellen. Am rechten und linken Bildrand befinden sich Wiesen und bewaldete Berge in Grüntönen. Interessant ist die Perspektive des Bildes, welches offenbar sehr bodennah aufgenommen wurde: Circa 80 Prozent der Bildfläche besteht aus besagtem Ackerland in Brauntönen. Das Bild ist deutlich weniger dramatisch als durch die im Titel gestellte Frage „Sieht der Aargau in 50 Jahren so aus?“ – welche einen direkten Bezug zum Bild herstellen soll – vermutet werden könnte. Es könnte auch einfach Ackerland im Spätsommer sein und der letzte Regen könnte nicht allzu weit zurückliegen, immerhin hat es sogar Wolken im Bild. Unterhalb der Fotografie befindet sich die Bildbeschreibung: „Erwartet die Schweizer immer mehr: Dürre in der Magadino-Ebene bei Cadenazzo im Rekordsommer 2003.“

Nach Vergrösserung der kleineren Fotografie kann noch auf zwei weitere artikelzugehörige Fotografien navigiert werden, welche mit halb-ausgetrockneten Seen dramatischere Szenen offenbaren. Berücksichtigt man allerdings die Untertitel und in einem Fall noch weiterführende Informationen ausserhalb der Welt von blick.ch, wird klar, dass es sich bei den beiden anderen Fotos um Stauseen handelt, die zum Zeitpunkt der Aufnahme einen eher tiefen Wasserpegel aufgewiesen haben. Die Fotos der ausgetrockneten Stauseen sind irreführend.

Unterhalb von Bild und Lead beginnt der eigentliche Artikel, welcher inklusive Lead 410 Wörter umfasst und damit geringfügig kürzer ist als der Artikel von Martin Läubli unter tagesanzeiger.ch. Der Artikel ist mit bau/SDA signiert, es scheint sich also um einen Beitrag zu handeln, dem eine Nachricht der Schweizerischen Depeschenagentur zugrunde liegt und welcher von einem Redaktionsmitglied mit dem Kürzel bau für die Leser*innenschaft des blick.ch aufbereitet wurde.

Der eigentliche Artikel lässt ein klares Gliederungsprinzip erkennen. Unterhalb des Leads folgt eine kurze Einleitung, welche aus zwei Absätzen besteht. Danach folgen fünf ‚Unterkapitel‘ bestehend aus Untertitel und zwei bis drei Absätzen. Jeder Absatz besteht aus einem oder aus zwei Sätzen.

Inhaltlich nimmt der Beitrag Bezug auf eine eben erschienene Studie im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt BAFU. Die Studie zeigt die Auswirkungen des Klimawandels auf das Mittelland. Diese Auswirkungen, beispielsweise auf Landwirtschaft und Gesundheit, werden vor allem aus wirtschaftlich-finanzieller Perspektive besprochen. So besteht ein wesentlicher Teil der Bericht­erstattung aus einer Kostenrechnung, die zeigt, welche Auswirkungen der Klimawandel beispielsweise auf Gesundheitskosten, landwirtschaftliche Erträge und Heizkosten hat.

Stilistisch bietet der Artikel eine interessante Mischung aus sachlich-distanzierter Berichterstattung und ‚Katastrophen-Stil‘, was möglicherweise in der Kombination von SDA-Meldung und Auf­arbei­tung für die Leser*innen von blick.ch begründet ist. Sachliche Berichterstattung liegt in folgenden zusammengehörigen Absätzen vor:

Die nun veröffentlichte Untersuchung ist die erste von ingesamt [sic] sechs Teilstudien, welche die Auswirkungen des Klimawandels auf die verschiedenen Schweizer Grossräume aufzeigen soll.

 

Für jeden der sechs Grossräume Mittelland, Alpen, Voralpen, Jura, Südschweiz und grosse Agglomerationen wurde ein repräsentativer Kanton bestimmt, der im Detail analysiert wird. Mit den Arbeiten begonnen wurde auch in den Kantonen Uri, Genf und Basel-Stadt.

 

Das Zusammenfügen der sechs Fallstudien soll ein Bild für die gesamte Schweiz liefern. Der Bundesrat will gemäss BAFU-Angaben voraussichtlich Anfang 2014 über einen Aktionsplan entscheiden.

 

Da ein Zusammenhang zwischen dem ‚Katastrophen-Stil‘ und den Kommentaren vermutet werden kann, soll diese stilistische Beobachtung im nächsten Unterkapitel behandelt werden.

 

5.2.3 Verhältnis der Kommentare zum Artikel

‚Katastrophen-Stil‘ findet sich beispielsweise in der Titel-Bild-Komposition – welche durch das neue Layout zerstört wurde – und in folgenden zwei Ausschnitten:

Die erste, die sich mit dem Zustand des Kantons Aargau im Jahr 2060 beschäftigt, ist heute erschienen – und sie prophezeit ein wahres Schreckensszenario!

[…]

Auch für die Natur sehen die Autoren schwarz: Die Auswirkungen auf die Biodiversität auf Grund der Veränderung der Ökosysteme seien ähnlich problematisch einzustufen wie diejenigen auf die Gesundheit.

 

Im Artikel wird mehrfach der Konjunktiv verwendet. Dadurch entsteht eine Distanz zwischen Berichterstatter*in und referierter wissenschaftlicher Studie, die Aussagen der Studie dürften so als wenig gesichert erscheinen – sie könnten mindestens genauso gut unwahr sein. Hier muss allerdings bemerkt werden, dass die Verwendung des Konjunktivs aus wissenschaftlicher Perspektive für die Wiedergabe von (rezipierten) Inhalten korrekt ist. Dennoch meine ich, dass sie unter Umständen für das präsente Publikum nicht ideal ist. Folgende wiederum zusammengehörigen Absätze illustrieren die Verwendung des Konjunktivs:

Die dargestellten Auswirkungen müssten als Vorboten einer noch gravierenderen Entwicklung in den folgenden Jahrzehnten interpretiert werden, wird in der Studie gewarnt.

 

Es müsse beispielsweise davon ausgegangen werden, dass infolge verringerter Niederschläge während der Vegetationsperiode Ackerbau ohne Bewässerung nicht mehr möglich wird.

 

In den Wäldern würden grossflächige Schäden entstehen. Die Pegel von Fliessgewässern würden wegen abgeschmolzener Gletscher stark zurückgehen.

 

Als begünstigend für klimaskeptische Stimmen in den Kommentaren betrachte ich eben diese Verwendung des Konjunktivs und den ‚Katastrophen-Stil‘.

 

5.3 Tages-Anzeiger: „Ein Indiz mehr für den Klimawandel“

Für die Pilotanalyse wurde ein Artikel respektive dazugehörige Kommentare mit dem Titel „Ein Indiz mehr für den Klimawandel“ (Link[38]) ausgewählt, welcher am 21. Juli 2015 publiziert worden ist. Im Rahmen des Artikels wurden 273 Kommentare veröffentlicht.

Ursprünglich wurde der tagesanzeiger.ch auch deshalb als zweites Medium ausgewählt, weil dort, im Gegensatz beispielsweise zu derbund.ch und analog zu blick.ch, eine Negativ-Bewertung genauso möglich war wie eine Positiv-Bewertung. Doch noch während der Durchführung der Pilotanalyse wurde diese abgeschafft. Da somit eine Vergleichsmöglichkeit mit den Daten aus dem bevorstehenden Versuch fehlt und überhaupt viel weniger bewertet wurde, macht es bei den Kommentaren unter tagesanzeiger.ch Sinn, die Bewertungen nicht zu berücksichtigen.

 

5.3.1 Analyse der Kommentare

 

5.3.1.1 Design der Kommentare

Die Kommentar-Struktur ähnelt derjenigen unter blick.ch. Allerdings können hier statt nur 500 immerhin 800 Zeichen verwenden werden und es gibt eine weitere Ebene an Subkommentaren, so dass insgesamt also drei Ebenen existieren. Identisch ist die standardmässige Anordnung News-on-top bei den Hauptbeiträgen (Threaderöffnungskommentaren) und News-on-bottom bei den Subkommen­taren (mehr zur Anordnung der Kommentare in Kapitel 6.2 Vorbemerkungen zur Datenanalyse und Bestimmung des Begriffs Thread). Im Gegensatz zum Blick gibt es keine Ortsangaben zu den Personen. Ausserdem findet sich der Buttom Teilen, welcher zu Facebook führt.

Ein Beispiel für die grafische Realisierung von Kommentaren im Tages-Anzeiger findet sich in Abbildung 7.

 

5.3.1.2 Die Kommentare in Zahlen

Im Gegensatz zur Situation im Blick, wo sämtliche Artikel-Kommentare von unterschiedlichen Autor*innen stammen – und also niemand mehr als einen Kommentar gepostet hat – gibt es zum Artikel unter tagesanzeiger.ch viele ziemlich aktive Kommetator*innen, welche bis zu 14[39] Kommentare gepostet haben. So gehen die 273 Kommentare von 126 Autor*innen aus. Davon sind 44 klimabewegt und 55 klimaskeptisch und bei 27 Kommentator*innen konnte nicht entschieden werden, welchem Lager sie zugeteilt werden sollen – sie wurden daher einer dritten Kategorie klima­unbestimmt zugeordnet. Es ist allerdings nicht anzunehmen, dass diese 27 Kommentator*innen alle in dem Sinn unentschieden sind, eher ist es auf der Grundlage der Kommentare nicht (ohne Weiteres) möglich, hier eine Entscheidung zu treffen. Vermutlich wäre es möglich, durch tiefergehende Analysen diese Gruppe der ‚Klimaunbestimmten‘ noch zu verkleinern. Weiter hat mich interessiert, wie aktiv sich die Kommentator*innen aus den jeweiligen Lagern in die Diskussion einbringen, weshalb ich berechnet habe, wie viele Kommentare klimabewegte, klimaskeptische und ‚klima­unbestimmte‘ Kommentator*innen durchschnittlich verfassen. Dabei zeigt sich, dass klimabewegte Kommentator*innen im Durchschnitt etwas aktiver sind – auf sie fallen durchschnittlich (jeweils gerundet) 2.5 Kommentare (110 Kommentare geteilt durch 44 Kommentator*innen), während auf Klimaskeptiker*innen durchschnittlich nur 2.09 Kommentare (115 Kommentare geteilt durch 55 Kommentator*innen) kommen; bei den ‚klimaunbestimmten‘ Kommentator*innen sind es 1.77 (48 Kommentare geteilt durch 27 Kommentator*innen). Die klimabewegten Kommentarschreiber*innen sind also die Diskussionsfreudigsten.[40]

 

5.3.1.3 Klimaskeptische Argumente

Im Folgenden sollen die Argumente besprochen werden, die vorwiegend aus klimaskeptischer Warte formuliert werden. Es ist darauf hinzuweisen, dass nicht alle Argumente kodiert wurden, denn bei der Fülle an Kommentaren wäre ein umfassendes Kodieren zu aufwändig gewesen. Ich bin aber alle Kommentare einmal durchgegangen und dürfte somit die wichtigsten Argumente erfasst haben.

Auch hier sollen zuerst skeptische Argumente nach Kapitel 2.2.1 Skepsis gegenüber (wissenschaftlich fundierten) Feststellungen, Analysemöglichkeiten, Aussagen und Handlungskonzepten angeschaut werden. Weitaus am Präsentesten in dieser ersten Hauptgruppe ist Ursachenskepsis. Deshalb konnten für die Kategorie der ursachenskeptischen Argumente zahlreiche Subkategorien gebildet werden, welche nun einzeln oder in zusammengehörigen Gruppen besprochen werden sollen.

Sehr oft werden Argumente genannt, die sich in der Subkategorie Klimawandel gibt es schon sehr lange/immer zusammenfassen lassen. In Tabelle 6 sind diese Argumente aufgelistet.

Tabelle 6: Ursachenskepsis: Skepsis gegenüber der Feststellung, dass der Klimawandel anthropogen (mit)verursacht ist. Subkategorie: Klimawandel gibt es schon sehr lange/immer.

Ursachenskepsis\Klimawandel gibt es schon sehr lange/immer Dass das Klima sich ändert, ist eine Realität. Das tat es schon immer, seit die Erde existiert.
Ursachenskepsis\Klimawandel gibt es schon sehr lange/immer Wie erklären Sie denn das, dass Grönland einmal Palmbewachsen war?
Ursachenskepsis\Klimawandel gibt es schon sehr lange/immer  Nicht erdgeschichtlich und auch nicht in der sehr kurzen Zeitspanne der Menschheitsgechichte war das Klima stabil. Stabiles Klima wäre ein Novum,
Ursachenskepsis\Klimawandel gibt es schon sehr lange/immer So ein Quatsch. Hitzeperioden hat es schon wie die Eiszeit immer gegeben.
Ursachenskepsis\Klimawandel gibt es schon sehr lange/immer Klimadaten sind leicht zu googeln, nur ist die systematische Aufzeichnung noch relativ neu. Gibt aber genug Berichte, aus der Zeit vorher, die dokumentieren, dass das Klima nicht immer gleich war. Manchmal aussergewöhnlich kalt, manchmal sehr warm.
Ursachenskepsis\Klimawandel gibt es schon sehr lange/immer 2060 droht uns eine kleine eiszeit / Hallo // das klima war schon immer im wandel schliesslich sind wir organisch und nicht mechanisch bestimmt 🙂
Ursachenskepsis\Klimawandel gibt es schon sehr lange/immer Die Erde
hat sich in den ca. 4 Milliarden Jahre konstant verändert. Vom Feuerball bis Kilometer dickes Eis. Und Hin und Her.
Ursachenskepsis\Klimawandel gibt es schon sehr lange/immer „Trotzdem sollten uns die Ereignisse der letzten Jahre eine Warnung sein.“ Was sind zwei Jahre in der Erdgeschichte, wo Menschen aus der Gesamtperspektive nur seit relativ kurzer Zeit dabei sind? Wieso gibt es Hinweise dass vor extrem langer Zeit auch in der Antarktis Palmen wuchsen? Damals gab es nicht soviele Menschen und durch sie verursachter CO2 Austoss. Die Sonne muss wärmer geworden sein.
Ursachenskepsis\Klimawandel gibt es schon sehr lange/immer Schwankungen der Erdtemperatur gab es schon lange bevor der Mensch existierte.

 

Ebenfalls zahlreich sind ursachenskeptische Argumente der Subkategorie Topos oder Trugschluss der Ungewissheit. Nicht alle, aber ein guter Teil dieser Kommentare liesse sich als ‚gemässigt klimaskeptisch‘ beschreiben, eine anthropogene Ursache des Klimawandels wird zwar bezweifelt, aber nicht ausgeschlossen. Zur Veranschaulichung dient Tabelle 7, welche darüber hinaus auch Argumente der Subkategorie Konsensskepsis enthält. Die konsensskeptischen Argumente bezweifeln insbesondere einen (wissenschaftlichen) Konsens über anthropogene Ursachen des Klimawandels und rücken in diesem Zusammenhang in die Nähe von Argumenten, welche die Ungewissheit anthropogener Ursachen betonen.

Tabelle 7: Ursachenskepsis: Skepsis gegenüber der Feststellung, dass der Klimawandel anthropogen (mit)verursacht ist. Subkategorien: Topos oder Trugschluss der Ungewissheit & Konsensskepsis.

Ursachenskepsis\Topos oder Trugschluss der Ungewissheit Es stimmt, das Klima wird wärmer! Ob es wegen dem CO2 und wegen anderen von Menschen verursachten Problemen sind, oder ob es eine natuerliche Tempratur Schwankung ist, seit gemessen wird, bleibt umstritten!
Ursachenskepsis\Topos oder Trugschluss der Ungewissheit Klimawandel ja, ob vom Menschen verursacht, vielleicht. Viele kennen die Bilder holländischer Meister in denen eine brutale Winterwelt im fünfzehnten Jahrhundert in Holland gezeigt wurde. Bis anhin gibt es keine fundierte wissenschaftliche Erklärung für dieses Phänomen. Punien, das heutige Lybien/Tunesien war vor 2000 Jahren die Kornkammer Roms, heute mehrheitlich eine Wüstenlandschaft. Wenn es so einfach wäre den derzeitigen Klimawandel dem Menschen zuzuordnen dann wäre das eher erfreulich. Was ist wenn andere Einflüsse, ausserhalb der menschlichen Kontrolle dafür verantwortlich sind?
Ursachenskepsis\Topos oder Trugschluss der Ungewissheit Das der Klimawandel im Gange ist, ist unbestreitbar. Aber ob der Mensch dies beeinflusst ist noch lange nicht bewiesen.
Ursachenskepsis\Topos oder Trugschluss der Ungewissheit Was übrigens nichts darüber aussagt, ob es sich beim Temperaturanstieg tatsächlich um einen längerfristigen Klimawandel oder um ein temporäres Ereignis handelt. Und ob menschliche Abgase etwas damit zu tun haben. Aber dass es heute im Schnitt wärmer ist als vor 40 Jahren, das lässt sich doch wohl kaum ernsthaft abstreiten.
Ursachenskepsis\Topos oder Trugschluss der Ungewissheit  Herr Hebich, dass der Mensch nennenswerten Einfluss auf das Klima haben soll, ist nach wie vor eine unbewiesene These; zudem eine mit etlichen Schwachpunkten.
Ursachenskepsis\Topos oder Trugschluss der Ungewissheit Wenn es beim Klimawandel wirklich um das menschgemachte CO2 geht – was von etlichen Wissenschaftlern in dieser Dimension bezweifelt wird – dann laufen doch sicher schon globale Mammut-Programme zur Aufforstung von Wäldern.
Ursachenskepsis\Topos oder Trugschluss der Ungewissheit @Marcel Senn: Das heisst – wir wissen es nicht. Wir beide waren wohl nie so nah an der Sonne, um das genau sehen oder spüren zu können. Also bleibt es – wie es ist: „Alle sind betroffen – und alle Fragen offen“. (Kurzform à la Brecht). Die Falsifizierung geht einfach weiter. (Weil, auch diese CO2-Theorie lässt viele Fragen – offen; besonders in einem offenen System, mit n Parametern).
Ursachenskepsis\Topos oder Trugschluss der Ungewissheit  @ daniele glaufo: Wie erklären Sie denn das, dass Grönland einmal Palmbewachsen war? Ist es denn nicht so, dass wir über eine extrem kleine Messspanne verfügen. Sozusagen über NICHTS.
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Wenn ich schaue, wie man kläglich versucht, den, allem Anschein vom Menschen verursachten Klimawandel, zu bekämpfen, so kommen mir die Tränen. Ich weiss jetzt wirklich nicht, ob es Verzweiflungs- oder Lachtränen sind. Mit Zertifikaten zum Beispiel. Mit Verboten (Windräder, Solarpanelen) zum Beispiel. Es wirkt alles krampfhaft verkrampft.
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Wir wissen km Grunde genommen … NICHTS. Und das macht uns so … Hilflos. Auch mit Argumenten Pro und Kontra.
Ursachenskepsis\Topos oder Trugschluss der Ungewissheit Ursachenbekämpfung ist nicht sinnvoll, weil wir a) nicht wissen, ob ein Klimawandel grundsätzlich etwas schlechtes ist.
Ursachenskepsis\Konsensskepsis Die gesamte Wissenschaft ist sich einig, das stimmt eben nicht, da können sie sich noch so amüsieren, Herr Gerber Aber die Wissenschaft ist auch auf Forschungsgelder angewiesen. Und es sind Interessen da, dem Mensch die Schuld des Klimawandels zuzuschieben. Der arme schuldige Sünder soll doch bitte zahlen.
Ursachenskepsis\Konsensskepsis Herr Gerber: Entgegen Ihrer Behauptung ist ein nicht unwesentlicher Teil der „gesamten“ Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Welt der Meinung, dass die gegenwärtigen Klimaveränderungen nicht primär von Mensch und Tier verursacht wird, sondern auf die gegenwärtig stark erhöhte Sonnenaktivität zurückzuführen ist.
Ursachenskepsis\Konsensskepsis Die Wissenschaftler des IPCC sind dieser Meinung. Lesen Sie mal das Vorwort der IPCC Organisation „nachzuweisen dass die Erwärmung auf die Menschen zurückzuführen ist“. Andere Wissenschaftler haben hier dezidiert andere Meinungen.
Ursachenskepsis\Konsensskepsis Es ist sich eben nicht die gesamte Wissenschaft einig. Es gibt eine Menge Fachleute, die etwas anderes sagen. Paul Crutzen (Nobelpreis Chemie 1993): „Es gibt bereits soviel
CO2 in der Atmosphäre, dass in vielen Spektralbereichen die Aufnahme durch CO2 fast vollständig ist und zusätzliches CO2
spielt keine grosse Rolle mehr.“

 

Nicht zu übersehen sind diejenigen Argumente, welche einen menschlichen Einfluss ganz abstreiten, für gering halten oder betonen, dass menschliche Aktivitäten nicht alleinige Ursache des Klima­wandels sind. Entsprechende Argumente sind in Tabelle 8 festgehalten.

Tabelle 8: Ursachenskepsis: Skepsis gegenüber der Feststellung, dass der Klimawandel anthropogen (mit)verursacht ist. Subkategorien: Verschiedene Argumente, welche einen menschlichen Einfluss ganz oder teilweise abstreiten.

Ursachenskepsis\Mensch hat keinen Einfluss  Jawohl, sage ich da nur. einfach nach ‚vostok-ice-core‘ im Internet suchen und dann staunen was die Wissenschaftler so gefunden haben.
Der Klimawandel ist dadurch belegt und auch dass dieser nicht vom Menschen verursacht sein kann.
Ursachenskepsis\Mensch hat keinen Einfluss Genau richtig, die Sonne steuert das Leben und Klima nicht der Mensch!
Ursachenskepsis\Mensch hat keinen Einfluss Logisch ändert sich das Klima. Wieso und weshalb? Dies zu begründen ist anmassend. Die Erde im Weltall ist Natur, und Natur ist stetiger Wandel ausserhalb unserer Möglichkeiten…..
Ursachenskepsis\Mensch hat geringen Einfuss, andere Faktoren sind wichtiger Herr Schmid, grotesk ist vielmehr die These, dass der Mensch das Klima signifikant beeinflusst!
Ursachenskepsis\Mensch hat geringen Einfuss, andere Faktoren sind wichtiger Die Wüsten wachsen schon seit mehr als 2000 Jahren. Hat wenig mit CO2 zu tun.
ursachenskeptische Argumente\Mensch hat unter anderem Einfluss, Gewichtung Faktoren unklar Apropos Ignoranz: Wie Ignorant muss man sein, 4 Milliarden Jahre auszublenden und meinen das Erdklima wird ausschließlich durch die aktuelle Erbevölkerung beeinflusst?
Ursachenskepsis\Mensch hat unter anderem Einfluss, Gewichtung Faktoren unklar Es sind nun heute einmal viel mehr Menschen auf der Welt, welche alle immer mehr Luxus haben wollen, was sicher auch ein Grund für die Klimaerwärmung ist. Doch dies ist sicher nicht der einzige Beitrag, verantwortlich für die extremen Klimaschwankungen.
Ursachenskepsis\Mensch hat unter anderem Einfluss, Gewichtung Faktoren unklar Und weil die 135 Jahre so eine kurze Messpanne sind, genau darum sollten wir uns nicht versteiffen, dem Menschen nun ALLES was das Klima angeht, in die Schuhe zu schieben.
Ursachenskepsis\Mensch hat unter anderem Einfluss, Gewichtung Faktoren unklar Und dass nur der Mensch den ökologischen Haushalt zu stören vermag, ist ja völliger Unfug. Was ist den z.B. mit Vulkanausbrüchen die in der Vergangenheit während Jahren das weltweite Klima massiv beeinflusst haben und z.B. zu massiven Ernteausfällen führten?

 

Eine zweitletzte grössere Untergruppe findet sich in der Kategorie Sonne ist verantwortlich für den Klimawandel:

Tabelle 9: Ursachenskepsis: Skepsis gegenüber der Feststellung, dass der Klimawandel anthropogen (mit)verursacht ist. Subkategorie: Sonne als Ursache des Klimawandels.

Ursachenskepsis\Sonne ist verantwortlich für den Klimawandel Das ist ganz normal, Hauptgrund sind nicht wir Menschen sondern die Sonne, Sie steuert das auf und ab auf der Erde, bitte mal genau lesen was die Sonne in den letzten 50 Jahren gemacht hat, dann ist alles klar, im Moment extreme Ausbrüche auf der Sonne daher das Klima auf der Erde, bald aber kommt eine kleine Eiszeit, denn die Sonne schwächelt!
Ursachenskepsis\Sonne ist verantwortlich für den Klimawandel  Zur Zeit haben wir verstärkte Sonnenfleckenaktivität. Als die Sonnenflecken einmal ein paar Jahre schwächer gewesen sind, kam es zur sogenannten kleinen Eiszeit. Hat sich Irgendeiner der Klima-VT-Anhänger bisher einmal diese Korrelation angesehen?
Ursachenskepsis\Sonne ist verantwortlich für den Klimawandel Genau richtig, die Sonne steuert das Leben und Klima nicht der Mensch!
Ursachenskepsis\Sonne ist verantwortlich für den Klimawandel Die Sonne muss wärmer geworden sein.
Ursachenskepsis\Sonne ist verantwortlich für den Klimawandel Das Klima wird zur Zeit wärmer, aber warum. Ganz einfach, es sind die Schwankungen der Strahlenintensität der Sonne. Doch die Sonne will nichts zahlen, also schiebt man die Schuld dem Menschen zu. Der soll zahlen, sie, ich und noch ein paar weitere Dumme.
Ursachenskepsis\Sonne ist verantwortlich für den Klimawandel Herr Gerber: Entgegen Ihrer Behauptung ist ein nicht unwesentlicher Teil der „gesamten“ Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Welt der Meinung, dass die gegenwärtigen Klimaveränderungen nicht primär von Mensch und Tier verursacht wird, sondern auf die gegenwärtig stark erhöhte Sonnenaktivität zurückzuführen ist.

 

Daneben finden zwei weitere (miteinander verknüpfte) ursachenskeptischer Argumente, welche zwar mehrfach, aber etwas weniger oft als vorhergehende, angeführt werden. Es sind dies Argumente der Subkategorien a) Mensch, aber nicht CO2 ist Schuld und b) Überbevölkerung ist Schuld am Klimawandel. Dabei könnte b) als Sonderfall von a) betrachtet werden. Allerdings müssen Argumente der Kategorie b) Überbevölkerung ist Schuld am Klimawandel nicht zwingend CO2 als Mitursache ablehnen, weshalb b) nicht grundsätzlich ein Sonderfall von a) ist.

Tabelle 10: Ursachenskepsis: Skepsis gegenüber der Feststellung, dass der Klimawandel anthropogen (mit)verursacht ist. Subkategorien: a) Mensch, aber nicht CO2 ist Schuld und b) Überbevölkerung ist Schuld am Klimawandel.

Ursachenskepsis\Mensch, aber nicht CO2 ist schuld am Klimawandel Und gerade Klimaforscher besagen,das,dass abholzen der Regenwälder nicht die Ursache der Erderwärmung sei!!Ist sie aber nachweisbar zu einem grossen Teil!!
Ursachenskepsis\Mensch, aber nicht CO2 ist schuld am Klimawandel Und das alles soll am Kohlendioxid liegen – welches eine Konzentration von 3,5 Promille aufweist -, und nicht etwa an den Verwaltungsgebäuden mit ihren schwarzen Glaswänden, den unzähligen dunklen und verwitterten Dächern sowie den sonstigen Verdunklungen unserer Zivilisation!
Ursachenskepsis\Überbevölkerung ist schuld am Klimawandel Alle jammern über den Klimawandel, dabei vermehrt sich die Menschheit unbeschwert weiter auf die 10 Milliarden zu
Ursachenskepsis\Überbevölkerung ist schuld am Klimawandel Was wir machen sollten? Ganz einfach:Weniger Menschen produzieren!!!

 

Neben dieser besonders grossen Zahl an ursachenskeptischen Argumenten finden sich auch einige problemskeptische Argumente, wie Tabelle 11 zeigt. Die problemskeptischen Argumente lassen sich in zwei Kategorien aufgliedern. So gibt es jene – das ist die grössere Gruppe –, welche bezweifeln, dass der Klimawandel ‚ein Problem‘ ist und die Folgen allgemein als wenig negativ einschätzen, und jene – weniger zahlreichen –, die behaupten, dass der Klimawandel für manche Regionen eher Vorteile bringe.

Tabelle 11: Problemskepsis: Skepsis gegenüber der Aussage, dass Klimawandel ein Problem ist oder in Zukunft ein Problem sein wird.

Problemskepsis\KW hat keine/wenig negative Folgen 1. Der Klimawandel ist einfach mal da. Eine Katastrophe ist er deswegen noch lange nicht.
Problemskepsis\KW hat keine/wenig negative Folgen Die Angst vor einem Klimawandel begründet in der ökoesoterischen Annahme, dass die Natur ohne Mensch drin perfekt wäre, weshalb eine durch den Menschen hervorgerufene Veränderung grundsätzlich schlecht sein muss. Das ist aber völliger Quatsch.
Problemskepsis\KW hat keine/wenig negative Folgen Claire Deneuve und Marcus Vir, Sie gehen von der irrigen Annahme aus, dass der Klimawandel für die Menschen per se schlecht sein muss. Das ist aber durch nichts belegt.
Problemskepsis\KW hat keine/wenig negative Folgen  Ist anders immer zwangsläufig schlechter ??
Problemskepsis\Klimawandel hat auch positive Folgen  In Kalifornien mag es im Moment weniger regnen. Andere dürfen sich zeitgleich an grüneren Zeiten freuen.
Problemskepsis\Klimawandel hat auch positive Folgen  Tatsächlich werden einige Regionen dieser Welt im etwas milderen Klima auf Ertragssteigerungen in der Landwirtschaft hoffen können.

 

Eine weitere Gruppe bilden mitigationsskeptische Kommentare. Diese Kommentare sind sich insofern ähnlich, als dass sie alle zum Ausdruck bringen, dass weniger Mitigation, sondern Adaptation die Antwort auf den Klimawandel sein sollte. Es ist allerdings zu beachten, dass diese Argumente teilweise den Abschluss von umfangreicheren Argumentationsketten bilden, die unterschiedliche Ausgangspunkte haben. So sind einige Argumente dieser Gruppe direkt mit ursachenskeptischen Argumenten verbunden.

Tabelle 12: Mitigationsskepsis: Skepsis gegenüber Massnahmen mit dem Ziel, Treibhausgaskonzentrationen weniger schnell ansteigen zu lassen respektive diese langfristig zu stabilisieren.

Mitigationsskepsis Aber statt zu jammern wäre es vielleicht sinnvoll, Geld in Schutzmassnahmen zu investieren? Der Meeresspiegel wird ja nicht von heute auf morgen um 10 Meter steigen. Als erstes steigt die Zahl und Gefährlichkeit von Sturmfluten. Und dagegen gibt es bessere Schutzmassnahmen, als Konferenzen.
Mitigationsskepsis? Was wir machen sollen? Natürlich das, was die Menschheit schon immer gemacht hat: Sich anpassen.
Mitigationsskepsis Lieber Herr Herren, gerade WEIL mir das Wohlergehen von Kindern und Kindeskindern am Herzen liegt, kämpfe ich dagegen, dass sinnlos Ressourcen für die Bekämpfung des Phantoms CO2 vergeudet werden. Diese Ressourcen setzen wir viel sinnvoller für die Anpassung an das sich wandelnde Klima ein, sei dies durch Bewässerungsanlagen, Stauseen, Hochwasserschutzbauten, usw.
Mitigationsskepsis Ja, Frau Stünzi und was wäre, wenn wir mit riesigem Aufwand den CO2-Ausstoss reduzieren, deswegen zu wenig Ressourcen für die Anpassung an den Klimawandel haben und es doch immer wärmer wird? Schon mal so weit gedacht?
Mitigationsskepsis Herr Stocker, weshalb sollte man auf etwas verzichten? Anpassen sollten wir uns!

 

Daneben gibt es ganz vereinzelt erwärmungs- und prognoseskeptische Argumente. Von letzterer Kategorie konnte nur ein einziges Mal Gebrauch gemacht werden. Einen Überblick über diese beiden Kategorien gibt Tabelle 13.

Tabelle 13: Erwärmungs- und Prognoseskepsis. Skepsis gegenüber der Feststellung, dass sich das Klima erwärmt & Skepsis gegenüber Klimaprognosen oder gegenüber der grundsätzlichen Möglichkeit, Klimaprognosen erstellen zu können.

Erwärmungsskepsis Das merkwürdige ist, dass wenn man sich die Varianz der ermittelten Temperaturverläufe sämtlicher historischen Eisproben anschaut und diese mit dem Varianzverlauf der letzten 100 Jahre vergleicht, sieht man eigentlich keinen Klimawandel. Oder anders gesagt: Der jetzt beobachtete Temp.anstieg ist hinsichtlich seiner Änderungsrate im Vergleich mit früheren Wandeln nicht extrem sondern eher unterdurchschnittlich.
Erwärmungsskepsis  Wenn man ja ausgewogenen Journalismus betreiben würde, sollte man auch erwähnen, das die NOAA wieder einmal die Temperaturreihen angepasst hat, zum Teil mit sehr fraglichen Argumenten. Wenn wir die Satellitendaten von UAH und RSS anschauen, so war der Juni einfach ganz normal, das Jahr 2015 nirgends auffällig. Den Messungen der Satelliten ist wohl mehr zu trauen als den von vielen Faktoren kontaminierten Daten von Land und Ozeanen, ganz zu schweigen von den andauernden Anpassungen, die immer in eine Richtung gehen: Vergangenheit kälter, Gegenwart wärmer!!! Und im November stehen ja die Verhandlungen in Paris zuvor, da muss man das Terrain vorbereiten…
Erwärmungsskepsis\Der Meeresspiegel ist nicht angestiegen Und das grosse Absaufen von Inseln hat nicht angefangen. Der Meeresspiegel ist jedenfalls nicht angestiegen.
Erwärmungsskepsis\Die Durchschnittstemperaturen sind sinkend  Im Hochmittelalter war’s wärmer.
Prognoseskepsis „Die Klimatologie erbringt mit ihren Simulationen präzisere und detailliertere Vorhersagen. “
Keineswegs! Alle Szenarien wurden durch die Wirklichkeit wiederlegt – die Durchschnittstemp. verläuft seit Jahren unterhalb der gesamten prognostizierten Bandbreite. Solche Meldungen lassen sich den Leuten verkaufen, die Wetter von Klima nicht unterscheiden können.

 

Neben dieser ersten Hauptgruppe an klimaskeptischen Argumenten nach Kapitel 2.2.1 Skepsis gegenüber (wissenschaftlich fundierten) Feststellungen, Analysemöglichkeiten, Aussagen und Handlungskonzepten finden sich in einer zweiten Hauptgruppe auch hier wieder zahlreiche akteur*innenbezogene Argumente nach Kapitel 2.2.2 Skepsis gegenüber (wissenschaftlichen) Akteur*innen im Bereich Klimawandel.

In den Kommentaren der Subkategorie finanziell-politische Argumente meine ich, (extrem) rechte Akteur*innen (Forchtner 2015) und eine Verknüpfung mit einem ‚Diskurs über Staataufgaben und Staatsfinanzierung aus wirtschaftsliberaler Perspektive‘ erkennen zu können.

Einen Überblick über sämtliche akteur*innenskeptische Kommentare gibt Tabelle 14.

Tabelle 14: Akteur*innenskepsis: Skepsis gegenüber (wissenschaftlichen) Akteur*innen im Bereich Klimawandel

Akteur*innenskepsis\finanziell-politische Argumente\keine Subsubkategorie Die Klimawandel Steuer ist ein Milliardenschweres Konstrukt, die jedes
Land Hegt und Pfleg, bis zum Geht nicht Mehr.
Akteur*innenskepsis\finanziell-politische Argumente\keine Subsubkategorie Das ganze Klimagefasel ist nichts anderes als ein kleines peinliches Feigenblatt für die staatliche Abzocke, Umversteilung und Subventionitis.
Akteur*innenskepsis\finanziell-politische Argumente\Klimawandel ist ein lukratives Geschäft Aber einige findige Köpfe haben gemerkt, dass damit gutes Geld verdienen lässt!
Akteur*innenskepsis\finanziell-politische Argumente\Klimawandel ist ein lukratives Geschäft Was aber ganz sicher ist. Mit dem Klimathema machen einige Klimapropheten den ganz grossen Profit. Analog dem Asylgeschäft und dem Sozialbusiness!
Akteur*innenskepsis\finanziell-politische Argumente\Klimawandel ist ein lukratives Geschäft  Den grossen Profit machen dagegen die CO2-Ablasshändler und die Staaten, die ungerechtfertigte CO2-Steuern erheben.
Akteur*innenskepsis\finanziell-politische Argumente\Klimawandel ist ein lukratives Geschäft Schauen sie doch einmal, was Al Gore fuer seine alarmistischen Vortraege kriegt, so zirka 150’000 US Dollars pro Vortrag, ganz zu schweigen von all seinen anderen Einahmequellen, indem er die klimaalarmistsche Trommel rührt, auch der Weltenretter Gore ist nicht so selbstlos, wie er sivh gibt…
Akteur*innenskepsis\finanziell-politische Argumente\Klimawandel ist ein lukratives Geschäft  Bloss lässt sich mit dem CO2-Märli halt wesentlich mehr Geld verdienen !!!
Akteur*innenskepsis\finanziell-politische Argumente\Klimastudien/Klimavorsorge ist eine (ungerechtfertigte) Belastung für Steuerzahler*innen Daran, das die Dinosaurier vor 65 Mio Jahren ausstarben, waren sicher die Autofahrer schuld. Und an der Eiszeit war die erhöhte Wolkenbildung, ebenfalls durch Autoabgase begünstigt, schuld. Und nun schon wieder ein Klimawandel. Nein sowas. Da muss man doch glatt die Benzinpreise erhöhen und die CO2 Abgabe vervielfachen.
Akteur*innenskepsis\finanziell-politische Argumente\Klimastudien/Klimavorsorge ist eine (ungerechtfertigte) Belastung für Steuerzahler*innen Und ja, ich fühle mich durch euch Grünen in meiner Freiheit eingeschränkt durch immer mehr Regulierung und vor allem durch „umweltgerechte “ abzocke.
Akteur*innenskepsis\finanziell-politische Argumente\Klimastudien/Klimavorsorge ist Steuerverschwendung  2. Mit der Begründung, den Klimawandel zu stoppen (eh grössenwahnsinnig), hat die deutsche Regierung die Energiewende eingeleitet, dabei hunderte von Milliarden verballert
Akteur*innenskepsis\finanziell-politische Argumente\Klimastudien/Klimavorsorge ist Steuerverschwendung 4. „Klimavorsorge“ zur Vereitelung eines Ereignisses, das wahrscheinlich gar nicht abwendbar ist, ist Verschwendung wichtiger Ressourcen.
Akteur*innenskepsis\Abhängigkeit der Wissenschaftler*innen vom Staat Die Klimapropheten machen keinen grossen Profit, sind aber zum allergrössten Teil wirtschaftlich von staatlichen Forschungsgeldern abhängig. Wenn man da zu stark vom aktuell populären CO2-Paradigma abweicht, dann gibt’s keine Forschungsgelder mehr!
Akteur*innenskepsis\Abhängigkeit der Wissenschaftler*innen vom Staat Aber die Wissenschaft ist auch auf Forschungsgelder angewiesen.
Akteur*innenskepsis\Abhängigkeit der Wissenschaftler*innen vom Staat Zudem darf man bei der Beurteilung des grossmehrheitlichen Supports der CO2-These die wirtschaftlichen Interessen der Wissenschaftler nicht aus dem Auge lassen. Forschungsgelder gibt es in der Klimawissenschaft momentan fast nur für den CO2-gläubigen Mainstream.
Akteur*innenskepsis\Topos oder Trugschluss der Definition Kein Wunder gibts ständig neue Rekorde. Zb. bei der Anzahl Tropennächte: Denn bis 2008 war eine Tropennacht ja auch noch über 25 Grad warm, dann wurde die Definition geändert, und nun wird schon von Troppennächten gesprochen, wenn 20 Grad nicht unterschritten werden. Das kann man zB. gut in der Versionsgeschichte von Wikipedia nachlesen.
So kann man natürlich auch einen Klimawandel darstellen…
Akteur*innenskepsis\Topos oder Trugschluss der Widersprüchlichkeit Und vor wenigen Tagen hat man hier noch von einer künftigen Mini.Eiszeit geschrieben :-))
Akteur*innenskepsis\Topos oder Trugschluss der Widersprüchlichkeit Und wenn der Juli 2016 kalt und verregnet wird, dann wird man von der nächsten Eiszeit sprechen.
Akteur*innenskepsis\Topos oder Trugschluss der Widersprüchlichkeit Ausserdem heisst es doch immer von den Klimahysterikern wenn es einmal kalt ist: „Man darf Wetter nicht mit Kilma gleichsetzen.“
Akteur*innenskepsis\Topos oder Trugschluss der Widersprüchlichkeit Mantra der Klimaideologen: „Ist es kalt, ist es Wetter – ist es heiss, ist es Klima.“ Das gilt immer.
Akteur*innenskepsis\Topos oder Trugschluss des Vergleichs mit dem Waldsterben Zuerst Waldsterben, dann Klimaerwärmung und jetzt Klimawandel. Nicht zu vergessen, dass Meteo Daten erst seit ca. 100 Jahren aufgezeichnet werden. Hat das eine Aussagekraft über das Kima der letzten 100’000 Jahre? Bei diesem Thema offensichtlich schon….. Jede andere Statistik würde in Frage gestellt werde.
Akteur*innenskepsis\Topos oder Trugschluss des Vergleichs mit dem Waldsterben Wie war das noch mit dem Waldsterben – wir werden doch von den Wissenschaftler alle paar Jahre veräppelt!
Akteur*innenskepsis\Topos oder Trugschluss des Vergleichs mit dem Waldsterben Der verlorene Glauben in die Wissenschaft muss sich diese selber zuschreiben, oder zumindest denjenigen Forschern, die uns andauernd die Katastrophe prophezeien. Keiner dieser Katastrophen ist bisher eingetroffen (Club of Rome, Populatinsbombe von Ehrlich, der stumme Frühling, das Waldsterben etc). Wer immer Wolf schreit, ohne dass einer da ist, dem glaubt man einmal nicht mehr, ob zu Recht oder Unrecht
Akteur*innenskepsis\keine Subkategorie Ich habe mir auch erlaubt, bei der Org. IPCC etwas reinzuschauen. Langjähriger Chef war ‚Rajendra Pachauri‘; gelernter Dampflokomotiven-Ingenieur; später gut vernetzter Oekonom. Logisch gesehen; er weiss gut, wie man CO2 produziert – und ebenso wie man CO2 wieder zu Geld verwandeln kann. Sehr (welt)politisch orientiert – jedenfalls.
Akteur*innenskepsis\keine Subkategorie  Die Pseudo-Wissenschaft hinter den Meinungen und Durchschnitts[sic!]-Statistiken machen die Klimawarner nicht glaubhafter.
Akteur*innenskepsis\keine Subkategorie Sie sagen es: die globale Temperaturkurve parallel zur Industrialisierung. Das hat sich die NOAA zu Herzen genommen und spielt mit der Temperaturkurve solang herum, bis es dann eben so aussieht, ob es war ist oder nicht. Das nenne ich nicht wirkliche Wissenschaft
Akteur*innenskepsis\keine Subkategorie Die Klimapropheten haben uns eine Häufung ganz schlimmer Hurrikane angedroht. Nur war die Hurrikan-Aktivität in den letzten Jahren so gering wie schon lange nicht mehr…
Akteur*innenskepsis\keine Subkategorie 97% der Wissenschaftler glaubten einst, die Welt sei eine Scheibe. 97% der Wissenschaftler glaubten später, die Erde stehe im Zentrum des Universums. Wissenschaftler, die das Gegenteil behaupteten, wurden ausgelacht, geächtet, ermordet.
Akteur*innenskepsis\keine Subkategorie  Wenn man ja ausgewogenen Journalismus betreiben würde, sollte man auch erwähnen, das die NOAA wieder einmal die Temperaturreihen angepasst hat, zum Teil mit sehr fraglichen Argumenten. Wenn wir die Satellitendaten von UAH und RSS anschauen, so war der Juni einfach ganz normal, das Jahr 2015 nirgends auffällig. Den Messungen der Satelliten ist wohl mehr zu trauen als den von vielen Faktoren kontaminierten Daten von Land und Ozeanen, ganz zu schweigen von den andauernden Anpassungen, die immer in eine Richtung gehen: Vergangenheit kälter, Gegenwart wärmer!!! Und im November stehen ja die Verhandlungen in Paris zuvor, da muss man das Terrain vorbereiten…

 

5.3.1.4 Auf der Suche nach ‚umgestimmten Klimaskeptiker*innen‘

Nun soll der Verlauf der Kommentare derjenigen klimaskeptischen Poster*innen angeschaut werden, die mehrere Posts verfasst haben, um zu eruieren, ob es Beispiel davon gibt, dass jemand seine Position ändert. Dazu wurde eine Tabelle gefertigt, welche sämtliche Kommentare von denjenigen klimaskeptischen Kommentator*innen enthält, die mehr als einen Kommentar verfasst haben. In Tabelle 39 im Anhang sind die relevanten Kommentare, nach Autor*innen geordnet, ersichtlich. Nicht unerwartet ist der Befund, dass kein Beispiel für eine ‚umgestimmte Klimaskeptiker*in‘ ausgemacht werden kann.

Abbildung 7: *Peter Glauser* nimmt ein klimaskeptisches Argument zurück.

 

Was sich hingegen schon findet, ist, dass jemand ein falsches Argument (gegen den anthropogenen Klimawandel) wieder zurücknimmt, vgl. hierzu die beiden Kommentare von *Peter Glauser* in Abbildung 7

 

5.3.1.5 Das Klima in Leser*innenkommentaren – Anmerkungen zum ‚Umgangston‘

Bei einer ersten Durchsicht aller Kommentare ist aufgefallen, dass von beiden Seiten oft ein rauer Ton gewählt wird.

Da bereits feststeht, dass es den Klimabewegten im vorliegenden Fall nicht gelungen ist, Skeptische für ihre Position zu gewinnen, soll nun anhand ausgewählter Beispiele (Tabelle 15) die oft nicht ideale Kommunikation seitens klimabewegter Kommentator*innen gegenüber Klimaskeptiker*innen gezeigt werden. Tabelle 15 enthält keine vollständige Erfassung solcher ‚negativen‘ Beispiele, es ist anzu­nehmen, dass sich davon noch etliche mehr finden lassen. Wie Tabelle 15 verdeutlicht, schreiben Klimabewegte ihrem Gegenüber oft negative Eigenschaften und Verhaltens­weisen zu. Diese Kritik ist oft direkt und unverblümt, manchmal wird auch Ironie eingesetzt. Zu­schreibungen von negativen Eigenschaften und Verhaltensweisen sowie Äusserungen, wo ver­mutlich Ironie im Spiel ist, sind in Tabelle 15 hervorgehoben.

Tabelle 15: Wie gehen Klimabewegte mit Skeptiker*innen um? Negative Beispiele.

Also die mehrheit der schreiber hier sind sich wohl einig. Klimawandel völlig falsch, gibt es nicht, 97% (quelle: nasa) der wissenschaftler liegen falsch. Puuh.. dann bin ich ja beruhigt. Alles halb so wild. Bitte weitermachen! 😉
Soll dieser unnütze Kommentar etwa lustig sein ? Wer erzählt einen solchen Schwachsinn ?
Münzer: Was soll Ihr dümmlicher Kommentar?
Und Ihre Diffarmierung von Menschen, die sich Gedanken um die Konsequenzen unserer doch nicht sehr nachhaltigen Lebensweise machen, sind absolut fehl am Platz. Nur Ignoranten argumentieren so wie Sie!
Sie haben wohl nicht mitbekommen, was in den letzten 200 Jahren passiert ist und wenn das so weitergeht, dann gute Nacht.
Was muss eigentlich noch passieren, bis der Hinterletzte begreift, dass sich das Klima wandelt, und zwar viel schneller und extremer als angenommen, und dass dies mit Sicherheit erst der Anfang ist? Muss der Teer der Strasse sich verflüssigen oder es Hunderte von Hitzetoten geben? Wer den Klimwandel ist immer noch ignoriert, ist entweder ignorant oder dämlich.
Meyer: Ja vor 50 Millionen Jahren gabs tatsächlich mal Palmen dort, aber damals war Indien auch noch eine grosse Insel hunderte km entfernt vom Festland im indischen Ozean, England noch fest mit Europa verbunden.
Schauen Sie doch mal eine Weltsimulationskarte vor 50 Mio Jahren an und dann werden Sie vermutlich selber merken, dass Ihr Vergleich mit heute doch ziemlich lächerlich ist
Naja Sie sollten „positiv“ aber nicht mit „ignorant“ verwechseln.
Was genau ist denn positiv an schwindenden Trinkwasservorräten, steigendem Meeresspiegel und sich vergrössernden Wüstenflächen?
Achja, das Pseudo Totschlag-Argument.
Hat leider nicht viel mit dem Thema zu tun.
Nemecek: Ich habe mich seit 1965 (Nordböhmen) und danach für Jahrzehnte im Alpenraum mit dem „neuartigen Waldsterben“ befasst. Ihre Argumente – „nur Rottannen“, „feucht und dunkel“, „Monokulturen“, „jahrzehntelang keine Pflege“ sind derart abwegig, dass ich darauf gar nicht weiter eingehen muss. Ich bin aber gerne bereit, ihnen – nötigenfalls an Ort und Stelle – erhellende Info zu vermitteln!
Gerne. Waldsterben – eine Vergiftung der Baumvegetation in den höheren Lagen Westeuropas durch, überwiegend, Abgase (Schwefeldioxid, NOx) hauptsächlich aus Kohlekraftwerken. Aber: Das Ganze war ein regionales Problem. Als Öffentlichkeit und (später, erwartungsgemäss) auch die Politik auf das Phänomen aufmerksam wurde, HAT MAN DIE NÖTIGEN MASSNAHMEN ERGRIFFEN, um das Problem auch regional zu lösen: Rauchwaschanlagen, Filter. Der Erfolg war derart durchschlagend, dass sich nun ständig irgendwelche Trolle bemüssigt fühlen, das luftschadstoffbedingte Waldsterben hinterher als Phantom abzutun.
Genügt ihnen das als Aufklärung, Herr James Meier?
Sie scheinen das ja wirklich sehr genau zu wissen.
Ich freue mich auf die Daten.
Aber bitte genau, einfach irgend einen Quark behaupten kann jeder.
Sicher wird der Herr Kohler seine sonstigen diffusen Behauptungen mit einer entsprechenden Begründung unterlegen (was ja sonst nicht gerade üblich ist).
Der war gut. Immer schön alles was man nicht mag zusammen panschen.
Wie bitte machen den „Klimapropheten“ den „ganz grossen Profit“?
Gute Idee Herr Vir, dann müssen wir nicht darüber Diskutieren ob kleine Konzentrationen von gewissen Stoffen plötzlich relevant werden oder nicht
Vor 2000 Jahren haben Sie noch nicht soviel heisse Luft produziert. Gibt es auch noch einen substanziellen Kommentar von Ihnen oder sind sie einfach gegen den Klimawandel ohne Argumente?
Was alles trägt (nebst dem natürlichen, aber langsamen) zum Klimawandel bei? Abholzung der Regenwälder verändert Luftdruck und Verdunstung. Verschmutzung, Übersäuerung der Meere und Verölung verändert die Verdunstung. Immer riesigere verstädterte Gebiete, immer mehr Abgabe von CO2, immer mehr Feinstaub (Peking lässt grüssen), immer mehr Beton statt Wiesen, wo das Wasser nicht mehr abfliessen kann. Können Sie mal an Afrika denken? Wissen Sie was das heisst, wenn es dort noch heisser wird??? Ausdehnung der Wüsten, schon 14-jährige Dürreperiode in Kalifornien. Aber nein, mein Ego ist wichtiger.
Ihre Information ist veraltet, tja so schnell geht das. Aktuell ist es über 400ppm
Was hat schon die Menge damit zu tun. Ein klein wenig Radon in Ihrer Atemluft hat auch einen Effekt.
Meister: Meyl ist weder Physikerm und schon gar nicht Klimaphysiker sondern ein Elektrotechniker mit Phantasietheorien zum Elektromagnetismus.
Solchen Käse verbreiten also die Klimaerwärmungsgegner. Wie damals auch die Ziggi-Lobby bis zum Schluss behauptete, Rauchen sei nicht schädlich.
@Wirthner: Soso. Dann fügen Sie hier doch mal ein paar Quellen an die ihre Aussage auch belegen. Und NEIN, mit Quellen meine ich nicht so etwas wie die – leicht esoterische – Hompepage des „Prof. Dr. K. Meyl“, sondern der Methodik der Naturwissenschaften entsprechende Publikationen – veröffentlicht in wissenschaftlichen Zeitschriften. Bin sehr gespannt auf ihre Angaben. Nett wäre wenn Sie diese gleich im gängigen Bibliografieformat angeben könnten, dass macht das Suchen in den entsprechenden Katalogen einfacher (NEBIS, etc.).

 

Ausserdem wurde auch nach positiven respektive weniger negativen Beispiele dafür gesucht, wie Klimabewegte mit den Argumenten der Klimaskeptiker*innen umgehen. Es hat sich als schwierig herausgestellt, solche Beispiele (Tabelle 16) zu finden – möglicherweise sind diese vergleichsweise selten.

Tabelle 16. Wie gehen Klimabewegte mit Skeptiker*innen um? Weniger negative (oder positive?) Beispiele.

Doch, das ist belegt. In Grossbritannien wurden ökonomische Vor- und Nachteile untersucht und man kam zum Schluss, dass die Nachteile massiv überwiegen. Und das in einem Land, das durchaus etwas mehr Sonne vertragen könnte, würde man zumindest meinen.
Hugentobler Ihr Kommentar ist falsch!! Wir hatten im 24. Sonnenzyklus von 2008-14 gerade mal 102 Sonnenflecken, also einen sehr tiefen Wert und damit eine historisch eher geringe Sonnenaktivität!
Im 19. Zyklus 1954-57 z.B. waren es 254!
Es müsste also kälter geworden sein, wurde es aber nicht, weil das CO2 einen stärkeren Einfluss hat auf die Temperaturen als die Sonnenaktivität
Allmendinger: Die graue Aerosolschicht aus Russpartikeln etc. auf dem Arktiseis trägt sicher auch dazu bei, auch die Abholzung, die Versiegelung der Böden, die dunklen Dächer etc.
Aber den stärksten Einfluss mit Abstand haben immer noch über 5 Tonnen CO2 Ausstoss für jeden der akt. 7.3 Mrd lebenden Menschen — das sind doch gewaltige Mengen Jahr für Jahr, wenn man sich das mal plastisch vorstellt

 

Wenn also die Art und Weise berücksichtigt wird, wie Klimabewegte mit Klimaskeptiker*innen umgehen, ist es gut nachvollziehbar, dass sich niemand umstimmen lässt – denn es liegt auf der Hand, dass eine Diskussionskultur, bei welcher Beschimpfungen zur Tagesordnung gehören, einer ‚Einigung‘ nicht förderlich sind.

