Onlinekorrektur: DUDEN Mentor Textprüfung und weitere Korrekturtools im Vergleich

Wie nützlich sind eigentlich Tools für die Onlinekorrektur wie die DUDEN Mentor Textprüfung?

Dass man von diesen Onlinekorrektur-Tools nicht allzu viel erwarten darf, war mir als Texterin und Lektorin von vornherein klar. Über das grosse Scheitern sämtlicher Tools selbst bei simplen Korrektoratsaufgaben war ich dennoch überrascht.

Zum Vorgehen: Für diesen Beitrag habe ich einen Text aus einem Forum – es geht darin ums Thema vegan kochen – ausgewählt und durch verschiedene Korrekturtools gejagt. Bei der Textauswahl war es mir wichtig, einen ‘realen’ Text zu verwenden. Er sollte weder zu kurz und noch zu lang sein, im Deutschschweizer Sprachraum verortet werden können und weder von einem Kind noch von jemandem mit Migrationshintergrund verfasst worden sein. Kurz: Es sollte ein ganz realer, durchschnittlicher Text sein.

Dieser Forenbeitrag hat meine Kriterien schliesslich besonders gut erfüllt:

[1. Absatz] Ich *muss/will* für einen Monat für meine Tochter vegan kochen. Sie macht für ihre Abschlussarbeit einen *Selbstversuch* für einen Monat und will vegan kochen/essen. Dann verarbeitet sie dass zu einer Arbeit/Vortrag.

[2. Absatz] Die ersten Tage hat sie dann praktisch nix gegessen weil sie nicht wusste was geht jetzt und was nicht. Jetzt bin ich mit ihr Einkaufen gegangen aber das ganzen *Ersatz* Essen ist ja auch nicht die Lösung.

[3. Absatz] Ich möchte ihr helfen und für sie wenigstens die 3 mal die sie in der Woche daheim isst, dass ich für alle dann vegan koche, die anderen Tage muss sie selber dafür sorgen.

[4. Absatz] Mir fehlen jetzt einfach noch ein paar Ideen. Pizza und Nudeln mit Tomatensauce ist bereits auf dem Menuplan und Pad Thai mit Tofu auch. Indisches Kichererbsencurry hab ich mir auch schon aufgeschrieben. Sahne kann ich mit Sojacreme ersetzen und im Coop gibt es einen Parmesanersatz: veganer Schmelzkäse.

[5. Absatz] Was könnte ich sonst noch machen?

Quelle: https://forum.wireltern.ch

Onlinekorrektur mit der DUDEN Mentor Textprüfung

Die DUDEN Mentor Textprüfung befindet sich derzeit im Aufbau.

Die technisch-visuelle Ausgestaltung des Duden-Mentors ist ganz hübsch: Die Visualisierung ist attraktiv und die Möglichkeiten, vorgeschlagene Korrekturen anzunehmen respektive abzulehnen sind ansprechend umgesetzt.

Das Tool korrigiert Texte mit einer Länge von maximal 1500 Zeichen (der hier benütze Foren-Beitrag zum Thema vegan kochen ist bereits über 900 Zeichen lang). Bei den zahlreichen Textsorten, die mit 1500 Zeichen nicht auskommen, ist das ein Nachteil.

Beta-Version hin oder her: Bei den zahlreichen Problemen, die bei meinem Text auftauchen, stellt sich die Frage, wieviel Verbesserung noch erwartet werden darf.

Onlinekorrektur mit der DUDEN Mentor Textprüfung
Onlinekorrektur mit der DUDEN Mentor Textprüfung

Dies sind meine Resultate:

