KI im Lektorat: ja, aber ...

Wie ich als Lektorin KI nutze

Künstliche Intelligenz verändert die Texte, die zu mir ins Lektorat oder Korrektorat kommen. Nicht ganz alle meine Kund:innen nutzen KI; aber unterdessen sind jene, die KI im Schreibprozess überhaupt nicht nutzen, zur Minderheit geworden.

Auch aus diesem Grund ist es mir wichtig, die Möglichkeiten und Grenzen von KI beim Schreiben und Lektorieren zu kennen. Zu diesem Zweck besuche ich regelmässig Weiterbildungen rund um KI im Lektorat beim VFLL. Und ich nutze KI zunehmend in meiner Arbeit: etwa indem ich Grafiken, die ich auf der Website nutze, erstelle oder meinen Preisrechner programmiere.

Für die Arbeit an den Texten, die zu mir ins Lektorat kommen, nutze ich KI-Tools bis heute sehr zurückhaltend.

Meine Grundsätze

  • Ich lese und korrigiere jeden Text in einem ersten Durchlauf händisch, also ohne auf Tools zu setzen, bei welchen KI eine Rolle spielt.
  • Ich speise keine Kundentexte ohne ausdrückliche Genehmigung in KI-Tools, auch keine einzelnen Sätze. Einzige Ausnahme bildet das Duden-Mentor-Word-Add-in, das zwar kein eigentliches KI-Tool ist, aber im Bereich der Kommasetzung und Gross- und Kleinschreibung auch auf KI setzt. Dabei vertraue ich der dazugehörigen Datenschutzerklärung, in der es heisst: «Die für die Textprüfung an unseren Prüfservice übermittelten Texte werden ausschließlich für diesen Zweck verwendet und nach erfolgter Prüfung sofort gelöscht.» Das Add-in kommt bei mir jeweils nachgelagert zum Einsatz, ermöglicht einen ergänzenden Blick auf einen Text und das Auffinden einiger zusätzlicher Fehler. Gleichzeitig kann ich so etwas mehr «Hirnkapazität» für inhaltliche Aspekte freihalten. Die Korrekturvorschläge übernehme ich nicht automatisch, sondern ich prüfe sie einzeln – im Bewusstsein dafür, dass wir die Tendenz haben, KI zu viel Vertrauen zu schenken. (In meiner täglichen Praxis ist eine Mehrheit der Korrekturvorschläge ziemlich unnütz.)
  • Ich bilde mich regelmässig weiter zu KI im Lektorat.
  • In enger Absprache mit Kund:innen nutze ich auch spezifische KI-basierte Korrektoratstools, insbesondere Textshine. Dies ermöglicht es mir, in besonderen Fällen grössere Textmengen besonders zeiteffizient oder annähernd fehlerfrei zu korrigieren. Oberster Grundsatz dabei: Die Korrekturvorschläge der Tools werden nie ungeprüft übernommen. Die finale Entscheidung über eine spezifische Korrektur liegt immer bei mir als Mensch und nicht bei der Maschine.

Wie ich KI im Lektorat trotz allem nutze

Das heisst allerdings nicht, dass KI-Tools wie ChatGPT oder Claude überhaupt keine Rolle spielen in meiner Arbeit an Texten. Hier ein paar Anwendungsfälle, wie ich KI nutze und dabei datenschutz- und urheberrechtskonform bleibe:

  • Ich nutze KI-Tools als effiziente Recherchiermaschinen – wenn ich über ein Thema schlecht Bescheid weiss und es nur darum geht, mir ein erstes grobes Bild zu verschaffen. (Bekanntlich ist längst nicht alles, was KI behauptet, auch tatsächlich korrekt.)
  • Ich nutze KI-Tools für kreative Aufgaben, etwa die Suche nach Synonymen.
  • Ich nutze KI, um Anglizismen korrekt in Wortarten zu zerlegen und sie im Anschluss möglichst regelkonform schreiben zu können. (Wichtig: Eine direkte Abfrage der Schreibweise von Anglizismen führt zu unzulänglichen Resultaten.)
  • Ich nutze KI-Tools, um – mitunter auftragsspezifische – Lektoratsmakros zu programmieren.