Welche Konsequenzen hat die Feststellung der oft nicht idealen Umgangsformen für diese Arbeit? Sie weist erstens auf einen Missstand im Untersuchungsgegenstand hin, den es festzuhalten gilt. Sie gibt zweitens eine Erklärung dafür, dass sich keine Klimaskeptiker*innen umstimmen lassen und vielleicht sogar dafür, dass Klimaskeptiker*innen so vehement ihre Position verfechten – wobei letztere Über­legung als besonders hypothetisch zu betrachten ist. Drittens zeigt die Feststellung, dass Handlungsbedarf besteht und sie weckt die Hoffnung, dass die Beteiligung der beiden Klima­wissenschaftler im Forum die Situation verbessern könnte. Schon allein deshalb, weil damit zu rechnen ist, dass die Klimawissenschaftler sachlicher diskutieren und weniger rasch jemanden persönlich angreifen. Der sachlichere Diskussionsstil der Wissenschaftler könnte sich im besten Fall – dem audience design oder der Partnerhypothese folgend (siehe hierzu Kapitel 4.1.1 Audience Design) – positiv auf die Lai*innenkommentare auswirken.

Dennoch spielt der Umgangston nur am Rande eine Rolle in der vorliegenden Arbeit – so wird darauf verzichtet, den Klimatologen ‚Kommunikationstipps‘ für ihre Einschaltung in die Kommentarforen mitzugeben und das Thema wird auch in theoretischer Hinsicht nicht aufgearbeitet.

 

5.3.1.6 Wissenslücken – von der Schwierigkeit, ohne klimawissenschaftliche Ausbildung fachlich adäquat auf klimaskeptische Kommentare einzugehen

Ein interessantes, wenn auch nicht überraschendes, Phänomen ist, dass Klimabewegte gelegentlich selbst schlecht informiert sind und daher auf klimaskeptische Argumente mit unhaltbaren Gegen-argumenten reagieren. So erwidert der klimabewegte *Hermann Kloeti* auf den klima­skeptischen Kommentar von *Hannes Müller*, der behauptet, dass es im Hochmittelalter wärmer gewesen sei, ironisch, dass er *Hannes Müller* viel Glück zum tausendsten Geburtstag wünsche (Abbildung 8). Damit bringt *Hermann Kloeti* (unbeabsichtigt) zum Ausdruck, dass er selber wenig von den Methoden der Klimatologie versteht – denn für diese Periode gibt es sehr wohl Informationen über das Klima, beispielsweise aus der historischen Klimatologie (Analysen von historischen Dokumenten wie Reiseberichten, Berichten von Mönchen, Hochwassermarken) sowie aus Analysen von Klimaarchiven (wie z. B. Baumringen, Seesedimenten oder alpinen und polaren Eisbohrkernen).

Abbildung 8: Klimabewegter Kommentator *Hermann Kloeti* zeigt Wissenslücke in Klimatologie.

 

Ähnliches geschieht mit *Oliver Schmid* (Abbildung 9), wenn er erstens behauptet, das Argument „früher gab es auch schön warme Phasen“ sei absurd, da man gar nicht wisse, in welchen Zeitabständen das der Fall gewesen sei und zweitens, wenn er schreibt „das [sic] uns das CO2 resp [sic]  der damit verbundene Feinstaub massiv schadet“. Denn das Argument, früher habe es auch „schön“ warme Phasen gegeben ist keineswegs absurd, es ist sogar richtig – und würde eine gute Gelegenheit bieten, zu erklären, weshalb die aktuelle Erwärmung trotzdem sehr bedenklich und anthropogen verursacht ist. Dabei könnte auch darauf hingewiesen werden, dass die Situation der Menschheit heute nicht mehr vergleichbar ist mit z. B. der mittelalterlichen Warmperiode: Heute leben 7 Milliarden Menschen auf der Erde und wenn Menschen umziehen, geht dies kaum ohne Konflikte. Und zwischen Feinstaub und CO2 besteht, anders als *Oliver Schmid* nahelegt, kein (direkter) Zusammenhang, insbesondere nicht, was deren Schadenspotenzial angeht: Im Gegenteil, es ist sogar so, dass Feinstaub vorübergehend den Klimawandel einschränken kann. Ein Zusammenhang zwischen CO2-Emissionen und Feinstaub besteht nur insofern, als beide das Resultat der Verbrennung fossiler Brennstoffe sind.

Diese Wissenslücken von klimabewegten Kommentator*innen sind in verschiedener Hinsicht interessant. Sie zeigen, dass die Einstellung gegenüber dem Klimawandel (manchmal) mehr eine Glaubens- denn eine Wissensfrage ist, in anderen Worten: Sie hängt (manchmal) mehr von der (politischen) Gesinnung, denn vom klimatologischen Wissen ab. Zweitens verdeutlichen diese Wissenslücken, dass es ohne klimawissenschaftliche (Hochschul-)Bildung schwierig sein kann, auf klimaskeptische Argumente adäquat zu reagieren.

Abbildung 9: Klimabewegter Kommentator *Oliver Schmid* ist unpräzis, wenn er CO2 und Feinstaub in einem Atemzug nennt.

 

5.3.2 Analyse des Artikels

Der Artikel Ein Indiz mehr für den Klimawandel stammt von Martin Läubli und ist im Tages-Anzeiger erschienen. Der Artikel wurde am 21. Juli 2015, während einer lang andauernden Hitzephase, veröffentlicht. Der Artikel ist gemäss meinen Recherchen nur online erschienen. Er umfasst 479 Wörter. Dem Titel folgt ein Lead, bestehend aus zwei Sätzen: „Die momentan herrschende Hitze wird als Extremereignis angesehen. Sie gilt als weiterer Hinweis auf den durch den Menschen verursachten Klimawandel“.

Unterhalb des Leads befindet sich eine dreiteilige Animation, welche die Klimaveränderung zwischen 1951 und 2015 veranschaulicht. Der oberste Teil der Animation, welcher sich also direkt unter dem Lead befindet, besteht aus einer Weltkarte. Darunter befindet sich eine Zeitachse und unterhalb der Zeitachse eine Temperaturkurve, welche die Abweichung von der Durchschnittstemperatur (1951–1980) im Jahresmittel und im 5-Jahresmittel zeigt. Während nun auf der Zeitachse der Zeitverlauf inklusive Jahresangabe animiert dargestellt wird, wechseln die Farbtöne auf der Weltkarte von anfangs kalten Blau- in immer wärmere Rottöne und in der Temperaturkurven-Grafik verschiebt sich ein senkrechter Zeitbalken von links nach rechts, synchron mit der Animation auf der Zeitachse. Als Quelle für die Animationen wird die NASA angegeben. Was fehlt, ist eine Beschreibung der animierten Darstellungen, die über die knappen, aus dem Kontext gerissenen Angaben auf den Grafiken hinausgehen und auch für Laien verständlich sind. So kann eine klimatologisch durchschnittlich gebildete Artikel-Leser*in kaum erkennen, wie die Darstellungen zustande gekommen sind, und dass (vermutlich) solide Messreihen hinter den Grafiken stehen, wird nicht vermittelt.

Erst unterhalb dieser mehrteiligen Animation beginnt der eigentliche Beitrag. Dieser ist in 6 Absätze gegliedert und enthält keine Untertitel. Der Artikel versucht, die bei Artikelerscheinung bereits lang anhaltende Hitze des Sommers 2015 in Relation zum Klimawandel zu setzen. Dazu verweist der Redaktor Martin Läubli an verschiedenen Stellen auf klimawissenschaftliche Forschung, wobei aber die Verweise so allgemein gehalten sind, dass nicht auf die zugrundeliegenden Publikationen geschlossen werden kann – was in journalistischen Artikeln vermutlich durchaus üblich ist und auch nicht unbedingt problematisch ist. Dem Artikel würde ich des Weiteren die Eigenschaften reflexiv, introvertiert und nicht-stringent zuschreiben, so stellt Läubli zwar verschiedene Überlegungen an, kommt dabei aber nicht wirklich weiter und teilweise wirken die Absätze und Sätze darin wie aneinandergereihte, nur lose verbundene Gedankenfetzen. Ich nehme daher an, dass Läubli den Beitrag recht spontan erstellt hat und auf eine umfangreiche Überarbeitung verzichtet hat. So schreibt Läubli: „Die Wissenschaftler schätzen, dass 75 Prozent auf den Einfluss des Menschen zurückzu­führen sind. Bemerkenswert ist, dass mit der Erderwärmung die Wahrscheinlichkeit längerer Hitze- oder Niederschlagsperioden schneller ansteigt“ (Hervorhebungen S. J.). Die beiden Sätze, die einander unmittelbar folgen und auch nicht durch einen Absatz getrennt sind, haben keinen direkten Zusammenhang (im ersten Satz geht es um den Anteil der Menschen an der Erderwärmung, im zweiten um das Ansteigen der Wahrscheinlichkeit für längere Hitze- oder Niederschlagsperioden), es wird gewissermassen uneingeleitet das Thema gewechselt. Ausserdem bleibt für mich das Adverb schneller im zweiten Satz des Zitats unverständlich. Welches ist das Referenztempo? Auch bei Weglassung des schneller bleibt die Bedeutung der Aussage unklar – dass die Wahrscheinlichkeit für längere Hitze- oder Niederschlagsperioden mit der Klimaerwärmung steigt liegt auf der Hand und ist logisch, aber weshalb ist dieser Umstand bemerkenswert?

Der Artikel ist weitgehend unpersönlich formuliert. Es werden verschiedene Institutionen und (nicht konkrete) Forscher*innen genannt, so „Klimaforscher“, „Wissenschaftler“, „ETH-Forscher“, die NOAA und Meteo Schweiz, aber keine konkreten Namen von Forscher*innen.

 

5.3.3 Verhältnis der Kommentare zum Artikel

Obwohl der Artikel einen (hauptsächlich) anthropogen verursachten Klimawandel grundsätzlich nicht in Frage stellt, finde ich verschiedene Stellen im Artikel von Martin Läubli, von denen ich annehme, dass sie dazu führen, dass sich Skeptiker*innen bestätigt fühlen können. So schreibt Läubli:

„Der Jurist würde von Indizien sprechen, nicht von Beweisen. Auch für Klimaforscher gibt es noch keinen direkten Zusammenhang der zwei globalen Klimabestwerte mit dem durch den Menschen verursachten Klimawandel.“ Schnell können Skeptiker*innen diesen Satz umdeuten nach: Selbst Klimaforscher sagen, dass der Mensch nicht Schuld ist am Klimawandel.

Läubli weist insgesamt viermal (direkt und indirekt) darauf hin, dass Meteodaten erst seit relativ kurzer Zeit aufgezeichnet werden:

Die amerikanische Bundesbehörde für Ozean- und Atmosphärenforschung NOAA meldet, dass der Juni noch nie so warm gewesen sei seit Beginn der globalen Messungen vor 136 Jahren.

[…]

In der Schweiz war es der viertwärmste Juni seit Messbeginn 1864.

[…]

Wenn es so heiss bleibt wie bisher, wird der Monat Juli gemäss Meteo Schweiz als Rekordmonat in die Annalen der Schweizer Klimageschichte der letzten 150 Jahr eingehen.

[…]

Dafür sind die Datenreihen zu kurz.

 

Obwohl diese Hinweise (vermutlich) korrekt sind und es vermutlich auch angemessen ist, die Leser*innenschaft über die relativ jungen Messreihen zu informieren, sind sie ohne weiterführende Ausführungen zu klimawissenschaftlichen Methoden nicht unproblematisch und dürften mitverant­wortlich sein für Kommentare wie folgende:

„Und weil die 135 Jahre so eine kurze Messpanne sind, genau darum sollten wir uns nicht versteiffen, dem Menschen nun ALLES was das Klima angeht, in die Schuhe zu schieben.“

 

„136 Jahre Klimaforschung und unsere Erde hat ein paar schlappe Milliarden Jahre bereits hinter und auch noch vor sich. 136 Jahre sind für einen Menschen unsagbar lange für diesen Planeten bedeuten sie nicht einmal einen Wimpernschlag. Zumal die Erde ja schon viel höhere CO2 Werte kannte. Lange Rede kurzer Sinn: 136 Jahre sind eine sehr, sehr kurze Zeitspanne.“

 

An anderer Stelle schreibt Läubli: „Die aussergewöhnliche Hitze in Europa, in Teilen Asiens, Australiens und Südamerikas kann zwar zufällig entstanden sein, sie kann eine Laune der Natur sein, wie das üblich ist bei einem chaotischen System wie dem Wetter“ (Hervorhebungen S. J.). Mit zufällig und eine Laune der Natur bringt Läubli klimaskeptische Argumente ins Spiel, die er allerdings durch die Konjunktion zwar abschwächt und als eher unglaubwürdige Erklärungen darstellt. Die genannten klimaskeptischen Argumente potenziell erschwerend kommt hinzu, dass das zwar in den folgenden Sätzen nicht aufgelöst wird, Läubli verzichtet auf einen Satz wie Das könnten zwar plausible Erklärungen für die beobachtete Hitze sein, doch gibt es da die immense Flut an klimawissenschaftlicher Forschung, die sich über den bereits im Gange befindlichen Klimawandel mehr als einig ist… Stattdessen nimmt Läubli im darauf folgenden Absatz auf das einschränkende zwar Bezug, indem er schreibt „Trotzdem sollten uns die Ereignisse der letzten Jahre eine Warnung sein“ (Hervorhebung S. J.), wodurch die zuvor gemachten ‚Zwar-Aussagen‘ eher noch bekräftigt werden als immerhin plausible Erklärungen – denn die Konjunktion trotzdem stellt in dieser Verwen­dung zuvor gemachte Aussage kaum infrage, sondern bestätigt diese und sagt, dass nun etwas kommt, was in eine andere Richtung geht, obwohl vorherige Aussage nicht falsch sei.

Anschliessend folgt der Satz „Denn im globalen Massstab gibt es inzwischen genügend Daten, um ein Muster zu erkennen, wie ETH-Forscher erst kürzlich aufzeigten“. Daran kann man kritisieren, dass durch den Verweis darauf, dass ETH-Forscher „erst kürzlich“ ein Muster erkennen untertrieben wird und dem langjähriger Konsens in ,Klimamustern‘ nicht genügend Rechnung getragen wird. Eine Skeptiker*in kann dann denken: Okay, wenn erst kürzlich ein Muster erkannt werden konnte, ist das kein Grund zur Sorge, die nächste Forschergruppe wird bald das Gegenteil beweisen.

Weiter schreibt Läubli „Ob durch den Klimawandel die Häufigkeit solcher ‚Blocking‘-Wetterlagen ansteigt, ist allerdings nach wie vor unsicher“ und bringt damit das Thema der Unsicherheit von Klimaforschung auf den Tisch. Um der klimatologisch im Allgemeinen nicht versierten Leser*innenschaft dieses Thema adäquat zu vermitteln, wäre ein anschliessender Exkurs über Sicherheit von Klimaforschung nötig, wo erklärt wird, dass es sowohl sehr sichere Erkenntnisse gibt (insbesondere, was die grundsätzliche Existenz eines anthropogen verursachten Klimawandels betrifft) als auch mit grossen Unsicherheiten behaftete Forschungsergebnisse (wenn es beispielsweise um die Entwicklung des Niederschlags in spezifischen Regionen geht). Ohne einen solchen erklärenden Exkurs besteht die Gefahr, dass (insbesondere skeptische) Leser*innen nur die Information mitnehmen, dass Klimaforschung unsicher ist (siehe hierzu auch Kapitel 3.3 Wissenschaftskommunikation zum Klimawandel und der Umgang mit wissenschaftlichen Unsicherheiten).

Insgesamt entsteht der Eindruck, dass verschiedene in den Kommentaren beobachtete Phänomene in enger Verbindung mit dem Artikel stehen. So ist es denkbar, dass, wenn Martin Läubli mehr Zeit gehabt hätte, seinen Beitrag gründlich zu überarbeiten, Tür und Tor für klimaskeptische Kommentare weniger weit geöffnet gewesen wären. In der Folge hätte sich unter Umständen auch nur eine kleinere Zahl klimabewegter Kommentator*innen dazu gedrängt gefühlt, sich ebenfalls einzumischen, und es wären insgesamt deutlich weniger Kommentare veröffentlicht worden.

Die Läubli-Artikel aus den Versuchsdaten unterscheiden sich deutlich vom hier analysierten Pilotanalyseartikel. Zwar gehe ich auf diese anderen Artikel jeweils nur kurz ein, doch zeigt bereits eine eher oberflächliche Berücksichtigung, dass diese anderen Artikel qualitativ deutlich besser abschneiden. Interessanterweise wird es im Rahmen der später erhobenen Versuchsdaten – einschliess­lich dort enthaltener Läubli-Artikel – nie auch nur annähernd zu so vielen Kommentaren kommen wie beim soeben besprochenen Pilotanalyse-Artikel.

 

6 Versuchsdaten: Erhebung und Analyse

Nach einem Kennenlernen und Kategorisieren klimaskeptischer Kommentare in der Pilotanalyse folgt nun mit den Versuchsdaten das ‚Herzstück‘ dieser Arbeit.

Im Versuchszeitraum (9. November 2015 bis 22. März 2016) sind in den Onlinemedien blick.ch (1 Artikel), tagesanzeiger.ch (6 Artikel) und nzz.ch (1 Artikel) insgesamt 22 Kommentare von den beiden Klimawissenschaftlern Gian-Kasper Plattner und Stefan Brönnimann entstanden. Davon stammen 7 Kommentare von Stefan Brönnimann (zweimal 3 Kommentare und einmal 1 Kommentar zu drei Artikeln unter tagesanzeiger.ch) und 15 Kommentare von Gian-Kasper Plattner (dreimal 1 Kommentar und einmal 3 Kommentare zu insgesamt vier Artikeln unter tagesanzeiger.ch, 3 Kommentare zu einem Artikel unter blick.ch und 6 Kommentare zu einem Artikel unter nzz.ch). Zu einem Artikel unter tagesanzeiger.ch entstehen sowohl 3 Kommentare von Gian-Kasper Plattner als auch 1 Kommentar von Stefan Brönnimann.

 

6.1 Schritte auf dem Weg zu den Versuchsdaten

Es erwies sich als schwieriger als ursprünglich erwartet, die gewünschten Versuchsdaten zu generieren. Den angetroffenen Schwierigkeiten soll in diesem Kapitel genügend Raum zugesprochen werden, dies im Hinblick auf eine mögliche Wiederholung respektive Erweiterung des Versuchs.

Bevor die verschiedenen Stolpersteine besprochen werden, sollen einige Schritte genannt werden, die erfolgreich verlaufen sind. Ganz am Anfang gilt es hier zu erwähnen, dass es relativ problemlos gelungen ist, die Klimatologen Stefan Brönnimann (Institut für Geographie Universität Bern; Vizedirektor/Unit Leitung Klimatologie) und Gian-Kasper Plattner (bis Ende 2015 an der Universität Bern Leiter und wissenschaftlich Verantwortlicher der Technical Support Unit von Arbeitsgruppe 1 – „Naturwissenschaftliche Grundlagen des Klimawandels“ des Weltklimarats IPCC; seit Januar 2016 wissenschaftlicher Mitarbeiter des Direktors an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL) und den Wissenschaftsredaktor des Tages-Anzeigers Martin Läubli für den Versuch zu gewinnen. Alle haben innerhalb kurzer Zeit zugesagt. Zum Erfolg beigetragen haben hier vermutlich einerseits die direkten (bereits vorher bestehenden) Kontakte zu den Klimatologen – Martin Reisigl kannte Stefan Brönnimann persönlich und hat in einer E-Mail an ihn ein gutes Wort für mich eingelegt und ich selbst hatte im Rahmen meines Master Minors in Allgemeiner Ökologie bei Gian-Kasper Plattner einen Kurs zum Kohlestoffkreislauf besucht. Weiterhin günstig waren wohl die sorgfältig vorbereiteten Schreiben an die Wissenschaftler und an Martin Läubli, die im Falle von Martin Läubli und Gian-Kasper Plattner zusätzlich ein Empfehlungsschreiben von Martin Reisigl enthielten und jeweils per E-Mail und per Post verschickt wurden.

Hier beginnt nun der holprigere Teil des Weges: Eine weitere Anfrage zur Zusammenarbeit beim Blick blieb erfolglos respektive unbeantwortet, trotz wiederholter Anschreiben, darunter auch an die Adresse des Social-Media-Managers. Selbst eine unter dem Betreff „Leserreporter: Video von Velodiebin“ – man beachte den Stabreim – getarnte Anfrage an die Redaktion des Blicks (vor dem Hintergrund der Leser*innenreporter-Werbung „Leser-Reporter verdienen bis zu 3000 Franken!“) blieb ohne Reaktion.

Deshalb begann ich, selber nach klimarelevanten Artikeln von gewünschten Zeitungen zu suchen. So suchte ich zuerst circa zweimal, später drei- bis viermal täglich mit Google News nach entsprechenden Artikeln.

Nach dem ich während einiger Wochen manuell Artikel gesucht hatte, bin ich auf den Gedanken gekommen, dass es vielleicht eine Anwendung geben könnte, welche die Suche für mich übernimmt und mich jeweils informiert, wenn neue Beiträge zu bestimmten Suchbegriffen erscheinen. So bin ich auf das Tool Google Alerts gekommen, welches zumindest theoretisch genau das leisten soll. Nach nicht langer Zeit stellte sich leider heraus, dass die Alerts oft mit vielen Stunden Verzögerung eintrafen, Google Alerts für mich also nicht zu gebrauchen war. Ich vermute, dass das damit zu tun hat, dass Google Alerts nicht darauf ausgerichtet ist, unverzüglich über Beiträge im Internet zu informieren. Wer beispielsweise informiert werden möchte, wenn ein erwartetes Buch erhältlich ist, dürfte völlig zufrieden sein, wenn sie/er mit einer Verzögerung von einem halben Tag eine Alert erhält.

So blieb es also beim manuellen Suchen. Ich überprüfte auch, ob es sinnvoll oder nötig ist, dazu die Suchfunktionen auf den jeweiligen Nachrichtenportalen zu benutzen. Die Suche mit Google News erwies sich jedoch als entschieden effizienter, zumal damit ohne grosses Navigieren gezielt verschie­dene Suchabfragen durchgeführt werden konnten. In Bezug auf Aktualität mussten dadurch keine Abstriche gemacht werden, denn bereits eine Minute nach Artikelerscheinung sind die Beiträge via Google News auffindbar, siehe hierzu auch Abbildung 10.

Abbildung 10: Klimawandel-Artikel in definierten Onlinezeitungen suchen mit Google News: Die Suche liefert auch sehr aktuelle Treffer – der zweite ist nur eine Minute alt.

 

Für die Suche mit Google News wurden die Begriffe Klimawandel, Klimaerwärmung, Klima und Erderwärmung verwendet. Nach diesen Klimabegriffen wurde jeweils in Kombination mit entsprechenden Zeitungsnamen (ursprünglich tagesanzeiger.ch und blick.ch, bald auch nzz.ch und nach Abschluss der Klimakonferenz zusätzlich derstandard.at, spiegel.de und zeit.de) gesucht. Dabei wurde jeweils systematisch vorgegangen, so dass alle sinnvollen Kombinationen abgefragt wurden.

Abbildung 10 zeigt die Standardeinstellung der Suchanfragen (inklusive Treffer), die ich auch als Startseite in meinem Browser festgelegt hatte. Diese Einstellung wird erreicht, indem nach einer ‚normalen‘ Google-Suche der Reiter News angewählt wird und anschliessend via Suchoptionen die Ergebnisse auf die letzten 24 Stunden eingeschränkt werden. Auf diese Art und Weise kann sehr gezielt nach aktuellen klimarelevanten Artikeln auf bestimmten Portalen gesucht werden.

Eine grosse Schwierigkeit bestand darin, jeweils abzuschätzen, ob ein kürzlich publizierter Beitrag zu angeregter Diskussion führen würde oder nicht. Denn die Wissenschaftler sollten grundsätzlich nicht über jeden Beitrag informiert werden, sondern möglichst nur über diejenigen, die eine intensive, thematisch relevante Diskussion auslösen würden. Denn es stellte sich bald heraus, dass sich die Wirkungen der Klimawissenschaftler nicht direkt in den von ihnen veröffentlichten Kommentaren manifestieren, sondern erst sekundär durch die Reaktionen der anderen Kommentierenden entstehen. Die Klimawissenschaftler sollten sich nicht zu früh einschalten, da nicht sofort klar war, ob ein Artikel genügend intensiv diskutiert werden würde, als dass mit Reaktionen auf die Wissenschaftler-Kommentare gerechnet werden könnte; sie sollten sich aber auch nicht zu spät einschalten, da die Zugriffszahlen und damit auch die Kommentare rasch rückläufig werden und dann wiederum Reaktionen auf die Wissenschaftler-Kommentare ausbleiben können.

Da es schwierig schien, die Wissenschaftler rechtzeitig über die (nur selten) kommentierbaren Beiträge zum Klimawandel unter blick.ch zu informieren, hätte ich als zweites Boulvardmedium gerne 20 Minuten untersucht. Doch im Untersuchungszeitraum war es im Zusammenhang mit technischen Anpassungen nur via die 20-Minuten-App möglich, Kommentare zu verfassen, nicht aber direkt über die Webseite. Die Wissenschaftler aufzufordern, zuerst die App zu installieren, erschien mir als unzumutbar.

Auch technisch verlief die Datengenerierung nicht ohne Probleme. So zeigte sich bei einer ersten Gelegenheit unter blick.ch mitzukommentieren, dass einer der Wissenschaftler Probleme bei der Nutzerregistrierung hatte. Daraufhin habe ich mich entschieden, die Nutzerregistrierung, also die Erstellung der jeweils erforderlichen Logins, zu übernehmen. Da es dabei meist notwendig war, einen Bestätigungslink zu klicken, der an die angegebene E-Mail-Adresse versendet wurde, und ich nicht meine eigene E-Mail-Adresse hinterlegen wollte (weil befürchtet werden musste, das Kommentare von einem Nutzer mit dem Namen Stefan Brönnimann und einer auf meinen Namen lautenden E-Mail-Adresse eher durch die ‚Zensur‘ fallen), war es naheliegend, zuerst entsprechende E-Mail-Konten (die nur dazu dienen sollten, Bestätigungslinks anwählen zu können) anzulegen, die auf die Namen der Klimatologen lauten. Auch ich hatte dann Probleme mit der Nutzerregistrierung, da Bestätigungslinks teilweise mit grosser Verzögerung oder gar nicht angekommen sind. Weitere Probleme technischer Art waren Links und Beitragslänge. Unter tagesanzeiger.ch hatten wir deshalb eine gute Gelegenheit verschenkt – denn es war mir entgangen, die Wissenschaftler darauf hinzuwei­sen, dass unter tagesanzeiger.ch (wie auch bei vielen anderen Zeitungen) Links nicht erwünscht sind. Kommentare mit Links werden nicht veröffentlicht – und das System gibt keinen Hinweis auf die unerwünschten Links. Dass Links nicht enthalten sein dürfen, wird nicht an gut sichtbarer Stelle kommuniziert, ich finde auch bei gezieltem Suchen keinen entsprechenden Hinweis. Leider konnte ich mich nur mit Verzögerung daran erinnern, dass ich im Rahmen der Pilotanalyse beobachtet hatte, dass Links unzulässig sind. Ein anderes Mal stolperten wir – diesmal im Blick – über die Beitragslänge. Zwar gibt es im Einfügefenster einen kleinen Hinweis auf die Zeichenbegrenzung, dieser kann jedoch leicht übersehen werden und dann fehlt ein Zeichenzähler, der verhindert, dass zu lange Kommentare abgeschickt werden. In diesem Fall sind wir glücklicherweise rasch auf die Ursache des Problems gekommen und Gian-Kasper Plattner konnte die Kommentare wenig später in gesplitteter Form veröffentlichen. Ein letztes technisches Problem gab es in der Hochphase um den Klimagipfel, als Zeitungsartikel wegen Überschreitung der Anzahl an kostenlos konsultierbarer Beiträge plötzlich nicht mehr geöffnet werden konnten. Dieses Problem liess sich lösen, indem ich dem betroffenen Wissenschaftler einen kostenpflichtigen Zugang verschaffte.

Einmal gab es auch den Fall, dass Stefan Brönnimann sich nach einem Auslandaufenthalt erst relativ spät in eine vergleichsweise hitzige Diskussion im Kommentarforum der NZZ einmischen wollte, bereits zwei Kommentare aufgesetzt hatte und beim Onlinestellen dann realisieren musste, dass in der Zwischenzeit das Forum geschlossen worden war.[41]

Da die Wissenschaftler bald zahl­reiche Informationen (Login-Daten, erlaubte maximale Beitrags­längen etc.) benötigten, wurde mit Google Docs ein Dokument gefertigt und laufend ergänzt (siehe 11.3 Anhang 3: Nützliche Informationen fürs Kommentieren). Den Link zu diesem Dokument fügte ich in meine E-Mail-Signatur ein. So war sichergestellt, dass die Wissenschaftler alle nötigen Informationen bei Bedarf zur Hand hatten, ohne dass sie sich selber um die Verwaltung dieser Informationen hätten kümmern müssen.

Ein weiterer nicht unproblematischer Umstand war, dass es sehr wenig Journalisten zu geben scheint, die regelmässig über den Klimawandel berichten. In der deutschsprachigen Schweiz scheint das (fast) nur Martin Läubli zu sein. Zwar berichtet die NZZ ebenfalls über den Klimawandel, doch gibt es da keinen so präsenten Redaktor wie Martin Läubli, es ist eher so, dass relativ viele Journalist*innen, dafür entsprechend selten, über den Klimawandel berichten. Daher wäre es möglicherweise schwierig, eine Ansprechspartner*in bei der NZZ zu finden – etwa im Hinblick auf einen Klimaartikel, in welchem die Klimatolog*innen im Forum angekündigt würden. Martin Läubli konnte in der Schweiz nebst Le Temps nur die NZZ empfehlen. Als mögliche Anlaufstellen nennt Läubli des Weiteren die Süddeutsche – die erste und bis anhin wohl einzige Zeitung im deutschen Sprachraum, welche die Leser*innenkommentare extrem eingeschränkt hat (SRF Medientalk „Leserkommentare – Chance oder Last?[42]), für Folgeprojekte aber dennoch eine Anlaufstelle sein kann und den Spiegel, namentlich den Journalisten Axel Bojanowski, welcher in Kapitel 3.4 Kontroversen als Schlüssel zur Wissenschaft? der vorliegenden Arbeit bereits Erwähnung gefunden hat.

Ein letzter Punkt, der hier angesprochen werden soll, sind klimapolitische Ereignisse. Diesbezüglich gab es zwar keine Überraschung, wurde doch der Erhebungszeitraum gezielt um die Klimakonferenz in Paris im Dezember 2015 festgelegt. Eröffnet wurde der Erhebungszeitraum am 19. Oktober 2015 – die ersten Daten sind erst einige Wochen später entstanden –, beendet am 22. März 2016. Dabei zeigte sich, dass in den Wochen vor ,Paris‘ die Anzahl Klimaartikel zunahm um gegen Abschluss der Konferenz oder eher am Montag danach einen Höhepunkt zu erreichen. Anschliessend sind die entsprechenden Artikelzahlen rasch zurückgegangen. Daneben gab es zu Beginn des Jahres 2016 Artikel, die einen Jahresrückblick lieferten und das Jahr 2015 – welches gemäss Tages-Anzeiger das wärmste seit Messbeginn darstellte – in den Kontext der Klimageschichte der letzten circa 150 Jahre stellten. Letztlich entstanden auch einige Klimaartikel im Zusammenhang mit dem lange auf sich warten lassenden Schneefall in Skigebieten. Über diese Themen hinausgehend entstanden nur noch sehr vereinzelt Artikel – sodass es trotz der Entscheidung, zusätzlich derstandard.at, spiegel.de und zeit.de zu berücksichtigen, kaum zu neuen Gelegenheiten kam, die Klimawissenschaftler mitreden zu lassen. Zwar konnten die Klimatologen einige Male auf Artikel in den drei deutschen respektive österreichischen Portalen aufmerksam gemacht werden – zu einer Einschaltung ist es jedoch nicht gekommen.

Da also trotz der Ausweitung der Suche auf deutsche und österreichische Onlinezeitungen nur noch vereinzelt relevante Klimaartikel gefunden werden konnten, wurde eine effizientere Nutzung der Artikel im Tages-Anzeiger ins Auge gefasst, welche mittels Vorankündigung der Klimatologen in den jeweiligen Artikeln erreicht werden sollte. Die Vorankündigungen sollten auch dazu führen, dass die Klimatologen im Voraus über einen Artikel informiert werden und so die Chance steigt, dass sie den Hinweis auf den Artikel rechtzeitig sehen und sich so ein paar Stunden freihalten können. Deshalb fragte ich Martin Läubli, ob es möglich wäre, die Klimawissenschaftler im Forum bereits im Artikel anzukündigen und mit den Wissenschaftlern den Zeitpunkt der Veröffentlichung vorgängig abzusprechen. Dank meiner Hartnäckigkeit in dieser Frage und Martin Läublis internen Abklärungen erhielt ich schliesslich die Zusage für die Vorankündigung der Klimatologen im Artikel selbst.[43]

Einige Wochen später hat Läubli im Verlaufe eines Nachmittages angeboten, einen Klimatologen in einem Artikel für den Folgetag anzukündigen. Gian-Kasper Plattner konnte schliesslich rechtzeitig für zweimal zwei Stunden gewonnen werden. Doch auch diese Bemühungen brachten letztendlich sehr wenig analysierbares Datenmaterial: Es entstand kein einziger Kommentar auf Seiten der Leser*innen­schaft und auch der Versuch, die Diskussion gegen Ende des ersten zweistündigen Zeitfensters durch den Wissenschaftler starten zu lassen, half nichts. Erst zwei Tage später und damit zu spät für unser Vorhaben schrieb ein Leser einen ersten Kommentar, der allerdings nicht eindeutig als klimaskeptisch einzuordnen ist und sich auch nicht auf den Kommentar von Gian-Kasper Plattner bezieht. Mit einer Verzögerung von zehn Tagen wurde noch ein weiterer Kommentar veröffentlicht, der von Gian-Kasper Plattner naheliegenderweise ebenfalls nicht berücksichtigt werden konnte.

Es gilt nun noch einen letzten Punkt festzuhalten. Es war geplant, dass sich die Klimatologen teilweise als solche ‚outen‘ und teilweise aber auch bewusst nicht auf ihren Expertenstatus hinweisen. Grund dafür war, dass zu befürchten war, dass auch unerwünschte Folgen eintreten könnten, dass beispiels­weise Kommentierende durch die Gegenwart der Klimatologen eingeschüchtert würden. Sobald sich abgezeichnet hatte, dass die Datenerhebung sehr anspruchsvoll werden würde, und dass der fehlende Hinweis auf den Expertenstatus dazu führt, dass die Klimatologenkommentare nur eingeschränkt herausstechen und teilweise nicht als Expertenkommentare erkennbar sind, wurde entschieden, den Klimatologen nahezulegen, dass sie sich grundsätzlich ‚outen‘ sollen. In den beiden Fällen, wo die Klimatologen bereits durch Martin Läubli angekündigt wurden, hat sich das ‚Outing‘ erübrigt. Es ist allerdings davon auszugehen, dass auch dort, wo ein ‚Outing‘ erfolgt ist oder die Klimatologen durch Läubli angekündigt wurden, die Klimatologen nicht von allen als solche wahrgenommen wurden: Denn es ist nicht anzunehmen, dass Kommentierende alle Kommentare lesen bevor sie selber kommen­­tieren. Ebenso wenig ist anzunehmen, dass Kommentierende dazugehörigen Artikel voll­ständig lesen.

 

6.2 Vorbemerkungen zur Datenanalyse und Bestimmung des Begriffs Thread

Zwecks Erhöhung der Übersichtlichkeit wurden zu den jeweiligen Kommentaren Tabellen erstellt. Die Tabelle zum Artikel unter blick.ch enthält alle entstandenen Kommentare, während ich mich im Fall von tagesanzeiger.ch und nzz.ch dazu entschieden habe, nur diejenigen Threads (zur Bestimmung des Begriffs Thread siehe weiter unten in diesem Kapitel) zu berücksichtigen, die mindestens einen Kommentar von einem Klimawissenschaftler enthalten. Bei den Kommentaren des Blicks habe ich mich für eine umfassende Darstellung entschieden, weil die 26 Kommentare noch gut zu überblicken sind, Threads eine untergeordnete Rolle spielen (wie die Pilotanalyse gezeigt hat, findet wenig Austausch zwischen den Kommentierenden statt) und die Rezeptionsbewertungen (Daumensymbole), welche nur in einer alle Kommentare umfassenden Darstellung sinnvoll abgebildet werden können, von besonderem Interesse sind. Für die zahlreichen Beiträge unter tagesanzeiger.ch und die tendenziell etwas längeren Kommentare unter nzz.ch musste eine einheitliche Lösung gefunden werden. Alle Kommentare umfassende Darstellungen wären leser*innenunfreundlich ausgefallen und hätten sich schlecht in die Kapitel integrieren lassen. Ausserdem legt die Kommentarstruktur unter tagesanzeiger.ch und nzz.ch ein Vorgehen nahe, welches diejenigen Threads, die Kommentare von Klimawissenschaftler enthalten, ins Zentrum stellt; denn dort ist am ehesten mit direkten Auswir­kungen auf die anderen Kommentare zu rechnen. Dennoch sollen bei der Analyse der Kommentare unter tagesanzeiger.ch und nzz.ch (punktuell und nicht systematisch) auch diejenigen Threads berücksichtigt werden, die keine Kommentare der beiden Klimawissenschaftler enthalten.

Obwohl es immer wieder recht offensichtlich ist, dass keine Wirkungen (welche über Bewertungen hinausgehen) beobachtet werden können, werden alle Threads, welche Kommentare der Wissen­schaft­ler enthalten, analysiert. Dabei werden zahlreiche aufschlussreiche Beobachtungen gemacht, die zwar teilweise nur am Rande einen Bezug zur Wirkungsthematik aufweisen, jedoch helfen, die Threads zu verstehen und einen – die Pilotanalyse ergänzenden – Blick auf das Korpus werfen.

Die folgenden Tabellen sind jeweils sehr ähnlich aufgebaut. Sie geben die hierarchische Struktur wieder uns sind den Darstellungen in den jeweiligen Onlinezeitungen folgend organisiert. Sie enthalten nebst dem Kommentar selbst den (mutmasslichen) Namen der Autor*in und – falls vorhanden – Leser*innenbewertungen in Form von Zahlen. Für ein detailliertes Nachvollziehen der Kommentarstruktur wird nun der Begriff des Threads wichtig. Ein Thread umfasst in meinem Verständnis einen Eröffnungskommentar (in den folgenden Datentabellen durch indisch-arabische Ziffern gekennzeichnet) und dazugehörige Subkommentare (in den folgenden Tabellen durch Kleinbuchstaben gekennzeichnet), die je nach Online-Medium selbst Subkommentare respektive Subsubkommentare (in den folgenden Tabellen durch römische Ziffern gekennzeichnet) bemuttern können. Ein Thread ist demnach eine hierarchische Abfolge von Kommentaren, die auf einen einzigen Eröffnungskommentar zurückgehen. Im Tages-Anzeiger und in der NZZ ist es möglich, die einzelnen Threads unterschiedlich anordnen zu lassen, sodass neueste, älteste oder beliebteste (Tages-Anzeiger) respektive neueste, älteste oder beste (NZZ) Threads an oberster Stelle erscheinen. Die Threads als eigenständige Diskussionsstränge werden dabei nicht auseinandergerissen. Im Tages-Anzeiger sind die Foren standardmässig so eingestellt, dass neueste Threads an oberster Stelle erscheinen (Schema News-on-top). In den Foren der NZZ hingegen wird standardmässig die Einstellung „Nach Besten sortieren“ verwendet. Für meine Analysen habe ich jeweils die Standardeinstellungen verwendet, entsprechend erscheinen im Forum der NZZ die besten Threads an oberster Stelle und im Forum des Tages-Anzeigers die neuesten. Auf der Ebene der Subkommentare eines Threads gilt in der Regel das Anordnungsschema News-on-bottom – sodass neuere Kommentare jeweils unterhalb der älteren erscheinen. Allerdings scheint dies nicht immer der Fall zu sein – so liegen mir auch einzelne Threads vor, welche auf der Ebene der Subkommentare keine logische Zeitstruktur aufweisen – zumindest in den Stunden nach der Foreneröffnung. Es ist also immer mitzudenken, dass die Reihenfolge auf der Ebene der Subkommentare nicht unbedingt übereinstimmt mit der Erscheinungsreihenfolge, und dass es durch die Prämoderation zu Verzögerungen kommt (welche möglicherweise die gelegentlich auftretenden Diskrepanzen zwischen Erscheinungszeitpunkt eines Kommentares und dessen Position innerhalb des Threads erklären könnten – nämlich dann, wenn die freischaltende Moderator*in nicht chronologisch vorgeht und jüngere Kommentare vor älteren freischaltet). Es ist also mitunter nicht klar, welche Kommentare in einem Thread bereits online sind, wenn Poster*in X ihren Kommentar verfasst. Es ist zu bemerken, dass die Diskussionen innerhalb verschiedener Threads zeitgleich ablaufen können, und dass sich in Threads mit einem verhältnismässig alten Eröffnungskommentar auch besonders aktuelle Diskussionen abspielen können. Threadvergleichend können – ohne den Zuzug der Backend-Daten[44] – keine Rückschlüsse auf die Erscheinungsreihenfolgen einzelner Sub­kommentare gemacht werden. Um auf den Begriff des Threads zurückzukommen: An dieser Stelle ist darauf zu verweisen, dass sich das hier vorgestellte Konzept des Threads von demjenigen von Dorostkar & Preisinger 2013 unterscheidet, und zwar mit weitreichenden Konsequenzen. Dorostkar & Preisinger (2013: 330) veranschaulichen ihr Thread-Konzept mit einer grafischen Darstellung (Abbildung 11).

Abbildung 11: „Darstellung eines Threads als horizontal und vertikal wachsende Baumstruktur“ (Dorostkar & Preisinger 2013: 330).

 

Im Unterschied zu meinem Thread-Konzept gibt es bei Dorostkar & Preisinger 2013 mehrere Kommentare auf der bei ihnen mit römischen Ziffern gekennzeichneten ersten Ebene, welche in meinem Konzept nur dem Eröffnungskommentar eines Threads zugeordnet werden kann. Dass das Konzept von Dorostkar & Preisinger 2013 hier nicht übernommen wird, liegt daran, dass es mit den Daten der vorliegenden Arbeiten nicht vereinbar ist, welche so strukturiert sind, dass nur die jeweiligen Eröffnungskommentare der ersten Ebene zugeordnet werden können: Nur die Threaderöff­nungs­kommentare – respektive diejenigen Kommentare, die nicht eine Antwort auf einen anderen Kommentar darstellen, sind grafisch auf Ebene eins (also am weitesten links) angeordnet. Es stellt sich nun die Frage, ob der (damaligen) Darstellung im Forum des Standards – auf dieses bauen die Autoren ihre Untersuchung auf – tatsächlich die Thread-Struktur aus Abbildung 11 zugrunde liegt. Das ist theoretisch möglich, scheint aber zumindest heute nicht (mehr) der Fall zu sein. Zur Überprüfung habe ich mir in einigen Foren des Standards jeweils den untersten Kommentar (auf der letzten Kommentarseite) angeschaut. Unter diesen ‚untersten Kommentaren‘ finden sich auch Kommentare der zweiten und dritten Ebene, was mit der Struktur von Dorostkar & Preisinger 2013 nicht vereinbar scheint, denn gemäss ihrem Schema müsste der unterste Kommentar immer auf der ersten Ebene angesiedelt sein (der unterste Kommentar wäre, sofern ich Dorostkar & Preisinger 2013 hier richtig verstehe, dann auch jeweils der zuerst veröffentlichte Kommentar). Falls den damaligen Kommentaren des Standards nicht die abgebildete Thread-Struktur (Abbildung 11) zugrunde liegt, wäre der Beitrag von Dorostkar & Preisinger 2013 an dieser Stelle unzulänglich. Weitreichende Konsequenzen hat das sich unterscheidende Thread-Konzept von Dorostkar & Preisinger 2013, weil es die Foren-Diskussionen wesentlich unübersichtlicher macht, was Dorostkar & Preisinger 2013 auch zu bemängeln wissen. Während in meinen Daten ein Thread trotz aller Schwierigkeiten als „kohärenter Gesamttext“ (Dorostkar & Preisinger 2013: 330) wahrgenommen werden kann, der sich von oben nach unten lesen lässt, hat die Thread-Struktur nach Dorostkar & Preisinger (2013: 329–330) zur Folge, dass Threads gewissermassen ‚unlesbar‘ werden:

De facto kann ein User daher bestenfalls einen kürzeren Substrang mit direkt aufeinander folgenden Postings in einem Lesedurchgang erfassen (z.B. 2-5-7-10 oder 4*-6-9), während die zumeist längeren und verschachtelten Threads in ihrer Gesamtheit weitgehend „unlesbar“ erscheinen, d.h. gewohnten Lesetechniken verschlossen bleiben. Ein Thread kann sich daher in aller Regel auch kaum zu einem kohärenten Gesamttext entwickeln, sondern gerät zumeist zu einer collagenhaften, unabgeschlossenen Sammlung loser [sic] aufeinander bezogener Textfragmente.

 

Es könnte sein, dass Dorostkar und Preisinger Lesbarkeit und Kohärenz des Standard-Forums auf Grundlage ihres (möglicherweise) nicht adäquaten Thread-Konzepts zu negativ einschätzen. Denn wenn man annimmt, dass Kommentare der ersten Ebene untereinander inhaltlich verbunden sein müssten, könnte man versucht sein, Zusammenhänge zu suchen, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt. Zum Beispiel würde man einen Zusammenhang zwischen Kommentar 1 und 2 (Abbildung 11) oder zwischen Kommentar 1 und 3, 1und 4 oder 1 und 8 annehmen, den es unter Umständen aber nicht gibt, genauso, wie es die Verbindungslinien zwischen den gerade genannten Kommentaren unter Umständen nicht gibt. Dann würde man sich gleich doppelt schwertun: Erstens, wenn man mühsam entsprechende Kommentare sucht, zweitens, wenn man entsprechende Kommentare gefunden hat und versucht, herauszufinden, wie sie inhaltlich zusammenhängen. Nach meiner Einschätzung enthält Abbildung 11 nicht einfach einen Thread, sondern vier alleinstehende Kommentare (1, 3, 4 und 8) und einen Thread, ausgehend von Eröffnungskommentar Nummer 2.

Ein auf den ersten Blick unscheinbar wirkender Unterschied in der gedanklichen Konzeption eines Threads kann also weitreichende Konsequenzen haben für die Art und Weise, wie wir an ein Forum herangehen und wie wir es schlussendlich in Bezug auf Lesbarkeit und Kohärenz einschätzen.

Nach dieser Abhandlung zum Begriff Thread komme ich nun auf meine Daten zurück. In der ersten Tabelle zum jeweiligen Medium wird mittels Fussnoten erklärt, wofür einzelne Elemente stehen, sofern dies nicht unmittelbar aus der Tabelle selbst gefolgert werden kann. Da die Angaben zum Erscheinungsdatum der Kommentare jeweils sehr ungenau sind (vor drei Monaten oder am 14. Dezember 2015) und keine sinnvollen Rückschlüsse ermöglicht hätten, habe ich diese Angaben nicht in die Tabellen aufgenommen.

Für die Analyse soll – wie in der Pilotanalyse – mit Kommentaren und dazugehörigem Artikel unter blick.ch begonnen werden.

Zuerst werden jeweils die Kommentare analysiert und erst in einem zweiten Schritt wird der dazugehörige Artikel mitberücksichtigt; Grund dafür ist, dass die Kommentare und nicht die Artikel ‚Herzstück‘ der vorliegenden Arbeit sind und nicht vorschnell Kommentare durch den Artikel erklärt werden sollen. Das Verhältnis der Kommentare zum dazugehörigen Artikel wird in einem dritten Analyseschritt angeschaut, nachdem Kommentare und Artikel zuerst einzeln besprochen wurden.

Wo möglich und sinnvoll, werden Vergleiche mit den Resultaten aus der Pilotanalyse gemacht.

Es ist noch zu bemerken, dass die Analyseart hier wesentlich von der Praxis in der Pilotanalyse abweicht. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Ein wichtiger Grund ist der Umfang der Daten. In der Pilotanalyse wurden Kommentarforen mit einer vergleichsweise grossen Anzahl an Kommentaren analysiert. Dies legte ein Vorgehen gewissermassen an der Schnittstelle von qualitativen und quantitativen Methoden nahe, wozu das verwendete Analysetool MAXQDA geeignet war. Die grosse Zahl an Kommentaren aus der Pilotanalyse hätte denn auch kaum mittels des argumentations-strukturellen Ansatzes bewältigt werden können, welcher in der Analyse der Versuchsdaten angewandt wird. Ein weiterer Grund ist, dass in den Daten aus der Pilotanalyse ‚naturgemäss‘ keine Kommentare der beauftragten Klimatologen enthalten waren, was dazu geführt hat, dass dort ein entsprechender Fokus gefehlt hat. Und drittens konnte ich mir während der Pilotanalyse kein adäquates Bild davon machen, wie die Foren unter der Mitwirkung der Klimatologen strukturiert sein würden – so, dass es nachvollziehbar scheint, dass damals ein anderes Vorgehen gewählt wurde. Zwar leidet die Vergleichbarkeit unter dem angepassten Vorgehen, ein Festhalten an der ursprünglichen Analyseart hätte aber deutlich negativere Konsequenzen gehabt.

Nach diesen Vorbemerkungen widmet sich das folgende Kapitel der Datenanalyse.

 

6.3 Analyse der Versuchskommentare

 

6.3.1 Blick

Es ist genau einmal gelungen, unter blick.ch wissenschaftliche Kommentare zu veröffentlichen. Da sich Gian-Kasper Plattner erst relativ spät in die Diskussion einschalten konnte, ist es nur zu einer geringen Zahl an Bewertungen gekommen. Kommentare, welche direkt auf die Postings von Gian-Kasper Plattner Bezug nehmen würden, sind nicht entstanden.

 

6.3.1.1 „Historisch und enttäuschend. Warum der Klimavertrag nur ein halber Erfolg ist“

Am Abend[45] des 14. Dezember 2015 entstand unter blick.ch der Artikel „Historisch und enttäuschend. Warum der Klimavertrag nur ein halber Erfolg ist“.

 

6.3.1.1.1 Analyse der Kommentare

Im Artikelforum sind insgesamt 26 Kommentare entstanden.

Gian-Kasper Plattner konnte am Vormittag des 15. Dezember 2015 drei (zusammengehörige) Kommentare veröffentlichen und sich dabei als Klimaforscher ‚outen‘.

Nachdem in der Pilotanalyse beobachtet werden konnte, dass eine überwältigende Mehrheit der Kommentierenden (und Bewertenden) klimaskeptisch eingestellt ist, überraschen die Kommentare und dazugehörige Bewertungen im Forum zum ziemlich genau zwei Jahre später erschienen Beitrag. Die Kommentare und deren Bewertungen sind deutlich klimabewegter – und offensichtlich sind nicht die Kommentare von Gian-Kasper Plattner die Ursache für die klimabewegtere Stimmung, denn die Kommentare von Gian-Kasper Plattner sind erst relativ spät entstanden, nachdem die Mehrheit des Publikums bereits abgewandert sein dürfte.

*Wolfgang Seebacher* beispielsweise schreibt: „Ja klar, unser verschwenderisches Luxusleben etwas einzuschränken tut weh. Mit Vollgas in die Wand fahren schmerzt aber garantiert noch viel mehr!“ und erhält dafür 47 Daumen-nach-oben bei gleichzeitig 54 Daumen-nach-unten. Und *Josef Enderle* lässt verlauten: „Es ist nicht mal eine Spur eines Erfolges. Wo bleiben z.B. Einschränkungen des Flugverkehrs ? Solange Flugtickets weniger als ein Zugbillet kosten, ist alles Makulatur ? Wo bleibt die Vorschrift an die Autoindustrie, keine Benzinschlucker mehr zu bauen ? Es gibt auch kein Verbot für Braunkohle-Kraftwerke etc etc.. Lachhaft, was da beschlossen worden ist“ [Fehler in Satzzeichen- und Leerstellensetzung im Original] und erhält dafür sogar 16 Mal Zustimmung bei nur 3 Mal Ablehnung.

Daneben gibt es zwar auch klimaskeptische Beiträge, die viel Zustimmung ernten, so etwa *Guerino Dal Santo*, wenn er kommentiert: „Traurig an der Sache ist, dass diese Welteruntergangshisteriker [sic] für ihren Mist, den sie herauslassen, Geld bekommen. Aber eben, Geld regiert die Welt“ und dafür 25 Daumen-nach-oben bei 13 Daumen nach unten erhält. Ebenso erhält *Alois Leimgruber* noch die Zustimmung der Mehrheit (44 zu 28 Stimmen), wenn er schreibt „98 Prozent des globalen Co2 ist ursprünglich, der Mensch trägt nur 1-2 Prozent dazu. Der [sic] Klimawandel hat es schon immer gegeben, also sind wir jetzt in einer stiegenden [sic] Wärmephase [sic]“. Doch auch hier zeigt sich: Klimaskeptizismus scheint im Blick-Forum zwei Jahre später nicht mehr die überwältigende Zustimmung von circa 90 Prozent zu erhalten.

Bei der Interpretation dieses Ergebnisses ist Vorsicht geboten. Es ist beispielsweise nicht auszuschliessen, dass die Unterschiede unbekannten Faktoren geschuldet sind: Möglicherweise haben die beiden Beiträge innerhalb der Blick-Kundschaft ein je unterschiedliches Publikum angezogen oder es handelt sich um einen kurzfristigen Effekt in Zusammenhang mit der intensiven Berichterstattung zum Klimawandel um die Konferenz in Paris etc. So wäre es sicherlich voreilig und verfrüht, einen langfristigen Wandel in der Haltung gegenüber dem Klimawandel auszumachen, welcher in Richtung Sensibilisierung für Klimathemen geht.