  • Die DUDEN Mentor Textprüfung erkennt teilweise die eigenwillige und orthografisch unsinnige Verwendung der Sternchen (*): so bei den Wörtern *muss/will* und *Selbstversuch*. Interessanterweise klappt das jedoch weiter unten bei *Ersatz* nicht.
  • Mich erstaunt, dass der Duden-Mentor das «nix» nicht korrigieren kann.
  • Weite Teile des zweiten Absatzes werden als fehlerhaft angezeigt, die DUDEN Mentor Textprüfung macht aber keinen konkreten Korrekturvorschlag.
  • Der dritte Absatz enthält den wohl wildesten und fehlerhaftesten Satzbau. Die Rechtschreibprüfung zeigt hier jedoch überhaupt keine Fehler an.
  • Duden schlägt die für den schweizerdeutschen Sprachraum unsinnige Korrektur von «Tomatensauce» auf «Tomatensoße» vor. Höchst fragwürdig an dieser Stelle: Der Synonymvorschlag «Ketchup». Mit der Korrektur von «Coop» zu «Cool» zaubert einem das Korrekturtool schliesslich ein Lächeln ins Gesicht. (Klammerbemerkung: Eine Möglichkeit, die DUDEN Mentor Textprüfung auf Deutsch (Schweiz) einzustellen habe ich nicht gefunden.)
  • Das Wort «Menuplan» wird als fehlerhaft eingestuft, ein Korrekturvorschlag wird jedoch nicht gemacht: Das Brisante daran: Duden selbst kennt das Wort «Menu» (und verortet es als «schweizerisch, sonst veraltet»).
  • Füllwörter: Die Textprüfung schlägt an mehreren Stellen die Streichung von Füllwörtern vor. Klar, Füllwörter sind gerade in gehobenen Texten tunlichst zu vermeiden. Aus linguistischer Perspektive sind sie allerdings interessant: Sie ermöglichen Nuancierungen, die je nach Kontext von zentraler Bedeutung sind. In einem Foren-Beitrag sind sie stilistisch zudem recht unbedenklich. Drum: Sie pauschal zur Löschung vorzuschlagen ist nicht unproblematisch.
  • «selber» wird nicht korrigiert (Word hingegen hatte eine stilistische Korrektur zu «selbst» vorgeschlagen).

Fazit zur DUDEN Mentor Textprüfung

  • Es werden diverse ‘Verschlimmbesserungen’ vorgeschlagen. In anderen Fällen erkennt das Tool zwar, dass Fehler vorhanden sind, weiss diese jedoch nicht zu korrigieren. Besonders fatal: Die Abwesenheit von irgendwelchen Fehlermarkierungen ist kein Garant für Fehlerfreiheit. Auch wichtig zu wissen: Das grosse DUDEN-Wissen ist nur teilweise integriert (Beispiel «Menuplan»).
  • Fairerweise sei nochmals darauf hingewiesen, dass es sich bei der DUDEN Mentor Textprüfung derzeit (November 2018) um eine Betaversion handelt. DUDEN schreibt deshalb in der Willkommensmail nach der Registrierung: «Bitte nicht vergessen: Sie nutzen eine BETA-Version, an der intensiv gearbeitet wird. Es kann also vorkommen, dass es noch nicht überall rundläuft.»

Korrektur mit Word

Word ist zwar kein Onlinekorrektur-Tool. Dennoch schaue ich mir dieses ebefalls an, denn Word ist fraglos eine sehr verbreitet Korrekturhilfe.

Word will im Text sechs (zweifach blau unterstrichene) Grammatik-Fehler, zwei (durch rote Wellenlinie gekennzeichnete) Rechtschreib-Fehler und einen (grün unterpunkteten) Stilfehler erkennen:

  • Im ersten Absatz schlägt Word die falsche Einfügung eines Kommas vor. Diese wird offensichtlich durch das fälschlicherweise mit zwei «s» geschriebene «dass» statt «das» ausgelöst. Allerdings macht Word diesen Fehlvorschlag gleich darauf wieder Wett, wenn es bei «dass» einen «möglichen Wortauswahlfehler erkennt».
  • Im zweiten Absatz schlägt Word korrekterweise vor, nach «gegessen» respektive vor «weil» ein Komma zu setzen. Wegen falscher Grossschreibung des Wortes «Einkaufen» schlägt Word anschliessend eine falsche Kasusanpassung vor.
  • Der Korrekturvorschlag im dritten Absatz («3-mal» statt «3 mal») ist korrekt. Auch der Vorschlag aus dem «selber» ein «selbst» zu machen, ist akzeptabel.
  • Im vierten Absatz findet sich eine überflüssige Korrektur: In der Schweiz ist das Wort «Menu» gemäss Duden korrekt, entsprechend auch der «Menuplan», aus welchem Word einen «Menüplan» machen will. Anschliessend folgt der Vorschlag, aus dem «Kirchererbsencurry» ein «Kichererbsen Curry» zu machen: Dieser Korrekturvorschlag ist falsch. Der dritte Korrekturvorschlag in diesem Absatz («habe» statt «hab») hingegen ist korrekt.
Korrektur mit Word
Korrektur mit Word

Fazit zur Korrektur mit Word

Auch Word schlägt mehrere Fehlkorrekturen vor und erkennt gleichzeitig zahlreiche Fehler nicht. Das hätte ich in dieser Klarheit nicht erwartet. Denn Word hilft mir in der Alltagspraxis durchaus, insbesondere Tipp- und Kasusfehler zu erkennen.