Die Kommentare von Gian-Kasper Plattner erhalten deutlich mehr Zustimmung als Ablehnung (wobei beachtet werden muss, dass die Kommentare relativ spät erschienen sind und daher nur noch vereinzelte Bewertungen erhalten haben, was deren Aussagekraft einschränkt) mit 6 zu 1, 8 zu 2 und 3 zu 1 Stimmen. Gian-Kasper Plattner ‚outet‘ sich im mittleren der drei direkt untereinanderstehenden Kommentare – welcher etwas mehr bewertet wird als die beiden anderen – als ‚Klimaforscher‘. Der Klimawissenschaftler im Forum scheint bei einer Mehrheit gut anzukommen: Die Beiträge von Gian-Kasper Plattner, die meines Erachtens in vorbildlicher Art und Weise Aufklärungsarbeit leisten, werden – bei erheblicher Unsicherheit wegen der geringen Zahl an Bewertungen – vom Publikum mehrheitlich akzeptiert. Das Resultat zeigt, dass die direkte Kommunikation zwischen Klimawissenschaftler und Kommentarschreibenden zu wünschenswerten Ergebnissen führen kann. Allerdings zeigt die vorliegende Arbeit auch, dass es – insbesondere im Fall des Blicks, dessen Agenten meine Anfragen nicht berücksichtigten – sehr schwierig ist, Klimawissenschaftler und Zeitung zusammenzubringen, und es daher kein realistisches Szenario ist, dass sich Klima­wissen­schaft­ler*innen regelmässig in solchen Foren beteiligen.

Es ist festzuhalten, dass die hier vorgenommene Analyse hinsichtlich des Vergleichs mit den Blick-Kommentaren aus der Pilotanalyse zwar auffällig abweichende Ergebnisse liefert, diese jedoch nicht Folge der Einschaltung des Klimatologen sein können. Da die Wirkung von Plattner auf den Diskussionsverlauf als verschwindend klein eingeschätzt werden muss, wird auf eine detailliertere Analyse verzichtet – denn auch eine solche würde es nicht ermöglichen, die Wirkung des Klima­wissen­schaftlers genauer zu bestimmen: Auch eine noch so aufwändige und detailreiche Analyse kann nicht mehr aus den vorhandenen Daten herausfiltern als diese an Informationen enthalten. Die sichtbare Wirkung des Klimatologen im Forum manifestiert sich hier ausschliesslich in den Daumensymbolen der Leser*innen.

Tabelle 17 zeigt die hier besprochenen Kommentare zum Blick-Artikel „Historisch und enttäuschend. Warum der Klimavertrag nur ein halber Erfolg ist“.

Tabelle 17: Thread mit drei Kommentaren von Gian-Kasper Plattner im Artikel „Historisch und enttäuschend. Warum der Klimavertrag nur ein halber Erfolg ist“.

1.      Ernst Ruetimann aus Trang
Das unterzeichnete Abkommen ist nicht das Papier wert auf dem es geschrieben steht – da noch niemand erlebt hat wenn und wie das Klima kippt , wird es eine Ueberaschung fuer Jederman , + frau 12[46]; 2[47]
2.      josef enderle aus zürich
Es ist nicht mal eine Spur eines Erfolges. Wo bleiben z.B. Einschränkungen des Flugverkehrs ? Solange Flugtickets weniger als ein Zugbillet kosten, ist alles Makulatur ? Wo bleibt die Vorschrift an die Autoindustrie, keine Benzinschlucker mehr zu bauen ? Es gibt auch kein Verbot für Braunkohle-Kraftwerke etc etc..
Lachhaft, was da beschlossen worden ist.
16; 3
3.      Hugo Wirz
«2. Es geht nicht ohne CO2-Abgabe auf Treibstoffe» – solche Sprüche machen mich wütend! Was nützt sowas? Oder wem? Es wird nämlich nicht weniger gefahren, wer pendeln muss [Arbeitsweg von 2 Std. wird ja vom RAV zugemutet] ist drauf angewiesen. Der einzige Effekt: Der Büezer wird noch mehr zur Kasse gebeten!!
Aber eben: wenn es nach Leuthard und den anderen geht, dann Treibstoffe verzehnfachen, dann haben wir kein CO2 mehr, oder was?
Hirnrissige Aussage von Politikern die keine Ahnung haben!
27; 8
4.      Werner Friedli aus Kathmandu
Die Dreckschleuder-Länder wie China, Indien, Brasilien und Südafrika.
Sie haben noch eins vergessen Nepal ist ein sehr grosser Dreckschleuder.
Die unternehmen gar nichts, das gibt es keine Gesetze die Polizei schaut nur zu und die fahren die gleichen Dreckschleuder, India Autos. Umweltschutz Klimaschutz ist in Asien Nepal ein Fremdwort, die Leute werfen alles auf die Strasse in den Fluss. Da koennen sie die Leute ueber Umweltschutz aufklaeren, die lachen nur. Weltweiter Klima & Umweltschutz!!!
21; 4
5.      Guerino Dal Santo, via Facebook
Traurig an der Sache ist, dass diese Welteruntergangshisteriker für ihren Mist, den sie herauslassen, Geld bekommen. Aber eben, Geld regiert die Welt.
25; 13
6.      alois Leimgruber aus Villmergen

98 Prozent des globalen Co2 ist ursprünglich, der Mensch trägt nur 1-2 Prozent dazu.

Der Klimawandel hat es schon immer gegeben, also sind wir jetzt in einer stiegenden Wärmephase.

44; 28

7.      Herbert Staub
Dreck produzieren, mit dem Kauf von Zertifikaten dass Gewissen sofern auch nur Ansatzweise vorhanden beruhigen.Dass kommt mir wie der Ablasshandel, im Mittelalter, vor.Es zeigt einfach eines, alle Politiker sind eine korrupte Bande. Es wird sich nie was ändern, denn die eigenen Pfründe, sind wichtiger.53; 1
a.      René Audergon
Die Schweizer werden die Erde nicht retten aber dafür die Bundesfinanzen…7; 0
8.      Silvio Hertli, via Facebook
Ja klar, Co2 Abgabe auf die sowieso schon überteuerten Treibstoffe der Autolenker. Fluglinien zahlen weiterhin gar nichts und die gesamte Industrie zahlt sowieso viel weniger für alle möglichen Energieformen.
Wenn die Grosskonzerne prozentual gleich viel Abgaben und Gebühren leisten würden wie die KMU, wenn die grossen Einkommen prozentual gleich viel Steuern zahlen würden wie die kleinen, dann wäre genug Geld in den Staatskassen um diese Umweltschutzpläne umzusetzen.
87; 12
9.      Gustav Senn, via Facebook
ja klar wir müssen mehr c o 2 senken in Europa, wir tun das mit Massenzuwanderung. den alle die fahren dan in Europa Auto, müssen Heizen, und in der industrie arbeiten. wie soll man den so diese Ziele erreichen ? vorallem in der kleinen Schweiz, wo alle eng aufeinander wohnen.39; 7
a.      René Audergon
Ja und gleichzeitig will man zusätzlich noch jedes Jahr Wirtschaftswachstum…
5; 0
10.    werner  zuercher aus Pfaffnau
die eisbären und andere vermeindlich durch den klimawandel betroffenen tiere werden sich anpassen und überleben, so wie sie das in millionen jahren immer getan haben. die natur ist genial! nur die menschheit wird an ihrer gier und dummheit zu grunde gehen! aber nicht durch naturkatastrophen!der erde mit ihrer leicht schwankenden achse, die dadurch die sahara so alle fünfundzwanzig tausend jahre begrünt, wird es sehr egal sein!angstmacherei vor klimawandel ist die beste geldmaschiene!148; 50
a.      Walter Nef aus Niederweningen
Genau so ist es ,die Sonne ist das Piest nur will dies aus Geldgier niemand wahrhaben.
Am meisten Angst habe ich von der Geschwindigkeit der Verblödung der Menschen!
Aber eben mein Leserbrief wird nicht veröffentlicht.15; 3
11.    Alex Grendelmeier aus Aarburg
Nachdem die Politiker – dank des gelungenen Vertrags – vor Rührung die Tränen aus den Augen gewischt haben, fliegen sie in den Regierungsprivatjets wieder zurück in ihre Heimatländer. Und die Menschheit hat jetzt die Gewissheit: Die schaffen das, auch wenn sie das Jahr 2050 selber nicht mehr erleben!124; 5
12.    Edith Zellweger; via Facebook
Solange nicht der Fleischkonsum verboten wir, wird sich nichts aber auch gar nichts verbessern. Der Veganismus gehört sofort eingeführt und dann hat sich 90 Prozent von dem Problem was wir jetzt haben schon gelöst. Gleichzeitig wird damit das Abholzen der Regenwälder gestoppt und die Hungersnöte sowie der Wassermangel und die Grundwasserverschmutzung effizient bekämpft. Man muss das Problem an der Wurzel anpacken, doch die meisten Menschen wollen einfach nichts einsehen und auch nichts ändern.4; 35
13.    Klaus Müller
Doris Leuthard ist das traurige Beispiel einer völlig vom Volk abgehobenen politischen Besserwisserin. Sie will vermeintlich die Welt retten und das Volk soll dafür bluten. Die Medien jubeln mit. Gott sei Dank gibt es in der Schweiz noch eine Demokratie und ihre Teuerungsmassnahmen werden einen schweren Stand haben.18; 5
14.    Pascal Meister, via Facebook
Wieso soll eine zweite Gotthard-Röhre nicht drinliegen?? Die soll ja gebaut werden ohne Kapazitätserweiterung, schlicht um Vollsperrungen zu verhindern und die Sicherheit zu erhöhen.119; 31
15.    Ha Meier aus Zürich
Die Klimforscher und der IPCC arbeiten ja auch nur mit Halbwahrheiten. Fast alle Szenarien waren falsch oder massiv übertrieben. Jeder der lesen kann, sollte mal die Berichte des IPCC lesen. In den Weltmeeren ist viel viel mehr Co2 gespeichert als der Mensch je produziert hat.118; 40
a.      Laurent Loretan aus Ligerz
und was hat diese versauerung für auswirkungen auf das ökosystem meer, Sie schlaumeier?
12; 10
b.      Gian-Kasper Plattner aus Bern
Eine Bemerkung zu den „Halbwahrheiten“ und den „falschen/übertriebenen“ Szenarien: Ja, lesen Sie die IPCC Berichte! Unbedingt! Dann werden Sie sehen, dass diese Berichte sehr konservativ sind bezüglich der Klima Projektionen und immer eine ganze Bandbreite von möglichen sozioökonomischen Szenarien berücksichtigen. Das dabei fast alle Szenarien „falsch“ oder „massiv übertrieben“ seien, ist leider nicht korrekt.
5; 1
c.      Gian-Kasper Plattner aus Bern
Als Klimaforscher kann ich bestätigen: in den Weltmeeren ist tatsächlich viel mehr Kohlenstoff gespeichert als die Menschheit bislang in die Atmosphäre emittiert hat. Doch der Vergleich ist in diesem Zusammenhang irrelevant. Ein bedeutender Teil des vom Menschen emittierten CO2 sammelt sich langfristig in der Atmosphäre an und verändert damit die Energiebilanz der Erde. Da spielt es keine Rolle, dass es im Ozean noch viel mehr CO2 gibt.
8; 2
d.      Gian-Kasper Plattner aus Bern
Es ist ein Glück, dass die Weltmeere viel CO2 speichern können. Dank der Speicherkapazität haben die Weltmeere seit Beginn der Industrialisierung 30 Prozent des vom Menschen emittierten CO2 aus der Atmosphäre entfernt und damit den Anstieg der CO2 Konzentration und den Klimawandel gebremst. Die voranschreitende Erwärmung der Meere führt aber dazu, dass die Aufnahmefähigkeit der Ozeane abnimmt. Zudem wird mit mehr CO2 im Ozean auch die Fähigkeit der Weltmeere noch mehr CO2 aufzunehmen reduziert.
3; 1
16.    Tom Kreienbühl, via Facebook
Lachhaft! CO2-Abgabe auf Treibstoffe! Alleine darum geht es hier! Der Beweis, dass der Mensch die globale Erwärmung verschuldet, ist noch immer nicht erbracht. Trotzdem werden Milliarden an zusätzlichen Steuereinnahmen z.B. CO2-Abgaben generiert – weltweit! Das Ganze ist lediglich eine Riesengeschäftemacherei und eine ganze Industrie inkl. ihrer Politiker im Schlepptau verdient kräftig mit,ähnlich der Asyl- & Sozialindustrie! Wie auch immer: Ob sich das Klima tatsächlich erwärmt, ist fraglich?135; 55
17.    Alexandra Weber aus Kloten
Histerisch und enttäuschend wäre wohl passender !!!!!ewz56; 14
18.    Wolfgang Seebacher
Ja klar, unser verschwenderisches Luxusleben etwas einzuschränken tut weh. Mit Vollgas in die Wand fahren schmerzt aber garantiert noch viel mehr!47; 54
19.    Nick Rolaris aus Zürich
Ich bin skeptisch geworden was die Politik angeht. Letztendlich gibt es keine Strafen für nicht eingehaltenes. Generell ist alles etwas schwamig. Deshalb haben vermutlich auch alle Länder zugestimmt. Für einige Länder bedeutet es einen Geldsegen ohne konkrete Verpflichtungen.109; 5

 

6.3.1.1.2 Analyse des Artikels[48]

Der Artikel unter blick.ch hat – wie auch der Blick-Artikel aus der Pilotanalyse – einen zweiteiligen Titel. Einer kleineren, in Rot realisierten Überschrift „Historisch und enttäuschend“ folgt ein deutlich grösserer ‚Untertitel‘ in schwarzer Farbe „Warum der Klimavertrag nur ein halber Erfolg ist“.  Darunter befindet sich der Lead: „Seit Samstagabend steht das globale Klima-Abkommen von Paris. Doch die Arbeit geht jetzt erst richtig los. Dass die zahlreichen offenen Fragen beantwortet werden, gilt als unwahrscheinlich.“ Unterhalb des Leads befindet sich ein Archivbild, welches einen Eisbären auf einer Eisscholle zeigt, die nur wenig grösser als der Bär selbst ist. Dieses Bild trägt die Unterschrift „Dem Eisbär [sic] hilft das Abkommen von Paris wenig: Sein Lebensraum wird trotz Klimavertrag weiter dahinschmelzen“. Unterhalb der Fotografie respektive deren Beschriftung be­findet sich eine Zeile, die Links auf soziale Medien enthält, auf die Anzahl Kommentare verweist und einen Button enthält, via welchen Fehler im Artikel gemeldet werden können. Nach dieser Zeile folgt der eigentliche Artikel, der inklusive Lead 452 Wörter umfasst und damit ähnlich lang ist wie der Blick-Artikel aus der Pilotanalyse. Der eigentliche Artikel beginnt emotional: „Eines ist unbestritten: Das Klima-Abkommen von Paris ist historisch. Dass sich alle Staaten der Welt auf einen Vertrag einigen konnte [sic], um den Klimagas-Ausstoss zu reduzieren, grenzt an ein Wunder. Zahlreiche Politiker hatten am Samstagabend Tränen in den Augen“. In der Folge nimmt der Beitrag die Schwachstellen des Vertrages ins Visier und weist auf Fragen hin, welche der Vertrag nicht beant­worte.

Der Artikel verweist an vier Stellen auf konkrete Aussagen von exponierten Personen aus den Bereichen NGOs, Politik und Wissenschaft (Ökonomie). So werden Greenpeace-Direktor Kumi Naidoo, WWF-Klimaexperte[49] Patrick Hofstetter, Ökonom und Klimafolgenforscher Ottmar Edenhofer und Bundesrätin Doris Leuthard zitiert. Nachdem in der Pilotanalyse beobachtet wurde, dass die kommentierende und kommentarbewertende Leser*innenschaft wenig sensibilisiert ist für Klimathemen, überraschen die Referenzen auf Greenpeace und WWF und die kritische Haltung gegenüber dem Vertrag, die zum Ausdruck bringt, dass dieser zu „schwammig“ sei und keine konkreten Ziele enthalte. Überraschend sind die Referenzen und Wertungen insbesondere dann, wenn angenommen wird, dass Redaktionen ihre Berichterstattung am Zielpublikum ausrichten.[50]

Der Artikel enthält zwei Untertitel („Bäume pflanzen und Kaffeesatz lesen“ und „Was jetzt auf die Schweiz zukommt“). Strukturell ist auffällig, dass der Artikel – abgesehen vom letzten, besonders kurzen Absatz – ausschliesslich in vier- bis fünfzeilige Absätze gegliedert ist. Der Artikel aus der Pilotanalyse ist im Vergleich dazu durch noch kürzere Absätze gekennzeichnet – dort sind alle Absätze nur zwei bis drei Zeilen lang.[51] Die vielen Absätze hinterlassen auf den ersten Blick zwar einen strukturierten Eindruck und sie dürften darüber hinaus auch das Lesen erleichtern. Dennoch meine ich, dass sie in engem Zusammenhang mit einer oberflächlichen Berichterstattung stehen und wenig Vertiefung erlauben.

Die Autor*in des Artikels ist an einer Stelle auffällig undifferenziert, wenn sie von „Dreckschleuder-Länder[n]“ spricht, wo es eigentlich um CO2 geht. Dabei ist unklar, ob diese Formulierung im Zusammenhang mit der Ausrichtung am Zielpublikum gewählt wurde oder ob sie (zusätzlich) für ein eingeschränktes Klimawissen der Redakteur*in steht.

 

6.3.1.1.3 Verhältnis der Kommentare zum Artikel

Im Vergleich zum Blick-Artikel aus der Pilotanalyse scheint der Beitrag deutlich weniger Anlass für klimaskeptische Kommentare zu geben, das legt zumindest die deutlich klimabewegtere Grundstimmung nahe. So fehlt etwa das Moment der Distanzierung von klimawissenschaftlichen Studien durch eine Bezugnahme darauf im Konjunktiv und es gibt auch keinen ‚warnenden‘ ‚Kata­strophen­stil‘. Stattdessen werden umweltpolitisch engagierte NGOs zitiert. In Anbetracht der stilistischen und inhaltlichen Verschiebungen im Vergleich zum Pilotanalyseartikel scheint es möglich, dass die klimabewegtere Grundausrichtung der Kommentare mit dem Artikel selbst zu tun hat.

 

6.3.2 TagesAnzeiger

Im Folgenden werden die Beiträge im Tages-Anzeiger besprochen. Die Reihenfolge der Besprechung ist chronologisch, es wird also mit dem ältesten Beitrag begonnen. Bevor ich mich jedoch der Analyse der jeweiligen Kommentarforen unter Berücksichtigung dazugehöriger Artikel widme, soll kurz auf die Zugriffszahlen eingegangen werden.

Dank der Kooperation mit Martin Läubli, Jan Rothenberger und Mathias Möller vom Tages-Anzeiger konnten die Zugriffszahlen auf die jeweiligen Artikel ermittelt werden. Die Zugriffszahlen sind als Analyse-ergänzende Information zu verstehen, welche die jeweils entstandene Anzahl Kommentare in den Kontext der Zugriffszahlen stellt. Es ist anzunehmen, dass nicht nur die Eigenschaften eines Artikels und möglicherweise die angekündigte Präsenz eines Klimatologen einen Einfluss darauf haben, wie viele Kommentare in einem Forum entstehen, sondern dass auch die Zugriffszahlen relevant sind.

Diese sollen nun kurz besprochen werden. Wie Tabelle 18 zeigt, variieren die Zugriffszahlen um etwas mehr als den Faktor 10: Am wenigsten Aufmerksamkeit erhält mit 2151 Zugriffen der Artikel „2015 war das heisseste Jahr seit Messbeginn“, am meisten hingegen der Pilotanalyseartikel mit 25302 Zugriffen. Auf der anderen Seite variiert die Anzahl Kommentare um annähernd den Faktor 100: Am wenigsten kommentiert wird der Artikel „Die Schadenssumme steigt schneller als der Meeresspiegel“ mit 3 Kommentaren, am meisten der Pilotanalyseartikel mit 273 Kommentaren. Diese Varianz wird jedoch deutlich auf einen Faktor von wiederum rund 10 verringert, wenn die Kommentare in den Kontext der Zugriffszahlen gestellt werden: Der Entstehung eines Kommentars stehen im Pilot­analyse­­artikel „Ein Indiz mehr für den Klimawandel“ 93 ‚nötige‘ Zugriffe gegenüber, im Artikel „Die Schadenssumme steigt schneller als der Meeresspiegel“ deren 988. Die geringe Diskussions­bereit­schaft bei diesem letztgenannten Artikel hat also sehr wahrscheinlich auch damit zu tun, dass dieser Artikel von vergleichsweise wenigen Leser*innen aufgerufen wurde und hängt nur teilweise auch mit dem Artikel selbst – und möglicherweise mit einer Hemmschwelle erhöhenden Ankündigung des Klimatologen – zusammen.

Es ist mitzudenken, dass die Abhängigkeit von Zugriffszahlen und Anzahl Kommentare eine gegen­seitige ist: Einerseits ist, wie gezeigt, die Anzahl Kommentare (auch) davon abhängig, wie oft auf einen Artikel zugegriffen wird. Andererseits ist aber auch anzunehmen, dass die Kommentare die Zugriffszahlen erhöhen respektive für zusätzlichen Traffic sorgen: Dies ist möglicherweise auch ein Hauptgrund dafür, dass Onlinezeitungen überhaupt Kommentare anbieten: Denn der zusätzliche Traffic dürfte sich positiv auf die Werbeeinnahmen auswirken.

 

Tabelle 18: Zugriffe auf die Artikel im Tages-Anzeiger.

Artikelname Zugriffe Anzahl Kommentare Nötige Anzahl Zugriffe für 1 Kommentar (gerundet)
Ein Indiz mehr für den Klimawandel 25302 273 93
Die „Klimapause“ ist zu Ende 23798 117 203
„Klima-Irrsinn beenden“ 7907 23 344
10 Fragen in der heissen Phase des Klimagipfels 6100 50 122
2015 war das heisseste Jahr seit Messbeginn 2151 19 113
Die Schadenssumme steigt schneller als der Meeresspiegel 2964 3 988
Ein Winter der Rekorde 12021 44 273

 

6.3.2.1 „Die ‚Klimapause‘ ist zu Ende“

Die erste Gelegenheit zur Einschaltung bot sich mit dem Läubli-Artikel „Die ‚Klimapause‘ ist zu Ende“ vom 9. November 2015.

 

6.3.2.1.1 Analyse der Kommentare

Im Artikelforum sind insgesamt 117[52] Kommentare entstanden. Stefan Brönnimann hat dabei drei Kommentare in drei verschiedenen Threads veröffentlicht; es liegt daher auf der Hand, dass der Einfluss von Stefan Brönnimanns Kommentaren nicht dominierend sein kann und sich bestenfalls im direkten Umfeld der Kommentare äussert.

Dieser frühe Versuch der Einmischung ist – wie vorgesehen – ohne ‚Outing‘ des Klimawissenschaft­lers erfolgt, was zur Folge hatte, dass der Klimawissenschaftler nicht als solcher erkannt werden konnte, zumindest nicht ohne weiterführende Recherchen der Kommentierenden.

Eine Besonderheit in diesem Forum ist die Beteiligung einer Kommentarschreibenden mit dem mutmasslichen Namen *Lea Jacot*, welche vermutlich einen naturwissenschaftlichen Hintergrund hat und darum bemüht ist, klimaskeptische Argumente zu dekonstruieren. *Lea Jacot* steuert insgesamt 11 Kommentare bei. In zwei der drei Threads, zu denen Stefan Brönnimann je einen Kommentar beigetragen hat, übernimmt *Lea Jacot* gewissermassen die Aufgabe von Stefan Brönnimann und kontert klimaskeptische Argumente. Das Muster ist in beiden Fällen ähnlich: Es stehen klimaskeptische Argumente im Raum, Stefan Brönnimann ist unter den ersten, welche klimaskeptische Irrtümer aufklären, wenig später mischt sich *Lea Jacot* ein und führt die Diskussion fort, die fortan fast ausschliesslich zwischen ihr und dem Klimaskeptiker *Gaudenz Mischol* stattfindet.

Eine Schwierigkeit bei den Daten aus diesem ersten Versuch ist, dass Stefan Brönnimanns Kommentare nicht eindeutig als klimawissenschaftliche Kommentare erkannt werden können. Besonders deutlich wird das an folgendem Kommentar von Stefan Brönnimann: „Herr Voser, natürlich gab es immer schon Klimaänderungen und es wird sie immer geben. Aber der Mensch ist als zusätzlicher Einfluss dazugekommen und ist zum dominierenden Einfluss geworden. Das Ausmass und die Geschwindigkeit des aktuellen Klimawandels hat in der jüngeren Vergangenheit kein Pendant.“ Dieser Kommentar könnte auch von einer klimatologischen Lai*in stammen, was nicht heissen soll, das der Kommentar inhaltlich inkorrekt ist, eher ist es wohl so, dass sich Stefan Brönnimann – bewusst oder unbewusst – an die Leser*innenschaft angepasst hat.

Im Folgenden sollen alle drei Threads, welche einen Kommentar von Stefan Brönnimann enthalten, besprochen werden.

 

Oberster[53] Thread

Der oberste der drei relevanten Threads (Tabelle 19) enthält insgesamt neun Kommentare.

Ausgangskommentar 1[54]) ist der klimaskeptische Beitrag von *Bernhard Piller*, worin er zwei Fragen stellt (Erstens: Gibt es eine Klimaerwärmung? Zweitens: Ist die Klimaerwärmung durch Menschen beeinflusst?). Ausserdem weist *Bernhard Piller* darauf hin, dass es im Mittelalter Phasen gegeben habe, in welchen es wärmer gewesen sei als heute, und er behauptet, dass niemand die Klimaphänomene der Vergangenheit erklären könne. Er stellt deshalb die Frage, weshalb man nun plötzlich im Stande sein solle, Gegenwart und Zukunft zu verstehen und zu berechnen.

Es folgt ein ebenfalls klimaskeptischer Beitrag 1a) von *Dani Kobler*, welcher gewissermassen bestätigt, dass die von *Bernhard Piller* eingangs gestellten Fragen nach wie vor ungelöst seien, und daraus die Konsequenz zieht, dass man „einfach so weitermachen [soll] wie bisher“.

Mit Kommentar 1ai) folgt dann ein ergänzender Beitrag wiederum von *Berhard Piller*, in welchem er darauf hinweist, dass auch bei Waldbränden und Vulkaneruptionen CO2 freigesetzt werde, wogegen es auch keine Massnahmen gebe. *Berhard Piller* schliesst mit dem Hinweis darauf, dass mit dem Sammeln von Aludeckeln die Welt nicht gerettet werden könne.

Erst in Kommentar 1aii) meldet sich mit *Manuel Kneubühler* eine klimabewegte Stimme. *Manuel Kneubühler* nimmt das Thema des CO2-Umsatzes auf, welches *Bernhard Piller* in Kommentar 1ai) angesprochen hat, geht dabei aber nicht präzis auf die Argumente von *Bernhard Piller* (natürliche CO2-relevante Prozesse wie Waldbrand und Vulkaneruption) ein, sondern weist (mit den genannten natürlichen CO2-relevanten Prozessen zusammenhängend, aber allgemeiner) darauf hin, dass der natürliche Umsatz an CO2 viel grösser sei als das (zusätzliche) anthropogene CO2. Zudem fordert *Manuel Kneubühler* *Bernhard Piller* auf, die IPCC-Berichte zu lesen und auf „state-of-the-art-wissenschaftsniveau“ zu diskutieren.

Mit Kommentar 2b) mischt sich Stefan Brönnimann ein und bezieht sich mit seinem Kommentar auf den klimaskeptischen Ausgangskommentar 1) von *Bernhard Piller*. Er beantwortet dessen eingangs gestellten Fragen mit: „Das Klima hat sich erwärmt und der Mensch trägt von allen Faktoren am meisten dazu bei.“ Anschliessend geht Brönnimann auf das Mittelalter-Argument ein, welches eben­falls im Ausgangskommentar von *Bernhard Piller* genannt wird, und er schreibt, dass der Blick zurück ins Mittelalter für die beiden Fragen von Piller nichts bringe, da damals der menschgemachte Einfluss noch unbedeutend gewesen sei. An dieser Stelle war ich etwas verwirrt über Brönnimanns knappe Argumentation, die einen Blick zurück ins Mittelalter zwecks Beantwortung der Fragen von *Bernhard Piller* ablehnt. Darauf angesprochen, antwortet Stefan Brönnimann folgendermassen: „Das Studium des vergangenen Klimas (also vor dem Einsetzen das starken menschgemachten Einflusses) hilft uns, die natürliche Variabilität des Klimas besser einzuschätzen. Es sagt uns nicht direkt etwas über den menschgemachten Einfluss. Im Hintergrund steht die Frage, ob die jetzige Erwärmung über diejenige hinausragt, welche wir im Mittelalter erlebt haben. Aber diese Frage ist nicht direkt mit der Frage nach der Ursache für die jetzige Klimaerwärmung verbunden. Es könnte damals wärmer gewesen sein als heute, aber aus anderen Gründen. Umgekehrt sagt die Tatsache, dass es damals kälter war, allein noch nichts aus über die Ursachen der heutigen Erwärmung. Wie gesagt: Es gab ganz sicher wärmere Perioden als heute in der Vergangeneheit: Das Mittelholozän war wärmer, das letzte Interglazial noch wärmer. Aber dafür gibt es spezifische Ursachen (zB [sic] Erdbahnparameter). Man muss die vergangenen Erwärmungen mit diesen Ursachen gemeinsam betrachten. So war die Tendenz der globalen Temperatur über die letzten paar Tausend Jahre eine Abkühlung, und das verstehen wir auch (wir würden ohne Mensch in eine weitere Eiszeit hineingehen).“ Ich interpretiere das nun so: Die soeben zitierte Antwort Stefan Brönnimanns legt nahe, dass der Blick zurück ins Mittelaler (auch für die Fragen von *Bernhard Piller*) sehr wohl hilfreich ist – allerdings nicht, wenn man dabei nur die Temperaturen (ohne deren Ursachen) berücksichtigt. Dass Brönnimann im Forum diesbezüglich ausweichend argumentiert, hängt möglicher­weise damit zusammen, dass er befürchten musste, dass die vollständige Darlegung der Zusammenhänge, wie er sie mir nun nachgeliefert hat, das Publikum überfordern würde. Auch kann ich mir vorstellen, das Brönnimann befürchten musste, falsch interpretiert zu werden, wenn er im Forum geschrieben hätte, dass es früher wärmere Perioden gegeben habe und dass die Tendenz der globalen Erwärmung über die letzten paar Tausend Jahre eine Abkühlung sei. Dies erinnert an die „Transformationen“, welche Liebert (2002: 347–348) (nicht zuletzt) in Deutschlands „seriöseste[m] populärwissenschaftlichen Magazin“ Bild der Wissenschaft beobachtet und als Ursache der dokumen­tierten Glaubwürdigtkeitskristen interpretiert. Dabei stellt sich die Frage, ob entsprechende Transfor­mationen, anders als Liebert 2002 das annimmt, nicht nur mit den „strukturellen Eigen­schaften des gegenwärtigen Mediensystems“ (Liebert 2002: 348; Kursivierung im Original) zusam­men­­hängen, und damit mit dem medial vermittelten Format in Verbindung stehen, sondern grundsätz­lich­er­er Natur sind und auch bei der direkten Kommunikation zwischen Wissenschaftler­*innen und Öffentlichkeit auftreten.

Im zweiten Teil seines Kommentars geht Stefan Brönnimann auf ein weiteres Argument aus Kommentar 1) von *Bernhard Piller* ein und erklärt, dass gut dokumentierte vergangene Klimaände­rungen (sehr wohl) erklärt werden können. Auf den Kommentar von Stefan Brönnimann gibt es – abgesehen von den Empfehlen-Bewertungen – keine direkten Reaktionen aus der Riege der Kommentierenden.

In Kommentar 1c) mischt sich *Hannes Tobler* als weiterer klimabewegter Kommentator ein und bezieht sich mit seinem Kommentar wiederum auf den Ausgangskommentar 1) von *Bernhard Piller*. *Hannes Tobler* weist, nachdem er die Aussage von *Bernhard Piller* zitiert hat, dass es im Mittelalter Zeiten gegeben habe, wo es wärmer gewesen sei als heute und dass damals der Mensch nicht verantwortlich dafür gewesen sein könne, darauf hin, dass es im Mittelalter „vielleicht“ wärmer gewesen sei als von 1600–1900, dass die Temperaturen ab 1990 aber höher seien als diejenigen aus dem Mittelalter. In der Folge behauptet *Hannes Tobler*, dass das Klima im Mittelmeer(raum) von den Römern durch massive Abholzungen beeinflusst worden sei, dass also bereits im Mittelalter Menschen das Klima beeinflusst hätten. Abschliessend weist *Hannes Tobler* darauf hin, dass die meisten vergangenen Klimaphänomene durchaus erklärt werden könnten, und dass *Bernhard Piller*, wenn er wirklich denke, dass das niemand könne, „zugleich blind und arrogant“ sei.

Auf diesen Kommentar reagiert *Bernhard Piller* in 1ci) mit der Rückfrage an *Hannes Tobler*: „Also waren Ihrer Meinung nach die Römer für die Klimaerwärmung im Mittelalter verantwortlich?“ *Bernhard Piller* verweist in der Folge darauf, dass er für „dieses Phänomen“ (der mittelalterlichen Warmzeit) nie eine plausible Erklärung gesehen habe. Anschliessend untermauert *Bernhard Piller* seinen Zweifel mit dem Hinweis darauf, dass im Kanton Uri kürzlich ein Baumstrunk weit oberhalb der heutigen Waldgrenze gefunden worden sei, was nur sein könne, wenn es früher „massiv“ wärmer gewesen sei. Wenn *Hannes Tobler* das nicht sehe, sei er voreingenommen. An dieser Stelle wäre es begrüssenswert gewesen, wenn sich Brönnimann dazu hätte äussern können, denn *Bernhard Pillers* Fragen sind grundsätzlicher Art und hätten sich besonders gut geeignet, aus wissenschaftlicher Perspektive beantwortet zu werden. Ausserdem wirkt *Bernhard Piller* betont höflich (er wird mehrfach barsch zurechtgewiesen und bleibt dennoch selber weitgehend sachlich).

*Manuel Kneubühler* mischt sich in Kommentar 1cii) mit einem konkreten Hinweis – in Kommentar 1aii) hatte *Manuel Kneubühler* nur allgemein auf den IPCC verwiesen – auf ein Kapitel aus dem IPCC-Bericht erneut in die Diskussion ein. Im entsprechenden Kapitel stünde „alles“, was wir über die mittelalterliche Warmzeit, das Maunderminium, die kleine Eiszeit etc. wüssten, und es widerspreche „in keiner weise [sic]“ der ‚CO2-Theorie‘. *Bernhard Piller* solle das Kapitel lesen und wenn er dann immer noch skeptisch sei, solle er anfangen, wissenschaftlich zu argumentieren.

In Kommentar 1d) meldet sich mit *Nussbaumer Sebastian* ein weiterer klimabewegter Kommentator. *Nussbaumer Sebastian* sagt, dass Naturwissenschaftler wie er das heutige Klima besser verstünden, weil die zugrundeliegenden Faktoren intensiver beobachtet würden als früher. Er nimmt damit direkt Bezug auf Kommentar 1) – was bereits die Position des Kommentars auf Hierarchieebene 2 nahelegt. Er schliesst mit dem Gedanken: „Wieso Menschen wie Sie das nicht glauben scheint mir inzwischen aber die viel wichtigere Frage zu sein.“

Bemerkenswert ist, dass sich die beiden am Thread beteiligten Klimaskeptiker *Bernhard Piller* und *Dani Kobler* nicht erneut melden und somit alle Diskussionsstränge mit den Statements aus klimabewegter Perspektive enden.

Aus den Empfehlen-Bewertungen können für diesen Thread keine aussagekräftigen Schlüsse gezogen werden, ausser vielleicht diesem: Skeptische Kommentare werden ähnlich positiv bewertet wie klimabewegte. Am meisten Zustimmung erhält der klimaskeptische Kommentar 1a) – auf der anderen Seite erhält aber der klimabewegte Kommentar 1cii) mehr als doppelt so viele Empfehlungen wie der früher veröffentlichte klimaskeptische Beitrag 1ci). Ein Blick in die Backend-Daten zeigt sogar, dass Kommentar 1cii) – welcher im Vergleich zu Kommentar 1ci) von rund der doppelten Anzahl Leser*innen empfohlen wurde – erst circa 22 Stunden später erschienen ist.

Tabelle 19: Thread mit einem Kommentar von Stefan Brönnimann zum Artikel „Die ‚Klimapause‘ ist zu Ende“.

1.      Bernhard Piller
Die eine Frage ist, ob wirklich ein Trend zu einer Klimaerwärmung stattfindet, die andere ist, inwieweit der Mensch diesen Trend beeinflusst. Im Mittelalter gab es Zeiten, wo das Klima viel wärmer als heute war – und da war der Mensch garantiert nicht verantwortlich dafür. Niemand kann die Klima-Phänomene der Vergangenheit erklären, warum soll man jetzt plötzlich im Stande sein, die Gegenwart und Zukunft verstehen und zu berechnen?
Empfehlen (14)[55]
a.      Dani Kobler
@ Bernhard Piller: Und solange keiner ihrer 2 eingangs gestellten Fragen geklärt ist, und zwar zweifelsfrei, 100% und durchgehend und ausnahmslos unbestritten von links bis rechts, sollten wir einfach so weitermachen wie bisher, weil einfach weitermachen wie bisher ist einfacher, bequemer und vor allem viel günstiger.
Empfehlen (30)
                                                i.     Bernhard Piller
Und haben Sie auch gelesen das Indonesien mit den Waldbränden mehr CO2 ausstößt als die USA? Was wollen Sie da machen? Und wissen Sie, wie viel CO2 bei einer Vulkaneruption freigesetzt wird? Da können Sie auch nicht machen. Wenn die Leute Aludeckel sammeln, haben sie das Gefühl, etwas für die Rettung der Welt getan zu haben. Das ist einfach eine Illusion.
Empfehlen (11)
                                              ii.     Manuel Kneubühler
@Piller Herr Piller es bestreitet niemand dass der natürliche Umsatz viel höher is als das antropogene CO2.. die Ozeane lassen ca 20’000 mal mehr co2 raus als der mensch aber sie nehmen halt auch so viel auf!! lesen sie doch bitte den IPCC und argumentieren sie auf state-of-the-art wissenschaftsniveau..
Empfehlen (11)
b.      Stefan Brönnimann
Das Klima hat sich erwärmt und der Mensch trägt von allen Faktoren am meisten dazu bei. Der Blick zurück ins Mittelalter bringt (für diese beiden Fragen) nichts, denn damals war, wie Sie richtig sagen, der menschgemachte Einfluss noch unbedeutend. Die Fakten kommen aus unserer heutigen Zeit. „Niemand kann die Klima-Phänomene der Vergangenheit erklären“: Bevor man ein Phänomen erklären kann, muss man es beschreiben. Gut dokumentierte vergangene Klimaänderungen können erklärt werden.
Empfehlen (23)
c.      Hannes Tobler
„Im Mittelalter gab es Zeiten, wo das Klima viel wärmer als heute war – und da war der Mensch garantiert nicht verantwortlich dafür.“ Im Mittelalter war es vielleicht wärmer als von 1600-1900, aber die Temperaturen, die wir weit 1990 messen sind höher. Auch im Mittelalter hat der Mensch schon das Klima verändert.. das regionale Klima im Mitellmeer wurde von den Römern durch die massiven Abholzungen beeinflusst.
„Niemand kann die Klima-Phänomene der Vergangenheit erklären“ Die meisten „Phänomene“ schon 😉 Und wenn Sie wirklich denken, dass das niemand kann… dann sind sie zugleich blind und arrogant.
Empfehlen (20)
                                                i.     Bernhard Piller
Also waren Ihrer Meinung nach die Römer für die Klimaerwärmung im Mittelalter verantwortlich? Klar haben die Römer die Wälder abgeholzt und die Landschaft verändert, aber das Klima hat sich später wieder abgekühlt, obwohl die Wälder immer noch abgeholzt waren. Ich habe einfach nie eine plausible Erklärung für dieses Phänomen gesehen.
Im Kanton Uri hat man kürzlich einen Baumstrunk weit oberhalb der heutigen Waldgrenze gefunden. Das kann nur sein, wenn es früher massiv wärmer war. Wenn Sie das nicht sehen wollen, dann sind Sie voreingenommen.
Empfehlen (6)
                                              ii.     Manuel Kneubühler
IPCC AR5 WG1 kapitel 5.3.5! da steht alles was wir über die mittelalterliche warmperiode, das Mauderminimum, die kleine eiszeit etc wissen.. und es widerspricht in keiner weise der CO2 theorie..ganz im gegenteil..
Lesen sie das und wenn sie immer noch skeptisch sind, fangen sie an wisschenschaftlich zu argumentieren!!
Empfehlen (14)
d.      Nussbaumer Sebastian
@Piller: Naturwissenschaftler wie ich verstehen das heutige Klima besser weil man alle zugrundeliegenden Faktoren intensiver beobachtet als früher, angefangen bei der Solarkonstante, die heute von Satelliten gemessen aber fürs Mittelalter nur indirekt geschätzt werden kann. Wieso Menschen wie Sie das nicht glauben scheint mir inzwischen aber die viel wichtigere Frage zu sein.
Empfehlen (14)

 

Mittlerer Thread

Der mittlere Thread umfasst 11 Kommentare (Tabelle 20). Er nimmt seinen Anfang mit dem klimaskeptischen Beitrag 1) von *Ruedi Voser*, welcher sich vehement gegen die „Klimaerwär­mungs­hysterie“ wehrt. Klimaveränderungen habe es immer gegeben und werde es auch künftig geben. „Diese Weltuntergangsstimmung“ sei „purer Nonsens“ mit dem Ziel, neue Steuern und Abgaben zu generieren. Er freue sich an den gegenwärtigen (allgemein wärmeren) Temperaturen. Er habe allerdings in den letzten 20 Jahren im Oktober noch nie so viel heizen müssen.

Die erste Reaktion auf *Ruedi Vosers* Kommentar ist *Remo Lagadeggs* klimabewegter Kommentar 1a), der – ähnlich wie der Ausgangskommentar von *Ruedi Voser* – nicht sachlich ausgerichtet ist und die andere Gruppe (hier also diejenige der Klimaskeptiker*innen) beschimpft. *Remo Lagadegg* schreibt, er sei „konsterniert ob so viel Ignoranz, Denkfaulheit und Halbwissen vieler, die den Klimawandel […] einfach noch immer nicht wahrhaben wollen“. Die „weltbesten“ Wissenschaftler würden den Klimawandel und (damit zusammenhängende) Gefahrendimensionen aufzeigen. Wer so leichtsinnig und fahrlässig den Klimawandel ignoriere, werde eines Tages „für das Leid aller unserer Kinder verantwortlich sein und von ihnen angeklagt werden“. Aber der „point of no return“ sei vermutlich ohnehin schon erreicht. *Remo Lagadegg* erhält mit diesem Kommentar grosse Zustimmung von 81 Leser*innen, während der früher veröffentlichte Ausgangskommentar nur von 25 Leser*innen empfohlen wurde. Anders als die Kommentator*innenschaft im Tages-Anzeiger-Artikel aus der Pilotanalyse, welche aus mindestens 55 klimaskeptischen bei nur (mindestens) 44 klimabewegten Kommentator*innen bestand, sind in diesem Thread – allerdings auf der Ebene der Bewertenden – die Klimabewegten deutlich in der Überzahl.

Mit Kommentar 1ai) mischt sich mit *Walter Bender* erneut ein Klimaskeptiker ein, der zahlreiche, wohl eher als rhetorisch zu verstehende Fragen stellt und mit einer möglicherweise zynisch gemeinten Deutung des „point of no return“ abschliesst: „Und zum Schluss, was soll der Point of no return sein? – [sic] Meinen Sie etwa, [sic] die Behauptungen der Klimawissenschaftler, die kein Zugeben von Fehlern bei den Grundannahmen mehr ermöglichen“.

Anstelle von *Remo Lagadegg* erklärt *Manuel Kneubühler* in Kommentar 1aii), was *Remo Lagadegg* vermutlich mit dem „point of no return“ gemeint hat.

Mit Kommentar 1b) meldet sich Stefan Brönnimann beim Verfasser des Ausgangskommentars. Natürlich habe es Klimaänderungen schon immer gegeben und werde es diese auch weiterhin geben, aber der Mensch sei als zusätzlicher Einfluss dazugekommen und zum dominierenden Einfluss geworden. Das Ausmass und die Geschwindigkeit des aktuellen Wandels habe in der jüngeren Vergangenheit kein Pendant. Auf den Beitrag von Stefan Brönnimann gibt es auch in diesem Thread keine direkte Reaktion – abgesehen von den Empfehlungen.

Es folgt nun mit Kommentar 1c) die Einschaltung von *Lea Jacot*. Theoretisch müsste sich der Beitrag der klimabewegten Kommentatorin *Lea Jacot* auf den Ausgangskommentar beziehen. Ob sich *Lea Jacot* tatsächlich auf Kommentar 1) bezieht, ist aber nicht klar. Dagegen spricht, dass sie *Ruedi Voser* dann Dinge unterstellen würde, die er nicht gesagt hat, wenn sie fragt: „Und wenn sie [sic] wissen, dass CO2 treibhauswirksam ist, wie wollen sie [sic] dann verneinen, dass wir Menschen einen Einfluss auf das Klima haben?“ Denn *Ruedi Voser* geht nicht auf das Thema CO2 ein. Oder nimmt *Lea Jacot* an, dass *Ruedi Voser* ihre Erklärungen zur Treibhauswirksamkeit von CO2 kommentareingangs gleich in sein Wissensrepertoire aufnimmt? Im Sinne einer mustergültigen Kommunikations- respektive Argumentationskultur, wo Teilnehmende sich nicht zuletzt möglichst präzise aufeinander beziehen, ist die Art und Weise der Einschaltung von *Lea Jacot* nicht ideal. Dennoch gelingt es ihr, sich wirkungsvoll einzumischen und den Fortgang der Diskussion wesentlich mitzubestimmen. In ihrem Beitrag 1c) erklärt *Lea Jacot*, dass Klimaveränderungen in der Vergangenheit viel langsamer vonstatten gegangen seien und dass CO2 ein treibhauswirksames Gas sei, welches die Menschen in den letzten 100 Jahren in grossen Mengen in die Atmosphäre „geblasen“ hätten. Anschliessend stellt sie Fragen – möglicherweise an *Ruedi Voser* oder allgemein an klimaskeptische Kommentierende, so zum Beispiel folgende: „Wie erklären sie [sic] dann den extrem schnellen Wandel?“ Wenn man ihr eine bessere Erklärung liefern könne als das IPCC, würde sie weiter diskutieren, ansonsten empfehle sie, den Bericht zu lesen.

Den Kommentar von *Lea Jacot* nimmt nun *Gaudenz Mischol*, welcher bereits in der Pilotanalyse als besonders aktiver Klimaskeptiker aufgefallen ist, mit Kommentar 1ci) zum Anlass, sich ebenfalls an der Diskussion zu beteiligen. *Gaudenz Mischol* bittet *Lea Jacot* um konkrete Beispiele, die zeigen sollen, dass der Wandel (damals, vgl. Kommentar 1c) von *Lea Jacot*) wirklich langsamer vonstatten ging. Er selbst bringt Beispiele von vergangenen Erwärmungsperioden, die genauso schnell abgelaufen sein sollen wie die aktuelle Erwärmung.

*Lea Jacot* deutet in Kommentar 1cii) die Beispiele von *Gaudenz Mischol* als lokale Phänomene und ergänzt, dass es hier aber um einen „nie dagewesenen Globalen [sic] Effekt“ ginge. Diesen könne man von der Stärke her mit Sonnenzyklen vergleichen, er sei aber nur durch CO2 erklärbar. *Lea Jacot* weist erneut darauf hin, dass wir die Zusammensetzung der Atmosphäre stark verändern, was uns zu denken geben solle. Zuletzt verweist sie auf die Webseiten von NASA und NOAA.

*Gaudenz Mischol* geht sodann in Kommentar 1ciii) auf das Argument global versus lokal ein und bemängelt, dass Proxystudien gerade mal wenige Prozente der Erdoberfläche abdecken würden. Er bezweifelt daher, dass das vergangene Klima auf globaler Ebene beurteilt werden kann. Anschliessend fragt *Gaudenz Mischol* danach, welchen Beweis es gebe, dass wirklich das CO2 schuld sei. Er behauptet, dass Computermodelle dazu gebaut worden seien, zu beweisen, dass CO2 eine Hauptrolle spiele und folgert: „Da beisst sich die Katze in den Schwanz“. Er überlegt des Weiteren, ob ‚wir‘ nichts Anderes fänden und deshalb CO2 als Erklärung heranzögen. Diese Argumente würden ihn nicht überzeugen, obwohl immer wieder „kolportiert“ würde, dass 97 Prozent der Wissenschaftler CO2 als Hauptverursacher des Klimawandels sehen würden. Wissenschaft werde nicht durch Mehrheit gemacht.

*Lea Jacot* bemängelt in ihrem darauffolgenden Kommentar 1civ), dass *Gaudenz Mischol* nicht auf ihre Argumente eingehe. Allerdings meine ich, dass *Gaudenz Mischol* sehr wohl auf die Argumente von *Lea Jacot eingegangen ist – zumindest auf das Argument global versus lokal. Was die skeptischen Fragen von *Gaudenz Mischol* (global versus lokal, CO2 als Haupttreiber) betrifft, so verweist *Lea Jacot* auf die Klimawissenschaftler, die sich diesen Fragen ebenfalls angenommen hätten und auf das IPCC, welches entsprechende Studien zusammentrage und nun, nach gründlicher Studie „ALLER“ (Grossschreibung im Original) Publikationen zum Schluss komme, dass anthro­pogen verursachter CO2-Ausstoss die beobachteten Phänomene am wahrscheinlichsten erklären könne. *Lea Jacot* schliesst mit dem Satz: „Wie sie [sic] ohne mindestens ein Physikstudium, [sic] die ganzen Prozesse besser verstehen wollen ist mir ien [sic] Rätsel…“. Dabei ist zu bemerken, dass *Lea Jacot* die Fragen von *Gaudenz Mischol* nicht konkret beantwortet, sondern auf die Autoritäten in diesem Gebiet verweist.

Verweise auf Autoritäten (insbesondere IPCC) spielen hier immer wieder eine Rolle und sie zeigen das grundsätzliche Problem, dass es vergleichsweise einfach ist, skeptische Fragen zu stellen. Die skeptischen Fragen zu beantworten ist aber sehr anspruchsvoll und ohne eine klimawissenschaftliche Ausbildung wohl oft gar nicht möglich. Dass dann auf Autoritätsverweise zurückgegriffen wird, ist zwar verständlich und manchmal wohl die einzige Möglichkeit für klimabewegte, aber klimawissen­schaftlich nicht ausgebildete Kommentator*innen. Auch ist es grundsätzlich nicht unangebracht, auf die gewissermassen gesellschaftlich legitimierten Expert*innen auf diesem Gebiet zu verweisen. Dennoch sind diese Autoritätsverweise eine unglückliche Lösung. Klima­skeptiker­*innen dürften damit kaum überzeugt werden und unbefriedigt sein, wenn sie auf ihre skeptischen Fragen die Antwort erhalten, dies oder jenes sei so oder so, weil ausgerechnet das IPCC, welchem sie ohnehin nicht vertrauen dürften, dies oder jenes gesagt habe. Idealer wäre es wohl, wenn es möglich wäre, die klimaskeptischen Fragen direkt in den Kommentaren, auf Grundlage von konkreten Beispielen und logischen Schlussfolgerungen, zu beantworten.

Der unterste Kommentar in diesem Thread ist wieder auf Ebene zwei (Kommentar 1d)) angesiedelt. *Fadri Truog* schlägt *Ruedi Voser* vor, weniger zu heizen, und beklagt das Problem der Abstumpfung.

Wie bereits im zuvor analysierten Thread enden auch hier alle Diskussionsstränge mit einem Kommentar aus klimabewegter Perspektive.

Tabelle 20 enthält die Kommentare des soeben besprochenen Threads.

Tabelle 20: Thread mit einem Kommentar von Stefan Brönnimann zum Artikel „Die ‚Klimapause‘ ist zu Ende“.

1.      Ruedi Voser
Diese Klimaerwärmungshysterie stinkt mir zusehends. Solange die Erde existiert gab es immer Klimaveränderungen und es wird sie auch künftig geben. Diese Weltuntergangsstimmung ist doch purer Nonsens mit nur einem Ziel, neue Steuern und Abgaben für die gefräsigen Staatskassen zu generieren. Ich freue mich an den gegenwärtigen Temperaturen und nur am Rande erwähnt, habe ich in den letzten 20 Jahren im Oktober noch nie soviel heizen müssen.
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a.      Remo Lagadegg
Ich bin konsterniert ob so viel Ignoranz, Denkfauhlheit und Halbwissen vieler, die den Klimawandel und die auf uns zukommenden verheerenden Auswirkungen einfach noch immer nicht wahr haben wollen oder die Problematik noch immer nicht verstehen. Intensität, Dauer, Formen der Wetterextreme und deren Häufigkeit nehmen von Jahr zu Jahr weltweit zu und die weltbesten Wissenschaftler zeigen den Klimwandel und die Gefahrendimensionen auf. Selbst die Amerikaner haben es mittlerweile gescheckt, dass wir nicht mehr wegschauen können. Wer so leichtsinnig und fahrlässig den Klimwandel ignoriert, wird eines Tages für das Leid aller unserer Kinder verantwortlich sein und von ihnen angeklagt werden. Aber der point of no return ist vermutlich ohnehin erreicht.
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                                                i.     Walter Bender
Was genau wissen Sie den zu den physikalischen Hintergründen des abgeblich anthropogen verursachten Klimawandel? – Wie kommen Sie dazu bei den Klimawissenschaftlern von den Weltbesten zu sprechen, was qualifiziert Sie zur Qualidikation von Schellnhuber, Rahmstorf, Latif, Hansen, Stocker und wie sie alle heissen? – Und zum Schluss, was soll der Point of no return sein? – Meinen  Sie etwa, die Behauptungen der Klimawissenschaftler, die kein Zugeben von Fehlern bei den Grundannahmen mehr ermöglichen
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                                              ii.     Manuel Kneubühler
@bender Das Klima in ein hochgrading nicht linares system mit starker hysterese.. Der point of no return ist dann erreicht wenn sich das Klimasystem durch feedbackeffekte selber verändert bis es in einen neuen stabilen zustand fällt welcher wahrscheinlich nicht dem selben gleichgewicht wie heute entspricht. Kurz: wenn sie CO2 zugeben in die atmosphäre, ein paar jahre warten und das CO2 dann wieder entfernen ist es nicht gesagt dass sie wieder am selben ort landen..
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b.      Stefan Brönnimann
Herr Voser, natürlich gab es immer schon Klimaänderungen und es wird sie immer geben. Aber der Mensch ist als zusätzlicher Einfluss dazugekommen und ist zum dominierenden Einfluss geworden. Das Ausmass und die Geschwindigkeit des aktuellen Klimawandels hat in der jüngeren Vergangenheit kein Pendant.
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c.      Lea Jacot
Was mich wunder nimmt: ja es gab schon Klimaveränderungen in der Vergangenheit, ABER damals ging der Wandel viel langsamer vonstatten. Was wir in den letzten 150 Jahren erlebt haben brauchte früher Jahrtausende. CO2 ist nunmal ein Treibhauswirksames Gas, welches wir die letzten hundert Jahre zuahauf in die Atmosphäre geblasen haben. Was ich nun von Ihnen wissen möchte: Wie erklären sie dann den extrem schnellen Wandel? Und wenn sie wissen, dass CO2 treibhauswirksam ist, wie wollen sie dann verneinen, dass wir Menschen einen Einfluss auf das Klima haben? Wenn sie mir eine bessere Erklärung liefern als das IPCC, dann können wir weiter diskutieren, wenn nicht empfehle ich ihnen den Bericht zu lesen.
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                                                i.     Gaudenz Mischol
Dann zeigen sie uns doch einmal konkrete Beispiele, dass der Wandel wirklich langsamer vonstatten ging. Die Erwärmungsperiode von ca 1910 bis 1940 hat die genau gleiche Steigung wie diejenige, in der wir uns jetzt befinden. Auch frühere Erwärmungsphasen im Mittelalter etc sind mit ungefähr der gleichen Geschwindigkeit aufgetreten und in der Arktis gab es zum Teil Temperatursprünge über mehrere Grade innert wenigen Jahren.
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                                              ii.     Lea Jacot
@ Mischol Sie mögen recht haben, das durch lokale Phänomene wärmere und kältere Zeiten existieren. Hier geht es aber um einen nie dagewesenen Globalen Effekt. Den kann man mit dem Klimawandel durch Sonnenzyklen vergleichen von der Stärke her (Eiszeit vs. Warmzeit). Ist aber nicht durch Sonnenzyklen sondern nur durch CO2 erklärbar. Wir ändern die Zusammensetztung unserer Atmosphäre stark! Dies allein sollte uns doch zu denken geben. Für konkrete Beispiele NASA oder NOAA Webseiten. Als Amis sind das auch keine „Klimahysteriker“.
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                                             iii.     Gaudenz Mischol
@Jacot
ja wie immer die gleiche Aussage: lokal nicht global. Wie wollen sie das heute festellen was vor mehreren Hundert Jahren war, wenn Proxystudien gerade einmal wenig Prozent der Erdoberfläche abdecken?
Welchen Beweis gibt es, dass wirklich das Co2 Schuld ist? Die Computermodelle, die so gebaut wurden, dass das Co2 eine Hauptrolle spielt, die dann beweisen, dass es das cCo2 ist? Da beisst sich die Katze in den Schwanz. Oder weil wir nichts anderes finden? Somit wird unsere Ignoranz als Beweis aufgeführt. All dies überzeugt mich nicht, auch wenn immer wieder kolportiert wird, dass 97% der Wissenschaftler es glauben. Wissenschaft wird nicht durch Mehrheit gemacht.
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                                             iv.     Lea Jacot
@ Mischol Sie gehen leider nicht auf meine Argumente ein. Genau die Fragen, welche sie gestellt haben (global vs. lokal, CO2 als Haupttreiber, etc.) stellten sich die „Klimawissenschaftler“, darunter einen Haufen Physiker, Chemiker, Mathematiker, Informatiker, etc. Diese sind in vielen Publikationen seriös wissenschaftlich beantwortet worden. Das IPCC trägt nun diese Studdien zusammen. Alle diese Wissenschaftler (wie gesagt aus ganz verschiedenen Fachrichtungen) kamen nun zusammen, nach gründlicher Studie ALLER Publikationen kamen sie zum Schluss, das der Menschengemachte Einfluss durch den Ausstoss von CO2 am Wahrscheinlichsten die Phänomene, welche gemessen werden zu erklären. Wie sie ohne mindestens ein Physikstudium, die ganzen Prozesse besser verstehen wollen ist mir ien Rätsel…
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d.      Fadri Truog
Dann heizen Sie einfach weniger! Ihre Wahl.
Dass viele Leute abstumpfen ist leider ein grosses Problem, denn das (schleichend grösser werdende) Problem ist nicht weg, nur wenn man nichts mehr darüber hört / hören will.
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Unterster Thread

Dieser unterste Thread (Tabelle 21) besteht ebenfalls aus 11 Kommentaren und beginnt mit dem Hinweis von *Gaudenz Mischol* in Kommentar 1) darauf, dass es wohl kaum eine andere Wissen­schaft gebe, in welcher Daten nachträglich geändert würden – nur in „der Klimawissenschaft“ sei dies „gang und gäbe“. So seien in diesem Jahr die Daten durch die „NDCC [sic] wieder einmal ‚bearbeitet‘“ worden, so dass „die Pause [=Klimapause]“ hätte entfernt werden können, was dem Kommentator „sehr suspekt“ scheine. Man stelle sich vor, medizinische Daten würden nachträglich geändert um ein „gewünschtes“ Resultat zu erhalten: „Dies ist ein NO GO und ist es auch in jeder seriösen Wissenschaft. Der [sic] Glaube [sic] an die Oberlflächentemperaturkurven [sic] habe ich deshalb verloren. Die Satellitenmessungen zeigen alle kein Ende der Pause“, schliesst *Gaudenz Mischol* seinen Eröffnungskommentar.

Bemerkenswert an diesem Eröffnungskommentar ist, dass ein Blick zurück auf die Pilotanalysedaten zeigt, dass *Gaudenz Mischol* (Link[56]) dort ebenfalls einen Kommentar mit dieser Argumentation postet (auch dort auf Ebene 1 – allerdings löst der dortige Kommentar keine Folgekommentare aus, das heisst, seine Argumentation wird dort nicht weiterdiskutiert):

Wenn man ja ausgewogenen Journalismus betreiben würde, sollte man auch erwähnen, das [sic] die NOAA wieder einmal die Temperaturreihen angepasst hat, zum Teil mit sehr fraglichen Argumenten. Wenn wir die Satellitendaten von UAH und RSS anschauen, so war der Juni einfach ganz normal, das Jahr 2015 nirgends auffällig. Den Messungen der Satelliten ist wohl mehr zu trauen als den von vielen Faktoren kontaminierten Daten von Land und Ozeanen, ganz zu schweigen von den andauernden Anpassungen, die immer in eine Richtung gehen: Vergangenheit kälter, Gegenwart wärmer!!! Und im November stehen ja die Verhandlungen in Paris zuvor, da muss man das Terrain vorbereiten…

 

Diese Beobachtung zeigt, dass Kommentarforen von den Kommentierenden teilweise dazu benützt werden, ‚Werbung‘ zu machen. Das Artikelforum wird dann zum Sprachrohr einzelner, die das Vorhandensein eines kommentierbaren Klimaartikels dazu nutzen, ihre Argumente ins Spiel zu bringen. Allerdings muss *Gaudenz Mischol* wohl schon zu Gute gehalten werden, dass er es grundsätzlich ‚gut meint‘ und überzeugt ist, richtig zu handeln und auf ‚echte Missstände‘ in der Klimaforschung hinzuweisen. Aus der Perspektive von *Gaudenz Mischol* dürfte das Argument zum unseriösen Umgang der Klimatolog*innen mit Daten sehr grundsätzlicher Natur sein und quasi bei jedem Artikel, der dem wissenschaftlichen Konsens eines anthropogen verursachten Klimawandels zustimmt, ‚nennungsberechtigt‘ sein. So muss festgehalten werden, dass hier im Forum zum Klimapauseartikel (über das Stichwort Klimapause) wie dort im Pilotanalyse-Forum mittels des Satzes „Wenn man ja ausgewogenen Journalismus betreiben würde, sollte man auch erwähnen, das [sic] die NOAA wieder einmal die Temperaturreihen angepasst hat, zum Teil mit sehr fraglichen Argumenten“ durchaus argumentativ an den Artikelinhalt angeknüpft wird. Deshalb muss meine Kritik, die Foren würden teilweise zum Sprachrohr einzelner, relativiert werden.

Nun zurück zum Thread. Stefan Brönnimann ist hier der erste, welcher auf den skeptischen Eröffnungskommentar reagiert. Stefan Brönnimann erklärt in Kommentar 1a) die Korrekturen der Daten mit dem Hinweis darauf, dass meteorologische Messungen nicht zur Detektierung von Klimatrends erhoben worden seien. Jeder Austausch eines Messgeräts, jede Veränderung an der Station führe zu einer Veränderung in der Reihe. Selbstverständlich müssten diese Veränderungen korrigiert werden, alles andere wäre nicht wissenschaftlich. Anschliessend verweist Stefan Brönnimann auf das Bearkley Earth Surface Temperature-Project (BEST), welches Klima­skeptiker­*innen nahestehe, und in den vergangenen Jahren einen unabhängigen Versuch unternommen habe, die Klimadaten zu homogenisieren. Das Ergebnis sei nahezu identisch mit den Kurven der NOAA/NCDC.

Darauf reagiert *Gaudenz Mischol* in Kommentar 1ai) mit der Floskel „Da mögen sie [sic] ja recht haben, aber […]“, welche nahelegt, dass *Gaudenz Mischol* Stefan Brönnimann wenigstens minimal zustimmt. Ich nehme an, dass es allerdings wirklich nicht mehr ist als eine minimale Zustimmung – denn ich vermute, dass die Floskel gewissermassen die Funktion erfüllt, einen viel grösseren Einwand einzuleiten. Argumentativ ist diese Stelle interessant, da sie einen gewissen Widerspruch birgt. Stefan Brönnimann kontert das klimaskeptische Argument von *Gaudenz Mischol* mit wichtigen Erklärungen und Hinweisen, und erhält zumindest ‚theoretisch‘ dafür die Zustimmung von *Gaudenz Mischol*, dennoch beharrt *Gaudenz Mischol* im weiteren Verlauf seines Kommentars auf seiner ursprünglichen Ansicht; „aber denken sie [sic] wirklich, dass sie [sic] einschätzen können, wie und warum eine Messung aus dem Jahr 1910 korrigiert werden muss?“, beendet *Gaudenz Mischol* seinen floskelhaft eingeleiteten Satz. Komisch an der ganzen Sache, fährt *Gaudenz Mischol* fort, sei die Tatsache, dass die Korrekturen immer in eine Richtung gingen: „nämlich wärmer“. Wenn das, „was sie [sic – *Gaudenz Mischol* spricht hier wohl Brönnimann an] schreiben“ stimmen würde, dann müssten „rein statistisch gesehen“ die Korrekturen in beide Richtungen gehen. Dem sei aber nicht so und deshalb sei dies für ihn suspekt.

Mit Kommentar 1aii) mischt sich nun *Emil Eugster* ein – vermutlich bezugnehmend auf Kommentar 1ai) von *Gaudenz Mischol* direkt oberhalb – und nennt weitere Gründe, die eine Korrektur von Messwerten nahelegten. Allerdings geht *Emil Eugster* dabei nicht auf das Argument von *Gaudenz Mischol*, dass die Korrekturen nicht den ‚statistischen Erwartungen‘ entsprechen würden, ein.

In Kommentar 1aiii) meldet sich *Gaudenz Mischol* erneut, und zwar argumentativ nach demselben Muster wie in Kommentar 1ai): „da haben sie [sic] sicher recht. Die Frage ist nur […]“. Die Frage sei nur, ob solche Metadaten zu Messstationen vorhanden seien, schliesst *Gaudenz Mischol* seine rhetorische Frage ab, die er gleich mit dem Hinweis darauf beantwortet, dass dies in den meisten Fällen nicht der Fall sei. Dadurch sei die Korrektur nicht mehr wissenschaftlich und werde wohl einfach abgeschätzt. Und es sei nicht nur die Höhe oder die Methode der Messstation, auch alles andere, was sich um die Station herum befände, beeinflusse die Messung sehr stark. Abschliessend erwähnt *Gaudenz Mischol* noch einmal, dass die nötigen Metadaten fehlten, und zwar „bis weit ins letzte Jahrhundert hinein“.

Mit Kommentar 1aiv) mischst sich nun *Lea Jacot ein*, vermutlich auf Kommentar 1ai) von *Gaudenz Mischol* bezugnehmend. Ja, das (einschätzen, warum und wie eine Messung aus dem Jahr 1910 korrigiert werden müsse) könne man relativ problemlos. *Gaudenz Mischol* solle mal einen technischen Bericht, zum Beispiel den „NABEL Bericht“, lesen. Dann würde sie weiterdiskutieren. Ihrem Kommentar fügt *Lea Jacot* ein PS an: Es gebe einen beliebten Spruch unter Wissenschaftler*innen: „Wer misst, misst Mist“. Dieser Spruch sei nur allzu wahr und deshalb seien alle Messdaten, mit welchen die Wissenschaftler*innen etwas anfangen könnten, in der Regel prozessiert.

Natürlich könne man dies (einschätzen, warum und wie eine Messung aus dem Jahr 1910 korrigiert werden muss) problemlos, nur ob „es“ dann auch stimme, sei eine „ganz andere Frage“, wendet sich in Kommentar 1av) *Gaudenz Mischol* an *Lea Jacot*. Wie sie eine Messung, welche mehr als hundert Jahre zurückliege, korrigieren wolle, fragt nun *Gaudenz Mischol* erneut und ergänzt: „Wenn sie [sic] Mist messen, haben sie [sic] wohl ihren [sic] Versuch schlecht geplant. In der Medizin würde sie mit solchen Argumenten keine seriösen Studien machen können.

Darauf wendet sich *Lea Jacot* in Kommentar 1avi) erneut an *Gaudenz Mischol* und beginnt mit einer Wiederaufnahme des Stichwortes Medizin. In der Medizin würde mit zehn Fällen Statistik betrieben und überhaupt am meisten „gepfuscht“. Anschliessend kommt *Lea Jacot* auf das Thema Messunsicherheiten zurück und verweist darauf, dass es robuste mathematische Methoden gebe, Unsicherheiten (beispielsweise durch ungenaue Messung, neue Messgeräte) in die Modelle miteinzubeziehen. Im dritten Teil ihres Kommentars bleibt *Lea Jacot* zwar beim Thema der Messunsicherheiten, wechselt aber von einem sachlichen zu einem persönlich-angreifenden Stil, wenn sie schreibt: „Ihr letzter Satz lässt darauf schliessen, dass sie [sic] nicht die geringste Ahnung von der Materie haben. messunsicherheiten [sic] gibt es IMMER (ausser die Studie ist unseriös, wie eben oft in der Medizin)“ (Grossbuchstaben im Original).

Darunter befindet sich auf Ebene 2 Kommentar 1b), welcher ebenfalls von *Lea Jacot* stammt und welcher sich theoretisch auf den Ausgangskommentar 1) von *Gaudenz Mischol* beziehen muss – ob er dies wirklich tut, ist nicht ganz klar, dazu ist die Bezugnahme von *Lea Jacot* zu unpräzis. *Lea Jacot* beginnt diesen Kommentar 1b) mit der Feststellung, dass die mit „Sie“ angesprochene Person (vermutlich *Gaudenz Mischol*) anscheinend keine Ahnung von Wissenschaft habe. „Erstens“, hält *Lea Jacot* fest – wobei ein „zweitens“ im weiteren Verlauf des Kommentars fehlt – seien Rohdaten meistens nicht aussagekräftig. Diese müssten (erst) mit geeigneten mathematischen Methoden prozessiert werden. In der Medizin sei das genauso der Fall, wie sie anschliessend am Beispiel von Ultraschall erläutert. Ultraschall sei kein Bild als solches, sondern werde vom Computer anhand verschiedener Messdaten erzeugt. *Lea Jacot* empfiehlt der angesprochenen Person, „mal ein paar Messstationen zu besuchen und sich das mal erklären zu lassen“. „Übrigens“, schliesst sie ihren Kommentar, am meisten prozessiert und an den Daten gespielt werde bei medizinischen Studien.

In Kommentar 1c), welcher sich direkt unterhalb Kommentar 1b) befindet, ergreift wiederum *Gaudenz Mischol* das Wort und wendet sich – anders als die Position auf Ebene 2 nahelegen würde – nicht an sich selbst respektive den eigenen Threaderöffnungskommentar, sondern an *Lea Jacot*, wie er durch ein “@Jacot“ kommentareingangs deutlich macht. Bei diesem Kommentar 1c) ist nicht klar, ob er sich auf Kommentar 1avi) oder auf Kommentar 1b) – beide stammen von *Lea Jacot* – bezieht respektive ob sich der Autor darüber selbst im Klaren war. Möglicherweise bezieht sich der Kommentar von *Gaudenz Mischol* auch auf beide Kommentare (Stichwort seriös deutet auf einen Bezug auf Kommentar 1avi) hin und Stichwort prozessiert auf einen Bezug auf Kommentar 1b)). *Gaudenz Mischol* schreibt also „so, so und in der Klimawissenschaft sind die Studien also alle seriös?“ und gleich darunter stellt er *Lea Jacot* als „studierte Klimawissenschaftlerin der ETH“ eine Frage, welche ihn „brennend“ interessiere und die sie ihm „sicher kompetent“ beantworten könne. Nach dem bereits erfolgten Gesprächsverlauf muss man davon ausgehen, dass seine ‚ehrenvolle‘ Anrede eher ironisch denn ernst gemeint ist. Interessant an dieser Stelle ist, dass *Gaudenz Mischol* offenbar mehr weiss (oder mehr zu wissen glaubt) über *Lea Jacot*, als dass der konkrete Textzusammenhang (aktuelles Forum) preisgibt. Eine entsprechende Google-Suche zeigt, dass es in der Tat eine *Lea Jacot* gibt, die gemäss eigenen Angaben auf ihrem LinkedIn-Profil an der ETH studiert hat, zwar nicht „Klimawissenschaften“, jedoch „Umweltnaturwissenschaften“. Es ist gut möglich, dass sich auch *Gaudenz Mischol* – der selber möglicherweise Tierarzt ist, was zumindest eine Google-Suche nahelegt und mit dem mehrfachen Verweisen auf medizinische Studien zusammenpassen würde – mittels einer Suchmaschinensuche über *Lea Jacot* informiert hat. Um auf den Kommentar 1c) von *Gaudenz Mischol* zurückzukommen: Er fragt also *Lea Jacot*, weshalb die Temperaturkurven der NASA alle paar Jahre aufs Neue verändert würden (und er kommt damit auf das Thema in seinem Threaderöffnungskommentar zurück). Dies werde so in keiner anderen Wissenschaft gemacht. Die Folge der Veränderungen sei auch klar: Die Vergangenheit werde jeweils kälter, die Gegenwart wärmer. „Ein Schelm, wer sich dabei Böses denkt“ schliesst *Gaudenz Mischol*.

In Kommentar 1ci) beantwortet *Lea Jacot* diese Fragen, indem sie erklärt, dass Rohdaten selbst nie verändert würden, dass aber je nach Fragestellung verschiedene Modelle benützt würden. In jeder Studie sei die Entstehung und Prozessierung der Daten „sauber“ nachvollziehbar.

In allen drei Substrängen hat *Lea Jacot* das letzte Wort.

Einen Überblick über die Kommentare des soeben besprochenen Threads gibt Tabelle 21.      

Tabelle 21: Thread mit einem Kommentar von Stefan Brönnimann zum Artikel „Die ‚Klimapause‘ ist zu Ende“.

1.      Gaudenz Mischol
Es gibt wohl kaum eine andere Wissenschaft, in der gemessene Daten nachträglich geändert werden. Nur in der Klimawissenschaft ist dies gang und gäbe. So wurden dieses Jahr die Daten durch die NDCC wieder einmal „bearbeitet“, so dass die Pause entfernt werden konnte. Das ganze scheint mir allerdings sehr suspekt. Man stelle sich vor, medizinische Daten werden nachträglich geändert, damit man das gewünschte Resultat erhält. Dies ist ein NO GO und ist es auch in jeder seriösen Wissenschaft. Der Glaube an die Oberlflächentemperaturkurven habe ich deshalb verloren. Die Satellitenmessungen zeigen alle kein Ende der Pause.
Empfehlen (25)
a.      Stefan Brönnimann
Meteorologische Messungen wurden nicht zur Detektierung von Klimatrends erhoben. Jeder Austausch eines Messgeräts, jede Veränderung an der Station führt zu einer Veränderung in der Reihe. Selbstverständlich müssen diese Veränderungen korrigiert werden, alles andere wäre nicht wissenschaftlich. In den letzten Jahren hat das Berkeley Earth Surface Temperature-Projekt („BEST“), das Klimaskeptikern nahe steht, einen unabhängigen Versuch unternommen, die Klimadaten zu homogenisieren. Das Ergebnis ist nahezu identisch mit den Kurven der NOAA/NCDC.
Empfehlen (18)
                                                i.     Gaudenz Mischol
Da mögen sie ja recht haben, aber denken sie wirklich, dass sie einschätzen können wie und warum eine Messung aus dem Jahre 1910 korrigiert werden muss? Komisch ist an der ganzen Sache die Tatsache, dass die Korrekturen immer in eine Richtung gehen, nämlich wärmer. Wenn das was sie schreiben stimmen würde, dann müsste rein statistisch gesehen die Korrekturen in beide Richtungen gehen. Dem ist aber nicht so und deshalb ist dies für mich suspekt.
Empfehlen (8)
                                              ii.     Emil Eugster
Wenn der Wissenschaftler 1910 von seinem Thermometer 15.5°C abgelesen hat und so notiert und heute mit genaueren Messgeräten das damals verwendete Thermometer kontrolliert wurde und dabei festgestellt, dass es nicht ganz stimmt und 15.5°C tatsächlich 15.1°C sind, oder dass die Messstation nur 1,5m über dem Boden war statt 2m, dann müssen die Werte korrigiert werden.
Empfehlen (8)
                                             iii.     Gaudenz Mischol
@Eugster
da haben sie sicher recht. Die Frage ist nur, sind solche Metadaten zu Messstationen vorhanden? In den meisten Fällen eben nicht und dadurch ist die Korrektur nicht mehr wissenschaftlich, sondern wird wohl einfach abgeschätzt. Und es ist nicht nur die Höhe oder die Methode der Messstation. Auch alles, was sich um die Station herum befindet, beeinflusst die Messung sehr stark. Wie gesagt, die nötigen Metadaten fehlen bis weit ins letzte Jahrhundert hinein.
Empfehlen (3)
                                             iv.     Lea Jacot
@ Mischol ja das kann man relativ problemlos. Lesen sie mal einen technischen Bericht (zum Beispiel den NABEL Bericht). Dann können wir weiter diskutieren. PS: Es gibt einen beliebten Spruch unter wissenschaftlern „Wer misst, misst Mist“. Der ist nur allzu wahr und deshalb sind alle Messdaten, mit welchen sie was anfangen können i.d.R. prozessiert.
Empfehlen (4)
                                               v.     Gaudenz Mischol
@Jacot
natürlich kann man dies problemlos, nur ob es dann auch stimmt, ist eine ganz andere Frage. Wie wollen sie eine Messung, die mehr als Hundert Jahre zurück liegt, korrigieren? Wenn sie Mist messen, haben sie wohl ihren Versuch schlecht geplant. In der Medizin können sie mit solchen Argumenten keine seriöse Studie machen.
Empfehlen (1)
                                             vi.     Lea Jacot
@ Mischol Also entschuldigen sie mal, in der Medizin wird mit 10 Fällen „Statistik“ betrieben. gerade in der Medizin wird bei Studien am meisten gepfuscht. Zum Thema Thermometer etc. es gibt robuste mathematische Methoden Unsicherheiten (durch ungenaue Messung, neue Messgeräte, etc.) in Modelle miteinzubeziehen. Ihr letzter Satz lässt darauf schliessen, dass sie nicht die geringste Ahnung von der Materie haben. messunsicherheiten gibt es IMMER (ausser die Studie ist unseriös, wie eben oft in der Medizin).
Empfehlen (5)
b.      Lea Jacot
Sie haben keine Ahnung von Wissenschaft wie es scheint. Erstens: Rohdaten sind meist nicht aussagekräftig. Sie müssen mit geeigneten mathematischen Methoden prozessiert werden. In der Medizin geht das genau gleich. Diese „Bilder“ die man oft sieht zum beispiel beim Ultraschall sind keine Rohdaten, sondern von einem komplexen System prozessierte Daten. Es ist also kein Bild als solches sondern wird vom PC anhand verschiedener Messdaten erzeugt. ich empfehle ihnen mal ein paar Messstationen zu besuchen und sich das mal erklären zu lassen. Übrigens: Am meisten prozessiert und an den Daten gespielt wird bei medizinischen Studien….
Empfehlen (9)
c.      Gaudenz Mischol
@Jacot
so, so und in der Klimawissenschaft sind die Studien also alle seriös?
Ich stelle ihnen, als studierte Klimawissenschaftlerin der ETH nun eine Frage, die mich brennend interessiert und die sie mir sicher kompetent beantworten können: warum sind die Temperaturkurven der NASA alle paar Jahre wieder anders, will heissen, die Daten wurden schon mehrmals prozessiert aber damit ist nicht genug, nein, sie werden immer wieder aus Neue verändert? Das wird so in keiner anderen Wissenschaft gemacht. Was soll hier der Grund sein? Die Folge davon ist auch klar: die Vergangenheit wird jeweils kälter, die Gegenwart wärmer. Ein Schelm wer sich dabei Böses denkt…
Empfehlen (4)
                                                i.     Lea Jacot
Rohdaten werde NIE geändert! Aber je nach Fragestellung (will ich kurzfristige Trends wie einen El Nino suchen oder Längerfristige trends) benutzt man verschiedene Modelle. Will ich kurzfristige Trends, brauche ich Tageszyklen, bei längerfristigen Sachen reicht ein Mittelwert. Temperaturen wurden nie verändert, aber je nachdem ob sie einen 10 Minuten Wert, einen Sekundenwert oder einen Tageswert messen unterscheiden sich natürlich die Messwerte. Es kommt auch darauf an, ob ich Mittelwerte bilde oder nicht. In jeder Studie ist aber immer sauber nachvollziehbar, wie die Werte entstanden sind und wie prozessiert. Also nichts da von Betrug!
Empfehlen (1)
Fazit

Abschliessend ist festzuhalten, dass in allen drei hier betrachteten Threads alle Diskussionsstränge mit einem Statement aus klimabewegter Perspektive enden. Das Diskussionsniveau in den drei Threads, die jeweils aus 9 respektive 11 Kommentaren bestehen, kann allgemein als relativ hoch eingestuft werden. Diese Einschätzung ist darin begründet, dass sich die Kommentare in nachvollziehbarer Weise aufeinander beziehen, dass argumentiert wird und die Diskussion mehrheitlich sachlich abläuft. Dabei wäre es aber voreilig, das vergleichsweise hohe Diskussionsniveau auf die Beteiligung des Klimatologen zurückzuführen. Eine Schwierigkeit scheint zu sein, dass trotz der Anwesenheit des Klimatologen im Forum skeptische Argumente teilweise nicht oder nicht genügend konkret – sondern nur mittels eines Verweises auf den IPCC – dekonstruiert werden.

Es ist festzuhalten, dass in allen drei Fällen die ‚strittige These‘ nicht gelöst wird und auch keine eigentliche Annäherung der jeweiligen Fronten stattfindet. Daran ändern auch die minimalen Zustimmungen von *Gaudenz Mischol* im untersten der drei Threads nichts.

 

6.3.2.1.2 Kurze Zusammenfassung des Artikels

Der Artikel „Die ‚Klimapause‘ ist zu Ende“ von Martin Läubli bespricht die viel diskutierte Stagnation der Erwärmung (die bei Klimaskeptiker*innen für erwärmungsskeptische Argumente gesorgt hat, mehr dazu in Kapitel 2.2.1.3 Erwärmungsskepsis: Skepsis gegenüber der Feststellung, dass sich das Klima erwärmt) im Zusammenhang mit natürlichen Schwankungen und knüpft dabei an der aktuellen Wettersituation – rekordbrechend warme Temperaturen Anfang November 2015 – an.

Einzelne Wetterereignisse würden zwar noch keine Klimaveränderung machen. Läubli erklärt jedoch, wie episodisch vorkommende Wetterereignisse bei häufigem Auftreten die Klimastatistiken beeinflus­sen würden. Und hier sei der Trend eindeutig: Seit Mitte der 80er Jahre seien in der Schweiz die Herbstmonate deutlich wärmer geworden. Im weiteren Verlauf des Artikels geht der Wissenschafts­journalist auf natürliche „Störfaktoren“ wie „Sonneneinstrahlung, Vulkanausbrüche und Schwankun­gen der Strömungen in Atmosphäre und Ozean“ ein, welche den Erwärmungstrend kaschiert hätten. Ausserdem habe das Klimaphänomen El Niño, welches alle drei bis fünf Jahre die atmosphärische Zirkulation durcheinanderbringe, einen starken Einfluss auf die globale Temperatur. Läubli verweist auf den deutschen Klimaforscher Stefan Rahmstorf und „ein internationales Team“, welche die Temperaturkurve der letzten 30 Jahre von den „natürlichen ‚Störfaktoren‘“ bereinigt hätten. Mit diesen Analysen hätten die Klimaforscher*innen zeigen können, dass die Erwärmung kontinuierlich weitergehe „innerhalb der Bandbreite verschiedener Computermodelle, die der Weltklimarat IPCC veröffentlicht“ habe.

Abschliessend kommt Läubli auf die neuen Klimarekorde zurück. Nachdem das Jahr 2014 bereits ein Rekordjahr gewesen sei, würde „dieses“ Jahr mit grosser Wahrscheinlichkeit global wieder ein Wärmerekord aufgestellt. Und dieser könnte im 2016 noch einmal gebrochen werden, da sich der – in diesem Fall extrem starke – El Niño, welcher sich ab Juli und August 2015 aufgebaut habe, nur mit einer Verzögerung von vier bis fünf Monaten auf die globale Temperatur auswirke.

 

6.3.2.1.3 Beziehungen zwischen Artikel und Kommentaren

Im untersten Thread (Tabelle 21) geht der Klimaskeptiker *Gaudenz Mischol* auf die Klimapause und damit zusammenhängende Forschung ein. Er ist damit thematisch sehr nah am Artikelinhalt, doch interessanterweise gehen weder er noch seine Diskussionspartner*innen auf genau die von Läubli gegebene, sehr plausible Erklärung der Klimapause und damit zusammenhängende Analysen (welche die Temperaturkurve um natürliche Störfaktoren bereinigten) ein. Zwar werden im Forum andere Gründe für Anpassungen an Messreihen etc. genannt, doch die Erklärung von Läubli bezüglich natürlicher Störfaktoren, welche meines Erachtens eine nahezu perfekte Antwort auf *Gaudenz Mischols* Threaderöffnungskommentar geboten hätte, wird nicht aufgenommen. Die inhaltliche Nähe des untersten Threads zum Artikel ist möglicherweise Zufall.

Daraus kann man schliessen, dass einige – im aktuellen Fall besonders aktive – Poster*innen den Artikelinhalt selbst nicht oder nur sehr kursorisch zur Kenntnis nehmen und sich direkt aufs Artikelforum stürzen.

 

6.3.2.2 „‚Klima-Irrsinn beenden‘“

Die zweite Gelegenheit zur Einschaltung in ein Forum des Tages-Anzeigers ergab sich mit dem am 2. Dezember 2015 publizierten Artikel „‚Klima-Irrsinn beenden‘“ von Martin Kilian.

 

6.3.2.2.1 Analyse der Kommentare

Im Forum sind insgesamt 23 Kommentare entstanden. Gian-Kasper Plattner hat einen Kommentar veröffentlicht und sich dabei nicht als Klimatologe ‚geoutet‘.

Der Thread, in welchem Gian-Kasper Plattner seinen Kommentar veröffentlicht hat, ist sehr einfach aufgebaut und besteht aus insgesamt fünf Kommentaren. Eröffnet wird der Thread durch einen klimaskeptischen Kommentar, der an den Artikelinhalt anknüpft. Dieser Kommentar dürfte der zuallererst veröffentlichte Kommentar des Forums überhaupt sein. Danach folgen vier Kommentare auf Ebene 2, darunter derjenige von Gian-Kasper Plattner, und alle vier Kommentare beziehen sich auf den klimaskeptischen Eröffnungskommentar. Diese vier Kommentare stammen allesamt von klima­bewegten Kommentator*innen und beziehen auf ihre je eigene Art und Weise Stellung zum klimaskeptischen Eröffnungskommentar. Da weder der Verfasser des Ausgangskommentars noch andere Klimaskeptiker*innen auf diese klimabewegten Antworten eingehen, entwickelt sich keine eigentliche Diskussion.

*Hans Zaber* eröffnet diesen Thread, indem er überlegt, dass, wenn „es [die Auswanderung der Marshalles*innen]“ schon 1979 begonnen habe, wohl nichts mit der „Klimahysterie“ zu tun habe, denn damals habe man noch an Abkühlung und Atomwinter geglaubt. Es habe wohl eher mit der „Sogwirkung des American Dream“ zu tun. Er denke, jeder dorthin Ausgewanderte habe ein Auto, einen Kühlschrank und eine Klimaanlage, das Klima selbst sei ihm egal. *Hans Zaber* schliesst seinen Kommentar indem er – den Artikelautor attackierend – konstatiert: „Aber Hauptsache, es gab wieder eine Folge von Kilians Märchenstunde.“

*Geert Bernaerts* antwortet in Kommentar 1a) ironisch: „Die Welt ist eine Scheibe, wirklich. Bis zum bitteren Ende…“

*Maja Müller* verteidigt in Kommentar 1b) den angegriffenen Artikelautor, indem sie erklärt, dass Auswanderung früher insbesondere aus wirtschaftlichen Gründen stattgefunden habe. Auswanderung wegen der Gefahr des steigenden Meeresspiegels finde in jüngster Zeit statt. Das stehe alles im Text. Die Klimaänderung sei vieles, aber sie sei „kein Märchen“.

Mit Kommentar 1c) schaltet sich Gian-Kasper Plattner ein. Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass der mittlere globale Meeresspiegel von 1901 bis 2010 um circa 20 cm angestiegen sei (was nachzulesen sei in IPCC 2013). Der Anstieg sei hauptsächlich auf die Erwärmung des Meereswassers und das Abschmelzen von Gletschern zurückzuführen. Der Anstieg habe sich in den letzten Jahrzehnten beschleunigt. Damit verbunden habe seit den 1970er Jahren auch die Häufigkeit und das Ausmass von extremen Meeresspiegelhochständen zugenommen. Die optimistischsten Projektionen der zukünftigen Entwicklung des Meeresspiegels gingen von einem Anstieg um mindesten weitere 30 cm bis Ende des Jahrhunderts aus, ein deutlich grösserer Anstieg könne aber nicht ausgeschlossen werden. Das Territorium des Inselstaates liege im Mittel knapp zwei Meter über dem Meeresspiegel.

*adam hager* liefert mit Kommentar 1d) den letzten Beitrag und setzt dabei auf Ironie: „Die Mondlandung war nur ein fake [sic] und 9/11 war von Bush geplant und Kennedy wurde von der CIA erschossen.“ Zum Glück gebe es Menschen wie ihn (*Hans Zaber*), die immer alles besser wüssten und richtig stellten. Mit diesem Kommentar unterstellt *adam hager* *Hans Zaber* gewissermassen, ein Verschwörungstheoretiker zu sein. Meines Erachtens lässt allerdings der Kommentar von *Hans Zaber* nicht den Schluss zu, dass dieser Verschwörungstheorien nahe steht. Wie sich im weiteren Verlauf der Analyse zeigen wird, spielen jedoch Verschwörungstheorien immer wieder eine Rolle, insbesondere im Umfeld des Kommentators *Eugen Bissegger*, welcher sowohl in den Pilotanalysedaten als auch in den Versuchsdaten des Tages-Anzeigers auftritt; aber auch im Forum der NZZ finden sich Verweise auf entsprechende Webseiten. Bei Berücksichtigung des weiteren Kontextes ist also *adam hagers* Unterstellung immerhin nachvollziehbar.

Tabelle 22: Thread mit einem Kommentar von Gian-Kasper Plattner zum Artikel „‚Klima-Irrsinn beenden‘“.

1.      Hans Zaber
Gut, wenn es schon 1979 begann, dann hatte es wohl nichts mit der Klimahysterie zu tun, denn damals glaubte man noch an Abkühlung und Atomwinter. Hat wohl eher mit der Sogwirkung des American Dream zu tun. Denke, jeder dorthin Ausgewanderte hat Auto, Kühlschrank und Klimaanlage, Klima selbst ist ihm egal. Aber Hauptsache, es gab wieder eine Folge von Kilians Märchenstunde.
Empfehlen (60)
a.      Geert Bernaerts
Die Welt ist eine Scheibe, wirklich. Bis zum bitteren Ende…
Empfehlen (22)
b.      Maja Müller
1979 kam der erste Marshallese nach Springdale, „…als John Moody auf der Suche nach Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten in Springdale eintraf.“ Also verliess er die Inseln aus wirtschaftlichen Gründen. Auswanderung wegen der Gefahr des steigenden Meeresspiegels findet in jüngster Zeit statt. Steht alles im Text.
Die Klimaerwärmung ist vieles, aber sie ist KEIN Märchen.
Empfehlen (23)
c.      Gian-Kasper Plattner
Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass der mittlere globale Meerespiegel von 1901 bis 2010 um ca. 20 cm angestiegen ist (nachzulesen z.B. in IPCC, 2013). Der Anstieg ist hauptsächlich auf die Erwärmung des Meerwassers und das Abschmelzen von Gletschern weltweit zurückzuführen. Der Anstieg hat sich in den letzten Jahrzehnten beschleunigt. Damit verbunden hat seit den 197oer Jarhen auch die Häufigkeit und das Ausmass von extremen Meeresspiegelhochständen zugenommen. Die optimistischsten Projektionen der zukünftigen Entwicklung des Meeresspiegel gehen von einem Anstieg um mindestens weitere 30 cm bis Ende des Jahrhunderts aus, ein deutlich grösserer Anstieg aber nicht ausgeschlossen werden. Das Territorium des Inselstaates liegt im Mittel knapp 2 Meter über dem Meeresspiegel…Empfehlen (15)
d.      adam hager
Die Mondlandung war nur ein fake und 9/11 war von Bush geplant und Kennedy wurde von der CIA erschossen.. zum Glück gibts immer Leute wie sie die alles besser wissen und richtig stellen..
Empfehlen (13)

 

6.3.2.2.2 Kurze Zusammenfassung des Artikels

Martin Kilian erklärt in seinem Artikel „‚Klima-Irrsinn beenden‘“, dass die Bewohner*innen der Marshallinseln, neuerdings wegen des Klimawandels nach Springdale im ländlichen Nordwesten des US-Staates Arkansas ziehen würden. Früher seien sie wegen besserer Bildungschancen, wegen der Arbeitsmöglichkeiten und der Gesundheitsversorgung gekommen. Mittlerweile zögen die Marshalles­*innen jedoch auch wegen des steigenden Meeresspiegels nach Springdale.

Die Inselbewohner*innen befürchteten, so Kilian, dass ihre knapp zwei Meter über dem Meer liegenden Inseln wegen des steigenden Meeresspiegels infolge des Klimawandels bald nicht mehr bewohnbar sein könnten. Erst im August seien die 600 Bewohner*innen der kleinen Insel Kili wegen Überflutungen zeitweilig völlig von der Aussenwelt abgeschnitten gewesen.

 

6.3.2.2.3 Beziehungen zwischen Artikel und Kommentaren

Der Klimaskeptiker *Hans Zaber* wirft in seinem Threaderöffnungskommentar dem Artikelautor vor, dass er ‚Märchen‘ erzählen würde, wenn er behaupte, dass die Bewohner*innen der Marshallinseln wegen des Klimawandels nach Arkansas ziehen würden. Viel eher würden diese wegen der „Sogwirkung des American Dream“ die Inseln verlassen.

Damit zeigt sich, dass *Hans Zaber* den Artikel von Kilian nicht im Detail gelesen hat, denn Kilian macht deutlich, dass die Bewohner*innen längere Zeit gerade nicht wegen des Klimawandels, sondern wegen besserer Bildungschancen etc. weggezogen seien. Allerdings wird *Hans Zaber* von der Klimabewegten *Maja Müller* darauf hingewiesen, dass er mit seinem Vorwurf falsch liege.

 

6.3.2.3 „10 Fragen in der heissen Phase des Klimagipfels“

Eine dritte Gelegenheit zur Einschaltung in ein Forum des Tages-Anzeigers ergab sich mit dem am 10. Dezember 2015 publizierten Artikel „10 Fragen in der heissen Phase des Klimagipfels“, welcher auf ein Interview von Sandro Benini mit Martin Läubli aufbaut. Martin Läubli weilt gerade an der Klimakonferenz in Paris.

 

6.3.2.3.1 Analyse der Kommentare

Im Artikelforum sind insgesamt 50 Kommentare gepostet worden; unter den 50 Kommentaren befindet sich ein Kommentar von Gian-Kasper Plattner, welcher sich hier (noch) nicht als Klimawissenschaftler ‚outet‘.

Der Eröffnungskommentar des Threads, worin sich Gian-Kasper Plattner zu Wort meldet, kommt auch hier von einem Klimaskeptiker und rückt Argumente ins Zentrum, die auf mich bizarr wirken. *Maciej Pietrzak* beginnt seinen Threaderöffnungskommentar mit dem Hinweis darauf, dass die Diskussionen über 2 oder 3 °C an die Diskussionen im Mittelalter über die Zahl der Teufel, die Platz auf einer Nadelspitze finden, erinnerten. Tatsache sei, dass wir jetzt in einer Eiszeit lebten und wir zu wenig CO2 hätten. In einem Gewächshaus gebe es 600ppm, was optimal sei für Pflanzen und Tiere inklusive Menschen. Der Kommentar von *Maciej Pietrzak* zeigt, dass Kommentierende unter Umständen ein relativ komplexes ‚Weltsystem‘ entwickeln, das (vermutlich) innerhalb ihres ‚Universums‘ auch Sinn ergibt und dabei aber für Aussenstehende nur schwer zugänglich ist. Immerhin verweist *Maciej Pietrzak* aus überlegener Perspektive auf „Diskussionen“ „im Mittelalter“, stellt die aktuelle Eisdecke an den Polen in ein Verhältnis mit der „Erdgeschichte“ und er meint, die optimalen CO2-Konzentrationen nicht nur für Pflanzen, sondern auch für Tiere einschliesslich Menschen zu kennen. Gleichzeitig scheint der Kommentierende *Maciej Pietrzak* aber nicht in der Lage, auszumachen, dass es bei Diskussionen über Klimawandel und CO2 nicht um allfällige optimale CO2-Konzentrationen für z. B. Pflanzenwachstum oder die Atemluft von Menschen geht, sondern darum, dass CO2 ein Treibhausgas ist und die eigentlichen Probleme erst mit der Erwärmung, welche zu einem grossen Teil CO2-verursacht ist, entstehen.

Der Thread enthält neben dem Eröffnungskommentar fünf weitere Kommentare, darunter einen von *Maciej Pietrzak* selbst. Die anderen Kommentierenden gehen jeweils auf die bizarren skeptischen Argumente von *Maciej Pietrzak* im Eröffnungskommentar und einem Follow-up-Kommentar ein.

In Kommentar 1a) fragt *Srdjan Matejic*: „Und was würden die 600ppm für den Menschen bedeuten?“

In Kommentar 1b) erklärt Gian-Kasper Plattner, was die „wissenschaftlichen und für die Menschheit wohl relevanteren Tatsachen“ sind: Dass wir uns, bezogen auf die letzte 1’000’000 Jahre, in einer ungewohnt stabilen Warmzeit befänden und dass der CO2-Gehalt in der Atmosphäre in der letzten 1’000’000 Jahre nie auch nur annähernd in die Nähe des heutigen Wertes von circa 400ppm gekommen sei und dies somit aussergewöhnlich sei. Während der letzten Eiszeit, vor 21’000 Jahren, seien grosse Teile der heutigen Schweiz komplett mit kilometer-dickem Eis bedeckt gewesen.

In Kommentar 1c) meldet sich *Maciej Pietrzak* erneut und versucht anscheinend, die Frage von *Srdjan Matejic* in Kommentar 1a) zu beantworten. Das würde bedeuten, dass Gärtner*innen ihre Pflanzen nicht mehr mit CO2 versorgen müssten – denn „die Pflanzen“ würden an einem CO2-Mangel leiden. Allerdings ist *Maciej Pietrzaks* Antwort logisch unbefriedigend, da er Menschen auf Gärtner*innen engführt. Anschliessend wechselt *Maciej Pietrzak* das Thema und bemerkt, dass sich das Klima schon immer verändert habe und sich auch in Zukunft verändern werde „auch mit IPCC die modernen Priestern [sic]“.

*Fadri Truog* steigt mit seinem Kommentar 1ci) gewissermassen in das ‚Universum‘ von *Maciej Pietrzak* ein und bezieht dabei gleichzeitig als Klimabewegter Position, wenn er schreibt, dass es für die Fotosynthese aber auch noch Wasser bräuchte, was bei Hitzeperioden, Dürren und Starkregenfällen zum Problem werden könnte.

In Kommentar 1cii) meldet sich mit *max bruppacher* eine weitere klimabewegte Stimme. *max bruppacher* beklagt sich über das falsche „ewiggestrige“ Argument von *Maciej Pietrzak* in Kommentar 1c) (und dürfte sich damit auf das Argument, Klimawandel habe es schon immer gegeben, beziehen). Ob er (*Maciej Pietrzak*) nicht im 20. Jahrhundert ankommen und Dinge diskutieren wolle, welche nicht bereits seit den 1980er-Jahre widerlegt seien?

Allerdings gibt es (auch hier) keine sichtbare Reaktion auf den Beitrag von Gian-Kasper Plattner, welche über das Empfehlen hinausgeht. Dies ist hier bemerkenswert, denn *Maciej Pietrzak*, auf dessen Threaderöffnungskommentar sich Gian-Kasper Plattner bezieht, meldet sich in Kommentar 1c) erneut und müsste den Beitrag von Gian-Kasper Plattner gesehen haben: Denn dieser ist gemäss Backend-Daten fast 8 Stunden früher entstanden.

 

Tabelle 23: Thread mit einem Kommentar von Gian-Kasper Plattner zum Artikel „10 Fragen in der heissen Phase des Klimagipfels“.

1.      Maciej Pietrzak
Die Diskussionen über 2°C oder 3°C erinnern an die Diskussionen im Mittelalter über die Zahl der Teufel die den Platz auf der Spitze einer Nadel finden. Die Tatsachen sind dass wir jetzt in einer Eiszeit leben, es gibt die Eiskappen an die Erdpolen, sehr selten in der Erdgeschichte, und wir zu wenig CO2 haben. In einem Gewächshaus gibt es 600 ppm, optimal für Pflanzen und Tiere (Menschen inbegriffen)Empfehlen (9)
a.      Srdjan Matejic
Und was würden die 600ppm für den Menschen bedeuten?
Empfehlen (5)
b.      Gian-Kasper Plattner
Die wissenschaftlichen und für die Menschheit wohl relevanteren Tatsachen sind, dass wir uns bezogen auf die letzte 1’000’000 Jahre in einer ungewohnt stabilen Warmzeit befinden und dass der CO2 Wert in der Atmosphäre in der letzten 1’000’000 Jahre nie auch nur annähernd in der Nähe des heutigen Wertes von ca. 400ppm kam und somit aussergwöhnlich ist. Während der letzten Eiszeit, vor 21’000 Jahren, waren grosse Teile der heutigen Schweiz komplett mit kilometer-dickem Eis bedeckt.
Empfehlen (6)
c.      Maciej Pietrzak
@Srdjan Matejic Das würde bedeuten dass die Gärtner ihr Pflanzen nicht mehr mit dem CO2 versorgen müssen. Die Pflanzen auf der Erde leiden wegen CO2 Mangel, ausser Gräser die ein Antwort auf CO2 Mangel (mit der verbesserter CO2 Assimilation, C4 Pflanzen) sind. Das Klima hat sich auf Erde immer verändert, manchmal dramatisch und wird sich ändern auch mit IPCC die modernen Priestern.
Empfehlen (0)
                                                i.     Fadri Truog
Für die Photosynthese braucht es aber noch Wasser! Und bei Hitzeperioden, Dürren und Starkregenfällen könnte das schwierig werden, nicht wahr?!
Empfehlen (5)
                                              ii.     max bruppbacher
wiedermal eines der immer gleichen ewiggestrigen falschen argumenten. wollen sie nicht mal im 20jahrhundet ankommen und dinge diskutieren welche nicht schin seit den 80ern wiederlegt sind?
Empfehlen (6)

 

6.3.2.3.2 Kurze Zusammenfassung des Artikels

Der Artikel besteht aus 10 Fragen von Sandro Benini und den dazugehörigen Antworten Martin Läublis. Es ist Donnerstag, der 10. November 2015. Zwei Tage später wird von der Versammlung – nach einer eintägigen Verlängerung – ein Klimaabkommen beschlossen, welches die Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter 2 °C, möglichst 1.5 °C, im Vergleich zum vorindustriellen Niveau vorsieht.

Im Folgenden soll nur auf diejenigen Interviewfragen respektive -antworten eingegangen werden, welche hier konkrete Relevanz haben. Das sind die Fragen zwei – dort kommt Läubli auf das 2-Grad-Ziel zu sprechen – und neun – worin nach der Rolle der Klimaskeptiker*innen bei der Konferenz gefragt wird.

In der zweiten Interviewfrage bezieht sich Benini auf den Hinweis Läublis in Antwort eins, dass man sich über mehrere entscheidende Punkte noch nicht habe einigen können und fragt: „Welches sind diese Punkte?“ Martin Läubli antwortet darauf, dass über Erfolg und Misserfolg der Pariser Konferenz letztlich drei Punkte entscheiden würden. Am Ende seiner Aufzählung dieser Punkte erklärt Läubli, dass drittens noch keine Einigung darüber bestehe, ab wann und in welchem Rhythmus die freiwilligen Klimaverpflichtungen der 180 Länder überprüft würden. Ohne ein solches Prüfsystem könne man auch die Zugeständnisse nicht erhöhen. Diese seien aber „bitter“ nötig, weil sich die Erde weit über 2 Grad erwärmen werde, wenn wir in Zukunft nicht viel mehr unternehmen würden, als bisher versprochen worden sei.

Weiter unten (Frage neun) möchte Benini wissen, ob sich in Paris auch „die sogenannten Klimaskeptiker“ zu Wort melden würden. Darauf antwortet Läubli verneinend, Klimaskeptiker*innen würden bei politischen Verhandlungen ohnehin kaum auftreten, sondern sie würden versuchen, ihre Botschaft medial zu verbreiten. Und wissenschaftlich betrachtet würde es für Klimaskeptiker*innen immer schwieriger, noch ernst zu nehmende Argumente vorzubringen.

 

6.3.2.3.3 Beziehungen zwischen Artikel und Kommentaren

Im besprochenen Thread beginnt *Maciej Pietrzak* seinen Eröffnungskommentar mit der Erwähnung der „Diskussionen über 2°C [sic] oder 3°C [sic]“. Damit dürfte er auf Läublis Aussage, die Erde würde sich ohne zusätzliche Massnahmen „weit über 2 Grad“ erwärmen, Bezug nehmen. Allerdings geht es dann im weiteren Verlauf des Eröffnungskommentars um andere Argumente und auch die anderen Kommentierenden kommen im besprochenen Thread nicht auf das 2-Grad-Ziel zurück.

Da im Artikel selbst die Klimaskeptiker*innen erwähnt werden, welche ihre Botschaften vornehmlich medial verbreiten würden, habe ich (punktuell) überprüft, welche Rolle Klimaskeptiker*innen im Artikelforum einnehmen. Dabei zeigt sich, dass klimaskeptische Stimmen zwar vorhanden sind, aber von den anderen Kommentierenden im Zaum gehalten werden: So erhält der klimaskeptische Beitrag von *Hans Reuter* (Threaderöffnungskommentar) bemerkenswerte acht Antworten von sieben allesamt klimabewegten Kommentator*innen (Tabelle 24).

Tabelle 24: Klimaskeptiker *Hans Reuter* erhält acht klimabewegte Antworten.

1.      Hans Reuter
Hier wird eine Zahl von 2 Grad als Apokalypse hingestellt obwohl es bei der mittelalterlichen Warmzeit deutlich wärmer war. Es gibt seit jetzt fast 19 Jahren keine Erwärmung. Und selbst wenn es eine Erwärmung gäbe, das Klima wandelt sich immer, wäre dies noch kein Beweis, dass dies vom Menschen verursacht wurde. Verschiebungen der Erdachse und solare Einflüsse werden überhaupt nicht diskutiert.
Empfehlen (21)
a.      Beat Müller
Reuter: Im 19, Sonnenzyklus 1954-57 gab es eine Sonnenfleckenrelativitätszahl von 254 – Im 14. 2008 bis 2014 waren es gerade noch 102 – aber es wurde trotzdem wärmer!.
An dem kanns nicht liegen
Empfehlen (11)
b.      max bruppbacher
die mittelalterliche warmzeit war auf europabegrenzt und nicht global!
orbitaländerungen und sonnen aktivität werden sogar sehr stark diskutiert nur leider kann man beides nicht mut dem aktuellen wandelnin verbindung bringen. lesen sie das bitte im IPCC AR5 WG1 kapitel5 nach und fangen sie an wissenschaftlich zu diskutieren..
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c.      Christoph Rebholz
@Reuter
Da irren Sie sich – selbstverständlich werden natürliche Ursachen wie die von Ihnen genannten in der Fachwelt diskutiert.
Empfehlen (16)
d.      Christoph Rebholz
@Reuter
Die Mittelalterliche Warmzeit fand in einem geographisch beschränkten Gebiet statt, mit globalen Temperaturen deutlich unter den heutigen Werten. Als Freipass taugt sie daher nicht
Empfehlen (17).
e.      Gerhard Engler
in der mittelalterlichen Warmzeit war es 1-2 Grad wärmer. Also macht es durchaus Sinn, genau dieses Ziel anzustreben. 2 Grad wird NICHT als Apokalypse dargestellt, sondern als Ziel. Apokalypse ist darüber.
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f.       Adam Hager
@Reuter Was nicht diskutiert??? solarer Einfluss wurde 1000-fach untersuch!! Im IPCC hats ein eigenes Kapitel über orbitaländerungen und deren Einfluss..
Hier eine kurze Auswahl von Publikation über den Einfluss der Sonne:
Meehl et al 2002 JC , Wang et al 2005 APJ, Foster and Rahmstorf 2011 ERL, Vieira & Solanki 2009 A&A ..
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g.      Sandra Studer
Seit den 60er Jahren wird die Klimaerwärmung erforscht. Alle erdenklichen Szenarien wurden durchgespielt. Es gibt nur eine Erklärung für den Temperaturanstieg: Menschliche Aktivitäten. Ich habe selber Umweltwissenschaften studiert und die Fakten sind eindeutig. Ich frage mich, für wie blöd Leute wie Sie die internationale Wissenschafts-Gemeinschaft eigentlich halten?
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h.      Fadri Truog
Seit 19 Jahren keine Erwärmung mehr? Wie bitte?
Schauen Sie sich doch mal die Liste der wärmsten 10 Jahre der letzten 150 Jahre an! 9 von 10 haben eine 2 am Anfang!
Und wenn man auch nur ein wenig Beobachtungsgabe hat und sich in der Natur bewegt, merkt man grosse Veränderungen in den letzten Jahren (vermehrt milde Winter, Hitzesommer, extrem abschmelzende Gletscher, blühende Bäume im Februar etc.). Wärmerekorde werden immer häufiger, hingegen Kälterekorde seltener verzeichnet.
Meinen Sie im Ernst, dass die Wissenschaftler die Einflüsse von Erdachse, Sonne und Vulkane neben dem Effekt der Treibhausgase nicht mitberücksichtigen würden? Steht übrigens alles im IPPC Bericht.
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6.3.2.4 „2015 war das heisseste Jahr seit Messbeginn“

Die vierte Gelegenheit zur Einschaltung in ein Forum des Tages-Anzeigers bot sich mit dem Läubli-Artikel „2015 war das heisseste Jahr seit Messbeginn“ vom 20. Januar 2016.