Onlinekorrektur mit Korrekturen.de

Das Portal korrekturen.de bietet ebenfalls ein Onlinekorrektur-Tool. Im Gegensatz zur DUDEN Mentor Textprüfung kann man damit auch deutlich längere Texte korrigieren.

Und wie schneidet dieses Tool zur Onlinekorrektur ab?

  • Wie bei Word gibt es im ersten Satz einen irreleitenden Kommasetzungsvorschlag, ausgelöst durch ein «dass» (im Sinne von «das»).
  • Verschlimmbesserung Nummer zwei: Im Satz, welcher mit den Worten «Die ersten Tage hat sie dann» beginnt, wird vorgeschlagen, vor «dann» ein Komma einzufügen.
  • «nix»: Im Gegensatz zur Word-Korrektur und der DUDEN Mentor Rechtschreibprüfung erkennt korrekturen.de hier einen Fehler. Dass «nix» für «nichts» steht, weiss das Tool jedoch nicht. Stattdessen schlägt es eine Korrektur nach «nie», «Unix», «fix», «Dix» oder «Mix» vor. Damit hätten wir hier die Verschlimmbesserung Nummer drei.
  • Komma vor «weil»: Erst der vierte Verbesserungsvorschlag würde den Text besser (und nicht schlechter) machen.
  • Auch Korrekturvorschlag Nummer 5 ist zielführend: Komma vor «aber».
  • Nummer 6: Kommavorschlag vor dem zweiten «die» im Satzausschnitt «die 3 mal[,] die sie in der Woche daheim isst» ist korrekt.
  • Nummer 7: Menuplan wird als fehlerhaft eingestuft. Das Tool schlägt verschiedene alternative Wörter vor, darunter auch «Menüplan». Gerade in der Schweiz ist jedoch, wie bereits weiter oben erwähnt, «Menu» zugelassen. Diese überflüssige Fehlerkorrektur wird angezeigt, obwohl ich für meinen Test die Sprache Deutsch (Schweiz) gewählt habe.
  • Nummer 8 ist gleichzeitig die Verschlimmbesserung Nummer vier: Für das korrekt geschriebene «Pad» resp. «Pad Thai» gibt es verschiedene falsche Korrekturvorschläge.
  • Nummer 9 wird Verschlimmbesserung Nummer 5: Das korrekt geschriebene «Kichererbsencurry» soll inkorrekterweise getrennt werden (ohne Bindestrich). Eine Trennung mit Bindestrich hingegen wäre zulässig.
  • Nummer 10 wird Verschlimmbesserung Nummer 6: Die vorgeschlagene Trennung von «Parmesanersatz» ist falsch.

Fazit zu korrekturen.de

In Bezug auf die Kommasetzung schneidet das Tool recht gut ab. Insgesamt sind 6 von 10 Korrekturvorschlägen jedoch falsch und einer unnötig. Und auch hier: Zahlreiche Fehler werden erst gar nicht erkannt.

Onlinekorrektur mit Google

Und was, wenn man Google fragt? Dass Google keine ganzen Sätze korrigieren kann, dürfte auf der Hand liegen, aber was ist mit einzelnen Wörtern?

  • Für «Kichererbsencurry» empfiehlt Google (wie auch andere Korrekturtools im Test) mit dem freundlichen Vorschlag «Meintest du: kichererbsen curry» eine Verschlimmbesserung. Gleiches gilt für den «Parmesanersatz».
  • Für das umgangssprachliche «nix» hat Google keinen Meintest-du-Vorschlag.

Fazit über alle Korrekturtools

Die verschiedenen Tools haben unterschiedliche Schwächen (und Stärken). Gemeinsam ist ihnen: Sie irren sich oft. Das heisst nun nicht, dass man diese Tools nicht benützen sollte. Aber: Es ist grösste Vorsicht geboten, auf gar keinen Fall sollte man den Korrekturtools blind vertrauen. Meiner Meinung nach sind die Korrekturhilfen gut geeignet, Fehler zu finden, die man infolge von ‚Textblindheit‘ übersieht. Sie ersetzen jedoch kaum fehlendes Sprachgefühl und Grammatikwissen. Entsprechend helfen sie denjenigen, die im Deutschen ohnehin sattelfest sind. Weit weniger nützlich dürften die Tools für Menschen sein, für die Deutsch eine Zweit- respektive Fremdsprache ist. Und: Sie helfen maximal bei Korrektoratsaufgaben. Im Bereich Lektorat sind sie nicht geeignet. (Zur Unterscheidung der beiden Korrekturkategorien empfehle ich Ihnen meinen Beitrag zum Thema Lektorat versus Korrektorat.)