 

6.3.2.4.1 Analyse der Kommentare

Im Artikelforum sind insgesamt 19 Kommentare entstanden, wovon drei von Stefan Brönnimann stammen. Die drei Kommentare von Stefan Brönnimann befinden sich jeweils in unterschiedlichen Threads. 15 der entstanden 19 Kommentare sind in den drei Threads enthalten, die im Folgenden besprochen werden sollen. Dieser vierte Versuch der Einmischung in ein Forum des Tages-Anzeigers ist mit ‚Outing‘ des Klimawissenschaftlers erfolgt.

Zwei Threads enthalten vier, einer sieben Kommentare. Die Struktur der Threads ist jeweils sehr einfach und die drei Kommentare von Stefan Brönnimann werden von den anderen Kommentierenden nicht ‚beantwortet‘, das heisst, es gibt keine direkten Wirkungen in Form von bezugnehmenden Kommentaren.

 

Oberster Thread

Dieser Thread enthält neben dem Eröffnungskommentar drei weitere Kommentare, die alle auf Ebene zwei angesiedelt sind und als Antworten auf den klimaskeptischen Eröffnungskommentar verstanden werden können.

*Rolf Rothacher* beginnt seinen klimaskeptischen Eröffnungskommentar mit dem Hinweis darauf, dass es vor 2000 Jahren „bei uns“ wärmer gewesen sei als heute. Später habe es weitere Wärme­einbrüche gegeben, welchen jeweils eine „Kleine Eiszeit“ gefolgt sei. Das letzte Mal habe sie fast 300 Jahre gedauert. Nicht die Wärme sei unser wahrer Feind, sondern die Kälte, die auf sie folge. Er würde sich warm anziehen für die Zeit nach 2050, wenn die Wissenschaft noch höhere Temperaturen erwarte und die Politik sich darauf eingestellt habe, sich die Erde dann aber plötzlich um 2 oder 3 Grad abkühle und die Welt an den Rand einer Hungerkatastrophe führe. So lange niemand die Klima-Phänomene der letzten 2000 Jahre schlüssig erklären könne, sei auch heute alles „(studierte) Vermutung“.

Mit Kommentar 1a) meldet sich Stefan Brönnimann und erklärt, dass es in der Vergangenheit kalte und warme Phasen gegeben habe. Vulkanausbrüche könnten sich häufen und die Temperatur könne für eine gewisse Zeit von ihrer Bahn abweichen. Aber genau diese Bahn gehe eben bis Ende Jahr­hundert steil nach oben, was vor 500 oder 1000 Jahren nicht der Fall gewesen sei. „Übrigens“ hält Stefan Brönnimann abschliessend fest (er sei Klimawissenschaftler und beschäftige sich mit vergangenen Klimaschwankungen): „Diejenigen Klimaphänomene der letzten 200 [sic] Jahre, zu welchen wir ausreichend Daten haben, die verstehen wir auch.“

„Wohl kaum“, wendet sich *Heinz Ryffel* in Kommentar 1b) an *Rolf Rothacher*. Abgesehen von Vulkanausbrüchen, Erdbeben und was es sonst noch alles an unkontrollierbaren Ereignissen gebe, sei eines klar. Je mehr Menschen es gebe, die warm essen, beim Schlafen nicht frieren und jederzeit innert kürzester Frist möglichst grosse Distanzen zurücklegen können wollten, würden wir „heizen“, „und zwar radikal“. Er (*Rolf Rothacher*) hätte Recht, gebe es „auf einen Knall“ keine Menschen mehr.

In Kommentar 1c) wendet sich *Max Bruppbacher[57]* an *Rolf Rothacher*. Vor 2000 Jahren sei es nicht wärmer gewesen und die mittelalterliche Warmphase sei „ebenfalls“ – *Max Bruppbacher* meint wohl des Weiteren – nur auf die „nordatlantik region [sic]“ beschränkt gewesen. Nur weil er (*Rolf Rothacher*) die Klimaphänomene der letzten 2000 Jahre nicht erklären könne, heisse das nicht, dass „wir“ das auch nicht könnten. Abschliessend empfiehlt *Max Bruppbacher* ein (konkretes) „gutes Lehrbuch“ „um sich mal schlau zu machen“.

Tabelle 25 gibt einen Überblick über den soeben besprochenen Thread.

Tabelle 25: Thread mit einem Kommentar von Stefan Brönnimann zum Artikel „2015 war das heisseste Jahr seit Messbeginn“.

1.      Rolf Rothacher
Vor 2000 Jahren war es bei uns wärmer als heute. Vor 1000 Jahren und vor 550 Jahren gab es ebenso Wärmeeinbrüche über wenige Jahrzehnte. Nach jeder dieser Phasen kam es zu einer „Kleinen Eiszeit“. Das letzte Mal dauerte sie fast 300 Jahre. Nicht die Wärme ist unser wahrer Feind, sondern die Kälte, die auf sie folgt.
Ich würde mich warm anziehen für die Zeit nach 2050, wenn die Wissenschaft noch höhere Temperaturen erwartet und die Politik sich darauf eingestellt hat, sich die Erde dann aber plötzlich um 2 oder 3 Grad abkühlt und Ernteausfälle zwei oder drei Jahre lang die Welt an den Rand einer Hungerskatastrophe treiben wird.
So lange niemand die Klima-Phänomene der letzten 2000 Jahre schlüssig erklären kann, ist auch heute alles (studierte) Vermutung.
Empfehlen (7)
a.      Stefan Brönnimann
Es hat in der Vergangenheit kalte und warme Phasen gegeben. Vulkanausbrüche können sich häufen und die Temperatur kann für eine gewisse Zeit von ihrer Bahn abweichen. Aber genau diese Bahn geht eben bis Ende Jarhundert steil nach oben, und das ging sie vor 500 Jahren oder vor 1000 Jahren nicht. Übrigens (ich bin Klimaforscher und beschäftige mich mit vergangenen Klimaschwankungen): Diejenigen Klimaphänomene der letzten 200 Jahre, zu welchen wir ausreichend Daten haben, die verstehen wir auch.
Empfehlen (17)
b.      Heinz Ryffel
Wohl kaum. Abgesehen von Vulkanusbrüchen, Erdebeben und was es sonst noch alles an unkontrollierbaren Ereignissen gibt, ist eines klar. Je mehr Menschen es gibt, die warm essen, beim schlafen nicht frieren wollen und jederzeit innert kürzester Frist möglichst grosse Distanzen zurücklegen wollen, „heizen“ wir und zwar radikal. Sie hätten recht, gäbe es auf einen Knall keine Menschen mehr.
Empfehlen (3)
c.      Max Bruppbacher
@Rotacher vor 2000 Jahren war es nicht wärmer! und die mittelalterliche warmphae war ebenfalls nur auf die nordatlantik region beschränkt.. nur weil sie die Klimaphänomene der letzten 2000 jahre nicht erklären können, heisst das nicht das wir das auch nicht können! Ein gutes Lehrbuch um sich mal schlau zu machen wäre „earths climate past and future“ von W. Ruddiman.
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Mittlerer Thread

Dieser zweitneuste Thread beginnt mit einem Kommentar von *Eugen Bissegger*. *Eugen Bissegger* ist durch seine eigenartigen, teilweise verschwörungstheoretischen Kommentare bereits in der Pilotanalyse aufgefallen – wenn auch dort seine Kommentare nicht näher beleuchtet wurden.[58]

*Eugen Bissegger* schreibt, dass die globale Durchschnittstemperatur während den letzten 18 Jahren um 0.9 °C gefallen sei. Anschliessend verweist *Eugen Bissegger*, eingeleitet durch ein „siehe auch“ (vermutlich) auf zwei Quellen, die seine Angaben bestätigen sollen – allerdings erlaubt seine unge­wöhn­liche Verweisart keine eindeutige Identifikation der Quelle. Mit der erstgenannten Quelle verweist *Eugen Bissegger* womöglich auf einen Beitrag unter voltairenet.org (Link[59]); darin scheint Klimawandel zumindest am Rande eine Rolle zu spielen, aber darüber hinaus sehe ich – nach kurzer Durchsicht – keinen Zusammenhang mit *Eugen Bissegers* ‚These‘. Die zweite Quelle hingegen führt mittels einer Google-Suche nach dem Zitat, welches *Eugen Bissegger* eingefügt hat, zu einer offensichtlich klimaskeptischen Webseite (Link[60]) und ‚belegt‘ die Aussage, dass die globale Temperatur gesunken sei.

In Kommentar 1a) meldet sich *Claudio Hammer* mit den Worten „Jetzt hören Sie doch mal mit Ihrer Stillstandsmär seit dem 97/98er Nino auf — [sic] Sie machen sich nur noch lächerlich!“ Überhaupt sei es „absolut unwissenschaftlich“, sich selektiv einen gewünschten Peak auszusuchen und dann davon ausgehend zu „pseudoargumentieren“. Eine Vergleichsperiode von 30 Jahren sei der wissenschaftliche Standard.

Daraufhin meldet sich in Kommentar 1b) *Eugen Bissegger* ein zweites Mal. Dieser Beitrag ist als Ergänzung zu seinem Threaderöffnungskommentar zu sehen, was bereits die Thread-Struktur nahelegt. „Dann gibt es noch im Zusammenhang (angebliche Klimaerwärmung, Co2 als Übeltäter, obwohl Co2 lebensnotwenig ist für Mensch/ Tier/ Natur usw.) das Thema Geo-Engineering / Climate Engineering“, meint *Eugen Bissegger*. Anschliessend fügt er in Klammern ein mehrzeiliges Zitat ein, welches mich mittels Suchmaschine auf eine zweifelhafte Webseite (Link[61]) führt. Das „Thema“, welches *Eugen Bissegger* hier einbringt, ist eine Verschwörungstheorie, welche ihm offensichtlich sehr am Herzen liegt, denn bereits in den Pilotanalysedaten verweist *Eugen Bissegger* auf diese Verschwörungstheorie. Und dort lassen die Reaktionen einzelner Poster*innen vermuten, dass *Eugen Bissegger* und seine Theorien bereits bekannt sind. So schreibt etwa *Monique Schweizer*: „Bissegger: Wollen Sie uns wieder mit Ihrem High Frequency Active Auroral Research Program belehren??“ (Hervorhebung S. J.). Mit ihrem wieder legt sie nahe, dass sie *Eugen Bissegger* und seine Theorien bereits kennt. Interessant ist hier des Weiteren, dass sich im Backend zum Artikel „2015 war das heisseste Jahr seit Messbeginn“ unter den abgelehnten Kommentaren vier weitere Kommentare von *Eugen Bissegger* befinden. Die von der Redaktion abgelehnten Bissegger-Kommentare sind vom Stil her vergleichbar mit den freigeschalteten Bissegger-Kommentaren. Ein Blick auf die Spalte BEARBEITET im Backend enthüllt ein interessantes Detail: Die Redakteur*innen, welche insgesamt drei Kommentare von *Eugen Bissegger* im Artikelforum freigeschaltet haben, sind nicht identisch mit einer (weiteren) Redakteur*in, welche vier Kommentare von *Eugen Bissegger* abgelehnt hat. Möglicherweise hängt also die Freischaltung der durchaus zweifelhaften Kommentare von *Eugen Bissegger* nicht zuletzt davon ab, wer (gerade) für die Freischaltung respektive Ablehnung der entsprechenden Kommentare zuständig ist.

Mit „völliger Blödsinn“ wendet sich in Kommentar 1bi) *Lea Jacot* an *Eugen Bissegger*. Es habe da zwar Versuche gegeben, aber nicht mit Passagierflugzeugen. Sehr erfolgreich sei das (Geo-Engineering vermutlich) nicht, „sonst hätten die Amis Vietnam nicht verloren“. Anschliessend erklärt *Lea Jacot*, dass CO2 für Menschen und Tiere überflüssiger Abfall beim Atmen und nicht lebensnotwendig sei. Zu behaupten, CO2 hätte keine Wirkung auf das Klima, sei etwa so intelligent wie das Leugnen der Schwerkraft oder zu behaupten, die Erde sei eine Scheibe.

In Kommentar 1bii) wendet sich *Max Bruppbacher* an *Eugen Bissegger* und nimmt, vermutlich ironisch, das Thema Verschwörungstheorien wieder auf, wenn er *Eugen Bissegger* fragt, wie er zu 9/11 oder der Mondlandung stehe und ob er „vielleicht“ wisse, wer „JFK“ „wirklich“ erschossen habe. *Eugen Bissegers* antwortet zwar auf diese Fragen, doch der entsprechende Kommentar landet unter den abgelehnten Kommentaren.

In Kommentar 1c) mischt sich *Claudio Hammer* ein weiteres Mal ein. Auch er setzt auf Ironie, wenn er *Eugen Bissegger* empfiehlt, ein Aluminiumhütchen zu basteln: Dann „sind sie [sic] gegen Chemtrails, HAARP, Klimawandel und was weiss ich noch was alles bestens geschützt!!“. Oder, fügt *Claudio Hammer* an, vielleicht sollte er (*Eugen Bissegger*) seine „gute Stube“ wieder einmal lüften, schlechte Luft schon ab „1500 ppmV CO2“ könne zu „Konzentrationsbeeinträchtigungen“ führen, das wisse jede Primarlehrerin, deshalb werde in der Pause gelüftet.

In Kommentar 1d) meldet sich Stefan Brönnimann zu Wort. Herr Bissegger würde „völlig falsch“ liegen. Es gebe keine globale Temperaturreihe, in welcher die Erwärmung über die Periode 1998–2015 nicht mindestens 0.2 °C gewesen sei. Er (*Eugen Bissegger*) solle nicht von Aberglauben sprechen, ohne die Fakten zu kennen.

Einen Überblick über den gerade besprochenen Kommentarthread gibt Tabelle 26.

Tabelle 26: Thread mit einem Kommentar von Stefan Brönnimann zum Artikel „2015 war das heisseste Jahr seit Messbeginn“.

1.      Eugen Bissegger
Wers glaubt wird seelig. Global ist die Durchschnittstemperatur während den letzten achzehn Jahren um 0.9°C gefallen, nicht umgekehrt. Siehe auch:
1. Der Klima-Vorwand 1/3 970-1982 : Die Ökologie des Krieges von Thierry Meyssan
2. Der Stillstand verlängert sich weiter – gerade rechtzeitig für Paris („Keinerlei globale Erwärmung seit 18 Jahren und 9 Monaten – ein neuer Rekord! Während sich die Erleuchteten um ihre herum hüpfenden Schamanen in Paris versammeln zum jährlichen Wallfahrts-Festival des Neuen Aberglaubens versammeln, verlängert sich der Stillstand ein weiteres Mal.“)
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a.      Claudio Hammer
Bissegger: Jetzt hören Sie doch mal mit Ihrer Stillstandsmär seit dem 97/98er Nino auf — Sie machen sich nur noch lächerlich!
Ueberhaupt ist es absolut unwissenschaftlich sich selektiv einen gewünschten Peak (wie eben El Nino 97/98) auszusuchen und dann von dem her zu pseudoargumentieren – eine Verlgleichsperiode von 30 Jahren ist der wissenschaftliche Standard z.B. 1980 – 2010!
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b.      Eugen Bissegger
Dann gibt es noch im Zusammenhang (angebliche Klimaerwärmung, Co2 als Übeltäter, obwohl Co2 lebensnotwenig ist für Mensch/ Tier/ Natur usw.) das Thema Geo-Engineering / Climate Engineering. („Was für viele Menschen noch wie von Flugzeugen verursachte Kondensstreifen aussieht, sind keine gewöhnlichen Kondensstreifen. Es handelt sich vielmehr um absichtlich ausgebrachte, ultrakleine Feinstäube aus Metallen und anderen chemischen Substanzen (sog. Chemtrails), die im Zuge des solaren Geo-Engineering / Climate Engineering über unseren Köpfen ohne gesetzliche Grundlage versprüht werden.“)
Siehe: Ex-NATO-General über Chemtrails
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                                                i.     Lea Jacot
Völliger blödsinn, es gab da zwar Versuche, aber nicht mit Passagierflugzeugen. Und sehr Erfolgreich ist das nicht, sonst hätten die Amis Vietnam nicht verloren… CO2 ist für Mensch und Tier übrigens überflüssiger Abfall beim atmen und nicht Lebensnotwendig. Zu behaupten CO2 hätte keine Wirkung aufs Klima ist ewa so intelligent wie das Leugnen der Schwerkraft oder zu behaupten die Erde sei eine Scheibe…
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                                              ii.     Max Bruppbacher
@Bissegger Wie stehen sie zu 9-11 und der der Mondlandung? und wissen sie vielleicht wer JFK wirklich erschossen hat? das würde uns alle interessieren..
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c.      Claudio Hammer
Ja ja Herr Bissegger – am besten Sie basteln sich jetzt ein Aluminiumhütchen, dann sind sie gegen Chemtrails, HAARP, Klimawandel und was weiss ich noch was alles bestens geschützt!!
Oder vielleicht sollten Sie Ihre gute Stube wieder mal lüften – schlechte Luft schon ab 1500 ppmV CO2 kann zu Konzentrationsbeeinträchtigungen führen – das weiss jede Primarlehrerin – darum wird in der Pause gelüftet
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d.      Stefan Brönnimann
Herr Bissegger, sie liegen völlig falsch. Es gibt keine globale Temperaturreihe in welcher die Erwärmung über die Periode 1998-2015 nicht mindestens 0.2 °C war. Sprechen Sie bitte nicht von Aberglauben ohne die Fakten zu kennen.
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Unterster Thread

*Noldi Schwarz* eröffnet diesen Thread, indem er am Artikeltitel anknüpft und fragt, wie es vor dem Messbeginn ausgesehen habe. Das sei doch die brennende Frage. Klimatologen, so *Noldi Schwarz* weiter, glaubten, dass sie „auf Nullkomma“ voraussagen könnten, was in 20, 50 oder 100 Jahren geschähe. Das sei „einfach absurd“, niemand könne die Zukunft voraussagen. Ein kleiner Meteorit, oder ein paar Vulkanausbrüche würden genügen, um die Welt ganz anders aussehen zu lassen.

Auf diesen Kommentar reagiert *Claudio Hammer* mit dem Hinweis darauf, dass der 1815 ausgebrochene Tambora – „der stärkste Vulkanausbruch der letzten paar hundert Jahre“ – das Klima nur 2–3 Jahre beeinflusst habe. CO2 wirke jedoch während Jahrhunderten. Vulkane würden überschätzt, „mal abgesehen von den 7 Vulkanen der Klasse VEI-8:der [sic] letzte Ausbruch war vor 26’500J [sic] der Taupo in NZ [sic]“.

Mit Kommentar 1b) meldet sich Stefan Brönnimann bei *Noldi Schwarz*. Klimatologen würden „überhaupt nicht“ vorgeben, die Erwärmung auf mehrere Nachkommastellen voraussagen zu können. Und, es sei klar, dass ein starker Vulkanausbruch die Erwärmung für kurze Zeit abbremsen würde. Nach einigen Jahren wäre das Klima trotzdem wieder auf dem Pfad der Erwärmung.

Mit Kommentar 1c) erhält *Noldi Schwarz* eine dritte Rückmeldung von klimabewegter Seite. *Max Bruppbacher* fordert *Noldi Schwarz* auf, sich mal die Mühe zu machen und den IPCC-Bericht anzuschauen. *Max Bruppbacher* nennt einen konkreten Text und darin konkrete Kapitel, welche Projektionen behandeln würden. Dort würde er sehen, dass fast die Hälfte des Textes mit Evaluation befasst sei. Klimaforscher liessen nicht einfach einen Computer laufen und glaubten dann blind, „was raus kommt“.

Tabelle 27 gibt einen Überblick über den soeben besprochenen Thread.

Tabelle 27: Thread mit einem Kommentar von Stefan Brönnimann zum Artikel „2015 war das heisseste Jahr seit Messbeginn“.

1.      Noldi Schwarz
Und wie sieht es vor dem Messbeginn aus? Das ist doch die brennende Frage. Klimatologen glauben auf Nullkomma voraussagen zu können, was in 20, 50, 100 Jahren geschieht. Das ist einfach absurd. Niemand kann die Zukunft voraussagen. Ein klein Meteorit, ein paar Vulkanausbrüche und unsere Welt sieht ganz anders aus.
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a.      Claudio Hammer
Schwarz: 1815 brach der Tambora aus – der stärkste Vulkanausbruch der letzten paar hundert Jahre: 1816 ging als Jahr ohne Sommer in die Geschichte ein und dann hatte es noch für 1-2 J ein paar geringere Nachfolgeerscheinungen — CO2 bleibt aber über Jahrhunderte oben!
Vulkane werden überschätzt – mal abgesehen von den 7 Vulkanen der Klasse VEI-8:der letzte Ausbruch war vor 26’500J der Taupo in NZ
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b.      Stefan Brönnimann
Herr Schwarz, Klimatologen geben überhaupt nicht vor, die Erwärmng auf mehrere Nachkommastellen voraussagen zu können. Und klar: Ein starker Vulkanausbruch würde die Erwärmung für kurze Zeit abbremsen – nach einigen Jahren wäre das Klima trotzdem wieder auf dem Pfad der Erwärmung.
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c.      Max Bruppbacher
@Schwarz machen sie sich bitte mal die Mühe und schauen sie den IPCC bericht an. im AR5 WG1 Kapitel 9, 11 + kapitel 12 behandeln die Projektionen. wenn sie einen blick rein werfen sehen sie, dass fast die hälfte des Textes um die Evaluation geht. da werden fragen beantwortet wie ‚Wie stark können wir, wann, welchen Modellen vertrauen?‘ Klimaforscher lassen nicht einfach einen Computer laufen und glauben dann blind was raus kommt..
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Fazit

Die drei soeben besprochenen Threads haben gemeinsam, dass sie kurz sind, von einem klimaskeptischen Posting ausgehen und die Poster*innen der klimaskeptischen Eröffnungs­kommen­tare im weiteren Verlauf jeweils keine Unterstützung von anderen Skeptiker*innen erhalten. Drei bis fünf klimabewegte Kommentare kontrastieren in der Folge jeweils die klimaskeptischen Eröffnungs­kommentare.

 

6.3.2.4.2 Kurze Zusammenfassung des Artikels

Der eher kurze Artikel „2015 war das heisseste Jahr seit Messbeginn“ baut auf einer Meldung einer Presseagentur (AFP) auf.

Ausgangspunkt ist eine Mitteilung der US-Behörde für Wetter- und Meeresforschung (NOAA) darüber, dass die weltweite Durchschnittstemperatur im Jahr 2015 0.9 Grad Celsius über dem Mittel des 20. Jahrhunderts gelegen habe. Ausserdem habe die NOAA erklärt, dass es seit Beginn der Aufzeichnungen gegen Ende des 19. Jahrhunderts noch nie so warm gewesen sei wie im vergangen Jahr (2015) und dass der bisherige Hitzerekord aus dem Jahr 2014 deutlich übertroffen worden sei. Im weiteren Verlauf lässt der Artikel mit Wolfgang Lucht vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) einen Experten Stellung beziehen: Nachrichten wie jene vom neuen Rekordjahr 2015, wird Lucht zitiert, würden bestätigen, „dass der stetige Klimawandel längst ernste Realität ist“. Gegen Artikelende wird auf die Pariser Klimakonferenz verwiesen.

 

6.3.2.4.3 Beziehungen zwischen Artikel und Kommentaren

Alle drei Eröffnungskommentare der hier besprochenen Threads knüpfen an die im Titel auf den Punkt gebrachte Hauptaussage, das Klima erwärme sich, an. Entsprechend wird in den drei Threads gewissermassen die ‚Titelthese‘ – welche von den Klimawissenschaften längst bestätigt ist – diskutiert.

 

6.3.2.5 „Die Schadenssumme steigt schneller als der Meeresspiegel“

Eine fünfte Gelegenheit zur Einschaltung in ein Forum des Tages-Anzeigers sollte mit dem Läubli-Artikel „Die Schadenssumme steigt schneller als der Meeresspiegel“ vom 1. März 2016 geschaffen werden.

Martin Läubli hat Gian-Kasper Plattner im Forum auf meine Bitte und vorgängige Abklärung hin am Artikelende angekündigt. Die Ankündigung enthielt zwei Zeitfenster (14–16 und 21–23 Uhr), inner­halb welcher der Klimatologe anwesend sein würde. Ich erhoffte mir durch die Ankündigung des Klima­tologen im Forum erstens eine bessere Koordination respektive eine wesentlich bessere Chance darauf, dass einer der Klimatologen es sich dann zeitlich wirklich einrichten kann – gewissermassen im Sinne einer freiwilligen Verpflichtung. Zweitens habe ich mich dafür interessiert, wie sich die An­kündigung auf die Beteiligung auswirken würde. Würden sich dadurch Klimaskeptiker*innen allen­falls gehäuft melden? Wie würden es die Kommentierenden aufnehmen, dass ein Klimatologe im Forum präsent ist? Entstehen dadurch vielleicht Kommentare, worin die Anwesenheit des Klimato­lo­gen gelobt wird? Oder gegenteilig Kommentare, welche die Anwesenheit des Klimatologen kritisieren?

 

6.3.2.5.1 Analyse der Kommentare

Im Artikelforum ist dann im relevanten Zeitraum kein einziger Kommentar erschienen – durchaus zu meiner Überraschung. Auf meine Aufforderung hin hat Gian-Kasper Plattner um 15:20 Uhr den allerersten Kommentar gepostet. Bis zum Ende des zweiten Zeitfensters um 23 Uhr ist kein einziger Kommentar dazugekommen.

In seinem Kommentar schreibt Gian-Kasper Plattner, dass es sich um eine interessante Studie handle. Er teile jedoch die Einschätzung von Hans von Storch zu den zugrundeliegenden einfachen Schadenkostenmodellen. Dennoch seien solche Abschätzungen, mit einer entsprechenden wissen­schaft­lichen Diskussion der (sehr grossen) Unsicherheiten wichtig. Dies nicht zuletzt um Kosten der Anpassung an den Klimawandel mit Kosten der Vermeidung des Klimawandels „vernünftig“ vergleichen zu können.

Die beiden weiteren Kommentare, welche in Tabelle 28 enthalten sind, sind beide erst mehrere Tage später gepostet worden und beziehen sich nicht auf den Beitrag von Gian-Kasper Plattner.

Tabelle 28: Thread mit einem Kommentar von Gian-Kasper Plattner zum Artikel „Die Schadenssumme steigt schneller als der Meeresspiegel“.

1.      Hansruedi Tscheulin.

Die Meeresspiegel steigen, wenn es auf der Erde wärmer wird, wie es seit dem Ende der Kleinen Eiszeit um etwa 1800 geschah. Das bisschen Eis in den Gebirgen kommt kaum in Betracht. 99% des Eises auf der Erde liegen an den Polen und auf Grönland. Wenn es nun nicht mehr wärmer wird, steigen die Meeresspiegel nicht mehr.

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2.      Dietrich Michael Weidmann
Der Anstieg des Mittelmeeres liesse sich verhindern, wenn man zwischen Gibraltar und Marokko einen Damm baut – durch die Strasse von Gibraltar strömen ja gewaltige Wassermengen ins Mittelmeer, wo mehr Wasser verdunstet als die europäischen und afrikanischen Flüsse und der Regen ihm zuführt. Mit dem am Damm gewonnen Strom liesse sich halb Europa mit Energie versorgen, der Meeresspiel am Mittelmeer könnte auf dem heutigen Niveau stabilisiert oder sogar ein paar Zentimeter abgesenkt werden, was auch Venedig entlastet und auf dem errichteten Damm liesse sich eine gewaltige Stadt erbauen, in welcher man die syrischen Flüchtlinge ansiedeln könnte, die dort beim Bau und Betrieb auch Arbeit fänden! Die Kosten des Projekts schätze ich auf ca. 8 bis 10 Mia Euro, das wäre also absolut realisierbar!
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3.      Gian-Kasper Plattner
Eine interessante Studie. Ich teile aber die kritische Einschätzung von Hans von Storch zu den zugrundeliegenden einfachen Schadenkostenmodellen. Dennoch sind solche Abschätzungen, mit einer entsprechenden wissenschaftlichen Diskussion der (sehr grossen) Unsicherheiten, wichtig, nicht zuletzt um Kosten der Anpassung an den Klimawandel mit Kosten der Vermeidung des Klimawandels vernünftig vergleichen zu können.Empfehlen (1)

 

6.3.2.5.2 Kurze Zusammenfassung des Artikels

Ausgangspunkt des Artikels „Die Schadenssumme steigt schneller als der Meeresspiegel“ ist eine Studie, welche Forscher*innen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung PIK durchgeführt haben und worin sie nicht zuletzt die Kosten von extremen Sturmfluten für Kopenhagen berechnen. „Wenn der Meeresspiegel steigt, steigen die Kosten noch schneller“, wird der Co-Autor der Studie Diego Rybski zitiert. Mit dem Anstieg des Meeresspiegels würde das Risiko für Überschwemmungen zunehmen. So könnten die Schäden einer extremen Sturmflut im Jahr 2050 etwa 2,4 Milliarden Euro kosten, verweist Läubli auf die Studie.

Das Besondere am Verfahren sei, dass sich das Modell gemäss Studie weltweit anwenden liesse. Daher möchten die Forscher*innen in den nächsten Jahren das Risiko für über 100 Städte in Europa ausrechnen. Dass Modell zeige zudem, dass sich Schutzmassnahmen zum Beispiel in Kopenhagen durchaus lohnen würden.

Im weiteren Verlauf des Artikels verweist Läubli auf Hans von Storch vom Meteorologischen Institut von Hamburg, welcher der Ansicht sei, dass man sich mit diesen Modellen zu stark hinter der Mathematik verstecke: Hier werde eine Berechenbarkeit impliziert, die es so nicht gebe.

Weiter unten geht Läubli auf einen Bericht ein, welcher wenige Tage zuvor in den Proceedings der Nationalen Akademie der Wissenschaften der USA erschienen sei. Das Forscherteam schätze, dass der durchschnittliche Meeresspiegel selbst bei einer starken Drosselung der Emissionen um 24–60 Zentimeter steige.

„Gerade beim Meeresspiegelanstieg wird deutlich, wie langfristig die Konsequenzen unserer heutigen Emissionen sind“, zitiert Läubli in der Folge Thomas Stocker. Stocker denke dabei an die Abschmel­zung der Eisschilder in Grönland und der Arktis. Die Treibhausgasemissionen der nächsten Jahrzehnte seien entscheidend dafür, ob eine Anpassung in zahlreichen Küstenregionen überhaupt noch machbar wäre.

Abschliessend verweist Läubli auf eine Studie, an welcher auch die Universität Bern beteiligt gewesen sei und die im Fachmagazin Natur Climate Change erschienen sei: Die Autoren erklärten, dass selbst wenn sich die Erderwärmung bei zwei Grad einpendelte, der Meeresspiegel in den nächsten 10’000 Jahren um etwa 25 Meter ansteigen werde. Denn das Meer reagiere nur langsam auf Veränderungen in der Atmosphäre, verweist Läubli auf den Artikel.

Unterhalb des Artikels kündigt Läubli die Anwesenheit Gian-Kasper Plattners im Forum an: „Gian-Kasper Plattner, Wissenschaftler am Eidg. Institut für Wald, Schnee und Landschaft WSL und IPCC-Autor, wird sich heute Dienstag 1. März von 14-16 Uhr und von 21-23 Uhr an den Kommentaren beteiligen. Machen Sie mit!“

Durch eine waagrechte Linie optisch getrennt befindet sich darunter eine interne Verlinkung zu einem interaktiven Tool. „Überschwemmen Sie Metropolen mit Wasser“, wird die Leser*in aufgefordert. Allerdings müssen interne Inhaltsverschiebungen respektive Veränderungen bei der Verwendung der Kurz-URL wasser.tagesanzeiger.ch dazu geführt haben, dass der angegebene Link – heute am 3. Juni 2016 – nicht mehr zum angekündigten Tool führt, sondern zu einem Artikel mit dem Titel „Zürichs neues Mineralwasser aus eigener Quelle“ – welcher inhaltlich wie das Überschwemmungstool zur Kurz-URL wasser.tagesanzeiger.ch passt.

 

6.3.2.5.3 Beziehungen zwischen Artikel und Kommentaren

Es ist nicht klar, weshalb im relevanten Zeitraum überhaupt keine Diskussion entstanden ist. Ist die Ankündigung des Klimatologen im Forum dafür verantwortlich, da sie möglicherweise eine abschreckende Wirkung hatte? Oder hat die Nicht-Beteiligung mit dem Artikel selbst zu tun? Mitverantwortlich scheint jedenfalls die tiefe Zugriffsrate. Der Artikel wurde nur knapp 3’000-mal aufgerufen – im Gegensatz zum Pilotanalyseartikel, welcher rund 25’000-mal aufgerufen wurde. Allerdings erklärt die Zugriffsrate alleine die weitestgehend ausbleibenden Kommentare nur teilweise – so legt jedenfalls der mit Abstand höchste Wert (988) in Spalte Nötige Anzahl Zugriffe für 1 Kommentar von Tabelle 18 nahe.

Die ausbleibenden Kommentare könnten darüber hinaus mit dem Artikel selbst zu tun haben. Der Artikel ist recht technisch, eher lang und enthält zahlreiche Verweise auf wissenschaftliche Publikationen. Entsprechend ist es denkbar, dass damit ein wesentlicher Teil des kommentierfreudigen Publikums nicht abgeholt werden konnte.

Es gilt jedoch zu beachten, dass wenig oder gar nicht kommentierte Artikel über Klimawandel vermutlich der Normalfall und nicht die Ausnahme sind. So entstehen in den Versuchsartikeln nie mehr auch nur annähernd so viele Kommentare wie im Tages-Anzeiger-Artikel aus der Pilotanalyse. In anderen Worten: Wenn man gezielt nach vieldiskutierten Beiträgen sucht, kann man durchaus fündig werden, wie ich damals mit dem Pilotanalyseartikel. Daraus zu schliessen, dass Klimaartikel immer heftig diskutiert werden, scheint jedoch falsch. Insofern ist es unter Umständen gar nicht weiter auffällig, dass der vorliegende Artikel kaum kommentiert wurde.

Ich vermute, dass verschiedene Ausgangsbedingungen stimmen müssen, damit ein Artikel rege diskutiert wird. Diese Ausgangsbedingungen können einerseits mit dem Artikel zusammenhängen, der eine Diskussion mehr oder weniger anregt. Andererseits kann ich mir vorstellen, dass es darauf ankommt, ob relativ rasch nach der Onlinestellung einige Kommentare entstehen, die von vielen als strittig wahrgenommen werden und dadurch dafür sorgen, dass sich andere einmischen. So würde ab einer mehr oder weniger genau bestimmten Anzahl an (insbesondere strittigen) Kommentaren eine gewisse Eigendynamik einsetzen. Hier wäre es interessant, mit einer Analyse ausgehend von den Backend-Daten anzusetzen, welche nicht die Thread-Struktur wiedergeben, sondern in der Eingabe­reihen­folge dargestellt sind. Ausgehend von den Backend-Daten könnte man untersuchen, was in den ersten Minuten und Stunden nach Onlinestellung eines Beitrags geschieht und wie diese Anfangsphase mit der weiteren Entwicklung im Forum zusammenhängt. Ich kann mir vorstellen, dass die Hemm­schwelle, sich in eine Diskussion einzuschalten, sinkt, wenn schon zahlreiche Kommentare veröffentlicht worden sind und dass sich rasch entscheidet, ob ein Artikel viele Kommentare auslöst oder nicht.

Die Ankündigung des Klimatologen als Ursache für das Schweigen der Kommentierenden anzu­nehmen, scheint jedenfalls voreilig.

Die abgelehnten Kommentare im Backend zeigen, dass die Ankündigung des Klimatologen im Forum keine Welle der Entrüstung ausgelöst hat – es findet sich nur ein einziger, klimabewegter, Kommentar unter den abgelehnten Kommentaren. Klimaskeptische Kommentare, die sich über die Redaktion beschweren, weil sie einen Klimatologen eingeladen hat, oder aus anderen Gründen nicht freige­schalten wurden, bleiben aus. Die Ablehnung des klimabewegten Kommentars steht vermutlich in Zusammenhang mit dem Stichwort homo sapiens („homo sapeins [sic]“): Das automatische Programm, welches die freischaltenden Redakteur*innen unterstützt und ‚kritische‘ Worte kennzeichnet, hat „homo“ – offensichtlich in anderer Bedeutung als der verwendeten – rot eingefärbt.[62]

 

6.3.2.6 „Ein Winter der Rekorde“

Eine sechste und letzte Gelegenheit der Einschaltung der Klimatologen in ein Forum des Tages-Anzeigers wurde am 22. März 2016 mit dem Läubli-Artikel „Ein Winter der Rekorde“ geschaffen.

Wie bereits im Artikel, der in Kapitel 6.3.2.5 „Die Schadenssumme steigt schneller als der Meeresspiegel“ besprochen worden ist, wurden auch hier die Klimatologen im Forum – welche sich in diesem Fall beide beteiligen konnten – angekündigt.

 

6.3.2.6.1 Analyse der Kommentare

Im Artikelforum sind insgesamt 44 Kommentare entstanden, drei dieser Kommentare gehen auf die Autorschaft von Gian-Kasper Plattner zurück und einen hat Stefan Brönnimann veröffentlicht. Die vier Kommentare der beiden Klimawissenschaftler sind auf drei Threads verteilt.

30 der entstandenen 44 Kommentare sind in den drei Threads enthalten, die im Folgenden besprochen werden sollen. Die drei Threads enthalten 15, 10 und 5 Kommentare. Der mittlere und der untere Thread sind strukturell einfach aufgebaut. Auf – potenziell[63] – klimaskeptische Threaderöffnungs­kommentare folgen, leicht vereinfacht gesagt, mehrere klimabewegte Gegen­argumente auf Ebene 2. Es kommt zu keinen Rückfragen und die potenziell klimabewegten Threaderöffner*innen erhalten keine Unterstützung von anderen (potenziellen) Klimaskeptiker*innen. Der oberste relevante Thread ist etwas komplexer aufgebaut und es findet ein vergleichsweise detaillierter Austausch zwischen Skeptiker*innen und Klimabewegten statt.

Ausserhalb der drei Threads, an welchen sich die Klimatologen beteiligen, gibt es einen weiteren Thread, der hier Relevanz besitzt, weil darin – möglicherweise – auf die Präsenz der Klimatologen im Forum eingegangen wird. Allerdings ist es auch möglich, dass nicht auf die Präsenz der Klimatologen im Forum Bezug genommen wird, sondern auf die Nennung der „Klimaforscher“ im Artikel selbst.  So schreibt *Marc Steinemann* (am 22. März 2016 um 08:31 Uhr): „Flugs sind die ‚Klimaforscher‘ wieder präsent und haben natürlich schon längst alles gewusst. Hoch mit dem Zeigefinger und los geht’s mit Panikmache und Belehrungen. Da freuen wir uns doch auf den kommenden, möglicherweise bitterkalten Winter. Da verkriechen sich diese Schwarzmaler hoffentlich wieder.“ Er erhält dafür die Zustimmung von 8 weiteren Leser*innen. *Pjotr Müller* (gleichentags, um 08:40 Uhr) antwortet darauf: „Wenn es um Wetter- und Klimafragen geht, sind mir die entsprechenden Forscher allemal lieber, [sic] als die Kommentare irgendwelcher selbsternannter ‚Klimaexperten‘.“ *Pjotr Müller* erhält dafür die Zustimmung von 65 Leser*innen. Entsprechend kann gefolgert werden, dass der Präsenz der Klimatologen im Forum (oder bei alternativer Leseart der Präsenz der ‚Klimaforscher‘ im Artikel selbst) mit 65:8 Stimmen zugestimmt wird. Ihre Anwesenheit (je nach Lesart in Artikel oder Forum) stösst also auf breite Zustimmung und gleichzeitig wird die Situation im Forum – „sind mir die entsprechenden Forscher allemal lieber, [sic] als die Kommentare irgendwelcher selbsternannter ‚Klimaexperten‘ – jenseits der Anwesenheit der Klimatologen in Frage gestellt. Auf jeden Fall meine ich, ist dieser Austausch zwischen *Marc Steinemann* und *Pjotr Müller* ein starkes Indiz für die allgemeine Erwünschtheit von Klimatologen, die sich in die öffentliche Diskussion – sei es nun im Forum selbst oder als Experten im Artikel – einmischen.

 

Oberster Thread

*Hansruedi Tscheulin* eröffnet den Thread mit einem Hinweis auf „sonderbare[.] Manipulationen an den Temperatur-Messwerten, sogenannte[.] ‚Homogenisierungen‘“, welche seit circa 2010 bestünden. Dabei sei es plötzlich „jedenfalls auf dem Papier“ in der Vergangenheit kälter geworden und ent­sprechend die Erwärmung grösser. Eben hätten „300 Naturwissenschaftler und andere massgebliche Leute“ vor dem US-Kongress geklagt, dass die „NASA [sic]“ versuche, diesen seit 18 Jahre andauernden ,Hiatus‘ zum Verschwinden zu bringen.

Kommentar 1a) ist ein Korrigendum von *Hansruedi Tscheulin*, der darauf hinweist, dass er im Threaderöffnungskommentar fälschlicherweise von der NASA, statt korrekterweise von der NOAA geschrieben habe.

In Kommentar 1b) meldet sich *Emil Eugster*. Im ersten Teil seines Kommentars stellt er mehrere Fragen – unter anderem möchte er wissen, wie viele der 300 genannten Personen Klima­wissenschaftler­*innen seien. Ausserdem fordert er „Argumente, Daten, wissensch. Studien“, welche *Hansruedi Tscheulins* „Hypothesen“ belegen würden. Im zweiten Teil seines Kommentars erklärt *Emil Eugster*, dass sich *Hansruedi Tscheulin* „geradezu lächerlich“ mache mit seinem Bezug auf das Jahr 1998. Erstens habe es auch seit diesem Zeitpunkt eine Erwärmung gegebenen, zweitens sei ein einzelnes Jahr mit einem extremen El Niño unbrauchbar, um einen Klimatrend zu beschreiben und drittens würde das Jahr 1998 „in der Statistik der wärmsten Jahre nach hinten durchgereicht“[64]. Anschliessend fügt er eine Auflistung von Jahreszahlen und dazugehörigen Temperaturangaben ein, welche allerdings in sich nicht schlüssig ist. Ich vermute, dass *Emil Eugster* mit diesen Temperatur­hinweisen zuvor gemachte Angaben gewissermassen belegen will. Um einen Trend zu erkennen, schliesst *Emil Eugster* ab, müsse man drei-, fünf- oder 30-Jahresmittel verwenden.

In Kommentar 1bi) meldet sich *Gaudenz Mischol*. „So, so“ steigt er nicht ganz neutral in die Diskussion ein, ein „einzelnes Jahr [sic] extremes El-Nino [sic] Jahr“ solle nicht verwendet werden um einen Trend zu beschreiben – aber „was bitte“ sei denn 2015 für ein Jahr? Das sei wohl ein Schuss in den Busch gewesen. Ich vermute, dass *Gaudenz Mischol* hier darauf Bezug nimmt, dass *Emil Eugster* in seiner Tabelle zeigt, dass 2015 – ebenfalls vom El Niño beeinflusst – wärmer sei als 1998. Möglicherweise hat *Gaudenz Mischol* hier auch nicht die Angaben von *Emil Eugster* im Visier, sondern ganz grundsätzlich die Debatte über die Klimaerwärmung mit Bezugnahme auf die aktuellste Klimaentwicklung, welche – durchaus zutreffend – von einem El Niño beeinflusst ist.

In Kommentar 1bii) bestätigt *Emil Eugster*, dass ein El-Niño-Jahr nicht verwendet werden sollte, um einen Trend zu beschreiben. Anschliessend zitiert er *Gaudenz Mischols* Behauptung mit dem „Schuss in den Busch“ und bringt mit seinem nachgeworfenen „Hä?“ vermutlich zum Ausdruck, dass er ihr nicht folgen kann.

In Kommentar 1biii) zählt *Hansruedi Tscheulin* auf die Frage von *Emil Eugster* in Kommentar 1b) antwortend auf, wie sich die 300 Personen, welche er (*Hansruedi Tscheulin*) in seinem Eröffnungskommentar genannt hatte, zusammensetzen. 150 Personen hätten einen Doktorgrad in einem verwandten Studienbereich.

In Kommentar 1biv) erklärt *Max Bruppbacher*, dass von den genannten 150 Personen nur eine Handvoll immer noch wissenschaftlich arbeite. Diese seien dann auch „die üblichen verdächtigen [sic] wie herr [sic] Harde, Svensmark etc.“. Ausserdem weist *Max Bruppbacher* darauf hin, dass die NOAA innerhalb einer Woche eine Liste mit 90’000 Personen – darunter 2300 Wissenschaftler*innen – erstellt gehabt hätte, welche gegen diese „lächerliche petition [sic]“ gewesen seien.

*Emil Eugster* weist *Hansruedi Tscheulin* in Kommentar 1bv) darauf hin, dass „es“ bei einem „argumentum ad verecundiam“ bleibe. Ausserdem habe *Hansruedi Tscheulin* *Emil Eugsters* Frage – in Kommentar 1b) – nach Argumenten, Daten und wissenschaftlichen Studien, welche *Hansruedi Tscheulins* Hypothesen belegen würden, noch nicht beantwortet. *Hansruedi Tscheulin* würde auf der Stufe eines Kreationisten argumentieren. Er solle endlich Belege liefern für seine Behauptungen oder schweigen.

Kommentar 1c) von *Max Bruppbacher* nimmt auf den Eröffnungskommentar Bezug. *Max Bruppbacher* erklärt, dass „diese Homogenisierungen“ bereits seit den 50er Jahren gemacht würden. Anschliessend verweist *Max Bruppbacher* auf ein Kapitel im IPCC-Bericht, worin genau erklärt würde „wo welche daten [sic], wie genau homogenisiert“ würden. „Werden Sie mal konkret!“ fordert auch *Max Bruppbacher* Daten ein.

Diesem Wunsch kommt *Gaudenz Mischol* in Kommentar 1ci) nach und verweist auf „Tom Karl von der NOAA“, welcher mit solchen Korrekturen den Hiatus „weggezaubert“ hätte. Anschliessend erklärt *Gaudenz Mischol*, wie Tom Karl dies gemacht habe: Er habe die Messungen durch die Argo Boyen („ein doch recht präzises System“) an die älteren Daten angepasst, welche durch Temperaturmessungen des Einlasswassers zur Motorkühlung bei Schiffen erhoben worden seien. Die meisten Kenner seien sich einig gewesen, dass die Temperaturen bei den Einlassen wahrscheinlich zu hoch waren, aber Karl sei dies gelegen gekommen, denn somit hätte er den Hiatus wegzaubern können. Andere Wissenschaftler, „die keineswegs den menschengemachten Klimawandel ablehnen“, hätten diese Korrekturen doch sehr fraglich gefunden.

*Max Bruppbacher* stellt in Kommentar 1cii) fest, dass *Gaudenz Mischol* die „Willis 2008 publikation [sic]“ anspreche. Diese habe tatsächlich Diskussionen über die Präzision der Argo-Messungen ausgelöst. Solche Konflikte seien das Herzstück der Wissenschaft und würden die korrekte Art der Skepsis darstellen (vgl. hierzu das Stichwort offene Skepsis in Kapitel 2.2 Klimaskeptiker*innen und deren Argumente). „Was tun also Wissenschaflter [sic] wenn sie unsicher sind [sic] wie hoch die Qualität der Daten ist?“ fragt *Max Bruppbacher* und beantwortet die Frage gleich selbst. Sie würden andere Möglichkeiten suchen, das gleiche Phänomen zu messen und vergleichen. Weiter weist er auf eine Publikation hin, worin sieben verschiedene Arten der Temperaturmessung verglichen worden seien. Der Trend dabei sei nicht zu leugnen: Die Ozeane würden sich erwärmen. Dies würden auch weitere Studien zeigen, verweist *Max Bruppbacher* unter Nennung von Autoren und Jahres­zahlen auf zwei weitere Publikationen.

*Max Bruppbacher* meldet sich in Kommentar 1cii) gleich ein weiteres Mal. Weiterhin ergebe die Aussage von *Gaudenz Mischol* keinen Sinn. Er sage, dass die älteren Daten zu hoch seien (Kommentar 1ci)). Wenn das tatsächlich so sei, müssten die alten Daten nach unten korrigiert werden, was ja einen noch grösseren Erwärmungstrend ergeben würde.

In Kommentar 1d) meldet sich *Adam Lechreitner* mit der Frage: „Ist das Werbung für ihr [sic] Verschwörungs-klimaskeptiker [sic] Buch[65]?“ Damit knüpft er, wie die hierarchische Position bereits nahelegt, an den klimaskeptischen Ausgangskommentar von *Hansruedi Tscheulin* an.

Mit Kommentar 1e) mischt sich Stefan Brönnimann ein und nimmt ebenfalls auf den Eröffnungskommentar Bezug. Die Temperatur sei in der Vergangenheit nicht gemessen worden, um Trends zu berechnen. Eine ‚Homogenisierung‘ sei deshalb unerlässlich und sei bereits vor Jahrzehnten gemacht worden. Alles andere wäre unwissenschaftlich. Während einige Reihen nach oben hätten korrigiert werden müssen, seien andere nach unten korrigiert worden. Die Statistik zeige, dass frühere Messaufstellungen teilweise empfindlicher gewesen seien gegenüber der Sonneneinstrahlung als heutige Messgeräte, so dass ältere Messreihen tendenziell nach unten korrigiert werden müssten, aber das Umgekehrte komme ebenso vor.

Kommentar 1ei) ist die Antwort von *Gaudenz Mischol* auf Stefan Brönnimanns Kommentar und eine der wenigen Stellen in den Versuchsdaten überhaupt, wo Kommentierende direkt auf einen Klimatologen antworten. *Gaudenz Mischol* widerspricht Stefan Brönnimann. Rein statistisch gesehen müssten Korrekturen nach oben genauso häufig vorkommen wie solche nach unten. Wer die Korrekturen aber aufmerksam verfolge, sehe, dass die Korrekturen immer in dieselbe Richtung gingen: Die Vergangenheit würde kälter, die Gegenwart wärmer, mit dem Ziel, einen möglichst grossen Trend zu haben. Homogenisierung sei etwas sehr Gefährliches, da sie immer auf Annahmen beruhe. Wer könne schon beurteilen, wie die Temperaturmessung vor 100 Jahren gewesen sei und wie sie korrigiert werden müsse? Er kenne auch keine andere Wissenschaft – *Gaudenz Mischol* verwendet für dieses Stichwort doppelte Anführungszeichen, möglicherweise um deutlich zu machen, dass es sich eigentlich nicht um Wissenschaft handle – in welcher Daten „dauernd“ geändert würden. Dies würde bei ihm zumindest nicht viel Vertrauen in entsprechende Temperaturreihen erzeugen.

Tabelle 29 gibt einen Überblick über die besprochenen Kommentare des obersten Threads.

Tabelle 29: Thread mit einem Kommentar von Stefan Brönnimann zum Artikel „Ein Winter der Rekorde“.

1.      Hansruedi Tscheulin
Wenn man heutige Temperaturen mit jenen in der Vergangenheit vergleicht, darf man die sonderbaren Manipulationen an den Temperatur-Messwerten, sogenannte „Homogenisierungen“, nicht übersehen, die es seit etwa 2010 gibt. Plötzlich wurde es in der Vergangenheit an vielen Orten kälter. Dadurch wird die Erwärmung übertrieben – jedenfalls auf dem Papier. Eben haben 300 Naturwissenschaftler und andere massgeblichen Leute vor dem US-Kongress geklagt, dass die NASA versuche, diesen 15 (jetzt schon 18) Jahre dauernden „Hiatus“ (keine Erwärmung) zum Verschwinden zu bringen. Das Eidgenössische Institut für Metrologie (!) macht mit. Beispiel Sion: Aus 0,3°C Erwärmung seit 1880 wurden plötzlich 2°C.Empfehlen (7)
a.      Hansruedi Tscheulin
Korrektur: NOAA, nicht NASA
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b.      Emil Eugster
„300 Wissenschaftler und andere massgeblichen Leute“ Soll uns das beindrucken? Ich frage sie: „Wo bleiben ihr Argumente, Daten, wissensch. Studien, die ihre Hypothese belegen?“
Ausserdem: Wie viele davon sind Klimawissenschaftler?Geradzu lächerlich machen sie sich mit ihrem Bezug auf das Jahr 1998. Erstens gab es auch seit dann eine Erwärmung, zweiten ist ein einzelnes (extrem El-Niño) Jahr um einen Klimatrend zu beschreiben unbrauchbar und drittens wird das Jahr 1998 in der Statistik der wärmsten Jahre nach hinten durchgereicht.1. 2015 0.27°C wärmer als 1998,2. 2014,3. 2010,4, 2005,5. 1998 nur 0.01°C vor

6. 2013 und 2003 und 0.02°C vor

7. 2002 und 0.04°C vor

8. 2006, 2009, 2007

also praktisch gleich warm.

Um einen Trend zu erkennen nehmen sie die drei-, fünf,- 30-Jahresmittel

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                                                i.     Gaudenz Mischol
So, so ein einzelnes Jahr extremes El-Nino-Jahr sollte nicht verwendet, um einen Trend zu beschreiben. Und was bitte ist denn 2015 für ein El-Nino-Jahr. Das war wohl ein Schuss in den Busch…
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                                              ii.     Emil Eugster
„So, so ein einzelnes Jahr extremes El-Nino-Jahr sollte nicht verwendet, um einen Trend zu beschreiben.“Ja!“Und was bitte ist denn 2015 für ein El-Nino-Jahr. Das war wohl ein Schuss in den Busch…“Hä?
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                                             iii.     Hansruedi Tscheulin vor 2 Mnt.
Unter den 300 Unterzeichnern des Briefes sind 150 mit einem Doktorgrad in einem verwandten Studienbereich. 25 sind Klima- oder Atmosphären-Wissenschaftler. Dann hat es 23 Geologen, 18 Meteorologen, 51 Ingenieure, 74 Physiker, 20 Chemiker und 12 Ökonomen. Einer ist ein Nobelpreisträger für Physik. 2 sind Astronauten.
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                                             iv.     Max Bruppbacher vor 2 Mnt.
@Tscheulin Von diesen 150 personen arbeitet nur eine handvoll immernoch in den Wissenschaften und dies sind dann auch die üblichen verdächtigen wie herr Harde, Svensmark etc.. und die Noaa hatte innerhalb von einer Woche eine Liste von 90’000!!!! Personen (davon 2300 Wissenschaftler) zusammen, welche gegen diese lächerliche petition sind!
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                                               v.     Emil Eugster vor 2 Mnt.
Herr Teuschlin es bleibt ein argumentum ad verecundiam und es bleibt bei der von ihnen nicht beantworteten Frage: „Wo bleiben ihr Argumente, Daten, wissensch. Studien, die ihre Hypothese belegen?“
Sie argumentieren auf der Stufe eines Kreationisten. Kennen sie das „Project Steve“ der American Association for the Advancement of Science? Es wäre ein Leichtes ihrer Liste so eine Liste gegenüber zu stellen.
Trotzdem sollten sie endlich echte Belege für ihre Behauptungen zeigen oder schweigen.
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c.      Max Bruppbacher

Ach Herr Tscheulin.. immer wieder das selbe. Diese Homogenisierung wird schon seit den 50ern gemacht und im IPCC AR5 WG1 Kapitel2 wird genau erklärt weshalb. wo welche daten, wie homogenisiert werden. Werden sie mal konkret! Sagen sie mir mal welche daten genau, weshalb falsch behandelt werden!!

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                                                i.     Gaudenz Mischol
Ja das ist klar und deutlich: Tom Karl von der NOAA hat mit solchen Korrekturen den Hiatus weggezaubert und wie hat der das gemacht: die Messungen der Meerestemperaturen in den letzten Jahren durch die Argo Boyen, ein doch recht präzises System, wurde angepasst, an was wohl? An die älteren Daten, die durch Temperaturmessungen des Einlasswasser zur Motorkühlung bei Schiffen erhoben wurden. Die meisten Kenner waren sich einzig, dass die Temperaturen des Meerwassers bei den Einlassen wahrscheinlich zu hoch waren, aber nein, Karl kam dies gelegen, den somit konnte er den Hiatus wegzaubern. Andere Wissenschaftler, die keineswegs den menschengemachten Klimawandel ablehnen, fanden diese Korrekturen doch sehr fraglich…Empfehlen (3)
                                              ii.     Max Bruppbacher
Sie sprechen die Willis 2008 publikation an. Die hat tatsächlich Diskussionen über die Präzision der Argo Messungen ausgelöst. Solche Konflikte sind das Herzstück der Wissenschaft und stellen die Korrekte Art der Skepsis dar.Was tun also Wissenschaftler wenn sie unsicher sind wie hoch die Qualität der Daten ist? Sie suchen andere Arten das gleiche Phänomen zu messen und vergleichen..z.B. in Lyman et al 2010, Nature wurden sieben verschiedene Arten der Temperaturmessung verglichen. unterschiedliche Leute haben verschiedene Messung mit verschiedenen Instrumenten und Korrekturen durchgeführt und der Trend ist nicht zu leugnen.. mit einer 90% Konfidenz haben wir 0.5-0.7 w/m2 Erwärmung der Ozeane. weiter studien Levitus et al 2009, AGU leuliette 2009, agu alle sagen das selbeEmpfehlen (3)
                                             iii.     Max Bruppbacher
Weiterhin ergibt ihre aussage keinen Sinn. Sie sagen, dass die älteren Daten zu hoch sind weil warmwasser einlass(habe ich noch nie gehört). Wenn das tatsächlich so ist, müssten die alten daten nach unten korrigiert werden was ja einen noch grösseren erwärmungs trend ergeben würde..Empfehlen (5)
d.      Adam Lechreitner
@Tscheulin Ist das Werbung für ihr Verschwörungs-klimaskeptiker buch?Empfehlen (22)
e.      Stefan Brönnimann
Die Temperatur wurde in der Vergangenheit nicht gemessen, um Trends zu berechnen. Eine „Homogenisierung“ ist deshalb unerlässlich und wurde schon vor Jahrzehnten gemacht; alles andere wäre unwissenschaftlich. Während einige Reihen nach oben korrigiert werden mussten, wurden andere nach unten korrigiert. Die Statistik zeigt, dass frühere Messaufstellungen zum Teil empfindlicher waren gegenüber der Sonneneinstrahlung als heutige Messgeräte, so dass ältere Reihen tendenziell eher nach unten korrigiert werden müssen, aber das Umgekehrte kommt ebenso vor.Empfehlen (11)
                                                i.     Gaudenz Mischol vor 2 Mnt.
Nein, eben nicht. Rein statistisch gesehen müssten Korrekturen nach oben genau so häufig sein wie solche gegen unten. Wer die Korrekturen aber aufmerksam verfolgt hat, sieht dass die Korrekturen immer in dieselbe Richtung gehen: die Vergangenheit wird kälter, die Gegenwart wärmer, mit dem Ziel, einen möglichst grossen Trend zu haben. Homogenisierung ist etwas sehr gefährliches, da sie immer auf Annahmen beruhen. Wer kann schon beurteilen, wie die Temperaturmessung genau vor 100 Jahren war und wie sie korrigiert werden müssen? Ich kenne auch keine andere „Wissenschaft“, in der gemessene Daten dauernd geändert werden (dürfen). Das erzeugt bei mir zumindest nicht viel Vertrauen in diese Temperaturreihen.
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Mittlerer Thread

Diesen Thread eröffnet *Dani Keller* mit der Frage, wie sich der grosse Unterschied bezüglich Temperaturentwicklung zwischen Nord- und Südhalbkugel erkläre. Insbesondere in der Arktis seien die Temperaturen über die letzten Jahrzehnte stabil geblieben.

Darauf reagiert *Oliver Schmid* in Kommentar 1a) vermutlich sarkastisch: „Gute Neuigkeiten! Lasst uns in die Antarktis ziehen!“

Kommentar 1ai) kommt wieder aus der Feder von *Dani Keller*, der seinen Threaderöffnungs­kommentar ergänzend feststellt, dass die Südhalbkugel auch Teil des Globus sei und 50% zur globalen Temperatur beitrage. Vielleicht könnten ihm „Kasper[66] Plattner“ oder Stefan Brönnimann weiter­helfen, fügt *Dani Keller* hinzu. Damit richtet er seine – potenziell klima­skeptische – Frage direkt an die angekündigten Experten.

In Kommentar 1b) richtet *Heinz Leuenberger* zuerst eine Frage an *Oliver Schmid* und nimmt damit Bezug auf Kommentar 1a). Der grössere Teil seines Kommentars ist jedoch an *Dani Keller* gerichtet. Ihm liefert er zuerst eine kurze Antwort: Es sei kompliziert und das Thema nicht abschlies­send verstanden. Zudem sei eine „absolute“ Symmetrie zwischen den Polen nicht unbedingt zu erwarten. Anschliessend liefert er eine lange Antwort: Die Datenlage in der Arktis und der Antarktis sei ziemlich dünn. Vielleicht werde daher das Signal regional jeweils über- oder unter­schätzt. Zudem seien Arktis und Antarktis „zwei ganz unterschiedliche Biester“. Das Eis in der Arktis schwimme im Wasser, in der Antarktis liege es mehrheitlich auf dem Land. Die Strömungen im Ozean und in der Atmosphäre seien um die Pole herum ziemlich unterschiedlich. Die Klimaerwärmung werde dadurch jedoch nicht in Frage gestellt. Sie sei ein globales Phänomen, regional könne es Unterschiede geben.

Gian-Kasper Plattner liefert *Dani Keller* in Kommentar 1c) eine Antwort. Die Temperatur sei im letzten Jahrhundert auch auf der Südhemisphäre angestiegen, dies sei wissenschaftlich bestens dokumentiert. Es sei aber richtig, dass sich insbesondere die arktischen Landmassen auf der Nord­hemis­phäre überdurchschnittlich stark erwärmt hätten. Zudem sei die Datengrundlage vielerorts auf der Südhemisphäre und vor allem in der Antarktis (noch) nicht ausreichend, um langfristige Trends zu berechnen. Bei dieser Diskussion müsse aber beachtet werden, dass sich die globale Erwärmung nicht auf die atmosphärische Temperatur beschränke. Über 90% der zusätzlichen im Klimasystem gespeicherten Wärme/Energie seit 1970 sei im Meer gespeichert worden und habe dabei das Meer­wasser deutlich erwärmt. Der Temperaturanstieg in der Atmosphäre entspreche nur circa 1% der zusätzlichen Wärme/Energie.

In Kommentar 1d) erhält *Dani Keller* eine weitere Antwort – diesmal von *Lea Jacot*. Die Temperaturen seien in der Arktis nicht stabil geblieben. Aber auf der Südhalbkugel habe es viel mehr Wasser und viel weniger Land als auf der Nordhalbkugel. Wasser wirke regulierend auf die Tempera­tur, weil es viel Wärme aufnehmen könne und diese nur langsamer abgebe als Luft oder Landmassen. Mit einem „Da […] aber“ leitet *Lea Jacot* im darauffolgenden Satz einen Gegensatz ein, ohne einen solchen dann tatsächlich zu nennen. Stattdessen wechselt sie das Thema, ohne dass für mich klar wird, wie dieses neue Thema mit dem davor Geäusserten zusammenhängt. Sie schreibt also: „Da auf der Südhalbkugel aber“ (Hervorhebung S. J.) weniger Land und weniger Menschen zu finden seien als auf der Nordhalbkugel, gebe es dort viel weniger Messstationen und so müssten sich die Klimaforscher oft auf Satellitendaten verlassen.

In Kommentar 1e) meldet sich *Lea Jacot* erneut. Es seien in den vergangenen Jahren sehr wohl Temperaturrekorde gemessen worden in der Arktis. Gleichzeitig sei 2013 in der Ostantarktis eine rekordtiefe Temperatur gemessen worden. Sehr tiefe Temperaturen über kleinen Gebieten seien aber durchaus mit einer wärmeren Atmosphäre vereinbar. Durch die höhere Energie in der Atmosphäre könnten sich stärkere Strömungen bilden, welche die Kälte über den Polen gefangen hielten. Dies führe dazu, dass kleine Bereiche im Winter über den Polen sehr kalt würden, dafür würden rund herum viel zu hohe Temperaturen gemessen.

In Kommentar 1f) erhält *Dani Keller* eine zweitletzte Antwort. *Emil Eugster* empfiehlt ihm, Bilder von der Nordhalbkugel und der Südhalbkugel zu googlen. Er würde feststellen, dass sich die weitaus grösseren Landmassen (insbesondere, wenn man die unbewohnte Antarktis weglasse) auf der Nordhalbkugel befänden. Damit würde er auch erkennen, dass die Klimagase vor allem auf der Nordhalbkugel in die Atmosphäre freigesetzt würden. Die Luftmassen der Nord- und der Südhalb­kugel mischten sich ausserdem wenig. Trotzdem erwärme sich die Südhalbkugel auch, einfach „nicht so extrem“ wie die Nordhalbkugel.

Kommentar 1g) entspricht Kommentar 1e) im Wortlaut. Ein Blick ins Backend zeigt, dass die beiden identischen Kommentare mit einem Abstand von nur zwei Minuten eingegeben wurden. Dies spricht dafür, dass *Lea Jacot* ihren Kommentar irrtümlicherweise zweimal gepostet hat.

Mit Kommentar 1h) von *Max Bruppbacher* erhält *Dani Keller* eine letzte Antwort. Auch er macht geltend, dass die Temperaturen nicht stabil geblieben seien und nennt gleich mehrere Quellen, wo dies nachzulesen sei. Diese dürften zwar wissenschaftlicher Natur sein, wie eine erste Recherche zeigt, die genannten Publikationen sind jedoch wegen der knappen Angaben nicht auffindbar – zumindest nicht ohne längeres Suchen.

Tabelle 30 gibt einen Überblick über den besprochenen Thread.

Tabelle 30: Thread mit einem Kommentar von Gian-Kasper Plattner zum Artikel „Ein Winter der Rekorde“.

1.      Dani Keller
Wie erklärt sich der grosse Unterschied bzgl. Temperaturentwicklung zwischen Nord- und Südhalbkugel? Insbesondere in der Antarktis sind die Temperaturen über die letzten Jahrzehnte stabil geblieben.Empfehlen (4)
a.      Oliver Schmid
Gute Neuigkeiten! Lasst uns in die Antarktis ziehen!Empfehlen (6)
                                                i.     Dani Keller
Die Südhalbkugel ist auch Teil des Globus, und trägt 50% zur globalen Temperatur bei.Kasper Plattner vom Eidg. Forschungsinstitut WSL in Birmensdorf und Stefan Brönnimann können mir vielleicht weiterhelfen?!Empfehlen (3)
b.      Heinz Leuenberger
@Oliver Schmid: Warum so sarkastisch? @Dani Keller: Kurze Antwort: Es ist kompliziert und das Thema ist nicht abschliessend verstanden. Zudem ist absolute Symmetrie zwischen den Polen nicht unbedingt zu erwarten. Lange Antwort: Die Datenlage in der Arktis und der Antarktis ist ziemlich dünn. Vielleicht wird daher das Signal regional jeweils unter oder überschätzt. Zudem sind Arktis und Antarktis sind ganz unterschiedliche Biester. Das Eis in der Arktis schwimmt im Wasser, in der Antarktis liegt es mehrheitlich auf dem Land. Die Strömungen im Ozean und in der Atmosphäre (Troposphäre und Stratosphäre) sind um die Pole herum ziemlich unterschiedlich. Die Klimaerwärmung wird dadurch jedoch nicht infrage gestellt. Sie ist ein globales Phänomen, regional kann es Unterschiede geben.Empfehlen (13)
c.      Gian-Kasper Plattner
Die Temperatur ist im letzten Jahrhundert auch auf der Südhemisphäre angestiegen, dies ist wissenschaftlich bestens dokumentiert. Es ist aber richtig, dass sich insbesondere die arktischen Landmassen auf der Nordhemisphäre überdurchschnittlich stark erwärmt haben. Zudem ist die Datengrundlage vielerorts auf der Südhemisphäre, und v.a. der Antarktis, (noch) nicht ausreichend um langfristige Trends zu berechnen. Bei dieser Diskussion muss aber beachtet werden, dass sich die globale Erwärmung nicht auf die atmosphärische Temperatur beschränkt. Über 90% der zusätzlichen im Klimasystem gespeicherten Wärme/Energie seit 1970 wurde im Meer gespeichert und hat dabei das Meerwasser deutlich erwärmt. Der Temperaturanstieg in der Atmosphäre entspricht nur ca. 1% der zusätzlichen Wärme/Energie.Empfehlen (11)
d.      Jacot Lea
Die Temperaturen sind in der Antarktis nicht stabil geblieben. Aber, auf der Südhalbkugel hat es viel mehr Wasser und viel weniger Land als auf der Nordhalbkugel. Wasser wirkt regulierend auf die Temperatur, weil es viel Wärme aufnehmen kann und diese langsamer abgibt als die Luft oder Landmassen. So gesehen würde es sinn machen, wenn sich die Südhalbkugel langsamer erwärmt als die Nordhalbkugel. Da auf der Südhalbkugel aber weniger Land und weniger Menschen zu finden sind als auf der Nordhalbkugel gibt es dort viel weniger Messstationen und so müssen sich Klimaforscher oft auf Satellitendaten verlassen.Empfehlen (8)
e.      Jacot Lea
Um zur Antarktis zurück zu kommen: Es wurden sehr wohl Temperaturrekorde gemessen in den letzten Jahren (bis zu 18 Grad Plus). Gleichzeitig wurde 2013 in der Ostantarktis eine Rekordtiefe Temperatur gemessen. Sehr tiefe Temperaturen über kleinen Gebieten über den Polen sind aber durchaus mit einer wärmeren Atmosphäre vereinbar. Durch die höhere Energie in der Atmosphäre können sich stärkere Strömungen bilden, welche die Kälte über den Polen „gefangen“ hält. Dies führt dazu, dass kleine Bereiche im Winter über den Polen sehr kalt werden (führt auch zu Ozonzerstörung), dafür werden rundherum viel zu hohe Temperaturen für die Jahreszeit gemessen.Empfehlen (6)
f.       Emil Eugster
Gogeln sie mal Bilder „Südhalbkugel“ und „Nordhalbkugel“. Sie werden feststellen, dass die weitaus grösseren Landmassen (besonders, wenn man die unbewohnte Antarktis weglässt) sich auf der Nordhalbkugel befinden. Damit erkennen sie, dass auch die Klimagase vorallem auf der Nordhalbkugel in die Atmosphäre freigesetzt werden. Die Luftmassen der Nord- und Südhalbkugel mischen sich ausserdem wenig.
Trotzdem erwärmz sich die Sühalbkugel auch, einfach nicht so extrem, wie die Nordhalbkugel.
Empfehlen (8)
g.      Jacot Lea

Um zur Antarktis zurück zu kommen: Es wurden sehr wohl Temperaturrekorde gemessen in den letzten Jahren (bis zu 18 Grad Plus). Gleichzeitig wurde 2013 in der Ostantarktis eine Rekordtiefe Temperatur gemessen. Sehr tiefe Temperaturen über kleinen Gebieten über den Polen sind aber durchaus mit einer wärmeren Atmosphäre vereinbar. Durch die höhere Energie in der Atmosphäre können sich stärkere Strömungen bilden, welche die Kälte über den Polen „gefangen“ hält. Dies führt dazu, dass kleine Bereiche im Winter über den Polen sehr kalt werden (führt auch zu Ozonzerstörung), dafür werden rundherum viel zu hohe Temperaturen für die Jahreszeit gemessen.

Empfehlen (8)

h.      Max Bruppbacher
@Keller ausser dass die Temperaturen nicht stabil geblieben sind. nachzulesen zB. in der American Met. Soc Zhang 2006. oder in publikation von der Gruppe um Brian Farrel z.B. Boning et al 2008 oder eine gute Präsentation an der AGU online auf agu.org von turner 2009Empfehlen (6)

 

Unterster Thread

Der Eröffnungskommentar von diesem untersten Thread stammt von *Rolf Rothacher*. Er beginnt seinen Kommentar mit dem Hinweis darauf, dass niemand daran zweifle, dass die Messstationen weltweit höhere Werte verzeichneten. Nur hätten viele dieser Stationen vor 50 Jahren noch in kaum bewohnten Gegenden gelegen und stünden heute mitten in Wohngebieten. Die Erdbevölkerung habe sich in den letzten 40 Jahren verdoppelt. Dass Strassenbeläge mehr Hitze aufnähmen und diese anschliessend wieder abgäben, sei auch eine Tatsache. In der freien Natur würde es abends deutlich rascher kühler als in der Stadt. All das wolle „die Wissenschaft“ herausgerechnet haben? Was trotzdem bleibe, sei der Umstand, dass 70% des CO2 möglicherweise aus dem Meer stamme, wir Menschen höchstens 10% durch fossile Brennstoffe hinzufügten. 10% könnten das Gleichgewicht stören, das sei keine Frage. Es sei jedoch „reine Scharlatanerie“ dies berechnen zu wohlen.

Darauf antwortet *Amalia Zürcher* in Kommentar 1a), *Rolf Rothacher* solle keine Märchen verbreiten – die Meere würden CO2 aufnehmen und nicht abgeben. Und er wage es, andere als Scharlatane zu bezeichnen, beendet *Amalia Zürcher* ihren kurzen Kommentar.

Mit Kommentar 1b) schaltet sich Gian-Kasper Plattner ein. Der von *Rolf Rothacher* beschriebene Erwärmungseffekt durch Änderungen in der Landnutzung und Verstädterung sei real, werde aber wissen­schaftlich seit Jahren im Detail untersucht und sei berücksichtigt in den Temperaturtrend­analysen. Die wissenschaftlichen Analysen würden zeigen, dass diese Effekte kaum mehr als 10% zum gemessenen globalen Temperaturanstieg über die letzten 100 und mehr Jahre beigetragen hätten. Regional und kurzfristig könnten diese Effekte aber durchaus mehr zur beobachteten Temperatur­änderung beitragen.

Kommentar 1c) stammt ebenfalls von Gian-Kasper Plattner, der sich nun dem ‚Kohlenstoff-Argument‘ von *Rolf Rothacher* annimmt. Die Weltmeere würden in der Tat riesige Mengen an Kohlestoff beheimaten, fast 60 Mal mehr Kohlenstoff als in der Atmosphäre vorhanden sei. Dies sei die natürliche Verteilung des Kohlenstoffs im globalen Kohlestoffkreislauf. Dieser natürliche Kohlenstoffkreislauf werde aber gestört durch die Menschheit. Fast 50% der menschlichen CO2-Emissionen würden für sehr lange Zeit in der Atmosphäre verbleiben und da den Treibhauseffekt verstärken. Die Weltmeere und auch die Vegetation der Erde würden zur Zeit insgesamt, also weltweit und im jährlichen Mittel, CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen und dadurch den menschgemachten Anstieg von CO2 in der Atmosphäre und den damit verbundenen Klimawandel dämpfen.

Mit Kommentar 1d) erhält *Rolf Rothacher* eine letzte Antwort. *Max Bruppbacher* erklärt, dass globale Temperaturen heute mithilfe von Satelliten gemessen und das Bodennetz entsprechend korrigiert würde(n). Der „urban heat effect“ sei aber ernst genommen und untersucht worden, verweist *Max Bruppbacher* auf mehrere Publikationen – von denen ich annehme, dass sie wissenschaftlicher Natur sind, die sich aber mittels der knappen Angaben nicht auffinden lassen. Diese Publikationen kämen zum Schluss, dass der gemessene Temperaturtrend viel grösser sei als die maximale Auswirkung der Hitzeinseln. Unter Verweis auf ein Kapitel aus dem IPCC-Bericht geht *Max Bruppbacher* anschliessend auf das ‚Kohlenstoff-Argument‘ ein und erklärt, dass etwa 35% (70 Gt) der CO2-Emissionen aus dem Meer kämen. Das Meer nähme aber ebenso viel wieder auf. Die terrestrische Vegetation emittiere circa 120 Gt pro Jahr und nehme auch wieder so viel auf. Lediglich die 6.5 Gt des Menschen blieben unausgeglichen. Wie *Dani Keller* im mittleren Thread meldet sich auch *Rolf Rothacher* nicht erneut. Die beiden sind weniger hartnäckig als andere Klimaskeptiker­*innen. Es ist nicht auszuschliessen, dass sie sich von Gian-Kasper Plattner oder allenfalls anderen Klimabewegten im Forum haben überzeugen lassen.

Die soeben besprochenen Kommentare sind in Tabelle 31 festgehalten.

Tabelle 31: Thread mit zwei Kommentaren von Gian-Kasper Plattner zum Artikel „Ein Winter der Rekorde“.

1.      Rolf Rothacher
Niemand zweifelt daran, dass die Messstationen weltweit höher Werte verzeichnen. Nur lagen viele dieser Stationen vor 50 Jahren noch in kaum bewohnten Gegenden, stehen heute Mitten in Wohngebieten. Die Erdbevölkerung hat sich in den letzten 40 Jahren ja verdoppelt. Dass Strassenbeläge mehr Hitze aufnehmen und sie abends langsam wieder abgeben ist auch eine Tatsache (in der freien Natur wird’s am Abend deutlich rascher kühler, als mitten in der Stadt).All das will die Wissenschaft herausgerechnet haben? Von mir aus.Was trotzdem bleibt ist der Umstand, dass 70% des CO2 natürlicherweise aus dem Meer stammt, wir Menschen höchstens 10% durch fossile Brennstoffe hinzufügen. 10% können das Gleichgewicht stören, keine Frage. Dies jedoch berechnen zu wollen, ist reine Scharlatanerie.Empfehlen (12)
a.      Amalia Zürcher
Sie sollten keine Märchen verbreiten. Die Meere nehmen CO2 auf, sie geben es nicht ab! Und Sie wagen es, andere als Scharlatane zu bezeichnen..Empfehlen (27)
b.      Gian-Kasper Plattner
Sehr geehrter Herr Rothacher, der von Ihnen beschrieben Erwärmungseffekt durch Änderungen in der Landnutzung und der Verstädterung (Stichwort „städtische Wärmeinsel“) ist real, wird aber wissenschaftlich seit Jahren im Detail untersucht und ist berücksichtigt in den Temperaturtrendanalysen. Die wissenschaftlichen Analysen zeigen, dass diese Effekte kaum mehr als 10% zum gemessenen globalen Temperaturanstieg beigetragen haben über die letzten 100 und mehr Jahre. Regional und kurzfristig können diese Effekte aber durchaus mehr zur beobachteten Temperaturänderung beitragen.Empfehlen (19)
c.      Gian-Kasper Plattner
Sehr geehrter Herr Rothacher, noch eine Bemerkung zum CO2: die Weltmeere beheimaten in der Tat riesige Mengen an Kohlenstoff, fast 60 mal mehr Kohlenstoff als in der Atmosphäre vorhanden sind. Das ist die natürliche Verteilung des Kohlenstoffs im globalen Kohlenstoffkreislauf. Dieser natürliche Kreislauf wird aber gestört durch die Menschheit: fast 50% der menschlichen CO2 Emissionen verbleiben für sehr lange Zeit in der Atmosphäre und verstärken da den Treibhauseffekt. Die Weltmeere und auch die Vegetation der Erde nehmen zur Zeit insgesamt, d.h. weltweit und im jährlichen Mittel, CO2 aus der Atmosphäre auf und dämpfen damit den menschgemachten Anstieg von CO2 in der Atmosphäre und den damit verbundenen Klimawandel.
Empfehlen (16)
d.      Max Bruppbacher
@Rotacher Globale Temperaturen werden heute mithilfe von Satelliten gemessen und das Boden netz entsprechend korrigiert!Der urban heat effect wurde aber ernst genommen und untersucht. hansen et al 2001, peterson et al 2003, parker 2006 oder jones 2008 sind nur einige davon. Sie alle kommen zum schluss dass der gemessene temperatur trend viel grösser ist als die maximale Auswirkung der Hitze inseln..Zum CO2: im IPCC AR5 WG1 Kapitel 6.1.1 können sie mit allen quellen nachlesen dass etwa 35% der CO2 emissionen aus dem Meer kommen. (ca. 70GT pro jahr) Das Meer nimmt aber auch 70 GT pro Jahr Co2 auf! Die terrestrische Vegetation emittiert ca 120GT/J und nimmt auch wieder so viel auf.. Lediglich die 6.5 GT/J der Menschen bleiben unausgeglichen..Empfehlen (10)

 

Fazit

In allen drei Threads ist das Diskussionsniveau recht hoch. Mit *Emil Eugster*, *Max Bruppbacher* und *Lea Jacot* sind neben den Klimatologen drei weitere klimabewegte Kommentator*innen im Forum, die wissenschaftsnah argumentieren. Insbesondere *Max Bruppbacher* wirkt besonders gut informiert und ergänzt seine Angaben mit Quellenverweisen nach dem Muster Autor(en) Jahr. Allerdings reichen diese Angaben in der Regel nicht aus, um die Quellen wirklich finden zu können.

Im obersten Thread zeigt sich mit der Reaktion von *Gaudenz Mischol* auf den Kommentar von Stefan Brönnimann, wie schwierig es ist, Klimaskeptiker­*innen von ihrer Position abzubringen. Stefan Brönnimann hat gerade erklärt, weshalb ältere Messungen tendenziell nach unten korrigiert werden müssten, dass aber auch das Gegenteil vorkomme. Dieser Erklärung zum Trotz hält *Gaudenz Mischol* entgegen, dass „rein statistisch gesehen“ Korrekturen nach oben genauso häufig sein müssten wie solche nach unten – und legt damit nahe, dass er die Erklärung von Stefan Brönnimann nicht rezipiert hat respektive vielleicht auch nicht rezipieren will oder kann. Eine mögliche Erklärung für diese Beobachtung bietet die Theorie der kognitiven Dissonanz: Wenn *Gaudenz Mischol* den Erklärungen von Stefan Brönnimann vertrauen würde, würde dadurch vielleicht Dissonanz entstehen, weil er möglicherweise gerne grosse Autos fährt oder mit anderen Tätigkeiten für einen hohen Treibhausgasaustoss sorgt und er aber gleichzeitig besorgt ist um die Zukunft der Bewohner*innen des Planeten Erde.

Im mittleren Thread kommt es ein zweites – und für dieses Forum letztes – Mal dazu, dass ein Kommentator auf die Klimatologen eingeht oder hier passender: auf die Klimatologen zugeht. So fordert *Dani Keller* die Klimatologen auf, seine Frage zu beantworten. Diese Stelle im Thread ist bemerkenswert in verschiedener Hinsicht. So bleibt beispielsweise offen, ob *Dani Keller* ein Klimaskeptiker ist – seine Frage könnte zwar einen klimaskeptischen Hintergrund haben, eine solche Lesart scheint aber nicht zwingend. Möglich ist auch, dass *Dani Keller* unentschieden oder sogar klimabewegt ist und trotzdem kritische Fragen herumträgt – und jetzt endlich stellen kann – oder gezielt die Anwesenheit der Klimatologen nützt, um eine kritische respektive skeptische Frage beantworten zu lassen. Theoretisch ist denkbar – dass ein*e Klimaskeptiker*in aus *Dani Kellers* Umfeld diese Frage gestellt hatte – und er sie, obwohl klimabewegt, nicht beantworten konnte und nun die Gelegenheit nützt, die Frage den Experten zu stellen. Bemerkenswert ist hier weiter, dass sich *Dani Keller* im weiteren Verlauf nicht mehr meldet und dass keine (anderen) Klimaskeptiker*innen auf die klimabewegten Gegenargumente eingehen. Weiterhin bemerkenswert ist die Frage von *Dani Keller*, weil ein für die Versuchsdaten einmaliges Setting entsteht: Die Klimatologen werden als Experten angesprochen und damit – vermutlich – auch als solche wahrgenommen.

Im untersten Thread gibt es – obwohl sich dort gleich zwei Kommentare von Gian-Kasper Plattner befinden, keine sichtbare Wirkung dieser Kommentare, die über die Empfehlen hinausgeht. Was diese betrifft, so zeigen sie, dass Gian-Kasper Plattners Kommentare auf breite Zustimmung stossen – obwohl sie mehrere Stunden nach dem klimaskeptischen Eröffnungskommentar verfasst wurden, erhalten sie deutlich mehr Zustimmung als dieser.

Allgemein kann festgehalten werden, dass Klimaskeptiker*innen in den untersuchten Threads deutlich weniger präsent sind als Klimabewegte und dass skeptische Argumente oft von mehreren Kommentator*innen zurückgewiesen werden.

Eine Auflösung der strittigen Thesen in dem Sinn, dass sich die Kontrahenten gegenseitig näherkommen, findet nicht statt und kein*e Klimaskeptiker*in räumt ein, dass sie respektive er von den Gegenargumenten überzeugt worden ist. Es gibt aber einseitige ‚Annäherungsversuche‘ von Seiten der Klimabewegten. So schreibt etwa *Max Bruppbacher* im obersten Thread: „Sie sprechen die Willis 2008 publikation [sic] an. Die hat tatsächlich Diskussionen über die Präzision der Argo Messungen ausgelöst. Solche Konflikte sind das Herzstück der Wissenschaft und stellen die Korrekte [sic] Art der Skepsis dar.“ Und Gian-Kasper Plattner geht in allen drei Kommentaren so vor, dass er einsteigend zum Ausdruck bringt, dass zumindest ein Teilaspekt des genannten skeptischen Argumentes richtig ist – und dann anschliessend erklärt, was dennoch nicht stimmt (Tabelle 32).

Tabelle 32: Gian-Kasper Plattner gibt den Skeptikern in Bezug auf Teilaspekte recht. Hervorhebungen S. J.

Gian-Kasper Plattner
Die Temperatur ist im letzten Jahrhundert auch auf der Südhemisphäre angestiegen, dies ist wissenschaftlich bestens dokumentiert. Es ist aber richtig, dass sich insbesondere die arktischen Landmassen auf der Nordhemisphäre überdurchschnittlich stark erwärmt haben. Zudem ist die Datengrundlage vielerorts auf der Südhemisphäre, und v.a. der Antarktis, (noch) nicht ausreichend um langfristige Trends zu berechnen. Bei dieser Diskussion muss aber beachtet werden, dass sich die globale Erwärmung nicht auf die atmosphärische Temperatur beschränkt. Über 90% der zusätzlichen im Klimasystem gespeicherten Wärme/Energie seit 1970 wurde im Meer gespeichert und hat dabei das Meerwasser deutlich erwärmt. Der Temperaturanstieg in der Atmosphäre entspricht nur ca. 1% der zusätzlichen Wärme/Energie.Empfehlen (11)
Gian-Kasper Plattner
Sehr geehrter Herr Rothacher, der von Ihnen beschrieben Erwärmungseffekt durch Änderungen in der Landnutzung und der Verstädterung (Stichwort „städtische Wärmeinsel“) ist real, wird aber wissenschaftlich seit Jahren im Detail untersucht und ist berücksichtigt in den Temperaturtrendanalysen. Die wissenschaftlichen Analysen zeigen, dass diese Effekte kaum mehr als 10% zum gemessenen globalen Temperaturanstieg beigetragen haben über die letzten 100 und mehr Jahre. Regional und kurzfristig können diese Effekte aber durchaus mehr zur beobachteten Temperaturänderung beitragen.Empfehlen (19)
Gian-Kasper Plattner
Sehr geehrter Herr Rothacher, noch eine Bemerkung zum CO2: die Weltmeere beheimaten in der Tat riesige Mengen an Kohlenstoff, fast 60 mal mehr Kohlenstoff als in der Atmosphäre vorhanden sind. Das ist die natürliche Verteilung des Kohlenstoffs im globalen Kohlenstoffkreislauf. Dieser natürliche Kreislauf wird aber gestört durch die Menschheit: fast 50% der menschlichen CO2 Emissionen verbleiben für sehr lange Zeit in der Atmosphäre und verstärken da den Treibhauseffekt. Die Weltmeere und auch die Vegetation der Erde nehmen zur Zeit insgesamt, d.h. weltweit und im jährlichen Mittel, CO2 aus der Atmosphäre auf und dämpfen damit den menschgemachten Anstieg von CO2 in der Atmosphäre und den damit verbundenen Klimawandel.
Empfehlen (16)

 

Es ist darauf hinzuweisen, dass sich in den drei besprochenen Threads verschiedene ‚Skeptiker*innentypen‘ melden. Während im obersten Thread mit *Gaudenz Mischol* und *Hansruedi Tscheulin*[67] zwei sehr aktive und überzeugte Klimaskeptiker präsent sind, welche sich regelmässig an den Foren des Tages-Anzeigers zum Thema Klimawandel beteiligen, sind im mittleren und im unteren Thread mit *Rolf Rothacher* und *Dani Keller* zwei (potenzielle) Klimaskeptiker­*innen beteiligt, welche im analysierten Datenmaterial einschliesslich der Pilotanalyse sonst nirgends auftreten, und zwar eine skeptische Frage stellen, sich dann aber nicht mehr am Forum beteiligen. Dass sich die sehr aktiven und überzeugten Klimaskeptiker *Hansruedi Tscheulin* und *Gaudenz Mischol* nicht einfach so umstimmen lassen, dürfte wenig erstaunen. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass es auch weniger entschlossene Klimaskeptiker*innen gibt – wie möglicherweise *Rolf Rothacher* oder *Dani Keller* –, die sich von den Klimatologen im Forum (oder von anderen klimabewegten Kommentator*innen) haben überzeugen lassen. Allerdings kann dies hier nicht überprüft werden. Dabei zeigen sich die Grenzen dessen, was meine Arbeit leisten kann: Sie deckt nur den – im Forum selbst – sichtbaren Bereich der Wirkungen ab und kann über daraus hinausgehende Wirkungen keine Aussagen machen.

 

6.3.2.6.2 Kurze Zusammenfassung des Artikels

Ausgangspunkt des Artikels von Martin Läubli ist der aktuelle El Niño. Läubli zeigt, welche Probleme dieses episodisch alle drei bis sieben Jahre auftretende Wetterphänomen in den betroffenen Regionen verursacht und erklärt, wie El Niño entsteht. Der aktuelle El Niño sei fast so stark wie derjenige 1997/1998. Grundsätzlich sei bei einem El Niño mit einem sehr warmen Jahr zu rechnen. Dennoch könne das gegenwärtige Ereignis die globalen Temperaturrekorde nur teilweise erklären. Von Dezember bis Februar habe jeder Monat für sich eine neue Rekordmarke gesetzt – und geradezu ‚pulverisiert‘ worden sei der alte Monatsrekord für den Februar aus dem Jahr 1998, welcher je nach Datensatz 0,3 bis fast 0,5 Grad Celsius tiefer gelegen habe.

Im weiteren Verlauf des Artikels lässt Martin Läubli mit Klimaphysiker Reto Knutti von der ETH und Urs Neu von der Plattform Pro Clim der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften zwei Experten zu Wort kommen. Reto Knutti will den warmen Februar nicht überbewerten, ein einzelner Monat sei ein Wetterereignis, Klimawandel hingegen zeige sich in Veränderungen über viele Jahrzehnte. Schreite die beobachtete langfristige Erderwärmung jedoch weiter voran, so werde es immer wahrscheinlicher, dass sich warme Winter und Jahre wie 2014 und 2015 häufen werden. Das besondere an diesen Jahren, die beide neue Temperaturrekorde gebracht hätten sei, dass El Niño 2014 gar keinen Einfluss hatte und im Jahr 2015 nur einen geringen, da der Haupteffekt auf die globale Jahrestemperatur erst verzögert in diesem Jahr auftreten werde, schliesst Läubli den Abschnitt.

Für Urs Neu sei die gegenwärtige Entwicklung wahrscheinlich einfach eine ‚Rückkehr‘ in den Bereich des erwarteten Trends, wie ihn die Klimamodelle voraussagten. In den letzten 15 Jahren seien die gemessenen durchschnittlichen Jahrestemperaturen unterhalb der erwarteten Werte der Klimamodelle verlaufen. Klimaforscher hätten stets davor gewarnt, falsche Schlüsse zu ziehen. Stagnationsphasen habe es in den letzten 100 Jahren immer wieder gegeben, verweist Läubli auf den IPCC. Sei der Trend dann erneut angestiegen, so immer auf einem höheren Niveau. Es habe also jeweils eine Art Sprung in der Temperaturkurve gegeben. Gleich darauf erklärt Läubli, weshalb: Natürliche Schwankungen hätten jeweils für eine gewisse Zeit den Erwärmungstrend kaschiert. Diese Schwankungen könnten Klimamodelle nur schlecht in die Zukunft abbilden, weil es dafür verschiedene Ursachen gebe, so beispielsweise Partikel aus vulkanischen Eruptionen oder eine sich verändernde Sonneneinstrahlung.

Läubli schliesst seinen Artikel mit den Worten von Reto Knutti: „Das Argument einer Klimapause ist angesichts der warmen Jahre 2014 und 2015 sowie dieses Winters nicht mehr gerechtfertigt.“ Da sich El Niño laut den Forscher*innen erst in diesem Jahr allmählich abschwächen werde, sei mit einem weiteren Temperaturrekord zu rechnen.

 

6.3.2.6.3 Beziehungen zwischen Artikel und Kommentaren

Im obersten der drei Threads spielt El Niño zwar am Rande eine Rolle, wenn *Emil Eugster* *Hansruedi Tscheulin* erklärt, dass er sich mit dem Bezug auf das Jahr 1998 „geradezu lächerlich“ mache, und wenn El Niño in den beiden Folgekommentaren nochmals genannt wird. Es ist aber nicht klar, ob *Emil Eugster* wegen des Artikels erkennt (oder zu erkennen meint), dass *Hansruedi Tscheulin* auf das Jahr 1998 und damit auf ein Jahr mit El Niño Bezug nimmt, oder ob das El-Niño-Wissen zum Vorwissen von *Emil Eugster* gehört. Auf jeden Fall bietet El Niño eine gute Möglichkeit, das skeptische Argument von *Hansruedi Tscheulin* zu kontern.

In den beiden anderen Threads werden Themen diskutiert, die nur allgemein über das Hauptthema Klimawandel mit dem Artikel verknüpft sind.

 

6.3.3 NZZ

Da in der Pilotanalyse nicht auf das Forum der NZZ eingegangen worden ist, sollen hier in einem ersten Unterkapitel einige Beobachtungen zum Aufbau des Forums gemacht werden. Erst in einem zweiten Unterkapitel werden dann die entstandenen Kommentare analysiert und in Bezug zum Artikel selbst gesetzt.

 

6.3.3.1 Vorbemerkungen zum Forum der NZZ

Eine Besonderheit des Forums der NZZ ist, dass dieses über Disqus abgewickelt wird. Disqus ist ein Onlinedienst, der eine zentralisierte Diskussionsplattform für Webseiten anbietet. Die Kommentare erscheinen jedoch, wie in den anderen Foren, direkt unter dem jeweiligen Artikel, sind also in die Webseite integriert. Im Gegensatz zu den Foren unter blick.ch und tagesanzeiger.ch ist es hier theoretisch möglich, beliebig lange Kommentare zu verfassen (allerdings schreibt die Netiquette vor, dass Kommentare nicht mehr als 2000 Zeichen umfassen sollen), und auch Verweise auf Webseiten in Form von Links sind kein Problem.

Auch die Bewertungen (Symbole ˄ und ˅) weichen in diversen Punkten von denjenigen unter blick.ch und tagesanzeiger.ch ab. Die Zahlen unterhalb der Beiträge stehen in der NZZ (Tabelle 36) stets für die Zustimmung der Leser*innen (Symbol ˄ – auch bezeichnet als „Gefällt mir“ – man fahre hierzu auf das Symbol ˄ unter einem noch nicht bewerteten Artikel). Wenn der Mauszeiger auf diesem Symbol platziert wird und bereits Bewertungen abgegeben worden sind, ist es (im Gegensatz zu Tages-Anzeiger und Blick) möglich, zu sehen, wer das Symbol angewählt hat. Nicht erschlossen ist mir allerdings die Funktionsweise des Gegensymbols (˅ – auch bezeichnet als „Gefällt mir nicht“, wenn der Mauszeiger entsprechend platziert worden ist). Es scheint, dass dieses kaum Anwendung erfährt oder genauer: nicht ‚funktionstüchtig‘ ist, denn weder im vorliegenden Herkules-Forum noch in weiteren Foren, welche ich mir zu diesem Zweck angeschaut habe, finde ich Beispiele für die Anwendung der Negativbewertung. In einem ‚Selbstversuch‘ stelle ich allerdings fest, dass mit dem Negativ-Symbol ˅ die eigene Gefällt-mir-Bewertung rückgängig gemacht werden kann, dass aber darüberhinausgehend wohl keine Negativbewertung möglich ist. Wird das Symbol ˅ angewählt, so wird dieses rot eingefärbt (was als Fehlerhinweis interpretiert werden kann), es erscheint jedoch keine Zahl und das rot-eingefärbte Symbol ist nur auf dem eigenen Bildschirm rot – nicht jedoch, wenn (ohne Einloggen) über einen anderen Computer die Seite angewählt wird. Obwohl das Symbol ˅ suggeriert, dass auch eine Negativbewertung möglich ist, scheint es also nicht möglich zu sein, Beiträge negativ zu bewerten. In dieser Hinsicht finde ich die Disqus-Lösung der NZZ unzulänglich respektive unlogisch. Ob es einer Diskussionskultur zu Gute kommt, wenn Beiträge negativ bewertet werden können, ist eine andere Frage. Es ist zudem so, dass nur registrierte Benutzer*innen Bewertun­gen abgeben können – im Gegensatz zu den Foren unter blick.ch und tagesanzeiger.ch, wo Bewer­tun­gen auch nicht registrierten Benutzer*innen offenstehen. Im analysierten Forum der NZZ werden allerdings nur sehr wenige Bewertungen abgegeben, weshalb sie in der Analyse sind berücksichtigt werden.

Das Forum der NZZ verfügt – wie auch die Foren des Tages-Anzeigers[68] und des Blicks[69] – über Diskussionsregeln[70]: bei der NZZ in Form einer Netiquette (Link[71]). Zudem setzt sich die Redaktion sichtbar für eine „konstruktive Diskussions-Kultur“ ein, indem sie sich gelegentlich in Diskussionen einmischt, Kommentare entfernt, die gegen die Netiquette verstossen, einzelne Foren schliesst, wenn sich die Diskussion ungünstig entwickelt respektive der notwendige Moderationsbeitrag zu hoch wird oder allgemein darauf hinweist, dass zu einem bestimmten Beitrag (z. B. Agenturmeldung) nicht diskutiert werden kann. So findet sich etwa folgender Hinweis in Kommentarform: „Liebe Leserinnen und Leser, wir bieten hier kein Forum an, da es sich um eine Agenturmeldung handelt. Damit wir eine konstruktive Diskussions-Kultur gewährleisten können, moderieren wir eingehende Kommentare bei ausgewählten Artikeln. Wir danken für Ihr Verständnis“ (Link[72]). Beim hier zu besprechenden Forum zum Artikel „Klimavertrag von Paris. Herkules im globalen Treibhaus“ waren zum Entstehungs­zeitpunkt der Kommentare allerdings keine Moderationsmassnahmen sichtbar. Erst circa Mitte März und damit circa drei Monate nach Erscheinung von Artikel und Kommentaren wurden zwei Kommentare entfernt, wie bei der Überprüfung der Tabelle festgestellt werden konnte. Eine Anfrage bei der NZZ bezüglich des Grundes für die Löschung wurde nicht beantwortet. Die beiden gelöschten Kommentare zeigt Tabelle 40 im Anhang.

 

6.2.3.2 „Klimavertrag von Paris. Herkules im globalen Treibhaus“

Die einzige Gelegenheit zur Einschaltung in ein Kommentarforum der NZZ bot sich mit dem Artikel „Klimavertrag von Paris. Herkules im globalen Treibhaus“ von Andreas Rüesch, welcher am 13. Dezember 2015 veröffentlicht wurde.

 

6.2.3.2.1 Analyse der Kommentare

Im Artikelforum sind insgesamt 21 Kommentare entstanden – wovon zwei zu einem späteren Zeitpunkt entfernt wurden (Tabelle 40). Die beiden entfernten Kommentare waren in anderen Threads enthalten als diejenigen von Gian-Kasper Plattner, weshalb die Löschung für die Analyse keine besondere Relevanz besitzt. Sechs der insgesamt 21 respektive 19 Kommentare gehen auf die Autorschaft von Gian-Kasper Plattner zurück. Die sechs Kommentare von Gian-Kasper Plattner sind auf drei Threads verteilt.

12 der entstandenen 21 (respektive 19) Kommentare sind in den drei Threads enthalten, die im Folgenden besprochen werden sollen. Zwei der drei entstandenen Threads sind sehr kurz und bestehen nur aus 2 Kommentaren. Ein dritter Thread enthält 8 Kommentare und besteht aus einer ,Wechselrede‘ zwischen zwei Klimaskeptiker*innen und Gian-Kasper Plattner, die so strukturiert ist, dass auf einen skeptischen Einwand immer eine Erklärung von Gian-Kasper Plattner folgt. Entsprechend ist der Aufbau aller drei Threads sehr einfach.

Ein Blick auf die Kommentare ausserhalb der drei Threads, welche im Folgenden besprochen werden sollen, deutet darauf hin, dass im (vorliegenden) Kommentarforum der NZZ Klimaskeptiker*innen in der Überzahl sind und deren Argumente – ausser von Gian-Kasper Plattner – nicht (oder kaum) gekontert werden. So sind 6 der 7 verbleibenden Kommentare eindeutig als klimaskeptische Kommentare einzustufen (Tabelle 33). Nur der (nicht gelöschte) Kommentar von *Marie-Anne Zumbühl* ist nicht klimaskeptisch, aber auch nicht erkennbar klimabewegt. Und einzig im einen von zwei gelöschten Kommentaren, die beide ebenfalls von *Marie-Anne Zumbühl* stammen, wird dem Skeptiker *Renato Stiefenhofer* ansatzweise widersprochen. *Marie-Anne Zumbühl* meint – als Antwort auf den Kommentar von *Renato Stiefenhofer* in untenstehender Tabelle und insbesondere darin enthaltenen letzten Satz – ob erneuerbare Energien gefördert werden sollen oder nicht, sei eine andere Diskussion. Anschliessend nennt sie eine Reihe von Gründen, welche für erneuerbare Energien sprechen. Mit *Marie-Anne Zumbühls* Anschluss an *Renato Stiefenhofers* Kommentar wird allerdings die klimaskeptische Position von *Renato Stiefenhofer* eher bestätigt als abgelehnt: Mit „Ob die Erneuerbaren subventioniert werden sollten oder nicht. Ist eine andere Diskussion“ macht *Marie-Anne Zumbühl* deutlich, dass sie *Renato Stiefenhofer* nur in Bezug auf die Subventionen von erneuerbaren Energien widerspricht und ihm ansonsten eher (oder sogar vollumfänglich) zustimmt.

Tabelle 33: Klimaskeptische Kommentare im Forum der NZZ.

Christian Kuenzi

Die Politiker machen sich mit diesem Theater vollends zur Lachnimmer. Alle Reisen mit extrem Energie verbrauchenden Verkehrsmitteln an und schwafeln von der Klimaveränderung. Am Schliss klatschen alle gemeinsam wie Kasperfiguren in die Hände uns suhlen sich im Eigenlob.

5

Dimitri Papadopoulos

Und was wurde in Paris wirklich beschlossen? Die Temperatur um nicht mehr als 2°C ansteigen zu lassen? Toll, was Politik so alles kann… Dürfte nebenbei auch nicht so schwierig sein. Schliesslich finden der Anstieg der Temperatur und der Meeresspiegel nur in den Computermodellen der Klimapriester statt. Mit anderen Modellen kann dieses Ziel leicht erreicht werden. Die dies nachprüfen werden sind ohnehin noch nicht geboren, die die das beschlossen haben bis Ende Jahrhundert schon lange tot.

Nein, was in Paris beschlossen wurde, ist einfach dass die Staaten jetzt einen Freipass für neue Steuern, neue Subventionen, neue Verbote erhalten.

Good bye Freiheit, es lebe der staatliche Zugriff auf unsere Mobilität und viele andere Bereiche eines selbstbestimmten Lebens.

7

Renato Stiefenhofer
Zum Glück hat man in Paris keine Entscheidungen gefällt.
CO2 ist nicht ein Problem, welches wir lösen müssen/können/sollen. Der CO2-Anstieg ist das Resultat der globalen Erwärmung, nicht die Ursache! Das CO2 kommt aus den Weltmeeren. Diesen Fakt kennen die Wissenschaftler aller Couleur natürlich bestens. Sie sind ja nicht blöd; aber sie brauchen Fördergelder und Anerkennung.Die globale Durchschnittstemperatur (welche irrelevant ist) ist übrigens nachweislich seit über 16 Jahren NICHT gestiegen. Dies musste sogar IPCC zugeben.
Dass in der Schweiz diese unsäglichen pseudo-erneuerbaren Energien staatlich finanziert werden, erachte ich als Diebstahl an meinen Steuergeldern.
7
Christoph Däppen
Liebe NZZ, warum nicht einfach mal die klimageilen Journalisten in die Wüste schicken? Mit einer klimaneutralen Berichterstattung wird sich auch sofort das Klima ändern… garantiert!4
Res Zaugg

Vor dem Hintergrund, dass die menschgemachte CO2-Emmissionen gerade mal 1-2% des globalen Ausstossens betragen, weiss ich echt nicht, wie dieser Quaselverein einen Temperaturanstieg – sofern er in diesem prognostiziertem Rahmen anfällt – verhindern will. Aber es geht denen ja gar nicht um die Umwelt sondern um möglichst hohe Subventionsbeiträge…… und die Politik – mangels besseren Wissens – macht da munter mit.

1

gerhard.stehlik@gmx.de
Ceterum censeo: In der Physik gibt es keinen atmosphärischen Treibhauseffekt, sondern nur IR-aktive Faktoren der Kühlung der Atmosphäre durch das Weltall. Aber die falschen Computermodelle rechnen nun mal so, weil in den Schulen mit falschen Versuchen systematisch betrogen wird (IR-Strahler statt 15°C Boden als Wärmequelle, geschlossenes statt offenes Gefäß, Messrichtung waagrecht statt senkrecht).

 

Oberster Thread

*richard höllmüller* eröffnet diesen Thread, indem er sich an Andreas Rüesch, den Artikelautor, wendet. Mit den bisher abgegebenen Zielen sei man angeblich nicht auf über 3 Grad sondern auf 2,7 Grad (Celsius). Wobei, wie ja jeder wisse, sei diese Korrelation eine völlig künstliche und willkür­liche. „Peinlich“ werde es dann, wenn die CO2-Emissionen in den nächsten 20 Jahren deutlich sinken würden, der CO2-Gehalt in der Luft vielleicht sogar auch sinke und die Temperaturen trotzdem weiter anstiegen. Was wir dann machen würden, fragt er rhetorisch und hat gleich eine Antwort bereit: Auf „die böse Sonne schimpfen?:-)“. Dies würde dann Laurent Fabius, Angela Merkel, Barack Obama, Francois Hollande und Ban Ki-moon „reichlich“ egal sein, „in 20 Jahren……“, wirft *richard höllmüller* nach. Dabei ist für mich nicht klar, worauf *richard höllmüller* mit seinem in 20 Jahren…… hinaus will: Ist es das Alter der aufgeführten Politiker*innen? Ist es seine Vermutung, dass diese Politiker*innen in 20 Jahren nicht mehr im Amt sein würden.

Darauf antwortet Gian-Kasper Plattner in Kommentar 1a), die annähernd lineare Beziehung von global gemittelter Temperatur und kumulierten CO2-Emissionen sei ein wissenschaftlicher Fakt. Pro 1000 Gigatonnen Kohlenstoff steige die Temperatur um 0.8 bis 2.5 °C an. Dies würden sowohl Beobach­tungen als auch Modelle zeigen.

In Kommentar 1ai) mischt sich mit *hamu66* eine neue Kommentator*in ein und widerspricht Gian-Kasper Plattner: Nein, dies sei „eben“ nicht so. Die Beobachtungen würden zeigen, dass die Temperatur nicht linear gestiegen sei, zwischen 1940 und 1970 habe es eine Abkühlung gegeben und seit 1998 eine „Abflachung“ (des Erwärmungstrends?). Da sehe man mal wieder, dass mein IPCC Ideologen am Werk seien, schliesst *hamu66* ihren/seinen Kommentar. Sie/er nimmt damit Bezug auf Gian-Kasper Plattners ‚Outing‘ als Klimatologe im mittleren Thread.

In Kommentar 1ai1) ergreift wieder Gian-Kasper Plattner das Wort. Wer denn behauptet habe, dass die Temperatur linear gestiegen sei? Er sicher nicht, der IPCC-Bericht sicher auch nicht. Die global gemittelte Temperatur variiere von Jahr zu Jahr und auch von Jahrzehnt zu Jahrzehnt, das sei beispiels­weise in der ersten Figur des „Summary for Policymakers“ des IPCC aus dem Jahr 2013 ersichtlich. Das bestreite auch kein Klimaforscher. Der langfristige Trend der global gemittelten Lufttemperatur über das 20. Jahrhundert zeige aber sehr deutlich die globale Erwärmung, welche für die Jahre 1900–2012 circa 0.85 °C betrage und bis 2015 wohl auf über 1 °C steigen werde. Und das Jahr 2015 werde wohl nach 2014 auch wieder neuer Rekordhalter seit Beginn der Messreihen in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Daraufhin antwortet *hamu66* in Kommentar 1ai2) in fehlerhafter Sprache, dass „die Erwärmung seit dem 19. JH [sic] zumindest bin [sic] Mitte des letzten Jahrhunderts“ dem Ende der „Kleinen Einzeit [sic ]“ „entspräche“, es handle sich um natürliche Variabilität, dies hätten selbst „Warmisten“ zugegeben. Möglich sei aber auch, dass die ganze Erwärmung hauptsächlich auf das Konto der natürlichen Variabilität gehe. „Es“ sei „also“ reine Spekulation, folgert *hamu66*, und wer anderes behaupte, sei ein Scharlatan.

In Kommentar 1ai3) meldet sich wieder Gian-Kasper Plattner zu Wort. Der Anstieg der globalen mittleren Temperatur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sei in der Tat stark durch natürliche Faktoren beeinflusst, gibt Gian-Kasper Plattner *hamu66* in diesem Punkt recht. Das sei gut dokumentiert in der wissenschaftlichen Literatur und folglich auch im IPCC-Bericht 2013. Der Grossteil des Temperaturanstiegs mit 0.6 bis 0.7 °C sei aber seit Mitte des 20. Jahrhunderts passiert und sei zu einem grossen Teil auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen, insbesondere auf den Ausstoss an Treibhausgasen. Auch das sei wissenschaftlich gut dokumentiert und ausführlich diskutiert, verweist Gian-Kasper Plattner erneut auf den IPCC-Bericht. Interessanterweise sei der Temperaturanstieg geringer ausgefallen, als man es aufgrund des Anstiegs der Treibhausgaskonzen­trationen hätte erwarten können. Der Grund dafür sei auch wieder der Mensch, da er durch „allerlei Verbrennungsprozesse“ gesundheitsschädliche Kleinstpartikel (Aerosole) emittiere. Diese Aerosole hätten eine insgesamt abkühlende Wirkung und würden somit der Erwärmung durch den Anstieg der Treibhausgaskonzentrationen entgegenwirken.

*hamu66* wendet in Kommentar 1ai4) ein, dass die Erwärmung nach 1951 „in Tat und Wahrheit“ erst Ende der 1970er Jahre anfange und „höchst umstritten“ sei (wenn auch nicht innerhalb der „Klimaindustrie“, ergänzt *hamu66*), da die Satelliten-Messungen[74] andere Ergebnisse zeigen würden. Sie/er habe überhaupt kein Vertrauen in die jüngeren Zahlen. Je jünger desto suspekter schienen ihr/ihm die Messungen, weil der politische Druck zugenommen habe. *hamu66* empfiehlt Gian-Kasper Plattner „das Statement von Frau Prof. Curry“, es bestätige das, was auch andere sagen würden und was sie/er seit mehr als einem Jahrzehnt selber feststelle. Die Art und Weise, wie die „Warmisten“ mit ihr umgehen würden, spräche „absolut“ Bände. Am Ende ihres/seines Beitrags verweist *hamu66* auf eine englischsprachige Webseite (Link[75]). Der Link ist allerdings ungültig, möglicherweise wurde er von der Redaktion gekürzt. Dennoch kann die Webseite und vermutlich sogar „das Statement von Frau Prof. Curry“ aufgefunden werden (Link[76]). Die Webseite wirbt mit dem Slogan „Open Source Intelligence News“ und steht vermutlich Verschwörungstheoretiker*innen nahe, so lässt zumindest die Selbstdarstellung unter dem Reiter about vermuten, wo gleich zweifach auf 9/11 verwiesen wird.

Der letzte Kommentar dieses Threads stammt wieder aus der Feder von Gian-Kasper Plattner. Die Erwärmung über das 20. Jahrhundert sei wissenschaftlich überhaupt nicht umstritten, sie sei ein Fakt, stellt er klar. Auch Satellitenmessungen würden da nichts Anderes zeigen. Es erwärme sich ja nicht nur die Atmosphäre, sondern auch der Ozean erwärme sich markant, der Meeresspiegel steige an und die Schnee- und Eismassen der Erde würden insgesamt (mit regionalen Unterschieden) abnehmen. Über 90% der seit 1970 aufgrund menschlicher Aktivitäten zusätzlich im Klimasystem gespeicherten Energie akkumuliere sich im Ozean, nur 1% in der Atmosphäre. Die Änderungen in der Atmosphäre würden also nur einen kleinen Teil der gesamten Veränderungen repräsentieren. Der Klimawandel und die Erwärmung finde also zweifelsfrei statt und werde durch verschiedenste, unabhängige, mehrfach reproduzierte Messreihen belegt. Dies dürfte auch von „Frau Curry“ nicht bestritten werden, meint Gian-Kasper Plattner. Im zweiten Teil seines Kommentars macht Gian-Kasper Plattner „eine persönliche Anmerkung“ zum letzten Satz von *hamu66*: Sie/er habe in diesen Kommentarzeilen seriöse Wissenschaftler*innen mittlerweile als „Warmisten“, „Ideologen“ und „Scharlatane“ bezeich­net. Gleichzeitig beschwere sie/er sich über den Umgang innerhalb der Klimawissenschaften mit „Frau Curry“. Das spreche (ebenfalls) Bände, nimmt Gian-Kasper Plattner abschliessend die Worte von *hamu66* aus Kommentar 1ai4) in den Mund.

Tabelle 34 gibt einen Überblick über die soeben besprochenen Kommentare.

Tabelle 34: Thread mit vier Kommentaren von Gian-Kasper Plattner zum Artikel „Klimavertrag von Paris. Herkules im globalen Treibhaus“.

1.      richard höllmüller
sehr geehrter Herr Ruesch! Mit den bisher abgegebenen Zielen ist man angeblich nicht auf über 3 Gad sondern auf 2,7Grad –wobei—wie ja jeder weiss,ist diese Korrelation eine völlig künstliche und willkürliche.Peinlich wird es ja wenn die CO 2 Emissionen in den nächsten 20 jahren deutlich sinken- der CO 2 Gehalt in der Luft vielleicht sogar auch sinkt und die Temperaturen trotzdem weiter ansteigen. Was machen wir dann? Auf die böse Sonne schimpfen? 🙂
was dann den Laurent Fabius, Merkel,Obama, Hollande,Ban ki Moon etc etc reichlich egal sein wird–in 20 Jahren……6[77]
a.      Gian-Kasper Plattner ↷[78] richard höllmüller
Die annähernd lineare Beziehung von global gemittelter Temperatur und totalen, kumulierten CO2 Emissionen ist ein wissenschaftlicher Fakt. Pro 1000 Gigatonne Kohlenstoff steigt die Temperatur zwischen 0.8 bis 2.5oC an. Das zeigen sowohl Beobachtungen als auch Modelle.1
                                                i.     hamu66 ↷ Gian-Kasper Plattner
Nein, die Beobachtungen zeigen, dass die Temperatur nicht linear gestiegen ist (Abkühlung zwischen 1940-1970, Abflachung seit 1998). Da sieht man mal wieder, dass beim IPCC Ideologen am Werk sind.
1.      Gian-Kasper Plattner ↷ hamu66
Wer hat denn behauptet, dass die Temperatur linear gestiegen sei? Ich sicher nicht, der IPCC Bericht sicher auch nicht. Die global gemittelte Temperatur variiert von Jahr zu Jahr und auch von Jahrzehnt zu Jahrzehnt, das ist sehr gut aus z.B. der ersten Figur im IPCC Summary for Policymakers 2013 ersichtlich. Das bestreitet auch kein Klimaforscher. Der langfristige Trend der global gemittelten Lufttemperatur über das 20 Jahrhundert zeigt aber sehr deutlich die globale Erwärmung (für 1901-2012 ca. 0.85oC; bis 2015 wohl über 1oC). Und das Jahr 2015 wird wohl nach 2014 auch wieder neuer Rekordhalter seit Beginn der Messreihen Mitte des 19 Jahrhunderts.1
2.      hamu66 ↷ Gian-Kasper Plattner
Die Erwärmung seit dem 19. JH zumindest bin Mitte des letzten Jahrhunderts entspricht dem Ende der Kleinen Einzeit, es handelt sich um natürlich Variabilität, das haben selbst Warmisten zugegeben. Möglich ist aber auch, dass die ganze Erwärmung hauptsächlich aufs Konto der natürlichen Variabilität geht. Es ist also reine Spekulation und wer anderes behauptet ist ein Scharlatan.
3.      Gian-Kasper ↷ Plattner hamu66
Der Anstieg der globalen mittleren Temperatur in der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts ist in der Tat stark durch natürliche Faktoren beeinflusst. Das ist gut dokumentiert in der wissenschaftlichen Literatur und folglich im IPCC Bericht 2013. Der Grossteil des Temperaturanstiegs passierte aber seit Mitte des 20 Jahrhunderts (0.6 bis 0.7 oC seit 1951) uns ist zu grossem Teil auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen, insbesondere der Austoss an Treibhausgasen. Auch das ist wissenschaftlich gut dokumentiert und ausführlich diskutiert im IPCC Bericht 2010 (Kapitel 10). Interessanterweise ist der Temperaturanstieg geringer ausgefallen, als man es aufgrund des Anstiegs der Treibhausgaskonzentrationen hätte erwarten können. Der Grund dafür ist auch wieder der Mensch: durch die Emission von gesundheitsschädlichen Kleinstpartikeln (Aerosole) bei allerlei Verbrennungsprozessen. Diese Aerosole haben eine insgesamt abkühlende Wirkung und wirken somit der Erwärmung durch den Anstieg der Treihausgaskonzentrationen entgegen.
4.      hamu66 ↷ Gian-Kasper Plattner
Die Erwärmung nach 1951 fängt in Tat und Wahrheit erst Ende der 1970er Jahre an und ist höchst umstritten (natürlich nicht innerhalb der Klimaindustrie, das ist mir schon klar), da die Satelliten-Messungen anderen Ergebnisse zeigen. Ich habe überhaupt kein Vertrauen in die jüngeren Zahlen, je jünger desto suspekter, weil der politische Druck zugenommen hat. Ich empfehle Ihnen das Statement von Frau Prof. Curry, es bestätigt das, was auch andere sagen und ich seit über einem Jahrzehnt selbst feststelle. Die Art und Weise, wie die Warmisten mit ihr umgehen spricht absolut Bände!
https://www.corbettreport.com/…
5.      Gian-Kasper Plattner ↷ hamu66
Die Erwärmung über das 20 Jahrhundert ist wissenschaftlich überhaupt nicht umstritten, sie ist ein Fakt. Auch Satellitenmessungen zeigen da nichts anderes. Es erwärmt sich ja nicht nur die Atmosphäre, nein auch der Ozean erwärmt sich markant, der Meeresspiegel steigt and und die Schnee- und Eismassen der Erde nehmen insgesamt (mit regionalen Unterschieden) ab. Über 90% der seit 1970 aufgrund menschlicher Aktivitäten zusätzlich im Klimasystem gespeicherten Energie akkumuliert sich im Ozean, nur 1% in der Atmosphäre. Die Änderungen in der Atmosphäre repräsentieren also nur einen kleinen Teil der gesamten Veränderungen . Der Klimawandel und die Erwärmung findet also zweifelsfrei statt und wird durch verschiedenste, unabhängige, mehrfach reproduzierte Messreihen belegt. Das dürfte auch von Frau Curry nicht bestritten werden, nehme ich an. Und zum Schluss noch eine persönliche Anmerkung zu Ihrem letzen Satz: Sie haben in diesen Kommentarzeilen seriöse WissenschaftlerInnen mittlerweile als „Warmisten“, „Ideologen“, und „Scharlatane“ bezeichnet. Gleichzeitig beschweren Sie sich hier nun über den Umgang innerhalb der Klimawissenschaften mit Frau Curry. Ich denke, das spricht Bände.

 

Mittlerer Thread

Dieser mittlere Thread wird wie bereits der oberste Thread durch *richard höllmüller* eröffnet. Es sei doch alles nur „show“ meint *richard höllmüller* und hängt ein „:-)“ an. Anschliessend legt *richard höllmüller* eine längere Rechnung vor, mittels welcher er zeigen möchte, dass die Reduktion der CO2-Emissionen „ein Selbstläufer“ ist, die Emissionen also auch ohne besondere Anstrengungen so stark reduziert werden können, dass das 2-Grad- oder 1.5-Grad-Ziel erreicht werden kann. Diese Ausführungen beendet *richard höllmüller* mit dem Satz „Glaubt denn irgendjemand ernsthaft,dass [sic] es die breite Zustimmung gegeben hätte,wenn [sic] nicht alle wüssten,dass [sic] die Redktion [sic] sich ganz allein ergeben wird?“. In einem zweiten Teil seines Kommentars legt *richard höllmüller* noch eine andere Rechnung vor: Wenn sich das Klima bis heute innerhalb von 145 Jahren um 0.8 Grad Celsius erwärmt habe, dann würden für den Zeitraum von 85 Jahren bis 2100 noch 0.7 Grad Celsius übrigbleiben (was wohl der Ansicht *richard höllmüllers* zufolge problemlos machbar wäre). Immerhin sei zu hoffen, dass das „Klimawandeltheater“ „jetzt endlich“ beendet werde und man sich wichtigeren Themen zuwenden könne, beispielsweise Wassermangel und Wasserverschmutzung. Dieser Kommentar von *richard höllmüller* ist bemerkenswert, da die enthaltenen Argumentationen für einen Klimaskeptiker untypisch sind: Weder in der ersten Rechnung (dazu, dass die Reduktion der Treibhausgasemissionen ein Selbstläufer sei) noch in der zweiten Rechnung (zum Temperaturanstieg) wird der anthropogen verursachte Klimawandel in Frage gestellt. Dass wir es mit *richard höllmüller* dennoch mit einem Klimaskeptiker zu tun haben, geht nur aus seinem Eröffnungskommentar zum obersten hier diskutierten Thread hervor, worin er einen grundsätzlichen Zusammenhang zwischen CO2 und Klimawandel in Frage stellt.

Darauf antwortet Gian-Kasper Plattner, dass er nicht wisse, woher *richard höllmüller* seine Emissionszahlen habe. Ausserdem könne er seinen Ausführungen nur bedingt folgen. Im Synthese-Bericht des IPCC aus dem Jahr 2014, an welchem er selber mitgearbeitet habe – damit erfolgt das ‚Outing‘ –, würde aufgezeigt, dass, um das 2-Grad-Ziel bis 2100 mit einer guten Chance (>66%) erreichen zu können, die Emissionen bis 2050 um 40 bis 70% unter den Wert von 2010 zu liegen kommen müssten. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts müssten die Emissionen dann aber gegen Null gehen, oder sogar negativ werden (das heisst, es müsste mehr CO2 aus der Atmosphäre entfernt werden als in die Atmosphäre emittiert wird) und auch langfristig da bleiben. Im zweiten Teil seines Kommentars bezieht sich Gian-Kasper Plattner auf die zweite Rechnung von *richard höllmüller*: Der Temperaturanstieg von 1901 bis 2012 habe 0.85 °C betragen, das sei richtig. Daraus abzuleiten, dass eine Erwärmung um insgesamt 1.5 °C erst in 85 Jahren erreicht werden würde, sei aber leider nicht korrekt. Die Emissionen hätten in den letzten Jahrzehnten rasant zugenommen. Die Hälfte der totalen Emissionen seit Beginn der Industrialisierung bis 2011 seien in den letzten 40 Jahren emittiert worden. Die 1.5 oder 2 °C relativ zur vorindustriellen Temperatur würden also deutlich rascher erreicht.

Tabelle 35 zeigt den soeben besprochenen mittleren Thread.

Tabelle 35: Thread mit einem Kommentar von Gian-Kasper Plattner zum Artikel „Klimavertrag von Paris. Herkules im globalen Treibhaus“.

1.      richard höllmüller
Das ist doch nur show 🙂 Die nationalen Pläne der Treibhausgasemissionen ergäben für 2030 55 Gigatonnen und das wäre etwas zu viel für die 2 Grad- für 1,5 Grad bräuchte man angeblich 40Gigatonnen bis 2030. derzeit sind wir bei 49 mit einem Rückgang von o,6% im Jahr 2015. Bei minus 1% sind wir bei 42 im Jahr 2030 und das ist ein Selbstläufer- selbst China macht heuer ein Minus. Weg von der Kohle hin zu Wasser und anderen Erneuerbaren-aber vor allem auch zu Atom!! Dazu in einigen jahren billiges Gas mit pipelines aus Russland.
In USA und EU eine weitere Deindustriealisierung und ebenso Gas(in den USA fracking) statt Kohle plus Erneuerbare und Atom (UK,Finnland,Frankreich, Osteuropa)–übrigens bauen auch russland und Indien stark auf Atom.
76% der Treibhausgase sind CO2 (davon wiederum 14% aus Landnutzung bzw Landzerstörung) und 16% aus Methan. Allein aus Effizienz-und Kostengründen wird es da zu Reduktionen kommen,(pipelineleaks, Abbfackeln etc)
also es ist ein selbstläufer. Glaubt denn irgendjemand ernsthaft,dass es die breite Zustimmung gegeben hätte,wenn nicht alle wüssten,dass die Redktion sich ganz allein ergeben wird?
übrigens die plus 1,5Grad: seit 1870 bis 2100. bis heute haben wir in 145 jahren 0,8Grad-also bleiben für die restlichen 85 Jahre noch o,7Grad.Alles eine riesige Show. immerhin ist zu hoffen,dass das „Klimawandeltheater“ jetzt endlich beendet wird und wir uns wichtigeren Themen zuwenden: Wassermangel und Wasserverschmutzung z.B. !6
a.      Gian-Kasper Plattner ↷ richard höllmüller
Ich weiss leider nicht woher Sie die Emissionszahlen haben und ich kann ihren Ausführungen leider auch nur bedingt folgen. Im IPCC SyntheseBericht 2014, an dem ich mitgearbeitet habe, zeigen wir auf, dass um das 2 Grad Ziel bis 2100 mit einer guten Chance (>66%) erreichen zu können, die Emission bis 2050 um 40 bis 70% unter den Wert von 2010 zu liegen kommen müssen. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts müssen die Emissionen dann aber gegen Null gehen, oder sogar negativ werden (d.h. mehr CO2 wird aus der Atmosphäre entfernt als in die Atmosphäre emittiert) und danach langfristig auch da bleiben. Und noch zu Ihrem Kommentar zur Temperatur: der Temperaturanstieg von 1901 bis 2012 betrug 0.85oC, ja. Daraus abzuleiten, dass 1.5oC erst in 85 Jahren erreicht werden wird, ist aber leider nicht korrekt. Die Emissionen haben in den letzten Jahrzehnten rasant zugenommen. Die Hälfte der totalen Emissionen seit Beginn der Industrialisierung bis 2011 wurden in den letzten 40 Jahren emittiert. Die 1.5 oder 2oC relativ zur vorindustriellen Temperatur werden als deutlich rascher erreicht werden…leider.1

 

Unterster Thread

*Res Zaugg* widmet seinen Threaderöffnungskommentar dem ‚Kohlenstoff-Argument‘, welches bereits im Forum zum Läubli-Artikel „Ein Winter der Rekorde“ genannt wurde. Vor dem Hintergrund, dass die menschgemachten CO2-Emissionen nur 1–2% des globalen Ausstosses betrage, wisse er „echt nicht“, wie „dieser Quaselverein“ – damit dürfte sich *Res Zaugg* auf die Teilnehmer*innen an der Klimakonferenz in Paris beziehen – einen Temperaturanstieg, sofern er in „diesem prognostiziertem [sic] Rahmen“ anfalle, verhindern wolle. Aber es gehe „denen“ ja gar nicht um die Umwelt, sondern um möglichst hohe Subventionsbeiträge. Und die Politik mache da, mangels besserem Wissen, „munter“ mit.

Darauf antwortet Gian-Kasper Plattner, dass er da aber den Gesamtumsatz an CO2 im globalen Klimasystem mit der vom Menschen verursachten Störung und dem damit verbundenen Zuwachs an CO2 in der Atmosphäre verwechsle. Der natürliche Kohlenstoffkreislauf sei über ein Jahr oder über einige Jahre gesehen mehr oder weniger im Gleichgewicht – es werde gleich viel aufgenommen, wie emittiert worden sei. Seit Beginn der Industrialisierung würden wir nun aber CO2 in die Atmosphäre emittieren, welches über Jahrmillionen gespeichert worden sei und damit würden wir dieses natürliche Gleichgewicht stören. Ein guter Teil des CO2 aus fossilen Quellen werde für Jahrtausende in der Atmosphäre bleiben, die Strahlungsbilanz der Erde beeinflussen und die Temperatur weiter ansteigen lassen. Massnahmen zur Minderung der fossilen Emissionen würden daher sehr wohl zur Minderung des Temperaturanstiegs beitragen.

Tabelle 36 gibt die zwei Kommentare aus dem untersten Thread wieder.

Tabelle 36: Thread mit einem Kommentar von Gian-Kasper Plattner zum Artikel „Klimavertrag von Paris. Herkules im globalen Treibhaus“.

1.      Res Zaugg
Vor dem Hintergrund, dass die menschgemachte CO2-Emmissionen gerade mal 1-2% des globalen Ausstossens betragen, weiss ich echt nicht, wie dieser Quaselverein einen Temperaturanstieg – sofern er in diesem prognostiziertem Rahmen anfällt – verhindern will. Aber es geht denen ja gar nicht um die Umwelt sondern um möglichst hohe Subventionsbeiträge…… und die Politik – mangels besseren Wissens – macht da munter mit.1
a.      Gian-Kasper Plattner ↷Res Zaugg
Da vermischen Sie aber den Gesamtumsatz an CO2 im globalen Klimasystem mit der vom Menschen verursachten Störung und dem damit verbundenen Zuwachs an CO2 in der Atmosphäre. Der natürliche Kohlenstoffkreislauf ist über ein Jahr oder über einige Jahre gesehen mehr oder weniger im Gleichgewicht — es wird gleich viel aufgenommen, wie emittiert worden ist. Seit Beginn der Industrialisierung emittieren wir nun aber CO2 in die Atmosphäre, welches über Jahrmillionen gespeichert worden ist und stören dieses natürliche Gleichgewicht. Ein guter Teil des CO2 aus fossilen Quellen wird für Jahrtausende in der Atmosphäre bleiben, die Strahlungsbilanz der Erde beeinflussen und die Temperatur weiter ansteigen lassen. Massnahmen zur Minderung der fossilen Emissionen tragen deshalb sehr wohl zur MInderung des Temperaturanstiegs bei.

 

Fazit

Für die Wirkung des Klimatologen im Forum ist insbesondere der oberste Thread relevant – in den beiden anderen Threads geht niemand auf die Kommentare von Gian-Kasper Plattner ein und so fehlen sichtbare Reaktionen auf die Kommentare von Gian-Kasper Plattner (auch Bewertungen liegen so gut wie nicht vor) in den unteren Threads. Im obersten Thread findet der über die gesamten Versuchsdaten gesehen längste Austausch zwischen Klimaskeptiker*innen und einem der Klimato­logen statt. Dass es überhaupt dazu kommen konnte, hat meiner Einschätzung zufolge auch damit zu tun, dass im Forum der NZZ keine weiteren (eindeutig) klimabewegten Kommentator*innen unterwegs sind: Während sich in den Foren des Tages-Anzeigers neben dem respektive den Klimato­logen meist gleich mehrere klimabewegte Stimmen melden, bleibt Gian-Kasper Plattner hier allein. Im Vergleich zu den Versuchsdaten aus den Foren des Tages-Anzeigers und des Blicks ist entsprechend auffällig, dass das Forum der NZZ hier weitestgehend in den Händen von Klima­skeptiker­*innen liegt.

Das Forum sticht daneben dadurch heraus, dass – wie ansonsten nur im Forum des Tages-Anzeigers zum Artikel „Ein Winter der Rekorde“ – der Klimatologe eindeutig als solcher wahrgenommen wird. So schreibt *hamu66* im obersten Thread: „Da sieht man mal wieder, dass beim IPCC Ideologen am Werk sind“ und dürfte damit auf das ‚Outing‘ von Plattner im mittleren Thread bezugnehmen.

In verschiedenen klimaskeptischen Kommentaren zeigt sich, dass Klimaskeptiker*innen immer wieder ein durchaus bemerkenswertes ‚Teil-Wissen‘ über den Klimawandel mitbringen. So kennt *hamu66* (zumindest teilweise) die Temperaturentwicklung „seit dem 19. JH“ und weiss sich diese mit der natürlichen Klimavariabilität zu erklären – eine Aussage, welche Gian-Kasper Plattner sogar bestätigen kann. Oder *Res Zaugg* ‚weiss‘, dass die anthropogenen CO2-Emissionen nur 1–2% des globalen Ausstosses ausmachen, ist sich allerdings nicht darüber im Klaren, dass diese in den globalen Kohlestoffkreislauf einzuordnen sind. Entsprechend schwierig oder sogar unmöglich ist es in der Folge, ohne klimatologische Ausbildung solche klimaskeptischen Argumente zu kontern.

Eine eigentliche Annäherung der Klimaskeptiker*innen an Gian-Kasper Plattner findet nicht statt. Eher habe ich den Eindruck, dass sich die Fronten im Verlauf der Diskussion noch verhärten. Zumindest legt dies der Umstand nahe, dass Gian-Kasper Plattner in der zweiten Hälfte seines letzten Kommentars im obersten Thread ein erstes – und einziges – Mal (über alle Versuchsdaten gesehen) von einer sachlichen auf eine persönliche Ebene wechselt und *hamu66* gewissermassen den Spiegel vorhält.

 

6.2.3.2.2 Kurze Zusammenfassung des Artikels

Der Beitrag „Herkules im globalen Treibhaus“ von Andreas Rüesch, welcher am 13. Dezember 2015 und damit am Tag nach Abschluss der Verhandlungen in Paris erschienen ist, hat die journalistische Form eines Kommentars. Es handelt sich also um einen Meinungsbeitrag.

Die zentrale Frage, die Rüesch in seinem Kommentar zu beantworten versucht, ist die Frage danach, ob das Klimaschutzabkommen von Paris „ein Moment für die Geschichtsbücher“ sei oder es sich nur um die Fortsetzung „eines Vierteljahrhunderts heuchlerischer Klimapolitik“ handle. Für beide Sichtweisen bringt Rüesch in der Folge Argumente und kommt zum Schluss, dass sich die Bedeutung von ‚Paris‘ erst mit „etwas“ zeitlicher Distanz erschliessen lasse.

 

6.2.3.2.3 Beziehungen zwischen Artikel und Kommentaren

Alle drei hier diskutierten Threaderöffnungskommentare schliessen direkt am Artikel (oberster Thread) oder am Klimavertrag und damit zusammenhängender Konferenz (mittlerer und unterster Thread) an. Im obersten Thread spricht *richard höllermüller* den Autor Andreas Rüesch an, indem er ihn darauf hinweist, dass man mit den bisher abgegebenen Zielen nicht auf über drei Grad, sondern auf 2.7 Grad (Celsius) sei, wobei – und damit leitet er über zu einer um vieles strittigeren These, welche dann Ausgangspunkt für die Folgekommentare ist – wie ja „jeder“ wisse, sei diese Korrelation eine „völlig künstliche und willkürliche“. Im weiteren Verlauf des Threads wird nicht weiter auf den Kommentar von Andreas Rüesch Bezug genommen. Im mittleren Thread, welcher wiederum von *richard höllmüller* eröffnet wird, meint dieser, „das“ sei „doch nur show [sic]“ und bezieht sich damit auf die Konferenz respektive den Vertrag. Weshalb die Konferenz „nur show [sic]“ sei, erläutert er im Folgenden. Die Argumente, welche er in diesem Zusammenhang anführt, werden dann von Gian-Kasper Plattner aufgenommen. Im untersten Thread verknüpft *Res Zaugg* sein ‚Kohlestoff-Argument‘ mit seiner negativen Meinung über die Klimakonferenz: Vor dem Hintergrund, dass die menschgemachten CO2-Emissionen gerade mal 1–2% des globalen Ausstosses betragen würden, wisse er „echt nicht“ wie „dieser Quaselverein“ einen Temperaturanstieg verhindern wolle. Daraufhin erklärt Gian-Kasper Plattner den natürlichen Kohlenstoffkreislauf und folgert, dass Massnahmen zur Minderung der fossilen Emissionen deshalb sehr wohl zur Minderung des Temperaturanstiegs beitragen würden. Dadurch besteht in diesem untersten Thread über den Eröffnungskommentar hinaus eine Verbindung zum Kommentar von Andreas Rüesch respektive zum Thema des Kommentars.

7 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

 

7.1 Zusammenfassung Forschungsstand

Was den Forschungsstand betrifft, so können verschiedene Beobachtungen festgehalten werden, welche sich gut ergänzen und ein insgesamt schlüssiges Bild der aktuellen Situation zur Wissenschaftskommunikation über den Klimawandel geben. In Bezug auf Kapitel 3.1 ist festzuhalten, dass die Ausgangslage auf medialer Seite suboptimal ist, da dort die wirtschaftliche Situation schlecht ist und Wissenschaftsressorts von Kürzungen betroffen sind. Auf medialer Seite sind nicht genügend Ressourcen vorhanden, um einer erstarkenden Wissenschafts-PR kritisch zu begegnen. Neben medial vermittelter Wissenschaftskommunikation gibt es erfolgsversprechende Modelle nicht (massen)medial vermittelter Formen der Wissenschaftskommunikation, die auf einen direkten Austausch zwischen Wissenschaftler*innen und Öffentlichkeit setzen. Ausserdem gibt es so etwas wie ein ‚grundsätzliches Vermittlungsproblem‘, welches dazu führt, dass Rezipient*innen kommunizierte Informationen auf ihre ganz spezifische, nicht unbedingt ursprünglich intendierte, Art und Weise verstehen. Kapitel 3.2 zeigt grundlegende Probleme auf der Seite der wissenschaftlichen Akteur*innen: Wissenschaftler­*innen, welche um eine externe Wissenschaftskommunikation bemüht sind, scheinen mit einem Reputations­problem kämpfen zu müssen. Zusätzliche Hindernisse – oft eher technischer Art – treten auf, wenn Wissenschaftler*innen direkt, insbesondere über soziale Medien, mit Bürger*innen in Kontakt treten wollen. Kapitel 3.3 zeigt, dass es Klimawissenschaftler*innen für wichtig halten, Unsicherheiten in der Klimaforschung öffentlich zu kommunizieren. Allerdings besteht hier eine Diskrepanz zwischen Absicht und tatsächlichem Handeln der Klimaforscher*innen: Je mehr die Klimaforscher*innen es befürworteten, auf Ungewissheiten in der Öffentlichkeit hinzuweisen, desto seltener scheinen sie mit Journalist*innen in Kontakt zu stehen und desto weniger eigene Beiträge scheinen sie in den Massenmedien zu veröffentlichten. Ausserdem gibt es Anhaltspunkte dafür, dass Rezipient*innen kommunizierte Unsicherheiten positiv aufnehmen, das heisst konkret, dass Hinweise auf Unsicherheiten in der (medizinischen) Wissenschaftskommunikation dazu führen, dass Rezipient­*innen entsprechende Informationen als vertrauenswürdiger bewerten. Überführend zu den Beobach­tun­gen aus Kapitel 3.4 kann also festgehalten werden, dass Kontroversen – welche in einem direkten Zusammenhang mit wissenschaftlichen Unsicherheiten stehen – dreifach positives Potenzial haben: Sie scheinen erstens bei Rezipient*innen gut anzukommen. Zweitens halten es Klimawissenschaftler­*innen grundsätzlich für wichtig, auf entsprechende Unsicherheiten hinzuweisen – wenn sie es auch in der Praxis dann oft nicht tun. Die grundsätzliche Bereitschaft von Wissenschaftler*innen, auf wissenschaftliche Unsicherheiten hinzuweisen, ist Basis dafür, dass sie es zukünftig vielleicht doch etwas öfters tun – insbesondere dann, wenn ihnen gezeigt werden kann, dass dies bei den Rezipient­*innen gut ankommt. Drittens wird in Kapitel 3.4 theoretisch deutlich, dass Kontroversen und damit das Verstehen wissenschaftlicher Methoden, erwünschte Folgen haben dürften. Gleichzeitig scheinen Kontroversen in journalistischen Beiträgen jedoch oft unterschlagen zu werden.

Insgesamt zeichnet sich ab, dass Liebert 2002 recht haben könnte, wenn er vorschlägt, dass Wissenschaftler*innen direkt (ohne Umweg über Medien) als Vermittler*innen tätig werden sollten. Und es bestehen sogar Hinweise darauf, dass eine solche direkte Kommunikation im Trend liegt. Nichtdestotrotz würden durch eine solche direkte Kommunikation nicht alle bestehenden Probleme beseitigt – nach wie vor wäre beispielsweise damit zu rechnen, dass Rezipient*innen Informationen auf ihre eigene Art und Weise verstehen würden. Möglicherweise würden auch neue Probleme entstehen, welche hier noch nicht abgeschätzt werden können.

Die Voraussetzungen für eine Entwicklung in Richtung mehr direkte Kommunikation zwischen Wissenschaftler*innen und Öffentlichkeit sind in technischer Hinsicht (soziale Medien) vorhanden, jedoch nicht unbedingt in Bezug auf die diesbezüglichen Einstellungen der Wissenschaftler*innen (Angst vor Reputationsverlust) und auch nicht in Bezug auf deren zeitlichen Ressourcen. Eine weitere Schwierigkeit ist der Umstand, dass es fragwürdig ist, ob jenseits der so genannten Massenmedien überhaupt ein nennenswertes Publikum erreicht werden kann.

 

7.2 Zusammenfassung Analyse

In diesem Kapitel sollen die wichtigsten Ergebnisse aus den beiden Analysekapiteln (5 Pilotanalyse; 6 Versuchsdaten: Erhebung und Analyse) festgehalten werden. Während es bei der Analyse der Ver­suchs­daten primär darum ging, zu untersuchen, was die beteiligten Klimatologen bewirken, diente die Pilotanalyse dazu, einen ersten Überblick über die Daten zu gewinnen.

Die Analysemethode mit MAXQDA hat einige erheblich Nachteile (mehr dazu in Kapitel 7.4 Reflexion ungelöster Fragen und problematischer Aspekte der Arbeit). Dennoch können einige zentrale Ergebnisse festgehalten werden, die trotz der methodischen Schwierigkeiten gut fundiert sind:

  • Die Analysemethode eignet sich zur Ermittlung des Verhältnisses von Klimaskeptiker*innen zu Klimabewegten – dies auch bei umfangreicheren Korpora. Entsprechend gibt die Analyse verlässliche Evidenzen dafür, dass im Pilotanalysekorpus Klimaskeptiker*innen im Falle des Blicks circa 90 Prozent der Kommentare stellen und auch beim Tages-Anzeiger deutlich mehr als die Hälfte ausmachen.
  • Die Analyse zeigt weiter, dass es einerseits Skepsis gegenüber (wissenschaftlich) fundierten Feststellungen, Analysemöglichkeiten, Aussagen und Handlungskonzepten gibt und, andererseits in vergleichbarem Masse, Skepsis gegenüber (wissenschaftlichen) Akteur*innen im Bereich Klimawandel. Diese zweite Art der Skepsis bestätigt die von Weitze & Liebert 2006 und Liebert 2002 postulierte ‚Glaubwürdigkeitskrise‘ der Wissenschaft.
  • Die Analyse der Skepsis gegenüber (wissenschaftlich) fundierten Feststellungen, Analyse­möglich­keiten, Aussagen und Handlungskonzepten zeigt, dass Ursachenskepsis – also Skepsis gegenüber der Feststellung, dass der Klimawandel anthropogen (mit)verursacht ist – am häufigsten ist. Alle anderen Subkategorien werden im Pilotanalysekorpus deutlich weniger oft genannt.
  • Neben den Kommentaren wurden auch die Artikel berücksichtigt. Die Artikelanalysen lassen vermuten, dass die Artikel in ihrer je spezifischen Art und Weise einen beachtlichen Einfluss auf die Kommentare haben.

Später wurden Versuchsdaten erhoben und analysiert. Im Zuge der Erhebung der Versuchsdaten hat sich herausgestellt, dass diese zeitintensiver und schwieriger zu gewinnen sind, als ursprünglich angenommen wurde. Dennoch konnten sich die beiden beauftragten Klimatologen schlussendlich mehrere Male in Artikelforen einschalten und damit interessante Daten generieren.

Da sich herausstellte, dass eine Kategorisierung der skeptischen Argumente, wie sie im Rahmen der Pilotanalyse vorgenommen wurde, für die Frage nach der Wirkung der Klimatologen nur wenig Nutzen gehabt hätte, habe ich mich bei der Analyse der Versuchsdaten damit nur am Rande beschäftigt.

Die folgende Zusammenstellung gibt einen Überblick über die wichtigsten Analyseergebnisse:

  • Erwärmungsskepsis, also die Skepsis gegenüber der Feststellung, dass sich das Klimawandel erwärmt, spielt eine kleine Rolle im Pilotanalysekorpus. Skeptisch sind die Kommentator­*innen insbesondere bezüglich der Ursachen. Interessanterweise konnten im Versuchsanalyse­korpus jedoch mit *Gaudenz Mischol* und *Hansruedi Tscheulin* Klimaskeptiker aus­gemacht werden, welche sich ziemlich aktiv – insbesondere *Gaudenz Mischol* ist sehr präsent in den analysierten Foren – an den Foren beteiligen und durchaus erwärmungs­skeptisch argumentieren. Entsprechend muss das Resultat aus der Pilotanalyse relativiert werden: Die Skepsis gegenüber der Feststellung, dass sich das Klimawandel erwärmt spielt möglicherweise doch eine grössere Rolle, als die Pilotanalyse vermuten lässt.
  • Die drei Zeitungen liefern sehr unterschiedliche Resultate. Allerdings ist die Aussagekraft der Analyseergebnisse zum Blick und zur NZZ besonders eingeschränkt, da es dort jeweils nur ein einziges Mal zu einer Einschaltung gekommen ist. Im analysierten Forum der NZZ sind Klimaskeptiker*innen dominierend – abgesehen von Gian-Kasper Plattner kontert keine Kommentator­*in die skeptischen Argumente im Forum. Demgegenüber konnte in den Kommentar­foren des Tages-Anzeigers ein beachtlicher Widerstand gegen klimaskeptische Kommentare beobachtet werden: So kommt es vor, dass ein klimaskeptischer Kommentar gleich mehrere klimabewegte Richtigstellungen erfährt – einmal konnten gleich bemerkens­werte acht klimabewegte Antworten von insgesamt sieben Kommentator*innen beobachtet werden. Es wird vermutet, dass in den Versuchsforen des Tages-Anzeigers Klimaskeptiker*innen weniger präsent sind und mehr Widerstand erhalten als im Pilotanalyseforum. Allerdings zeichnet der geänderte Fokus der Analyse in Bezug auf die Versuchsdaten dafür verantwortlich, dass hier kein direkter Vergleich möglich ist. Im Forum des Blicks weichen die Ergebnisse offensichtlich sehr stark ab von den Ergebnissen aus der Pilotanalyse: Klimaskeptiker*innen sind im Versuchsforum deutlich weniger präsent als im Pilotanalyseforum. Bemerkenswert ist ausserdem, dass die Kommentare von Gian-Kasper Plattner im Blick allgemein positiv bewertet werden.
  • Was die Foren des Tages-Anzeigers betrifft, so zeigen die Backend-Daten, dass sich niemand negativ dazu äussert, dass die Klimatologen mitdiskutieren: Es gibt also keine abgelehnten, nicht veröffentlichten Kommentare, welche den Tages-Anzeigeroder die beteiligten Klimatolo­gen attackieren und in diesem Zusammenhang nicht veröffentlicht worden wären. Allerdings muss sich Gian-Kasper Plattner gerade im Forum der NZZ einiges gefallen lassen und auch in den Foren des Tages-Anzeigers kommen die Klimatologen nicht immer völlig unbescholten davon.
  • Die Skeptiker*innen in den Foren lassen sich anhand ihrer Beteiligung grob in zwei Gruppen aufteilen: Sehr präsente Klimaskeptiker*innen, welche in mehreren Foren mitdiskutieren und dort jeweils mehrere Kommentare veröffentlichen, stehen deutlich weniger aktiven Kommen­tator­*innen gegenüber, die oft nur ein einziges skeptisches Posting veröffentlichen und sich anschliessend zurückziehen. Die Gruppe der besonders präsenten Klima­skeptiker­*innen widerspricht den Klimatologen im Forum und sorgt dafür, dass es überhaupt zu sichtbaren (eindeutig identifizierbaren) Wirkungen der Klimatologen kommt. Diese aktiven, sehr über­zeug­ten Klimaskeptiker*innen von der Existenz des anthropogenen Klimawandels zu überzeugen, scheint ein weitgehend chancenloses Unterfangen. Bei den Skeptiker*innen der zweiten Gruppe besteht die Hoffnung, dass sie weniger überzeugt sind von ihrer skeptischen Position – allerdings kommt es auch bei der zweiten Gruppe nie dazu, dass jemand einräumt, von den Klimatologen überzeugt worden zu sein.
  • Auch dann, wenn sich die Klimatologen ‚outen‘ oder am Artikelende angekündigt werden, kann nicht grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass sie als Experten erkannt werden. Denn die teilweise flüchtige Leseweise der Kommentierenden legt nahe, dass nicht alle Kommentierenden auf die Präsenz des (respektive der) Klimatologen aufmerksam wurden. Dies hat potenziell weitreichende Folgen für eindeutig nachweisbare Wirkungen der Klima­tologen, von welchen anzunehmen ist, dass sie dadurch weniger häufig auftreten: Denn wenn die Kommentierenden nicht wissen, dass ein Klimatologe im Forum präsent ist, können sie auch nicht direkt auf dessen Anwesenheit reagieren, indem sie ihn in seiner Rolle als Klimatologe ansprechen oder indem sie auf andere Art zum Ausdruck bringen, dass sie sich der Gegenwart des Klimatologen bewusst sind. Weniger eindeutige Wirkungen wie eine mögliche Steigerung der Diskursqualität können meines Erachtens nur vermutet und nicht bewiesen werden.
  • Besonders ergiebig ist die Analyse des sechsten und letzten Forums des Tages-Anzeigers, was möglicherweise damit zu tun hat, dass die Klimatologen bereits durch Martin Läubli angekündigt wurden. Die Diskursqualität ist hoch und durchaus wissenschaftsnah, und es sind Ansätze der Auflösung von Meinungsdifferenzen vorhanden: Dies legt ein Kommentar von *Max Bruppbacher* nahe, worin er dem Klimaskeptiker *Gaudenz Mischol* in Teilaspekten recht gibt. Gleiches gilt für die Kommentare von Gian-Kasper Plattner (mehr hierzu im nächsten Absatz). Neben den drei Threads, woran sich die Klimatologen beteiligen konnten, liefert ein weiterer Thread in diesem Forum relevante Ergebnisse, da dort die Präsenz der Klimaforscher – je nach Lesart im Forum selbst oder als Experten im Artikel – den Kommentaren „selbsternannter ‚Klimaexperten‘“ gegenübergestellt wird. Es zeigt sich, dass eine – schon fast überwältigende – Mehrheit die Klimaforscher den „selbsternannte[n] ‚Klimaexperten‘“ vorzieht.
  • mentare der Klimatologen, insbesondere jene von Gian-Kasper Plattner, beginnen oft mit einer ‚Bestätigung‘ eines Teilaspekts des vorgebrachten skeptischen Argumentes. Erst anschliessend folgt eine Richtigstellung. Ich vermute, dass dieses Vorgehen kommunikativ grundsätzlich günstig ist und eine gute Ausgangslage dafür bietet, dass Klimaskeptiker*innen ‚abgeholt‘ werden können und idealerweise ihrerseits einen Schritt auf den Klimatologen zukommen, was dann zu einer Verminderung der Meinungsdifferenzen führen würde. Allerdings kommt es in der Praxis nicht soweit.
  • In vielen Fällen gibt es allerdings – abgesehen von den Bewertungen – keine Reaktion auf die Beiträge der Klimatologen. Entsprechend ist oft keine Wirkung sichtbar, die über eine Bewertung hinausgeht.
  • Einige Klimawandelskeptiker*innen verweisen auf verschwörungstheoretische Inhalte und rücken damit den Klimawandel in den Kontext von Verschwörungstheorien über 9/11, die Mondlandung und HAARP.

 

7.3 Schlussfolgerungen

Für den Tages-Anzeiger und noch eindeutiger für den Blick kann im Vergleich zur Pilotanalyse ein Rückgang klimaskeptischer Kommentare vermutet werden. Allerdings ist diese Vermutung mit viel Vorsicht zu geniessen, denn der Vergleichszeitraum ist sehr kurz und die Daten sind nicht umfangreich genug. Deshalb ist es auch möglich, dass es sich dabei um einen vorübergehenden Effekt handelt oder dass die weniger umfangreichen Pilotanalysedaten in diesem Sinne ungünstig gewählt wurden. Mit einem Rückgang klimaskeptischer Kommentare in Einklang stünde die Vermutung von Martin Läubli – geäussert in einem informellen, nicht aufgezeichneten Kurzgespräch, welches während meines Besuchs in der Redaktion des Tages-Anzeigers zwecks Erhalt der Backend-Daten entstanden ist – dass Klimaskeptiker*innen in letzter Zeit weniger präsent sind als noch vor Jahren. Interessant und anschlussfähig ist hier des Weiteren Läublis Vermutung, dass die Berichte aus der Arbeitsgruppe 1 des IPCC an Bedeutung verlieren und diejenigen der beiden anderen Arbeitsgruppen in den Vordergrund rücken dürften. Entsprechend sei Läublis Berichterstattung auch dabei, sich von der Erklärung des Klimawandels auf Energiefragen zu verschieben. Es stellt sich entsprechend die Frage, ob Forschung im Zusammenhang mit Klimaskepsis a) gar nicht mehr nötig ist, da möglicherweise in den entscheidenden Positionen in Politik und Wirtschaft genügend klimabewegte Menschen tätig sind, als dass die wichtigsten Schritte zwecks Verhinderung eines gefährlichen Klimawandels rechtzeitig eingeleitet werden können oder ob diese Forschung b) heute dringender denn je gebraucht wird, weil vielleicht in den entscheidenden Positionen in Politik und Wirtschaft gerade nicht genügend klimabewegte Verantwortungsträger*innen sitzen oder weil es grundsätzlich problematisch ist, wenn sich Politik von der Basis in der Gesellschaft entfernt, und es entsprechend nicht ausreicht, wenn nur entsprechende Verantwortungsträger*innen das ‚Klimaproblem‘ verstehen und lösen wollen. Der Klimavertrag von Paris weckt die Hoffnung, dass es auch ohne Überzeugung der Klimaskeptiker*innen möglich ist, global Massnahmen zur Reduktion fossiler Emissionen durchzusetzen. Dennoch muss man sich fragen, ob klimaskeptische Positionen (und damit zusammenhängend: nicht sehr erfolgreiche Wissenschaftskommunikation zum Klimawandel) auch in Zukunft ungünstige, letztendlich klimaschädliche Auswirkungen haben werden. Ein aktuelles Beispiel in der Schweiz hierzu ist die Volksinitiative Für eine nachhaltige und ressourceneffiziente Wirtschaft (Grüne Wirtschaft), welche der Nationalrat im Dezember 2015 mit 129 zu 61 Stimmen zur Ablehnung empfohlen hat. Im Herbst 2016 wird ‚das Volk‘ über die Initiative abstimmen können. Dass die Initiative auch dort abgelehnt wird, scheint wahrscheinlich bei den eindeutigen Verhältnissen im Nationalrat. Zwar mag eine (teilweise) misslingende Wissenschaftskommunikation nicht der einzige Grund für das Scheitern dieser Initiative sein – aber doch ein nicht unwichtiger.

Eine weit verbreitete Ursachenskepsis (Skepsis gegenüber der Feststellung, dass der Klimawandel anthropogen (mit)verursacht ist), wie sie im Pilotanalysekorpus beobachtet werden konnte, ist grund­sätzlich vereinbar mit den Ergebnissen der Omnibusbefragungen des Bundesamts für Statistik 2011 und 2015. Dort schätzen 79 Prozent (2011) respektive 80 Prozent (2015) der Bevölkerung den „Anstieg der globalen Temperatur aufgrund des Klimawandels“ – man beachte die Kausalität, die den ‚Klimawandel‘ und nicht ‚fossile Emissionen‘ als Ursache des Temperaturanstiegs ausmachen, was durchaus fragwürdig scheint – als sehr gefährlich oder eher gefährlich ein (Abbildung 13 im Anhang). Denn in diesen (knapp) 80 Prozent der Bevölkerung können auch zahlreiche Klimaskeptiker*innen enthalten sein, insbesondere die sehr grosse Gruppe jener Skeptiker*innen, die skeptisch sind gegenüber der Feststellung, dass der Klimawandel anthropogen verursacht ist. Ein Bezug zu diesen Omnibusbefragungen des Bundesamts für Statistik ist hier insofern relevant, als dass ich mir die Frage gestellt hatte, in welchem Verhältnis beobachtete Einstellungen in den Kommentarforen zu den Einstellungen der gesamten Bevölkerung stehen. In diesem Zusammenhang habe ich die genannten Omnibusbefragungen entdeckt und war zuerst überrascht: Wie konnte es sein, dass ich in meinen Daten einer überwältigenden Klimaskepsis begegne, und die Omnibusbefragungen gleichzeitig nahelegen, dass 80 Prozent der Bevölkerung den Klimawandel als gefährlich einschätzten? Die im Pilotanalysekorpus beobachtete Dominanz an ursachenskeptischen Argumenten kann diese – bei oberflächlichem Blick in Erscheinung tretende – Diskrepanz bestens erklären.

Sowohl im Rahmen der Wiedergabe des Forschungsstands gemachte Beobachtungen als auch die Analyseergebnisse legen nahe, dass die direkte Kommunikation zwischen Wissenschaftler*innen und Öffentlichkeit grundsätzlich erfolgsversprechend ist. Allerdings stellt sich die Frage, in welcher Form diese erfolgen soll – die Einschaltung in Kommentarforen dürfte eher nicht eine praktikable Lösung sein (mehr hierzu in Kapitel 7.5 Ausblick auf zukünftige Forschung/Desiderata).

Im Zusammenhang mit dem audience design (Bell 1984) und der Partnerhypothese (Liebert 2002) wurde die Hoffnung geäussert, dass die Einschaltung der Klimatologen die Diskursqualität steigert. Es scheint allerdings schwierig, zu überprüfen, ob dies tatsächlich der Fall ist. Zwar ist mein Eindruck durchaus, dass die Diskursqualität in denjenigen Threads, in welchen sich die Klimatologen beteiligen, zumindest teilweise erstaunlich hoch ist. Am eindeutigsten scheint dies im Forum zum Artikel „Ein Winter der Rekorde“ der Fall zu sein, was möglicherweise nicht zuletzt mit der dort erhöhten Sichtbarkeit der Klimatologen – durch deren Ankündigung am Artikelende – zu tun hat. Aber wissenschaftlich beweisen kann ich diesen Eindruck nicht, denn grundsätzlich muss von einem multifaktoriellen Setting ausgegangen werden, wo neben dem Einfluss der Klimatologen auch andere Faktoren eine Rolle spielen. Ausserdem stellt sich bei der Isolierung der Wirkung der Klimatologen die Frage, was genau womit verglichen werden soll – und darauf gibt es keine einfache Antwort.

Kognitive Dissonanzen (Festinger 1957) und damit zusammenhängende Informationsselektion geben eine plausible Erklärung dafür, dass Klimaskeptiker*innen nicht – zumindest nicht im Bereich der Sichtbarkeit – von der Existenz eines anthropogenen Klimawandels überzeugt werden konnten.

 

7.4 Reflexion ungelöster Fragen und problematischer Aspekte der Arbeit

In Bezug auf die Pilotanalyse kann das gewählte Verfahren kritisiert werden. Die Arbeit mit MAXQDA und ein damit einhergehender Kategorisierungsdruck – das Kategorisieren, konkret das Zuordnen von Erscheinungen zu festzulegenden Kategorien, ist meiner Einschätzung nach die zentrale Fähigkeit des Programms – führt mitunter zu einer Zerstückelung von Argumenten: Bezügen innerhalb eines einzelnen Kommentars und Bezügen von einem Kommentar zu anderen Kommentaren konnte durch das gewählte Verfahren nicht genügend Rechnung getragen werden. So muss jede Erscheinung – in MAXQDA als coding bezeichnet – ein Anfang und ein Ende haben. Es muss also für jede Erscheinung entschieden werden, wo deren Anfang und wo deren Ende ist. Das führt dazu, dass bereits die Nennung von zwei Argumenten in einem Satz bei der Kodierung zu Problemen führt, zumindest wenn dieser Satz nicht in zwei Teilsätze aufgespalten werden kann, die selbständig einen Sinn ergeben. Eine komplexere Argumentation, worin ein Argument aus einem anderen heraus quasi entwickelt wird, kann erst recht nicht ‚eingefangen‘ werden. Ausserdem befördert der Kategorisierungsdruck in MAXQDA zumindest ein Stück weit ein ‚Schubladendenken‘ welches der in Wirklichkeit existieren­den Vielfalt nicht gerecht wird.

Dadurch, dass für die Analyse der Versuchskommentare das Vorgehen geändert werden musste, sind die Ergebnisse aus der Versuchsdatenanalyse nur eingeschränkt vergleichbar mit denjenigen aus der Pilotanalyse. Wie in Kapitel 6.2 Vorbemerkungen zur Datenanalyse und Bestimmung des Begriffs Thread erläutert worden ist, scheint diese eingeschränkte Vergleichbarkeit weniger problematisch als ein krampfhaftes Festhalten an einer Analysemethode, die den Daten nicht gerecht werden kann.

Als problematisch betrachte ich des Weiteren, dass die Wirkungen der Klimatologen nicht isoliert werden konnten, da kein experimentelles Setting verwendet wurde. Entsprechend konnten auch weitere Faktoren, welche die Diskussionsverläufe beeinflusst haben, nicht kontrolliert werden. Damit verbunden ist die Schwierigkeit, eine beobachtbare Steigerung der Diskursqualität nachweislich auf die Anwesenheit der Klimatologen zurückzuführen.

Ein letztes grundsätzliches und in diesem Fall vielleicht sogar unlösbares Problem meiner Arbeit sehe ich darin, dass ich nur diejenigen Wirkungen der Klimatologen erfassen kann, die direkt in Kommentaren anderer Kommentator*innen sichtbar werden. Wenn Kommentierende in ihrem Umfeld über die Beteiligung der Klimatologen debattieren – sei es über soziale Medien oder im Gespräch Face-to-Face – oder tatsächlich durch die Klimatologen eine andere Sichtweise auf den Klimawandel gewonnen haben und nun – im allerbesten Fall – vielleicht als ehemals klimaskeptische und neuerdings klimabewegte Menschen ihren Lebensstil ändern und weitere Menschen von der Dringlichkeit des Klimaproblems überzeugen: All das kann meine Arbeit nicht erfassen und es ist somit auch nicht geklärt, ob solche Wirkungen überhaupt existieren.

 

7.5 Ausblick auf zukünftige Forschung/Desiderata

An die vorliegende Arbeit anknüpfend sehe ich zahlreiche Forschungsdesiderate: Ausgehend von meinen Analysen lassen sich Ideen für künftige Forschungsprojekte zur direkten Kommunikation zwischen Klimawissenschaftler*innen und Öffentlichkeit formulieren und basierend auf dem Kapitel zum Forschungsstand sehe ich einen konkreten Forschungsbedarf zur medial basierten Wissenschaftskommunikation respektive folgender Frage: Was müssen Medienakteur*innen respektive Journalist*innen anders machen, damit mehr Menschen für den Klimawandel sensibilisiert werden können? Insbesondere im Rahmen von umfassenderen Forschungsvorhaben scheint es auch denkbar, Forschungssettings zu gestalten, wo beide Aspekte untersucht werden.

Im Folgenden sollen zuerst Ideen für Forschungsprojekte zur direkten Kommunikation zwischen Klimawissenschaftler*innen und Öffentlichkeit formuliert werden, zweitens sollen zwecks ‚Klima­wandel­sensibilisierung‘ möglicherweise sinnvolle Veränderungen von journalistischen Beiträgen angespro­chen werden, drittens sollen einige weitere, auf andere Aspekte der Arbeit bezogene, Forschungsdesiderata formuliert werden und viertens soll die direkte Transfermöglichkeit in die Praxis eines spezifischen Analyseergebnisses aufgezeigt werden.

Nun also zum ersten Punkt: Die Einschaltung der Klimatologen in die Foren kann als ineffektiv bezeichnet werden, da der Aufwand, der betrieben werden muss, damit es überhaupt dazu kommen kann, beträchtlich, der Nutzen hingegen eher gering respektive nicht ohne Weiteres nachweisbar scheint. Eine untersuchenswerte Alternative sind – idealerweise regelmässig stattfindende – ‚Klimagespräche‘ auf den Plattformen der Zeitungen, wo Klimatolog*innen Fragen von User*innen beantworten. Dabei wäre ein Setting zu bevorzugen, wo auch Rückfragen möglich sind. Im Unterschied zur Einschaltung in die Kommentarforen würden sich solche ‚Klimagespräche‘ besser planen lassen. Ein weiterer potenzieller Vorteil wäre die bessere Sichtbarkeit der Klimatolog*innen. Interessant schiene es bei einem solchen Versuch, die User*innen zu verpflichten, der Weiter­verwendung ihrer E-Mailadressen (explizit zu Klimaforschungszwecken) zuzustimmen. So könnten diese User*innen zu einem späteren Zeitpunkt befragt werden und es wäre möglich, Wirkungen zu erfassen, welche über Reaktionen in der Diskussion selbst hinausgehen.

Was den zweiten Punkt betrifft, so legen die im Kapitel zum Forschungsstand zusammengefassten Beiträge nahe, dass es sich lohnen könnte, den Fokus auf die Vermittlung wissenschaftlicher Metho­den zu legen und das Publikum dafür zu sensibilisieren, dass Kontroversen in der Wissenschaft grundlegend sind. Auch Hinweise auf Unsicherheiten in Bezug auf einzelne Ergebnisse könnten helfen, Wissenschaft glaubwürdiger zu machen. All diese Punkte machen auch vor dem Hintergrund der insbesondere in der Pilotanalyse beobachteten Akeur*innenskepsis – der Skepsis gegenüber (wissen­schaftlichen) Akteur*innen im Bereich Klimawandel – Sinn. Im Rahmen einer umfassenden Zusammenarbeit mit einem/mehreren Onlinezeitungen könnten beispielsweise über einen längeren Zeitraum Artikel online gestellt werden, welche in Bezug auf die Faktoren (a) Hinweise zu Forschungs­methoden/benannte Kontroversen und b) Unsicherheiten in den Ergebnissen) variieren und von Wissenschaftler*innen – beispielsweise von Kritischen Diskursanalytiker*innen – erstellt würden. Bei der Onlinestellung müsste beachtet werden, dass sie jeweils unter ähnlicher Voraussetzung stattfindet – so dass ähnliche Zugriffsraten erwartet werden können. Anschliessend könnten die Kommentare analysiert werden. Besonders effektiv wäre es möglicherweise, wenn versucht würde, die Forendiskussionen jeweils durch spezifische Fragen gezielter in die gewünschte Richtung zu lenken – oder wenn auf das Kommentarforum verzichtet würde und stattdessen einige Fragen an die Leser*innen gestellt würden. Diese könnten offen formuliert werden für eine qualitative Untersuchung, aber auch eine Mischung aus offenen und geschlossenen Fragen scheint denkbar. Wie bereits bezüglich der direkten Wissenschaftskommunikation festgehalten, könnte es auch hier interessant sein, Kontaktdaten der User*innen zu erheben (respektive darum bemüht zu sein, dass die E-Mailadressen der User*innen, welche in aller Regel im Rahmen der Benutzer*innenkontoeröffnung hinterlegt werden, zu Forschungszwecken benützt werden dürfen) und in der Folge umfangreichere schriftliche oder mündliche, qualitative und/oder quantitative Befragungen durchzuführen.

Drittens lassen sich folgende weitere Forschungsdesiderate formulieren:

  • An die Ergebnisse der Pilotanalyse anknüpfend scheint es empfehlenswert, zu überprüfen, ob eine besonders sorgfältige Kommunikation anthropogener Ursachen des Klimawandels ursachen­skeptische Argumente von User*innen reduziert.
  • Ein weiteres Desiderat wäre eine engere Zusammenarbeit von Linguist*innen und Klimatolog­*innen, um Klimaskeptizismus gezielter vorbeugen zu können. Bei der Bestim­mung des Begriffes Klimawandel auf der Grundlage eines Glossars des IPCC (Planton 2013: 1450), hat sich gezeigt, dass die dortige Definition möglicherweise nicht genügend gewappnet ist gegen klimaskeptische Interpretationen. Hier wäre ein interdisziplinäres Projekt interessant, in dessen Rahmen überprüft wird, ob solche (und möglicherweise weitere) Textstellen tatsächlich von (potenziellen) Klimaskeptiker*innen entsprechend ungünstig interpretiert werden. Falls die Hypothese bestätigt werden könnte, wäre es im Anschluss gewinnbringend, solche Textstellen in Zusammenarbeit von Linguist*innen und Naturwissenschaftler*innen zu überarbeiten.
  • Ein weiteres Desiderat betrifft Forschung zur Vorbeugung von Fehlinterpretationen, wie sie beispielsweise im Zusammenhang mit der ‚Klimapause‘ gehäuft auftreten: Immer wieder verweisen Klimaskeptiker*innen darauf, dass die Temperatur in den vergangen 15–20 Jahren nicht angestiegen sei und vermuten deshalb, dass der Klimawandel nicht existiere respektive es keine Verbindung zwischen Treibhausgasen in der Atmosphäre und der Erderwärmung gebe. Hier wären weiterführende Untersuchungen spannend, die der Frage nachgehen würden, wie entsprechende Interpretationen hätten vermieden werden können respektive ob sie überhaupt hätten vermieden werden können: Hätten Klimatolog*innen die ‚Klimapause‘ ‚nachhaltiger‘ kommunizieren können? Die ‚Klimapause‘ dürfte zwar unterdessen abgeklun­gen sein – es ist jedoch nicht unwahrscheinlich, dass neue Herausforderungen in naher Zukunft vergleichbare Probleme aufwerfen. Insofern wäre es angebracht, zu erforschen, wie Fehlinterpretationen in Bezug auf den Klimawandel vorgebeugt werden kann: Was müssen Klimatolog*innen – und Medienakteur*innen – anders machen, damit nicht beim nächsten kalten Winter oder der nächsten Verzögerung des Klimawandels durch einen Vulkanausbruch oder durch Partikelemissionen Skeptiker*innen erneut Aufwind erhalten?
  • Im Spannungsfeld Politik, Gesellschaft und Umwelt schiene es interessant, mit Forschung anzusetzen, welche angenommen Volksinitiativen mit Umweltrelevanz mit entsprechenden abgelehnten Volksinitiativen vergleicht und der Frage nachgeht, welche Bedingungen eine Umweltinitiative erfüllen muss, wenn sie realistische Chancen auf eine Annahme haben will. Denn es gibt ja durchaus auch solche positiven Beispiele (Rothenturm-Initiative zum Schutz der Hochmoore 1987; Alpeninitiative 1994; Zweitwohnungsinitiative 2012; oder – zwar nicht als Initiative – die überwältigende Annahme eines Verfassungsartikels zum Umweltschutz in der Volksabstimmung 1971 mit fast 93% Ja-Stimmen; Link[79]).
  • Last, but not least scheint es auch interessant, eine Anknüpfung an die Analyse des Waldsterbensdiskurses zu suchen und zu überprüfen, ob sich daraus Schlüsse ziehen lassen für den Klimawandeldiskurs.

Was letztendlich und viertens den direkten Transfer der Analyseergebnisse in die Praxis betrifft, zeigt die vorliegende Arbeit eine einfache Möglichkeit, Klimaskeptizismus mit wenig Aufwand und ohne umfangreiche weiterführende Forschung vorzubeugen. Im Zusammenhang mit Suchmaschinen-Recherchen konnte beobachtet werden, dass aus neutralen Suchabfragen aufgrund von Algorithmen ‚klimaskeptische Abfragen‘ werden können und dass ‚klimaskeptische Abfragen‘ auf Webseiten führen, die klimaskeptische Vermutungen bestätigen. Eine sehr einfache Massnahme gegen Klimaskeptizismus würde daher die Schaltung von Werbung mit Google AdWords zu Begriffskombinationen wie Klimawandel Lüge oder Klimawandel Schwindel darstellen. Diese Werbung müsste auf eine Seite führen, welche über den Klimawandel informiert und erklärt, weshalb Klimawandel keine Lüge ist. Potenzielle Werber*innen in diesem Zusammenhang dürften das Bundesamt für Umwelt BAFU, die Akademie der Naturwissenschaften Schweiz mit ihrem Forum für Klima und globale Umweltveränderungen „ProClim“ oder im Bereich Umwelt- respektive Klimaschutz tätige Nichtregierungsorganisationen (NGOs) sein. Noch besser wäre es wohl, wenn es möglich wäre, Internetnutzer*innen, welche nach Begriffskombinationen wie Klimawandel und Lüge oder Schwindel suchen ohne den – durchaus auch kritisierbaren – Umweg über Google Adwords auf wissenschaftsnahe, aufklärende Seiten zu holen.

 

 

8 Bibliografie

 

8.1 Wissenschaftliche Publikationen

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8.3 Analyserelevante Klimaartikel in Onlinezeitungen

 

8.3.1 Pilotanalyse

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8.3.2 Versuchsdaten

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Kilian, Martin. „‚Klima-Irrsinn beenden‘“. Tages-Anzeiger online, 2. Dezember 2015. http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/KlimaIrrsinn-beenden/story/14293820#mostPopularComment.

Läubli, Martin. „Die Schadenssumme steigt schneller als der Meeresspiegel“. Tages-Anzeiger online, 1. März 2016. http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/natur/schaeden-steigen-schneller-als-der-meeresspiegel/story/17473118.

Läubli, Martin. „Ein Winter der Rekorde“. Tages-Anzeiger online, 22. März 2016. http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/natur/ein-winter-der-rekorde/story/22590990#mostPopularComment.

Läubli, Martin, und Sandro Benini. „10 Fragen in der heissen Phase des Klimagipfels“. Tages-Anzeiger online, 10. Dezember 2015. http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/natur/die-nacht-der-langen-messer-an-der-klimakonferenz/story/25929113#mostPopularComment.

Läubli, Martin. „Die ‚Klimapause‘ ist zu Ende“. Tages-Anzeiger online, 9. November 2015. http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/natur/Die-Klimapause-ist-zu-Ende/story/21792010.

(ofi/AFP). „2015 war das heisseste Jahr seit Messbeginn“. Tages-Anzeiger online, 20. Januar 2016. http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/natur/2015-war-das-heisseste-Jahr-seit-Messbeginn/story/17448775#mostPopularComment.

Rüesch, Andreas. „Klimavertrag von Paris. Herkules im globalen Treibhaus“. NZZ online, 13. Dezember 2015. http://www.nzz.ch/international/herkules-im-globalen-treibhaus-1.18662383#kommentare.

9 Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Begriff Klimaskeptiker im Ngram Viewer 1980-2008. 2

Abbildung 2: Suchvorschläge von Yahoo als Ergänzung zum Begriff Klimawandel. 2

Abbildung 3: Kommentar unter blick.ch kurz nach dem Erscheinen. 2

Abbildung 4: Darstellungsweise des gleichen Kommentars im Januar 2016 nach einer Überarbeitung des Forenlayouts. 2

Abbildung 5: Bewertung der klimaskeptischen Kommentare. 2

Abbildung 6: Gibt es eine Bezugnahme zwischen den hierarisch angeordenten Beiträgen?. 2

Abbildung 7: *Peter Glauser* nimmt ein klimaskeptisches Argument zurück. 2

Abbildung 8: Klimabewegter Kommentator *Hermann Kloeti* zeigt Wissenslücke in Klimatologie. 2

Abbildung 9: Klimabewegter Kommentator *Oliver Schmid* ist unpräzis, wenn er CO2 und Feinstaub in einem Atemzug nennt. 2

Abbildung 10: Klimawandel-Artikel in definierten Onlinezeitungen suchen mit Google News: Die Suche liefert auch sehr aktuelle Treffer – der zweite ist nur eine Minute alt. 2

Abbildung 11: „Darstellung eines Threads als horizontal und vertikal wachsende Baumstruktur“ (Dorostkar & Preisinger 2013: 330). 2

Abbildung 12: Omnibusbefragungen 2011 und 2015 (Bundesamt für Statistik 2016). II

10 Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Variabilitätsskeptischer Kommentar. 2

Tabelle 2: Klimabewegte Kommentare und ihre Akzeptanz. 2

Tabelle 3: Skepsis gegenüber (wissenschaftlich fundierten) Feststellungen, Analysemöglichkeiten, Aussagen und Handlungskonzepten. 2

Tabelle 4: Prognose- und erwärmungsskeptische Argumente, welche auf einer Verwechslung von Wetter und Klima aufbauen. 2

Tabelle 5: Skepsis gegenüber (wissenschaftlichen) Akteur*innen im Bereich Klimawandel. 2

Tabelle 6: Ursachenskepsis: Skepsis gegenüber der Feststellung, dass der Klimawandel anthropogen (mit)verursacht ist. Subkategorie: Klimawandel gibt es schon sehr lange/immer. 2

Tabelle 7: Ursachenskepsis: Skepsis gegenüber der Feststellung, dass der Klimawandel anthropogen (mit)verursacht ist. Subkategorien: Topos oder Trugschluss der Ungewissheit & Konsensskepsis. 2

Tabelle 8: Ursachenskepsis: Skepsis gegenüber der Feststellung, dass der Klimawandel anthropogen (mit)verursacht ist. Subkategorien: Verschiedene Argumente, welche einen menschlichen Einfluss ganz oder teilweise abstreiten. 2

Tabelle 9: Ursachenskepsis: Skepsis gegenüber der Feststellung, dass der Klimawandel anthropogen (mit)verursacht ist. Subkategorie: Sonne als Ursache des Klimawandels. 2

Tabelle 10: Ursachenskepsis: Skepsis gegenüber der Feststellung, dass der Klimawandel anthropogen (mit)verursacht ist. Subkategorien: a) Mensch, aber nicht CO2 ist Schuld und b) Überbevölkerung ist Schuld am Klimawandel. 2

Tabelle 11: Problemskepsis: Skepsis gegenüber der Aussage, dass Klimawandel ein Problem ist oder in Zukunft ein Problem sein wird. 2

Tabelle 12: Mitigationsskepsis: Skepsis gegenüber Massnahmen mit dem Ziel, Treibhausgaskonzentrationen weniger schnell ansteigen zu lassen respektive diese langfristig zu stabilisieren. 2

Tabelle 13: Erwärmungs- und Prognoseskepsis. Skepsis gegenüber der Feststellung, dass sich das Klima erwärmt & Skepsis gegenüber Klimaprognosen oder gegenüber der grundsätzlichen Möglichkeit, Klimaprognosen erstellen zu können. 2

Tabelle 14: Akteur*innenskepsis: Skepsis gegenüber (wissenschaftlichen) Akteur*innen im Bereich Klimawandel 2

Tabelle 15: Wie gehen Klimabewegte mit Skeptiker*innen um? Negative Beispiele. 2

Tabelle 16. Wie gehen Klimabewegte mit Skeptiker*innen um? Weniger negative (oder positive?) Beispiele. 2

Tabelle 17: Thread mit drei Kommentaren von Gian-Kasper Plattner im Artikel „Historisch und enttäuschend. Warum der Klimavertrag nur ein halber Erfolg ist“. 2

Tabelle 18: Zugriffe auf die Artikel im Tages-Anzeiger. 2

Tabelle 19: Thread mit einem Kommentar von Stefan Brönnimann zum Artikel „Die ‚Klimapause‘ ist zu Ende“. 2

Tabelle 20: Thread mit einem Kommentar von Stefan Brönnimann zum Artikel „Die ‚Klimapause‘ ist zu Ende“. 2

Tabelle 21: Thread mit einem Kommentar von Stefan Brönnimann zum Artikel „Die ‚Klimapause‘ ist zu Ende“. 2

Tabelle 22: Thread mit einem Kommentar von Gian-Kasper Plattner zum Artikel „‚Klima-Irrsinn beenden‘“. 2

Tabelle 23: Thread mit einem Kommentar von Gian-Kasper Plattner zum Artikel „10 Fragen in der heissen Phase des Klimagipfels“. 2

Tabelle 24: Klimaskeptiker *Hans Reuter* erhält acht klimabewegte Antworten. 2

Tabelle 25: Thread mit einem Kommentar von Stefan Brönnimann zum Artikel „2015 war das heisseste Jahr seit Messbeginn“. 2

Tabelle 26: Thread mit einem Kommentar von Stefan Brönnimann zum Artikel „2015 war das heisseste Jahr seit Messbeginn“. 2

Tabelle 27: Thread mit einem Kommentar von Stefan Brönnimann zum Artikel „2015 war das heisseste Jahr seit Messbeginn“. 2

Tabelle 28: Thread mit einem Kommentar von Gian-Kasper Plattner zum Artikel „Die Schadenssumme steigt schneller als der Meeresspiegel“. 2

Tabelle 29: Thread mit einem Kommentar von Stefan Brönnimann zum Artikel „Ein Winter der Rekorde“. 2

Tabelle 30: Thread mit einem Kommentar von Gian-Kasper Plattner zum Artikel „Ein Winter der Rekorde“. 2

Tabelle 31: Thread mit zwei Kommentaren von Gian-Kasper Plattner zum Artikel „Ein Winter der Rekorde“. 2

Tabelle 32: Gian-Kasper Plattner gibt den Skeptikern in Bezug auf Teilaspekte recht. Hervorhebungen S. J. 2

Tabelle 33: Klimaskeptische Kommentare im Forum der NZZ. 2

Tabelle 34: Thread mit vier Kommentaren von Gian-Kasper Plattner zum Artikel „Klimavertrag von Paris. Herkules im globalen Treibhaus“. 2

Tabelle 35: Thread mit einem Kommentar von Gian-Kasper Plattner zum Artikel „Klimavertrag von Paris. Herkules im globalen Treibhaus“. 2

Tabelle 36: Thread mit einem Kommentar von Gian-Kasper Plattner zum Artikel „Klimavertrag von Paris. Herkules im globalen Treibhaus“. 2

Tabelle 37: Auswertung der klimaskeptischen Kommentare inklusive Leser*innenzustimmung respektive -ablehnung. II

Tabelle 38: Auswertung der klimasfreundlichen Kommentare inklusive Leser*innenzustimmung respektive -ablehnung. II

Tabelle 39: Klimaskeptische Kommetare von Autor*innen mit mehr als 1 Kommentar. II

Tabelle 40: Zwei zwischenzeitlich gelöschte Kommentare von *Marie-Anne Zumbühl*. II

Tabelle 41: Freigegebene Kommentare zum Artikel „Ein Indiz mehr für den Klimawandel“ im Backend. II

Tabelle 42: Freigegebene Kommentare zum Artikel „Die ‚Klimapause‘ ist zu Ende“ im Backend. II

Tabelle 43: Freigegebene Kommentare zum Artikel „‚Klima-Irrsinn beenden‘“ im Backend. II

Tabelle 44: Freigegebene Kommentare zum Artikel „10 Fragen in der heissen Phase des Klimagipfels“ im Backend. II

Tabelle 45: Freigegebene Kommentare zum Artikel „2015 war das heisseste Jahr seit Messbeginn“ im Backend. II

Tabelle 46: Freigegebene Kommentare zum Artikel „Die Schadenssumme steigt schneller als der Meeresspiegel“ im Backend. II

Tabelle 47: Freigegebene Kommentare zum Artikel „Ein Winter der Rekorde“ im Backend. II

[1] Ich bin der Frage nachgegangen, ob dies auch für die Schweiz gilt und dabei auf eine Unzulänglichkeit im Artikel von Michael Brüggeman und Sven Engesser (2014) gestossen, welche unter Verweis auf den Artikel von Reiner Grundmann und Mike Scott 2012 mit dem Titel Disputed climate science in the media: Do countries matter? angeben, dass in der Schweiz klimaskeptischer Berichterstattung wenig Platz eingeräumt wird. Bei der Überprüfung dieser Aussage stellt sich allerdings heraus, dass die Schweiz dort nicht einmal erwähnt wird. Andere Literatur, die die diesbezügliche Situation in der Schweiz beschreibt, hat eine erste Recherche nicht aufgespürt.

[2] http://www.blick.ch/news/schweiz/mittelland/studie-warnt-vor-klimawandel-sieht-der-aargau-in-50-jahren-so-aus-id2579521.html.

[3] Stand dieser Recherchen: August 2015.

[4] http://www.blick.ch/news/schweiz/mittelland/studie-warnt-vor-klimawandel-sieht-der-aargau-in-50-jahren-so-aus-id2579521.html.

[5] Übersetzung S. J. Grund für die ansonsten unübliche Übersetzung eines englischen Textes in einem deutschsprachigen wissenschaftlichen Text ist, dass ich und das potenzielle Publikum dieser Arbeit klimatologische Lai*innen sind.

[6] Übersetzung S. J.

[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Klimaskeptizismus.

[8] http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/natur/Die-Klimapause-ist-zu-Ende/story/21792010.

[9] Die Forstwirtschaft spricht nicht vom „Waldsterben“, sondern verwendet die neutralere Bezeichnung „neuartige Waldschäden“. Da forstwirtschaftliche Studien hier kaum eine Rolle spielen, sondern nur die öffentliche Diskussion über das Phänomen wichtig ist, verwende ich bewusst den Terminus Waldsterben. Dies auch vor dem Hintergrund der Annahme, dass die Bezeichnung des Phänomens als Waldsterben weitreichende Folgen hatte: Ohne die im Begriff enthaltene Dramatisierung des Phänomens hätte das Waldsterben möglicherweise nicht bis heute so deutliche Nachwirkungen. Das Beispiel Waldsterben illustriert damit musterhaft den sozial konstruktiven Charakter von Diskursen – respektive hier vielleicht präziser: von Begriffen (siehe hierzu auch Reisigl 2011: 475).

[10] https://policies.yahoo.com/ie/de/yahoo/privacy/products/search/index.htm.

[11] Erste Lesart: Kontroverse (als Substantiv) Wissenschaftskommunikation (in metasprachlicher Verwendung). Zweite Lesart: kontroverse (als Adjektiv) Wissenschaftskommunikation (keine metasprachliche Verwendung).

[12] http://geschichtedergegenwart.ch/.

[13] http://geschichtedergegenwart.ch/editorial/.

[14] http://geschichtedergegenwart.ch/elfenbeinturm/.

[15] http://geschichtedergegenwart.ch/elfenbeinturm/.

[16] Post hat bereits vor einigen Jahren eine ebenfalls kritikwürdige Studie in diesem Themenbereich vorgelegt (Post 2008). Dort wie hier werde ich den Eindruck nicht los, dass Post selbst eine klimaskeptische Haltung vertritt. So teilt Post 2008 die durch sie befragten Klimawissenschaftler*innen in „überzeugte Warner“ und „skeptische Beobachter“ ein, und lässt dadurch erstens den Eindruck entstehen, dass es auch unter den Klimatolog*innen Klimaskeptiker*innen gibt und rückt zweitens durch ihre Bezeichnungen diese ‚skeptischen‘ Wissenschaftler*innen in ein positiveres Licht als ‚klimabewegte‘ Wissenschaftler*innen. Auch das Vorwort zur Arbeit von Hans Mathias Kepplinger ist irritierend. Kepplinger attackiert die UNO, betont den „Einfluss der Eigeninteressen vieler klimapolitischer Akteure“ und schreibt beispielsweise: „Aus den genannten Gründen würde die Klimadiskussion aller Wahrscheinlichkeit nach auch dann noch intensiver und leidenschaftlicher werden, wenn die neuesten Erkenntnisse der Klimaforschung den Katastrophenszenarien widersprechen würden“ (Post 2008: 5–6). In einem Kapitel „Überzeugung und Skepsis in der öffentlichen Klimadiskussion“ schreibt Post: „Da in der öffentlichen Debatte die Annahmen von den menschlichen Ursachen des Klimawandels, von der Berechenbarkeit des Klimas und von den Gefahren einer Klimaänderung als erwiesen vorausgesetzt werden, erscheint diese Lösung [Regulierung von CO2-Ausstössen] als angemessen. Sie ergibt sich geradezu zwingend aus der öffentlichen Klimadebatte mit ihren Voraussetzungen. Die der öffentlichen Auseinandersetzung zugrundeliegende Annahmen über die Klimaänderung sind zu unanfechtbaren Allgemeinplätzen geworden“ (Post 2008: 94; Kursivierung S. J.). Damit zeigt sich, dass Post die „öffentliche Klimadebatte“ anders einschätzt als ich: Ich würde im Gegensatz zu Post meinen, dass in der öffentlichen Klimadebatte so gut wie nichts als erwiesen vorausgesetzt wird. Darüber hinaus legen die zitierten Sätze von Post nahe, dass sie sich selbst abweichend von der von ihr als geeinigt wahrgenommen „öffentlichen Klimadiskussion“ positioniert: Dies legt beispielswiese die Wortwahl „erscheint als“ (im Zitat oben kursiviert) nahe, die impliziert, dass Post selbst „diese Lösung“, also die „Regulierung von CO2-Ausstössen“ selbst nicht als angemessen wahrnimmt.

[17] http://www.welt.de/print-welt/article680763/Die-Klimaforschung-wird-politisch-instrumentalisiert.html.

[18] Bell hat auch zu Themen im Bereich Medien und Umwelt (insbesondere Ozonloch) gearbeitet. In einem Artikel (Bell 1994) untersucht er beispielsweise das Verhältnis des medialen Diskurses über Klimawandel zum öffentlichen Verständnis für das Thema und stellt fest, dass es eine grosse Diskrepanz gibt zwischen Medienberichten über wissenschaftliche Informationen und dem öffentlichen Verständnis (public’s understanding) dieser Informationen: So würden viele den Treibhauseffekt mit dem Ozonloch verwechseln und wenig über die Gründe des Treibhauseffektes wissen. Diese Missverständnisse seien sozial und politisch problematisch, weil sie die Menschen davon abhielten, sich mit einem Kernthema der ‚westlichen Konsumgesellschaft‘ auseinanderzusetzen: Dem Konsum fossiler Energien.

[19] Eine Einführung in die insgesamt sechs Varianten der Kritischen Diskursanalyse findet sich in Reisigl 2013.

[20] Es stellt sich hier die Frage, ob das sich im Gang befindliche Aussterben von Sprachen überhaupt gemildert werden könnte, und wenn ja, zu welchem Preis. Obwohl ich den Verlust dieser Sprachen und damit zusammenhängender kultureller Praxis sehr bedaure, kann ich jene gut verstehen, die darauf hinweisen, dass dies der Preis für die Globalisierung ist, die im Gegenzug eine weltweite Verständigung ermögliche. Dabei dürfte der Erwerb einer ‚mächtigen‘ Sprache wie des Englischen (und damit nicht selten einhergehender Vernachlässigung indigener Sprachen) wesentlich zum – wirtschaftlichen – Erfolg von Individuen und Bevölkerungsgruppen beitragen.

[21] Auf das Verhältnis von Soziolinguistik und Kritischer Diskursanalyse geht Reisigl 2013 im Kapitel „Critical Discourse Analysis and Sociolinguistics“ ein.

[22] Diese werden beispielsweise in Reisigl 2011 beschrieben.

[23] http://www.dailystar.co.uk/tech/news/393400/END-OF-THE-WORLD-Top-global-warming-scientist-reveals-We-re-f-ked.

[24] http://www.dailystar.co.uk/tech/news/393400/END-OF-THE-WORLD-Top-global-warming-scientist-reveals-We-re-f-ked.

[25] Ich wollte mich vergewissern, ob es angemessen ist, den Tages-Anzeiger als Qualitätsmedium zu bezeichnen, und habe in diesem Zusammenhang eine interessante, sehr aktuelle Aussage vom ehemaligen Spiegel-Chefredaktor Wolfgang Büchner, der seit Juli 2015 Geschäftsführer bei blick.ch ist, gefunden. In einem Interview mit dem Tages-Anzeiger sagt/schreibt er: „Diesen Gegensatz von Boulevard- und Qualitätsmedium gibt es heute nicht mehr. Traditionelle Qualitätsmedien wie NZZ oder ‚Tages-Anzeiger‘ haben sich verändert und arbeiten heute viel mehr mit grosser Optik, prägnanteren Begriffen, Personalisierung und Emotionalisierung. Intelligenter Boulevard überreizt diese Stilmittel nicht, sonst geht der Schuss nach hinten los. Da gibt es eine lange Entwicklung seit dem Blut-und-Sperma-Boulevard der Siebzigerjahre. Auch ‚Spiegel online‘ war im Grunde nichts anderes als ein besonders gut gemachtes Boulevardmedium“ (http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/stolz-ist-kein-geschaeftsmodell/story/17119475).

[26] http://www.blick.ch/news/schweiz/mittelland/studie-warnt-vor-klimawandel-sieht-der-aargau-in-50-jahren-so-aus-id2579521.html. Dieser Artikel ist, wie auch alle anderen in der Analyse berücksichtigen Artikel, unter 11.5 Anhang 5: Zeitungsartikel abgebildet.

[27] Dass in Abbildung 3 zusätzlich noch eine Uhrzeit enthalten ist, hat nicht mit der Überarbeitung des Kommentarforums zu tun, sondern ist dem Umstand geschuldet, dass ich den Screenshot nur wenige Stunden nach Erscheinen des Kommentars angefertigt hatte. Sehr neue Kommentare enthalten auch im überarbeiteten Forum des Blicks noch eine Uhrzeit, die dann mit dem Älterwerden verschwindet.

[28] Ich habe testweise (unter falschem Namen) Kommentare unter blick.ch gepostet und dabei festgestellt, dass es nicht nötig ist, den richtigen Namen anzugeben. Gleiches gilt für die Ortsangabe, die von blick.ch nicht überprüft wird.

[29] http://www.srf.ch/sendungen/medientalk/medientalk-leserkommentare-chance-oder-last.

[30] Es sei bemerkt, dass sich die Haltungen der drei besprochenen Zeitungen bezüglich Klarnamenspflicht unterscheiden. Wie im SRF Medientalk „Leserkommentare – Chance oder Last?“ deutlich geworden ist, spricht sich die Agentin der NZZ klar gegen eine solche aus. In den Forenregeln des Tages-Anzeigers (http://www.tagesanzeiger.ch/service/unsere-dienste/wie-sie-bei-uns-online-kommentieren/story/19367311) wird im Gegensatz dazu darauf hingewiesen, dass Pseudonyme unzulässig sind. Auch der Blick fordert in seinen AGBs wahrheitsgetreue Angaben. Allerdings meine ich, dass weder der Tages-Anzeiger noch der Blick diese Angaben überprüft – denn für das Erstellen der jeweiligen Benutzungskonten gab es keinen entsprechenden Verifizierungsprozess, ich musste weder einen Brief an angegebener Adresse empfangen noch eine Ausweiskopie einschicken.

[31] Sicherlich ist es möglich, die Daumen-Symbole zu manipulieren – allerdings nicht ohne die Anwendung ‚technischer Tricks‘, denn grundsätzlich kann einem Kommentar nur einmal zugestimmt werden.

[32] https://www.ethz.ch/de/news-und-veranstaltungen/eth-news/news/2014/11/klimapause-als-kommunikative-knacknuss.html.

[33] Gerne verweise ich hier auf ein kürzlich erfolgtes Bewerbungsgespräch zwischen mir und Adrian Aeschlimann, welcher beim Bundesamt für Umwelt BAFU mit dem Dialog Grüne Wirtschaft beauftragt ist. Aeschlimann ist im Zusammenhang mit meiner Masterarbeit, welche wir kurz besprochen haben, darauf gekommen, dass der öffentliche Diskurs noch immer stark durch das Waldsterben geprägt sei. Er würde in Verbindung mit dem Waldsterben erhobene Vorwürfe gerne mit folgender Frage kontern: „Wenn Sie zum Arzt gehen und dieser feststellt, dass Sie krank sind und Ihnen eine Therapie empfiehlt, welche Sie dann auch machen und schliesslich gesund werden: Sagen Sie dann im Nachhinein auch, der Arzt habe gelogen?“ Der Verweis der Kommentator*innen auf das Waldsterben ist hochinteressant, zumal es sich dort um ein – zumindest aus Umweltperspektive, weniger jedoch in Bezug auf die öffentliche Kommunikation – erfolgreich gelöstes Umweltproblem handelt, welches zahlreiche Kommentator*innen nun dazu veranlasst, (wissenschaftliche) Akteur*innen im Bereich Klimawandel als unglaubwürdig hinzustellen. Ich stelle mir vor, dass der Waldsterbensdiskurs interessante Anschlussmöglichkeiten bietet an den Klimawandeldiskurs. Eine erste Anlaufstelle für entsprechende Untersuchungen könnte das an der Universität Freiburg angesiedelte interdisziplinäre DFG-Projekt Waldsterben sein. Es könnte spannend und erkenntnisbringend sein, sich die Kommunikation der Wissenschaftler*innen an ein breiteres Publikum und die mediale Kommunikation im Zusammenhang mit der Waldsterbensdebatte der 1980er Jahre anzusehen und mit der entsprechenden Klimakommunikation heute zu vergleichen.

[34] Die Asteriske, welche die Benutzer*innennamen umrahmen, sollen sichtbar machen, dass es sich jeweils um Benutzer*innennamen handelt, die nicht mit dem reellen Namen identisch sein müssen. Im Zentrum der Analyse stehen nicht Personen des ‚realen‘ Lebens, sondern in erster Linie Forenuser*innen, die durch ihre Benutzer*innennamen (welche in den diskutierten Foren wohl oft, aber nicht immer mit dem realen Namen identisch ist) zu mehr oder weniger stabilen ‚Internetidentitäten‘ werden. Wer die Personen im ‚realen‘ Leben jenseits der Foren sind, spielt nur am Rande eine Rolle – da in der Regel weder ich noch die Forenuser*innen wissen, welche Menschen hinter den Kommentaren stecken.

[35] Diese Auswahl gibt es allerdings nicht mehr in der überarbeiteten Form des Forums.

[36] Es ist für mich unklar, wie „gewisse Kartelle“ und „das Patentrecht“ im Kommentar von *Roman Loosli* zusammenhängen sollen.

[37] Stand in der Beschreibung: Januar 2016.

[38] http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/natur/ein-indiz-mehr-fuer-den-klimawandel/story/31213219#mostPopularComment.

[39] Diese und folgende Zahlen in diesem Kapitel konnte ich entweder direkt in MAXQDA oder mithilfe von Excel-Transporten bestimmen.

[40] Ich möchte hier darauf hinweisen, dass ich nicht vorhabe, eine statistische Datenanalyse durchzuführen, sondern grundsätzlich qualitativ arbeite. Dennoch meine ich, dass diese Eckzahlen zum Korpus meiner Pilotanalyse hilfreich sind, um sich diesem anzunähern. Aussagekräftig finde ich insbesondere sehr grobe ‚Anomalien‘, wie sie bei der Zustimmung/Ablehnung der Kommentare aus den jeweiligen Lagern zu beobachten sind. Es wäre schade, diese doch sehr auffälligen ‚Anomalien‘ nicht zu berücksichtigen, nur, weil ich grundsätzlich qualitativ arbeite.

[41] Meinen Beobachtungen folgend scheint es eher selten zu sein, dass die NZZ Foren schliesst. Oft hingegen ist es so, dass die Kommentarbeiträge gewissermassen zu einem ‚natürlichen‘ Ende kommen – was nicht heissen muss, dass allenfalls vorhandene strittige Thesen aufgelöst werden konnten, sondern wohl eher damit zu tun hat, dass die Zugriffszahlen rasch zurückgehen und sich Kommentarschreibende dann nicht mehr sicher sein können, ob ihre Beiträge überhaupt noch gelesen werden.

[42] http://www.srf.ch/sendungen/medientalk/medientalk-leserkommentare-chance-oder-last.

[43] Zuerst ergaben die internen Abklärungen zwischen Martin Läubli und dem Zuständigen für Social Media, dass mein Anliegen nur im Format Chat-Modul möglich sei – was meinen Nachforschungen zufolge ausschliesslich das Schema Frage-Antwort, möglicherweise sogar ohne Möglichkeit, Rückfragen zu stellen, zugelassen hätte. Nachdem ich gewünscht hatte, das gewählte Format solle möglichst flexibel sein und doch zumindest Rückfragen zulassen, und nach weiteren Abklärungen Läublis mit der Person, die sich mit dem Chat-Modul auskennt und darauf aufmerksam gemacht hat, dass das Chat-Modul die Anwesenheit des Wissenschaftlers in der Redaktion erfordere, hielt ich schlussendlich eine Zusage für eine Ankündigung des Wissenschaftlers im Artikel. Die Beteiligung sollte – wegen der erhöhten Flexibilität ganz in meinem Sinne – über das ‚normale‘ Kommentarforum laufen.

[44] Die Backend-Daten werden in der Analyse nur punktuell berücksichtigt. Dies hat einerseits mit der spät erfolgten Lieferung dieser Daten zu tun, ist aber auch darin begründet, dass die Kommentare im Backend nicht nach Threads geordnet sind und entsprechend keine thematische Gliederung aufweisen. Wenn man die Thread-Struktur berücksichtigen will – was man meines Erachtens unbedingt tun sollte – muss man bei der Analyse vom Frontend ausgehen. Das Backend ist für zwei Aspekte interessant: Es zeigt erstens, wann genau ein entsprechender Kommentar entstanden ist und zweitens zeigt es auch diejenigen Kommentare, welche nicht freigeschaltet (respektive abgelehnt) wurden. Beide Aspekte können problemlos punktuell integriert werden. Die Backend-Daten werden im Anhang vollständig (bei Schwärzung sensibler Daten) wiedergegeben.

[45] Wahrscheinlich am späten Nachmittag oder sogar erst abends – leider habe ich den Erscheinungszeitpunkt nicht notiert. Meine Nachforschungen ergeben aber, dass ich am 14. Dezember 2015 um 16:05 Uhr in einer E-Mail an die Klimatologen auf zahlreiche Artikel hinweise, nicht jedoch auf hier gefragten Artikel, welchen ich erst gegen 9:00 Uhr des 15. Dezember 2015 entdecke und gleich darüber informiere.

[46] Diese erste Zahl verweist auf die Anzahl ‚Daumen-nach-oben-Symbole‘.

[47] Die zweite Zahl verweist auf die Anzahl ‚Daumen-nach-unten-Symbole‘. Das Verhältnis der beiden Zahlen ergibt ein Indiz für die Akzeptanz des Kommentars beim Publikum. Es ist zu beachten, dass jüngere Kommentare (die sich weiter oben in der Tabelle befinden oder aber auf Hierarchieebene zwei) jeweils weniger Bewertungen aufweisen.

[48] Diese – zwar ebenfalls kurz gehaltene – Artikelanalyse ist wesentlich umfassender als die kurzen Artikelzusammenfassungen der Versuchsartikel unter Tages-Anzeiger und NZZ. Dass dieses vergleichsweise früh verfasste Kapitel (noch) umfassender ist, hat weniger mit dem knapper werdenden Platz zu tun, sondern ist in den Daten begründet. Denn diese zeigen, dass die Kommentare wesentlich klimabewegter sind und dass diese Veränderung nicht (oder nur in sehr geringem Ausmass) eine Folge der Kommentare von Gian-Kasper Plattner ist. Die vorliegende Artikelanalyse legt nahe, dass der geänderte Grundtenor in den Kommentaren mit dem Artikel selbst zusammenhängt.

[49] Die Rolle von Patrick Hofstetter beim WWF wird unter http://www.zeit.de/2013/38/schweiz-macht-politiker-wirtschaft/komplettansicht erklärt.

[50] Fragen des zielgruppengerechten Schreibens liegen zwar nicht im Fokus dieser Arbeit. Dennoch: Der Umstand, dass es ein audience design oder eine Partnerhypothese (siehe hierzu das einschlägige Theoriekapitel) gibt, legt nahe, dass Redakteur*innen ihre Texte durchaus am Zielpublikum ausrichten. Oder anders ausgedrückt, es schiene doch unwahrscheinlich, dass Redakteur*innen die Zielgruppe überhaupt nicht berücksichtigen. Dies heisst allerdings nicht, dass die Anpassung oberstes Gebot ist und nur diese eine Rolle spielt – sicher gibt es verschiedene weitere Faktoren, welche die konkrete Ausrichtung eines Zeitungsartikels ebenfalls beeinflussen. Insofern ist die Überraschung in Bezug auf die Referenzen und der wertenden Haltung gegenüber dem Klimavertrag vielleicht doch nicht so gross, wie sie auf den ersten Blick scheint.

Eine alternative Erklärung dafür, dass im vorliegenden Artikel der Klimavertrag kritisiert wird, würde die Hypothese bieten, dass Artikel des Blicks grundsätzlich darauf abzielen, Geschehnisse (unabhängig von Art und Ausrichtung) zu kritisieren respektive negativ zu bewerten. Zur Überprüfung der Hypothese könnte man Artikel des Blicks und Artikel aus einem Vergleichsmedium zu unterschiedlichen Themen analysieren und überprüfen, wie andere Medien den Klimavertrag bewerten.

[51] Hier wäre es interessant, der Frage nachzugehen, ob alle Artikel unter blick.ch nur so kurze Absätze enthalten, und wenn dies bestätigt werden könnte, müsste die Frage gestellt werden, weshalb dem so ist.

[52] Stand 12. Juli 2016 – theoretisch könnten noch Kommentare (und Empfehlen-Bewertungen) hinzukommen, da die Kommentarfunktion zu diesem Zeitpunkt noch geöffnet ist. Dies gilt für alle Versuchsdaten aus dem Tages-Anzeiger. Das Kommentarforum der Versuchsdaten unter blick.ch hingegen wurde bereits wenige Tage nach Artikelerscheinung geschlossen und dasjenige in der NZZ wurde ebenfalls geschlossen, wenn auch mit einer deutlich grösseren Verzögerung. Allerdings können sich in den geschlossenen Foren noch die Zustimmungs- und Ablehnungsraten (Daumensymbole im Blick, Pfeilsymbole in der NZZ) verändern, da die entsprechenden Symbole nach wie vor aktiv sind.

[53] Wenn sich die Klimatologen in mehr als einen Thread einschalten, teile ich die relevanten Threads anhand ihrer räumlichen Position innerhalb des gesamten Kommentarverlaufs in weiter oben und weiter unterliegende Threads ein. Es wird in der Folge mehrfach von obersten, untersten und mittleren Threads die Rede sein. Eine ursprünglich intendierte Kennzeichnung als neuere und ältere Threads wurde wieder verworfen, da eine solche irreführend wäre: Denn die zeitliche Einteilung würde nur auf die jeweiligen Eröffnungskommentare zutreffen, während die Subkommentare eines vergleichsweise früh eröffneten Threads auch besonders spät entstanden sein können und umgekehrt.

[54] Die Kommentar-Nummern finden ihren Ursprung in den dazugehörigen Tabellen und zeigen an, auf welcher Hierarchieebene ein Kommentar angeordnet ist. Sie sollen das Lesen der Analyse erleichtern, erstens, indem jeweilige Kommentare in der dazugehörigen Tabelle rasch aufgefunden werden können und zweitens, indem durch die Nummerierung die Position eines Kommentars in der Thread-Struktur auch ohne Zuzug der entsprechenden Tabelle ersichtlich ist.

[55] Diese Zahl gibt jeweils an, wie viele Personen den Kommentar empfehlen. Ein negatives Pendant dazu gibt es nicht.

[56] http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/natur/ein-indiz-mehr-fuer-den-klimawandel/story/31213219#mostPopularComment.

[57] Die Backend-Daten zeigen, dass es im Forum sowohl einen *Max Bruppbacher* als auch einen *max bruppbacher* gibt und dass die beiden Namen, die sich nur durch Gross- respektive Kleinschreibung unterscheiden, mit unterschiedlichen Mailadressen verknüpft sind. Ob es sich dabei um zwei verschiedene Personen handelt oder eine Person einfach mit zwei verschiedenen Accounts am Forum teilnimmt, ist damit nicht geklärt.

[58] Die Konsultation des Backends betätigt, dass es sich um die gleiche Person handelt, da die hinterlegten E-Mail-Adressen identisch sind.

[59] http://www.voltairenet.org/article189208.html.

[60] http://www.eike-klima-energie.eu/klima-anzeige/der-stillstand-verlaengert-sich-weiter-gerade-rechtzeitig-fuer-paris/.

[61] http://www.politaia.org/chemtrails/dominik-storr-chemtrails-todestreifen-am-himmel/.

[62] Ein Ablehnen von Kommentaren im Zusammenhang mit einem nicht einwandfrei funktionierenden Programm scheint öfters vorzukommen: In einem anderen Forum wurde ein Kommentar von *Lea Jacot* zurückgehalten, weil sie sich an einen *Roger Spinner* wendet und dies mit einem „@ Spinner“ deutlich macht. Damit soll dieses Programm aber nicht grundsätzlich in Frage gestellt werden. Ich vermute im Gegenteil, dass das Programm auch nützliche Dienste leistet und beispielsweise das Erstellen von Blacklists (siehe die Screenshots der abgelehnten Kommentare) managt.

[63] Wie die Analyse zeigen wird, sind die Eröffnungskommentare teilweise weniger eindeutig respektive weniger ausgeprägt klimaskeptisch. Siehe hierzu auch das Stichwort offene Skepsis im Kapitel 2.2 Klimaskeptiker*innen und deren Argumente.

[64] Allerdings ist mir nicht klar, was *Emil Eugster* damit meint.

[65] Zum Buch von Hansruedi Tscheulin siehe Fussnote 67.

[66] Das *Dani Keller* Plattner hier unter unvollständiger Nennung von dessen Vornamen anspricht, liegt daran, dass Martin Läubli am Artikelende den Klimatologen ebenfalls verkürzend als „Kasper Plattner“ ankündigt.

[67] *Hansruedi Tscheulin* spielt zwar in meinen Versuchsdaten keine sehr grosse Rolle, jedoch befindet sich bereits in der Pilotanalyse ein Kommentar von ihm und, das ist besonders wichtig: Er ist sehr wahrscheinlich der (gleichnamige) Autor des klimaskeptischen Buches „Klimaschwandel“. *Hansruedi Tscheulin* wird im vorliegenden Forum von *Adam Lechreitner* auf dieses Buch angesprochen.

[68] http://www.tagesanzeiger.ch/service/unsere-dienste/wie-sie-bei-uns-online-kommentieren/story/19367311.

[69] http://www.blick.ch/services/agb/.

[70] Diese Diskussionsregeln werden in der vorliegenden Arbeit nur gestreift. Ein Grund dafür ist, dass ich diesen – obwohl ich schon früh danach gesucht hatte, lange nicht begegnet bin. Sowohl beim Tages-Anzeiger als auch beim Blick muss man diesen Regeln zustimmen, wenn man sich registriert (Blick) respektive einen Kommentar abgeben will (Tages-Anzeiger) – doch ist es, wie mein Beispiel zeigt, problemlos möglich, diese Richtlinien jeweils zu übersehen. Entsprechend ist es auch gut möglich, dass viele Kommentierende die jeweiligen Richtlinien nicht oder nur sehr flüchtig zur Kenntnis nehmen. Ich würde diese Richtlinien nicht überbewerten wollen – zumindest sofern diese nicht durch besondere Massnahmen ganz gezielt ans Publikum gebracht werden.

[71] http://www.nzz.ch/willkommen-in-der-kommentarspalte-von-nzzch-1.18307909.

[72] http://www.nzz.ch/schweiz/aktuelle-themen/einbruchkriminalitaet-auf-rekordtiefstand-viel-weniger-einbrueche-in-der-schweiz-1.18716350#kommentare (der Hinweis der Redaktion in Kommentarform wird sichtbar, wenn der einzige vorhandene Kommentar geöffnet wird).

[73] Sind diese Ausführungen von Gian-Kasper Plattner eine andere Erklärung für die ‚Klimapause‘ als Martin Läubli in seinen Artikeln liefert? Dies muss nicht sein, wahrscheinlicher ist wohl, dass die kühlenden Aerosole in den Klimamodellen bereits berücksichtigt sind und die natürlichen Schwankungen, welche gemäss Läubli den Klimawandel in den vergangenen Jahren kaschiert haben, zusätzlich dazu kommen.

[74] Neben *hamu66* in der NZZ bringt *Gaudenz Mischol* im Tages-Anzeiger dieses Argument auf den Tisch. Es wäre interessant, dem nachzugehen und sich zu fragen, weshalb es dazu kommt, dass öfters behauptet wird, die Satellitendaten würden einer beobachtbaren Erderwärmung widersprechen. Ich habe Gian-Kasper Plattner gefragt, ob er eine Erklärung dafür habe. Plattner verweist mich auf einen ETH-Blog-Eintrag von Reto Knutti (https://www.ethz.ch/de/news-und-veranstaltungen/eth-news/news/2015/06/wie-messen-wir-die-erderwaermung.html), welcher das Problem erläutere. So schreibt Knutti: „Satelliten schliesslich messen nicht Temperatur, sondern Strahlung in bestimmten Wellenlängen, und es gibt sie erst seit 1979. Auch sie haben ihre Tücken: Satelliten gelangen wegen der Reibung über die Jahre in eine tiefere Umlaufbahn – eine ungenügende Korrektur dieses Effektes hat lange für überschätzte Trends in der oberen Troposphäre geführt.“ Dies sei lange Zeit ein beliebtes Argument von Skeptiker*innen gewesen, meint Plattner. Die Diskrepanz zwischen den an der Oberflache und in der Höhe gemessen Temperaturtrends habe bei den Wissenschatler*innen für Kopfzerbrechen gesorgt – letztlich sei es das obengenannte Problem gewesen.

[75] https://www.corbettreport.com/, oder in ungültiger Form, wie im Kommentar genannt: https://www.corbettreport.com/.

[76] https://www.corbettreport.com/climatologist-breaks-the-silence-on-global-warming-groupthink/.

[77] An dieser Stelle finden sich die Positivbewertungen.

[78] Bei Subkommentaren wird im Forum der NZZ stets das Symbol ↷ verwendet, um zu verdeutlichen, auf welchen Kommentar sich der Subkommentar bezieht. Dies ist durchaus sinnvoll, da die Hierarchiestruktur spätestens ab Stufe 5 nicht mehr funktioniert, das heisst. Kommentare nur bis Stufe 4 hierarchisch geordnet werden und bei höheren Hierarchiestufen nur diese direkten Namensverweise die strukturelle Einordnung sichern. Unter tagesanzeiger.ch, wo dieses Mittel der Namensverweise fehlt und gleichzeitig nur drei Hierarchiestufen bestehen, machen Kommentierende die Bezüge oft durch direkte Anrede („Ja, Frau Stünzi…“) deutlich.

[79] Folien „Geschichte des Ökologie- und Umweltdiskurses. Einführung in die Allgemeine Ökologie“ von Ueli Häfeli: http://www.docs-engine.com/pdf/1/einf%C3%BChrung-%C3%B6kologie.html.